Mittwoch, 29. Januar 2014

Wegbeißen, wegberaten, wegprozessieren - und weitere Zaubertricks der Vaterentsorgung


„Das Magazin „PAPA-YA“ fordert vom Bundesfamilienministerium eine Überprüfung der Arbeit des Verbandes allein erziehender Mütter und Väter (VAMV). Der VAMV untergrabe systematisch das neue Sorgerechtsgesetz (…).“
So begann im Mai des vergangenen Jahres eine Pressemeldung über einen Artikel des Magazins Papa-Ya, der schwere Vorwürfe gegen den Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter, VAMV, erhob:
„Aufrufe zu Falschaussagen hinsichtlich des Kindeswohls und 'Anleitungen' für eine dauerhafte, wörtlich als 'Entsorgung' bezeichnete, Trennung des Kindes vom Vater“
seien von Vertreterinnen des Verbands auf öffentlichen Veranstaltungen verbreitet worden.
Ob dieses Kind sich tatsächlich wohlfühlt, lässt sich nicht genau entscheiden. Die Frage sollte auch nicht per Schnellverfahren beantwortet werden, und schon gar nicht ohne Einbindung des Jugendamts oder des VAMV, oder gar ohne Einbindung von Familienanwälten. ( Quelle )
Insbesondere der Münchner Familienanwältin Strasser, die seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen des VAMV abhält,  und einer Münchner Beratungsstelle, Kiebitz e.V., unterstellt der Artikel (der hier im Gelben Forum als pdf-Datei zu finden ist) zudem eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, Vätern auf Wunsch der Mütter die Möglichkeit des Umgangs zu nehmen und entsprechende Gutachten bereitzustellen.

Nun hat die Anwältin den Chefredakteur von Papa-Ya, Jörg Mathieu, verklagt – was diesen nicht überrascht.
„Das die im Artikel namentlich genannte Person sich juristisch dagegen wehren würde, war abzusehen. Wir sehen der öffentlichen Verhandlung am 03.02. in München aber gelassen entgegen,“
erklärt er im Interview.

Inwieweit die Vorwürfe sich bestätigen, wird sich in der Verhandlung ja erweisen – wenn sie denn fair abläuft. Von außen lässt sich allerdings feststellen, dass die Gerichtsverhandlung Probleme austrägt, die eigentlich längst politisch hätten geklärt werden müssen.

Samstag, 25. Januar 2014

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen

Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist. Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben wird, und festgestellt, dass das Ministerium auch nicht mehr weiß als ich. Doch dazu später.
 
Ich hätte mein Vorhaben also aufgegeben, wenn mich nicht einige Artikel, die in Zeitungen und Blogs zum einjährigen Aufschrei-Jubiläum erschienen sind, wieder daran erinnert hätten.

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Lena Jakat beispielsweise über Frauen, die ihre „Erfahrungen über Alltagssexismus“ bei Twitter skizziert hätten:
„Sie sind sehr leise geworden, zum Schweigen gebracht von einer digitalen Front aus Aggression, die sich in den vergangenen Monaten bei Twitter aufgebaut hat. Dort schwappt dem Hashtag inzwischen so viel Hass entgegen, dass sich kaum noch jemand traut, ihn ernsthaft zu tippen. Dabei sollte das Schlagwort einst ebendiesen Hass bekämpfen.“
Jakat ist im vergangenen Jahr vermutlich ganz einfach nicht dazu gekommen, sich mit dem Thema, über das sie schreibt, näher zu beschäftigen. Sonst wäre ihr sicher aufgefallen, dass die „Erfahrungen über Alltagssexismus“ nur einen kleinen Teil der Aufschrei-Beiträge ausmachten, und dass es kein „Hass“ ist, wenn Männer sich darüber beschweren, dass ihre Erfahrungen mit anti-männlichem Sexismus in der Aufschrei-Kampagne geschlossen abgewehrt wurden. 
Ein Mann beteiligt sich am "Aufschrei"
Immerhin befindet sich Jakat damit in guter universitärer Gesellschaft – gerade hat schließlich auch die Osnabrücker Professorin Julia Becker in der Zeit deutlich gemacht, dass eine Aussage wie
„Wenn ständig über Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, wird dabei die Diskriminierung von Männern vernachlässigt“
ausgesprochen sexistisch sei.

