Freitag, 26. September 2014

Wozu ist Männerhass eigentlich gut? (Teil 1: Auslöschung der Rabenväter)

„Mir ist klar geworden, dass der Kampf für Frauenrechte allzu oft zu einem Synomyn für Männerhass geworden ist. Wenn ich eines sicher weiß, dann, dass das ein Ende haben muss.“ ( I’ve realized that fighting for women’s rights has too often become synonymous with manhating.)
Diese Sätze aus Emma Watsons viel diskutierter UN-Rede ist missverständlich. Im Zusammenhang wird klar, dass sich Watson keineswegs gegen Männerhass stellt – sondern gegen die Meinung, Feminismus habe etwas mit Männerhass zu tun. Im nächsten Satz schon zieht sie sich auf eine Lexikon-Definition zurück. Für's Protokoll („for the record“): Feminismus sei eine Bewegung zur Gleichheit der Geschlechter.
Watson hätte an dieser Stelle natürlich zumindest die Möglichkeit einräumen können, dass andere Menschen andere Erfahrungen gemacht haben als die junge Lexikon-Leserin. Was nach ihrer Darstellung also „ein Ende haben muss", ist, dass diese Menschen ihre Erfahrungen offen aussprechen können, und dass sie ihre Erfahrungen eigenständig bewerten.
Ein typischer Väterrechtler. Selbstverständlich ist diese Darstellung so realistisch wie nur möglich und hat nichts mit dem Aufbau von Feindbildern zu tun.
Dabei geht es keineswegs allein um extreme Äußerungen des Hasses, wie etwa Solanas' berühmtes „Scum“-Manifest, oder um den Sadismus der „Ich bade in Männertränen/ I bathe in male tears“-Sprüche, oder um die beliebten eugenischen Phantasien, den männlichen Anteil an der Weltbevölkerung auf zehn Prozent zu reduzieren. Es gibt auch eine Alltagsfeindschaft, die nicht so extrem daherkommt wie diese Beispiele, die aber wohl noch deutlich folgenreicher ist. An drei Beispielen dafür lässt sich gut zeigen, welche Funktion diese Feindschaft erfüllt.

Dienstag, 23. September 2014

Am Grabbeltisch der Politik

Ein kurzer Briefwechsel zwischen Johannes Meiners und Lucas Schoppe

Dieser Text hat schon eine längere Geschichte. Johannes hatte mir vor Wochen einen Text geschickt zu einem Interview, das in der FAZ erschienen war. Ich war gerade mitten in den Schuljahresendarbeiten und brauchte eine ganze Weile, um darauf zu antworten – antworten aber wollte ich, einiges sah ich nämlich ganz anders als Johannes. Die Antwort erreichte Johannes dann gerade, als er seinerseits unterwegs war – so hat der ganze kurze Briefwechsel am Ende einige Wochen gedauert. Als er dann druckreif war, kochte gerade die Diskussion über einen Zeit-Artikel hoch...
 
Das Thema aber bleibt wichtig, trotz des Aufhängers über ein FAZ-Interview. Der Briefwechsel dreht sich nämlich um die Frage: Hat es überhaupt einen Sinn, sich in einer Partei zu engagieren?
LS
 
 
Johannes Meiners: Als Herr Tauber einmal verführen sollte
„Es ist Zeit für einen Test. Ich will, dass Peter Tauber mich dazu verführt, in die CDU einzutreten, oder es zumindest versucht."
Eine junge, fesche Akademikerin – natürlich mit „Migrationshintergrund“ – interviewt für die einst seriöse, im Selbstverständnis bürgerlich-liberale Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) den neuen, jungen CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Sie fragt, was seine Partei ihresgleichen verspreche, um sie zum Beitritt zu bewegen.

Da hat die sich für stark und selbstbewusst haltende Dame wohl etwas falsch verstanden:

Sie will als Mitglied geködert werden – und Männer (!) sollen ihr alles Mögliche dafür versprechen, natürlich vollkommen leistungsentkoppelt und ohne, dass sie eine innere Überzeugung, eine Werthaltung oder gar ein Welt- und Menschenbild mitbringen müsste, die auch nur ansatzweise zur Union zu passen hätte.

