„Dummdeutsch im Straßenverkehr“ – so überschreibt Jan Fleischhauer seine Kolumne zur geschlechterechten Sprache der neuen Straßenverkehrsordnung. „Erstmals fließt der Verkehr in Deutschland geschlechtsneutral, also ohne ‚Fußgänger‘, ‚Radfahrer‘ und überhaupt ohne jeden ‚Verkehrsteilnehmer‘. Um das zu erreichen, heißt es künftig nur noch ‚wer zu Fuß geht‘ beziehungsweise ‚wer ein Fahrrad führt‘. Auch ‚zu Fuß Gehende‘ gibt es nun oder ‚Mofa Fahrende‘, aber eben keine Mofafahrer mehr.“
Nun hat es vermutlich tatsächlich niemals eine Frau gegeben, die sich nicht getraut hätte, eine Fußgängerzone (die in Hannover übrigens bald „Flaniermeile“ heißen soll) zu betreten, weil sie aufgrund der Bezeichnung dachte, dies sei nur Männern erlaubt. Ulrike Hauffe, Frauenbeauftragte des Landes Bremen, erläutert gleichwohl: „Frauen haben ein Recht darauf, nicht nur ‚mitgemeint‘ zu sein. Die Zeiten, in denen es sich ein Staat erlauben konnte, Frauen sprachlich zu unterschlagen, sind zum Glück für uns alle vorbei.“
Vermutlich liegt vielen, die von der geschlechtergerechten Änderung der StVO gelesen haben, die Frage nahe, ob Deutschland eigentlich gerade keine anderen Probleme hat. Nun habe ich allerdings vor kurzer Zeit einen sehr interessanten Text von Bernhard Lassahn gelesen, der die „geschlechtergerechte Sprache“ sehr ernst nimmt und gründlich kritisiert. Er heißt „Wir lügen, ohne es zu merken“, und ich hätte mir einige Passagen in einigen Texten hier sparen und einfach nur auf Lassahns Text verweisen können, wenn ich ihn schon vorher einmal gelesen hätte. Lassahn kommt angesichts der geschlechtergerechten Sprache zu einem sehr weit gehenden Schluss: „Wichtig ist nur, der ‚männlichen‘ Form abzusprechen, das mit ihr auch etwas Übergeschlechtliches gemeint sein könnte, etwas allgemein Menschliches – ‚männlich‘ und ‚menschlich‘ sollen nicht zusammengehören: Es geht um die Vertreibung der Männer aus dem Paradies des Menschlichen – nicht um das Nur-mitgemeint-sein.“ (S. 174)
Das natürlich sind gravierende Schussfolgerungen aus dem simplen Umstand, dass beispielsweise Radfahrer von nun an mit „wer ein Fahrrad führt“ bezeichnet werden oder Politiker ihre Ansprachen an die Menschen nicht an die „Bürger“, sondern an die „Bürgerinnen und Bürger“ adressieren. Nach und nach aber erschien mir Lassahns Schluss durchaus plausibel. Ich habe mir zum Beispiel überlegt: Warum eigentlich werden solch harmlose Wörter wie „Fußgänger“ als Problem verstanden, das angepackt werden muss, während zugleich völlig selbstverständlich die Schilder für Fußgängerzonen weiterhin nur Frau und Kind, aber nicht Mann und Kind (oder alle denkbaren anderen Kombinationen) zeigen – ohne dass das als Problem der Geschlechtergerechtigkeit betrachtet würde. Die Erklärung dafür macht die Sache ja nicht besser, sondern schlimmer: dass nämlich aus Sorge um pädophile Übergriffe nur Frauen an der Hand von Kindern gezeigt würden.
Nun hat es vermutlich tatsächlich niemals eine Frau gegeben, die sich nicht getraut hätte, eine Fußgängerzone (die in Hannover übrigens bald „Flaniermeile“ heißen soll) zu betreten, weil sie aufgrund der Bezeichnung dachte, dies sei nur Männern erlaubt. Ulrike Hauffe, Frauenbeauftragte des Landes Bremen, erläutert gleichwohl: „Frauen haben ein Recht darauf, nicht nur ‚mitgemeint‘ zu sein. Die Zeiten, in denen es sich ein Staat erlauben konnte, Frauen sprachlich zu unterschlagen, sind zum Glück für uns alle vorbei.“
Vermutlich liegt vielen, die von der geschlechtergerechten Änderung der StVO gelesen haben, die Frage nahe, ob Deutschland eigentlich gerade keine anderen Probleme hat. Nun habe ich allerdings vor kurzer Zeit einen sehr interessanten Text von Bernhard Lassahn gelesen, der die „geschlechtergerechte Sprache“ sehr ernst nimmt und gründlich kritisiert. Er heißt „Wir lügen, ohne es zu merken“, und ich hätte mir einige Passagen in einigen Texten hier sparen und einfach nur auf Lassahns Text verweisen können, wenn ich ihn schon vorher einmal gelesen hätte. Lassahn kommt angesichts der geschlechtergerechten Sprache zu einem sehr weit gehenden Schluss: „Wichtig ist nur, der ‚männlichen‘ Form abzusprechen, das mit ihr auch etwas Übergeschlechtliches gemeint sein könnte, etwas allgemein Menschliches – ‚männlich‘ und ‚menschlich‘ sollen nicht zusammengehören: Es geht um die Vertreibung der Männer aus dem Paradies des Menschlichen – nicht um das Nur-mitgemeint-sein.“ (S. 174)
Das natürlich sind gravierende Schussfolgerungen aus dem simplen Umstand, dass beispielsweise Radfahrer von nun an mit „wer ein Fahrrad führt“ bezeichnet werden oder Politiker ihre Ansprachen an die Menschen nicht an die „Bürger“, sondern an die „Bürgerinnen und Bürger“ adressieren. Nach und nach aber erschien mir Lassahns Schluss durchaus plausibel. Ich habe mir zum Beispiel überlegt: Warum eigentlich werden solch harmlose Wörter wie „Fußgänger“ als Problem verstanden, das angepackt werden muss, während zugleich völlig selbstverständlich die Schilder für Fußgängerzonen weiterhin nur Frau und Kind, aber nicht Mann und Kind (oder alle denkbaren anderen Kombinationen) zeigen – ohne dass das als Problem der Geschlechtergerechtigkeit betrachtet würde. Die Erklärung dafür macht die Sache ja nicht besser, sondern schlimmer: dass nämlich aus Sorge um pädophile Übergriffe nur Frauen an der Hand von Kindern gezeigt würden.
Klischees, die diese Überzeugung transportiert, sind nun offenkundig wesentlich ausgrenzender als ein gedankenloser Gebrauch des generischen Maskulinums. Wer bei einem stilisierten Bild von einem Mann mit einem Kind an der Hand nicht zuerst an einen fürsorglichen Vater mit Kind, sondern sogleich an einen Vergewaltiger mit seinem Opfer denkt, hat ein Problem mit Perversionen der eigenen Wahrnehmung, die er – oder sie, um das geschlechtergerecht zu formulieren – so restlos auf seine Umgebung projiziert, dass ihm selbst simple Straßenschilder als großes Problem erscheinen. Wenn sich das zuständige Ministerium schon viele Gedanken über einen nicht-diskriminierenden Straßenverkehr macht – warum lässt es diesen Aspekt so selbstverständlich aus?