Zuvor hatte Hannah Beitzer ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung freundlich eingeräumt: „Es gab Männer, die sich selbst im Alltag benachteiligt fühlten.“ Dass damit aber neben den unzähligen Frauen mit ihren realen Diskriminierungserfahrungen Männer mitmischen und sich auch einmal ein wenig diskriminiert füllen wollten, kann Beitzer natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Sie ist sich sicher, dass sich
„hier vor einem Jahr etwas entlud, das sich schon eine ganze Weile angebahnt hatte - nämlich die Unzufriedenheit darüber, dass Männer und Frauen in Deutschland noch immer nicht wirklich gleichberechtigt sind. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, immer noch ist ein Großteil der Führungspositionen in der Wirtschaft von Männern besetzt, während Frauen sich häufiger und intensiver als ihre Partner um Haushalt und Kindererziehung kümmern.“
Diskriminiert sein, bitteschön, ist Frauensache.

Freitag, 17. Januar 2014

Schulen, Sex und Bildungspläne

Manchmal gibt es bekanntlich Auseinandersetzungen, bei denen es für unbedarfte Betrachter schwer zu entscheiden ist, welche Seite ihnen stärker auf die Nerven geht. Für mich ist der Streit um die Online-Petition, die sich gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg richtet, eine solche Situation. Auch lesenswerte Diskussionen und Beiträge dazu in Blogs, etwa bei Alles Evolution, beim Stadtfuchs, bei Mein Senf oder im Pelz-Blog, beziehen ganz unterschiedliche Positionen, sind aber nach meinem Eindruck jeweils beiden gegnerischen Parteien gegenüber skeptisch.
Weht diese Fahne bald über dem ganzen Ländle? Oder setzen sich die Feinde des Regenbogens durch? Und vor allem: Kann es sein, dass beide Seiten ein wenig übertreiben? (Quelle)
Auf der einen Seite eine Petition mit mittlerweile etwa 154.000 Unterzeichnern, die sich kaum die Mühe macht, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zielen der Landesregierung zu unterscheiden und die ihr rundweg unterstellt, eine
„pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“
anzustreben. 
 
Dass es richtig sei, die Diskriminierung von Homo-, Bi- und Transsexuellen im Unterricht zu thematisieren, erwähnt der Autor in einer einzigen Passage, die er dann nirgends weiter vertieft. Welche Diskriminierung? Was hat die Schule damit zu tun? Was erleben beispielsweise Jungen an durchschnittlichen deutschen Schulen, wenn sie früher oder später merken, dass sie sich sexuell für ihre Mitschüler stärker interessieren als für ihre Mitschülerinnen? Oder Mädchen, die merken, dass sie lesbisch sind?

Solche Fragen sind dem Petenten, dem Realschullehrer Gabriel Stängle, nicht sonderlich wichtig. Stattdessen ärgert er sich gleich mehrmals über die wolkige – und im Original übrigens in eine Frage, nicht in eine Tatsachenaussage verpackte – Formulierung des Lesben- und Schwulenverbands, dass womöglich die „Schule ein homophober Ort“ sei.

Noch seltsamer ist jedoch die Reaktion auf die Petition.

Sonntag, 12. Januar 2014

Monströse Männer, reine Frauen - und andere Sonderbarkeiten moderner Familien

Als sich einmal in einem Bielefelder Kindergarten, so der Zeit-Artikel Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht,
„ein Mann beworben hatte, berief die Kitaleitung erst einmal einen Sonder-Elternabend ein. In hitzigen Debatten sprachen sich einige der vermeintlich fortschrittlichen Eltern gegen den Kandidaten aus. Dann machte einer der Väter einen Kompromissvorschlag: Er sei einverstanden, vorausgesetzt, seine Tochter werde nicht von dem Erzieher gewickelt.“
Für die Autorinnen Elisabeth Raether und Tanja Stelzer (deren Artikel ich hier schon besprochen hatte) ist die ablehnende, ressentimentgeladene Reaktion der Eltern angesichts ihres wohl „fortschrittlichen“ Milieus offenbar überraschend. Das lässt sich auch anders sehen: Gerade in einem vordergründig fortschrittlichen, tendenziell links-alternativen Milieu sind Geschlechterklischees wie der Glaube, dass ein Kind unbedingt zu Mutter gehöre und der Vater ihm im Zweifelsfall schädlich sei, in den vergangenen Jahrzehnten besonders liebevoll gepflegt worden.
Würden Sie diesem Mann Ihr Kind anvertrauen?
Wie also sind Kindergärten und andere Orte der Kindererziehung zu solch androphoben Orten geworden? 

Ein mögliches Beispiel dafür, welche Quellen das absonderliche Verhalten der fortschrittlichen Bielefelder Eltern haben kann, lässt sich mit ein wenig Gegenwartsarchäologie finden – in den Schriften der Münchner Wissenschaftlerin Anita Heiliger, die 1991 eine folgenreiche Dissertation veröffentlicht hat, bis 2006 am Deutschen Jugendinstitut in München arbeitete und die bis heute als Vortragende auf Veranstaltungen autonomer Frauenhäuser unterwegs ist. Es lohnt sich, einen Blick in ihre Schriften zu werfen – auch wenn er erschreckend ist.