Nicht sie, die Frau, soll etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen, Ideen einbringen, innovativ sein, Mut zeigen, Einsatz und Energie, Reden halten, Andere anwerben und sich immer wieder um Kandidatenplätze bemühen, sondern die CDU, sprich die darin oder in jeder beliebigen anderen Partei wie obig beschriebenen Männer, sollen ihr, der Frau, jedes Hindernis präventiv aus dem Weg räumen - und dann wird suggeriert, die Frau sei „stark und selbstbewusst“.
Das Angebot der Parteien ist reichhaltig und vielfältig, und wir müssen nur zugreifen. Wer aber die bunten Wagen jeden Tag so schön bepackt, bleibt ein Mysterium.
Interessant auch, dass es nicht um große Fragen der Zeit geht, die eigene Biographie, Überzeugungen des Interviewpartners, aktuelle Geschehnisse, Abgrenzungen zu anderen Parteien u. V. m., sondern ein Detail einer (Nach)Verhütungsmethode zum Kern des Gesprächs erkoren wird.

Montag, 15. September 2014

Für eine offene und sachliche Geschlechterdebatte. Gegen Diffamierungen.

Offener Brief an die Zeit-Redaktion
Von Lucas Schoppe, Prof. Dr. Günter Buchholz, Dr. Alexander Ulfig
 
 
 
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

wir reagieren mit diesem Brief auf einen Text, der am vergangenen Donnerstag in der Zeit veröffentlicht wurde und bei dem wir nicht verstehen, wie er in einer Zeitung mit einem Anspruch auf Seriosität erscheinen konnte. Es ist in unseren Augen ein menschenfeindlicher, hetzerischer Text, und er diskreditiert Menschen maßlos, deren politische Position von der Meinung der Autorinnen abweicht.

Es geht um den Text „Vom Zorn abgehängter Männer“ von Christina Schildmann und Anna-Katharina Meßmer. Fragwürdig ist nicht allein der Text selbst, sondern schon seine redaktionelle Einbindung. In den dünnen Angaben, die Ihre Zeitung zu den Autorinnen macht, kann nicht einmal ansatzweise deutlich werden, wie sehr sie mit persönlichen Interessen in ihr Thema verstrickt sind.

Meßmer ist nicht nur Aufschrei-Initiatorin, sondern auch Promovendin bei einer der einflussreichsten Gender-Forscherinnen des Landes, bei Paula-Irene Villa. Christina Schildmann ist bei der Friedrich Ebert Stiftung verantwortliche Redakteurin von Robert Claus‘ Schrift „Maskulismus“, die in diesem Jahr erschien und die kenntnisarm und ohne Belege männerrechtliches Engagement pauschal als rechtsradikal diffamierte. Gegen diese Schrift wurden in vielen Internet-Artikeln Kritikpunkte und Argumente formuliert – die Autoren dieser Artikel gehören zu denjenigen Männern, die Schildmann nun in ihrem Zeit-Artikel pauschal und ungeheuer diffamierend angreift.

Diese persönlichen Hintergründe der Autorinnen können durch Ihre redaktionelle Darstellung unmöglich deutlich werden.

Gleich zu Beginn schreiben die Autorinnen davon, dass Männer sich – wie Schweine – in Ressentiments „suhlen“ und – wie Affen oder Steinzeitmenschen – zu „Horden“ zusammenschließen würden, um gezielt auf Einzelne loszugehen. Dafür liefern die Autorinnen selbstverständlich keinen Beleg, aber sie präsentieren ihre politischen Gegner, wie in einem Grundakkord, pauschal als aggressive, tierähnliche Wesen.
Die eigenen Gegner mit Tieren zu vergleichen, ist ein traditionelles Mittel politischer Propaganda. Auch zu Geschlechterklischees tragen solche inhumanen Vergleiche seit Jahrhunderten bei. Als journalistisches Mittel der Wochenzeitung Die Zeit waren sie bis vor Kurzem eher nicht bekannt.
Das ist kein begrifflicher Ausrutscher. Auch im weiteren Verlauf des Textes gestehen sie Menschen – Männern – nicht zu, dass sie Gründe und Argumente für ihre Positionen haben könnten. Stattdessen unterstellen sie ihnen rundweg, und immer wieder, Wut und Zorn. Da die De-Humanisierung der politischen Gegner und ihre Präsentation als wilde, emotionsgeleitete, irrationale tierische Wesen offen erkennbar ein Grundprinzip des Textes ist, verstehen wir nicht, wie so etwas in Ihrer Zeitung erscheinen konnte.

Samstag, 13. September 2014

Wie uns die "Zeit" wieder mal davonlief

Ich schaue ja immer gerne nach, wo Artikel des man tau-Blogs verlinkt worden sind. Als ich heute Abend nach Hause kam, fand ich in meinen Statistiken beispielsweise Besuche von der Seite der Zeit – dort hatte der Leser gran_torino77 einen Text von mir im Kommentarbereich verlinkt. Vielen Dank dafür! Am selben Tag wurde mir noch ein weiterer Link aus der Zeit angezeigt, aus deren mit Abstand umstrittensten Artikel des Tages: Vom Zorn abgehängter Männer.
 
