Freitag, 31. Juli 2015

Hello Goodbye: man tau zieht um

Ich habe es schon einmal angekündigt: Ich ziehe um, von Blogspot zu Wordpress. Natürlich ist dort noch einiges zu tun, aber es ist soweit eingerichtet, dass ich dort weiter machen kann. Wie es bei einem Umzug eben normal ist.

Das Blog hier wird nicht gelöscht, aber gleichsam ein Archiv sein - die Möglichkeit zu kommentieren habe ich hier ausgeschaltet, weil parallele Diskussionen zu denselben Themen wohl nicht sehr sinnvoll wären. Häufige Verlinkungen werde ich nach und nach übertragen - ich muss ab und zu noch etwas an den Artikeln nacharbeiten, weil Wordpress öfter mal Schwierigkeiten mit den Blogspot-Formatierungen hatte. Ich wollte auch, dass dieses Blog hier erreichbar bleibt - und das wäre es natürlich nicht gewesen, wenn ich gleich alle Links weitergeleitet hätte.

Ich selbst habe mich bei Blogspot eigentlich ganz wohl gefühlt. Es ist relativ einfach, recht spartanisch, bietet aber weitgehend die Möglichkeiten, die ich gebraucht habe. Seit langer Zeit allerdings machten mich Leser auf Schwierigkeiten aufmerksam, hier Kommentare zu hinterlassen - und diese Klagen haben sich in den letzten Monaten eher noch gehäuft. Da ich es ohnehin interessant finde, einmal etwas Neues zu beginnen, mache ich jetzt also hier weiter:


Der erste Text dort ist eine Selbstvorstellung für das Blog und zugleich auch ein Fazit des bisherigen Bloggens - unter dem etwas hilflos (aber natürlich doch: charmant hilflos) gereimten Motto dieses Blogs: Männer, Frauen - und die Welt, die wir Kindern bauen.
 
Es geht ja das Gerücht, dass ein Blogeintrag unbedingt noch ein Stück Popkultur brauche. Interessant ist dabei, am Rande, dass Schüler heute die Beatles meist nicht mehr kennen - was ja nicht den Untergang des Abendlandes bedeutet, aber auffällig ist angesichts der Tatsache, dass zum Beispiel AC/DC immer noch allgemein vertraut sind. Allerdings passt Hello Goodbye, wie ich hoffe, besser zum Anlass als Highway to Hell: daher also nun zum Schluss vier Herren in sehr bunten Kostümen.

Montag, 20. Juli 2015

Polemischer antifeministischer Backlash, gruselige Verschwörungstheorien...

...und andere sachliche Worte der Zeit für Kritik an den Gender Studies
 
 
In der Zeit hat die Kulturjournalistin und Deutschlandradio Kultur-Redakteurin Catherina Newmark gerade einen Text veröffentlicht, in dem sie Kritikern der Gender Studies vorwirft, ihre Kritik lediglich Aus Angst vor einem anderen Leben zu üben: aus Angst also vor einer Änderung bestehender Verhältnisse, aus Angst davor, das Menschen anders leben könnten, als es gängigen Normen entspricht.
 
Da der Kommentarbereich nur knappe Texte erlaubt, schreibe ich hier meinen Kommentar dazu.
Erzeugt solch ein Bild tatsächlich Angst? Auch diese Illustration einer bunten Geschlechtervielfalt variiert immer dieselben beiden Grundmuster: Mann und Frau. Sollten sich Traditionalisten am Ende durch Gender Studies bestätigt fühlen können?
Der Text in der Zeit ist durchgehend von dem Bemühen geprägt, die Gender Studies als grundsätzlich unproblematisch darzustellen – obwohl doch Probleme bei einem sehr jungen Fach eigentlich zu erwarten und zudem völlig verständlich sind. Kritiker erscheinen durch diese Darstellung als unlautere, unsachliche Ideologen, die bloß persönlichen Interessen folgen.

„Antifeministische Rhetorik“, also natürlich keine Argumente, führten sie an, und das ist denn natürlich als „Backlash“ zu verstehen – als ob Kritik durch nichts anderes begründet sein könnte als durch die Angst von Männern, die um ihre Machtpositionen fürchten und nun gegen emanzipatorische Positionen zurückschlagen.
 
Das ist selbst argumentfreie Rhetorik: Denn feministische Positionen sind politische Positionen, und in einem demokratischen Rahmen dürfen und SOLLEN politische Positionen natürlich einer offenen Kritik unterzogen werden. Wenn ich bestimmte Positionen des Feminismus kritisiere, macht das aus mir noch keinen „Antifeministen“ – Angela Merkel betitelt ja auch nicht jeden, der mal Kritik an ihr übt, deswegen gleich als „Antichristdemokraten“, oder der Einfachheit halber kurz als „Antichristen“.

Dass niemand, wie eine Zwischenüberschrift das ausdrückt,  Biologie bestreite, was immer das auch heißen mag – das mag sein, ist aber irreführend. Wo ist denn der systematische Platz der Biologie in den Gender Studies?
„Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung, die auch immer noch im Biologiestudium vermittelt wird“
– das erklärt im Interview ein Gender-Professor mit Biologiestudium.  „Mann“ und „Frau“ sind hier nicht nur bloß soziale Konstruktionen – es sind auch soziale Konstruktionen der Nazis. Wer hätte das gedacht?

Das hat der Professor sicherlich außergewöhnlich ungeschickt formuliert, es spiegelt aber Grundlagen der Gender Studies wieder, die sich auch bei Judith Butler finden lassen: Es gäbe keine selbstständigen biologischen Geschlechter (sex), sondern auch diese seien soziale Konstruktionen (gender). Sex kollabiert in Gender, sozusagen.