Montag, 6. Januar 2014

Wie Alice Schwarzer einmal "man tau" zum Geburtstag überraschte

Bevor der Tag zu Ende geht, muss ich einmal einen kleinen Feier-Text einschieben. Heute wird man tau nämlich genau ein Jahr alt. 2450 Kommentare für 127 Posts, im Durchschnitt mehr als 523 Seitenaufrufe am Tag – was sehr schön ist, zumal das Blog am Anfang manchmal pro Tag etwa 5-10 Aufrufe hatte und sich also ein wenig steigern konnte. Die Gewohnheit, ab und zu mal Gedichte zu veröffentlichen, habe ich mit der Zeit vernachlässigt, dafür beschäftigen sich die Texte konzentrierter als zu Beginn mit Geschlechterthemen.
Die Redewendung „man tau“ kommt natürlich, wie ich, aus Norddeutschland, aus der Seglersprache – alle Mann an die Taue, es geht los. Natürlich steckt eine große symbolische Bedeutung darin, an die ich übrigens überhaupt nicht gedacht hatte. Ich fand es schön, dass sich die Redewendung sowohl norddeutsch als auch asiatisch anhörte – „man tau“ hat dort allerdings nichts mit tieferer buddhistischer Weisheit zu tun, sondern bezeichnet, soweit ich das gelesen habe, eine Art gedünsteter Brötchen.
 
Ich dachte, es wäre schön zu sehen, was heute am Bloggeburtstag eigentlich sonst noch so passierte.

Sonntag, 5. Januar 2014

Von müden Helden und unwichtigen Toten - Eine Zeit-Kritik

„Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist.“
Anstatt einfache Zuschreibungen zu liefern, welches Geschlecht mächtig und welches hilfebedürftig – oder: der Hilfe wert – sei, plädiert der Text, aus dem das Zitat entnommen wurde, um ein differenzierteres Bild: „Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht“ von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer, in dieser Woche in der Wochenzeitung Die Zeit erschienen und schon bald darauf vielfach kommentiert (der Artikel ist hier mittlerweile online)..

Raether und Stelzer listen geschlechtsspezifische Nachteile von Männern in Reihe auf, etwa die deutlich kürzere Lebenserwartung, die extrem viel höhere Selbstmordrate, den extrem viel höheren Anteil an Obdachlosen, die deutlich höhere Drogenabhängigkeit, die deutlich geringeren Schulerfolge von Jungen, deren vielfach höhere Rate an psychischen Störungen, den extrem viel höheren Anteil an Inhaftierten und den höheren an Gewaltopfern, die Probleme von Vätern, die an der Sorge für ihre Kinder gehindert werden, die höhere Wahrscheinlichkeit, als Kind Opfer von Misshandlungen zu werden, die hilflosere Position bei Ehescheidungen – und die deutlich größere Ignoranz gegenüber ihren Nöten, verbunden mit konstant hohen Leistungs- und Erfolgserwartungen.
 
Eigentlich müssten Männerrechtler zufrieden sein, dass Die Zeit so ausführlich, und im Rahmen ihres wöchentlichen Dossiers über die oft prekäre Situation von Männern berichtet. Trotzdem ärgerten sich Kommentatoren im Forum Männerrechte von MANNdat über den „wässrigen Artikel“, wollten das „Käseblatt ignorieren, im Netz und am Kiosk“  oder beklagten weiterhin das „Schweigen der Medien“, wenn es um die Verletzungen der Rechte von Männern und Jungen geht.

Der Vaterberater hingegen mutmaßt, dass es Die Zeit mit dem Thema nicht allzu ernst meint:
„Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist verräterisch. Wenn es ein Winterloch gibt, dann befinden wir uns im Moment genau darin.“ 
Dass die Kritik gute Gründe hat, zeigt sich schon an Sätzen des Artikels, die auf die oben zitierte Passage unmittelbar folgen.
„Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist. Denn natürlich gibt es sexuelle Gewalt gegen Frauen, natürlich gibt es den Gender Pay Gap, die Geschlechterdifferenz beim Verdienst von Männern und Frauen.“
Dass es sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, macht nun die aufgelisteten Nachteile von Männern natürlich nicht besser, auch nicht die sexuelle Gewalt gegen Männer und Jungen. Die Haltlosigkeit des „Gender Pay Gap“-Geredes wurde wiederum schon häufig herausgestellt, zum Beispiel auch bei Kritische Wissenschaft oder Alles Evolution.

Die Widersprüche der zitierten Stelle prägen den gesamten Text.