Verfasserinnen sind die Aufschrei-Initiatorin und Sozialdemokratin Anna-Katharina Messmer und Christina Schildmann, Referentin der Friedrich Ebert Stiftung und verantwortliche Redakteurin bei Robert Claus‘ Schrift „Maskulismus“. Bedauerlicherweise vergisst die Zeit es versehentlich, klarzustellen, wie außerordentlich parteilich diese beiden Verfasserinnen angesichts ihres Themas sind.

Zu meiner großen Enttäuschung fand ich den Link nicht auf der Seite, auf der es sich befinden sollte – lediglich einen gelöschten Kommentar von gran_torino77. Dazu eine Begründung:
„Entfernt. Bitte beachten Sie, dass aus Extrembeispielen keine allgemeinen Aussagen über Gruppen abgeleitet werden können. Aus diesem Grund bewerten wir das Posting dieses Links als überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp“
Überzogene Polemik? ICH?? Und das auch noch nach einem sachlichen Zeit-Artikel, der gleich zu Beginn völlig wertfrei feststellt, dass Männer sich im Internet zu „Horden“ zusammenschließen würden (was selbstverständlich Männer nicht mit Tieren gleichsetzen soll, sondern irgendwas ganz anderes ausdrückt, auch wenn ich im Moment nicht so genau weiß, was eigentlich)?
 
Womöglich sehen aus der Sicht der Zeit die eigenen Leser ungefähr SO aus. Kein Wunder, dass die Redaktion das Bedürfnis hat, sich vor ihnen zu schützen. Leider kommt sie nicht auf die Idee, dass der Blick von oben manchmal täuschen kann.
 
Da meine Neugier nun endgültig geweckt war, versuchte ich mit den Klickzahlen herauszufinden, welcher Artikel hier wohl verlinkt worden war.

Sonntag, 7. September 2014

In diesem August (Monatsrückblick August 2014)

Als ich die Nachrichten dieses Monats mit den Geschlechterdebatten verglich, die über Nagellack und Fap-Vorwürfe geführt wurden, kamen mir diese Debatten oft sehr unwirklich vor. Es gibt einen Text von Wolfgang Borchert, An diesem Dienstag, der davon lebt, dass ziviler Alltag und Krieg einander gegenübergestellt werden. Aus diesem Text habe ich mich für den Monatsrückblick bedient.

 
 
In diesem August
 
In diesem August
kamen in der belgischen Stadt Lüttich die Oberhäupter der europäischen Staaten und Gäste aus vielen anderen Ländern zusammen, um gemeinsam des Tages zu gedenken, an dem hundert Jahre zuvor der Erste Weltkrieg begonnen hatte. Damals waren deutsche Soldaten in Belgien einmarschiert.
 
Auch Herr Gauck, der deutsche Präsident, war bei der Gedenkfeier dabei, erklärte seine Dankbarkeit dafür, teilnehmen zu dürfen, und sagte auch: „Wir sind dankbar dafür, dass wir in Europa nun schon so lange in Frieden leben dürfen."
 
 
In diesem August
erzählte Andriy Gerus aus Kiew, der in London gerade sein Management-Studium abgeschlossen hat und nun Geschäftsführer einer ukrainischen Firma ist, von einem Tag im Juli. Er wollte gerade mit seinem Baby einen Spaziergang machen, als es an seiner Tür klopfte und ein Mann ihm seine Einberufungspapiere überreichte. Herr Gerus spürte sein Herz rasen, weil er fast nichts über Schusswaffen weiß, sagte er.
 
Nun saß Herr Gerus in einem Cafè in Kiew und wartet täglich darauf, in den Krieg ziehen zu müssen. Wie ihm geht es vielen ukrainischen Männern, die in mehreren Wellen zum Kampf gegen Russen in der Ostukraine eingezogen wurden.

 
In diesem August
kritisierte die Umweltschutzorganisation Robin Wood die zweitausend Luftballons, die in der französischen Stadt Reims bei einer Gedenkstunde zum Beginn des Ersten Weltkriegs aufgestiegen waren. An jedem Luftballon hing eine Karte zur Erinnerung an die getöteten französischen Soldaten. Robin Wood machte darauf aufmerksam, dass diese Ballons eine Umweltbelastung sind, und bezeichnete sie als „Krieg gegen die Tierwelt“. Sie will daher gegen die Stadt Reims klagen.