Wichtiger noch: Diese sozialen Konstruktionen werden tatsächlich nicht unvoreingenommen auf ihre Funktion hin untersucht, sondern Butler unterstellt, dass sie Herrschaftsinteressen dienten, „als Macht/Diskurs-Regime“ (Butler, Unbehagen der Geschlechter).

Vor diesem Hintergrund sind biologische Auskünfte zu Geschlechtern mit dem pauschalen Vorwurf konfrontiert, sie seien bloß eine Naturalisierung von Herrschaftsstrukturen: Sie würden also diese Strukturen zugleich verschleiern und legitimieren. Dass Biologen diesen Pauschalvorwurf, den zu erheben übrigens keine biologischen Kenntnisse voraussetzt, seinerseits als unwissenschaftlich und ideologisch ansehen – das ist bei Licht betrachtet nicht sonderlich überraschend und völlig nachvollziehbar.

Mir sind übrigens „maskulinistische Verschwörungstheorien von der feministischen Weltherrschaft“ nicht bekannt, und offenkundig baut die Autorin auch hier einen Strohmann auf.  In einem argumentativen Kniff, der schon aus Kindergartentagen vertraut ist („Wer’s sagt, isses selber“), unterstellt sie die pauschale Herrschaftsunterstellung ihrerseits den Kritikern.
 
Dabei würde es völlig reichen, wenn sie und Vertreter der Gender Studies anerkennen könnten, dass natürlich auch Männer und Jungen unter geschlechtsspezifischen Benachteiligungen leiden können. Newmarks Formulierung allerdings, dass Frauen nicht nur ihre Probleme, „sondern auch die aller anderen Geschlechter ernst nehmen wollten“, verschleiert bloß, dass Fragen nach spezifischen männlichen Belastungen in den Gender Studies keinen Platz haben. 
 
Eine Ausnahme ist dann möglich, wenn sie sich als Probleme darstellen lassen, die durch patriarchale oder heterosexistische Strukturen selbst verursacht worden seien, etwa als Probleme der „marginalisierten Männlichkeiten“, die unter der „hegemonialen Männlichkeit“ litten (Connell).

Die spezifischen, ungeheuer bedrückenden Probleme von Trennungsvätern spielen beispielweise in den Gender Studies ebenso wenig eine Rolle wie die deutlichen schulischen Nachteile von Jungen. Eine gerade erschienene Ausgabe einer renommierten didaktischen Fachzeitschrift zum Thema „Negotiating Gender“ hat etwa die Frage nach einer besonderen Förderung von Jungen ausdrücklich ausgeschlossen und ist damit durchaus repräsentativ für gendertheoretischen Ansätze.
 
Angesichts von mittlerweile mehreren hundert Lehrstühlen ist eine solche Ausblendung sozialer Probleme natürlich ihrerseits Teil einer Herrschaftspolitik, die auch dann illegitim ist, wenn sie kein Teil einer Weltherrschaft ist...


In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld –
 
sie müssten allerdings erstens tatsächlich offene Fragen stellen und nicht alle Antworten immer schon kennen,
 
sie müssten  zweitens gegenüber anderen Wissenschaften, und der Überprüfung durch sie, offen sein,
 
und sie müssten drittens ihre erheblichen, aber kaum einmal thematisierten Ressentiments gegenüber Männern und Jungen ablegen.
 
Wer Männlichkeit routiniert mit Herrschaft oder Hegemonie  verknüpft, wird diese Ressentiments jedoch beständig reproduzieren. Das ist eine Haltung, die sich selbst immunisiert: Weil dann jede Kritik zum Ausdruck von Herrschaftsinteressen umgedeutet werden kann und daher sachlich nicht überprüft werden müsse.


Ich hatte hier einmal eine kleine Serie zu den Gender Studies:

1. Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder
2. Gender Studies: Wissenschaft von unten, installiert von oben
3. Gender Studies und die Logik der Feindschaft

Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Superheldin als Mörderin

Das hier ist der zweihundertzweiundzwanzigste Text, der in diesem Blog veröffentlicht wird. Eine gute Gelegenheit für eine Veränderung. In den letzten Woche haben sich nämlich gehäuft Kommentatoren bei mir gemeldet, die sagten, dass sie Schwierigkeiten mit dem Kommentieren hier hätten. Daher werde ich – wenn alles klappt, wie ich es vorhabe – demnächst bei Wordpress weitermachen.
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Die Information, dass James aus Mamis Herz entsprungen ist, vermittelt Kindern möglicherweise etwas einseitige Vorstellungen über die Natur der menschlichen Fortpflanzung. Aus einem Kinderbuch der Happy Family-Serie, die in Kinderbüchern das Leben bei alleinerziehenden Müttern preist. Kindgerecht, natürlich.
Vorher aber wollte ich mich noch bei einer internettypischen, beliebten Textsorte bedienen, die hier in den letzten zweieinhalb Jahren schmerzhaft zu kurz gekommen war: beim Rant. Schließlich hatte ich schon viele verschiedene Arten von Texten veröffentlich, sogar Gedichte – da wäre zum Ausgleich solch eine ungehemmte Wutrede eigentlich einmal ganz passend gewesen.

Gerade war ich auch richtig schön wütend, unbekümmert aus dem Bauch heraus, wie es für solche Situationen bzw. Textsorten allgemein als angemessen erachtet wird – als mein ungeschickter Kopf im unpassenden Moment ungefragt dazwischenredete und die ganze effektiv aufgebaute Wut auf das Unangenehmste verwirrte. Aber von vorn – –