Möglicherweise klingt es übertrieben, über Männerhass zu schreiben – anstatt über Wut, über Ressentiments, über Vorurteile, also über irgend etwas weniger Dramatisches und Plakatives.
Es ist nicht übertrieben. Und natürlich wollte ich diesen Text auch mit vielen Belegen dafür versehen. Ich habe dann aber so viele gefunden, dass sie den Umfang gesprengt hätten und ich eine Auswahl in eine
kleine Materialsammlung ausgelagert habe, die ich gleichzeitig veröffentliche.
Natürlich geht es dabei nicht um die Behauptung, dass alle Frauen Männer hassen würden – die wäre ebenso ressentimentgeladen wie die Unterstellung, alle Männer würden Frauen hassen. Und natürlich gibt es auch einen Männerhass von Männern selbst, beispielsweise den Hass auf Homosexuelle. Dass er hier nicht das Thema ist, leugnet ihn nicht.
Ich unterstelle auch nicht, dass alle Feministinnen Männer hassen würden. Allerdings geht es mir darum, dass der Hass offenkundig ein integraler Bestandteil des Feminismus war und ist. Wenn Emma Watson sich in der
im ersten Teil zitierten Rede gegen diese Feststellung verwahrt und sich dabei auf eine realitätsferne Lexikondefinition zurückzieht, ist das zu wenig.
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| Wer dann auch noch flennt, soll sich nicht darüber wundern, dass er für die Badewasserproduktion verwendet wird. |
Nach Watson ist es höchste Zeit, dass Menschen aufhören, Feminismus mit Männerhass zu assoziieren. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist höchste Zeit, dass seine Vertreterinnen
und Vertreter sich ehrlich damit auseinandersetzen, wie bedeutend der Hass in all seiner Destruktivtät und Niedrigkeit für den Feminismus war und ist.
Sollte ein humaner Feminismus möglich sein, dann nur auf diesem Weg. Billiger ist er nicht zu haben.
„Hass ist nur da mies, wo er grundlos oder fehlgeleitet ist. (…) Wer den Hass abschaffen will, muss die Gründe zum Hass abschaffen! Wer etwas gegen Männerhass hat, muss gegen die Frauenunterdrückung kämpfen!“
Wer wie Alice Schwarzer
hier den miesen und grundlosen Hass vom guten Hass mit guten Gründen unterscheidet, steht dabei vor einem ernstzunehmenden Problem: Wer hasst, hat ohnehin immer das Gefühl, dass der eigene Hass begründet sei. Schließlich gehört es zum Hass, sich dessen Objekt in einer Weise vorzustellen, die ihn legitimiert – als gewalttätig, als schmutzig, verdorben, unmoralisch, als herrschsüchtig, als gefährlich, und natürlich selbst als hasserfüllt.
Gerade die Unterstellung, dass die Objekte des Hasses Herrscher – Weltherrscher, Weltverschwörer, Hegemone – wären, erfüllt dabei eine zentrale Funktion. Wer herrscht, braucht schließlich kein Mitgefühl und keine Rechte, weil er sich ja ohnehin beschaffen kann, was er will. Die Vorstellung des
Feindes als
Herrscher schließt die eigenen Reihen zum angeblich so dringenden Widerstand zusammen – sie eliminiert Selbstkritik, die ja doch dem Feind in die Hände spielen würde – und sie enthebt die Mitglieder der eigenen Gruppe moralischer Skrupel.
Es gehört daher zum politischen und sozialen Hass traditionell dazu, sich den
Feind als Herrscher vorzustellen. Antisemiten fantasieren eine „jüdische Weltverschwörung“, weiße Rassisten eine Zerstörung der „weißen Rasse“ durch die Schwarzen, Fremdenfeinde sind fixiert auf die Idee der Überfremdung des eigenen Landes, Nationalisten und Kriegstreiber sind davon überzeugt, dass die
feindliche Nation die eigene zumindest unterjochen, wahrscheinlich aber zerstören will.
Hass lässt sich also eben nicht durch die Idee legitimieren, dass die Objekte dieses Hasses Herrscher und Unterdrücker wären: Diese Vorstellung ist nämlich selbst traditionell ein wesentliches Element des politischen Hasses.