Sonntag, 28. Juli 2013

Gender Studies: Wissenschaft von unten, installiert von oben

„Man muss bei einer wissenschaftlichen Gender Studies davon ausgehen dürfen, dass sich chauvinistische Wissenschaftler ebenso zu dem Fach hingezogen fühlen würden wie Feministen. Es gäbe keine als Wissenschaft getarnte Streitschrift gegen die Kritiker des Fachgebietes, in der sie als “maskulinistische bzw. antifeministische Autor_innen” (= Klassenfeind, S. 7) bezeichnet werden. Denn “maskulinische” und “antifeministische” Wissenschaftler würden ebenso im Bereich der Gender Studies forschen wie Feministen.“
So beschreibt Andreas Müller im Feuerbringer-Magazin  Gender Studies, die wie andere Wissenschaften eine Vielfalt von Ansätzen zuließen.  Er vergleicht sie mit der Situation in den Literaturwissenschaften und der Philosophie,
„wo es auch konservative, religiöse, liberale Forscher gibt, die es trotz ihrer Weltanschauung auf die Reihe kriegen, objektiv zu forschen.“
Das Zitat  im Zitat bezieht sich auf die Schrift der Böll-Stiftung, die zur Verteidigung der Gender Studies gegen Kritiker herausgegeben wurde und die gleichwohl Müllers Sicht, wohl ungewollt, bestätigt. Beispielsweise stellt Marc Gärtner dort am Ende den emeritierten Bremer Professor Gerhard Amendt mit seiner Studie über Scheidungsväter als Gender-Gegner vor (S. 54-57). Problematisch ist dabei natürlich nicht, dass er Amendt kritisiert – problematisch aber ist, dass er ihn lediglich als prinzipiellen Gegner präsentiert, ohne auch nur einen Moment lang die Frage zu stellen, ob zu einer seriösen Geschlechterforschung nicht auch Forschungen wie die Amendts gehören müssten.
 
Tatsächlich ist es eine seltsame „Wissenschaftsrichtung“ (S. 67), die ihre Grenzen weniger durch einen Fachbereich oder durch ein Thema als durch die Zustimmung zu einer bestimmten Gesinnung festlegt. Wie ist es eigentlich möglich, eine solche in der Wissenschaftslandschaft – soweit ich sehen kann – einmalige Position erfolgreich zu verkaufen?

Der zweite Teil der kleinen Sommerreihe Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies beschäftigt sich mit der Frage, welchen Platz eigentlich Männer in diesen Studien haben. Darum, wie denn nun seriöse Gender Studies aussehen könnten, geht es dann in der nächsten Folge.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder

„Wissenschaftliche Gender Studies hätten das Ziel, ohne ideologische Scheuklappen die Natur und Kultur der menschlichen Geschlechter zu erforschen. Biologische, psychologische, historische und soziologische Erkenntnisse würden gleichermaßen akzeptiert werden."
So skizziert Andreas Müller im „Feuerbringer-Magazin“ die Möglichkeit wissenschaftlich fundierter Gender Studies. Eigentlich müsste dies eine fraglos mehrheitsfähige Position sein – denn auch wenn vermutlich verschiedene Interessierte an den Gender Studies verschiedene Vorstellungen vom Begriff der „Ideologie“ haben, so würde doch sicher niemand von ihnen fordern, dass Forschung „ideologische Scheuklappen" haben sollte.

Gender Studies könnten sich also damit beschäftigen, welche Konsequenzen die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen für sein Leben hat, was diese Geschlechtszugehörigkeit überhaupt bedeutet, wie biologische und soziale Faktoren dabei zusammenspielen – und insgesamt fragen, ob und wie die Reflexion der Geschlechtlichkeit von Menschen ihre Möglichkeiten, sinnvoll zu handeln und zu leben, vergrößern kann. Wer sollte etwas dagegen haben?

Überraschenderweise aber sehen sich die Gender Studies erheblicher Kritik ausgesetzt und sind hart umkämpft.
„Genderforschung ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.“
Das schreibt beispielsweise Harald Martenstein am 8. Juni dieses Jahres in der Zeit und erhält dafür auch seinerseits massive Kritik.

Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen hingegen hat Ende des Monats Juni eine Schrift zur Verteidigung der Gender Studies herausgegeben, die ebenfalls engagiert diskutiert und scharf kritisiert wurde – etwa auf den Blogs „Alles Evolution“ und „Kritische Wissenschaft“ , die ihrerseits in dem Papier als Kritiker der Gender Studies kritisiert worden waren: Sie würden sich zu „Wissenschaftswächtern“ aufschwingen, und auch wenn man sie mit anderen Gender-Studies-Kritikern wie christlichen Fundamentalisten, militanten Antifeministen und politisch rechten Akteuren nicht gleichsetzen solle, gäbe es durchaus „argumentative Schnittstellen“ (Seite 10).

(Einmal ganz nebenbei und vollständig off-Topic bemerkt: Ich habe mir gerade den seltsamen Spaß erlaubt, auf der Webseite der NPD nachzuschauen, deren Verlinkung ich mir hier natürlich erspare – dort fordert die Partei beispielsweise einen Rücktritt von Verteidigungsminister de Maizière und kritisiert die steigenden Mieten scharf. Ich bin nun natürlich sehr beunruhigt, weil sich Grüne und SPD angesichts der argumentativen Schnittstellen mit der Rechtsaußenpartei offenbar überhaupt keine ernsthaften Gedanken machen!!!111)

Die engagierten und kritischen Reaktionen auf das Papier der Böll-Stiftung haben wohl vor allem zwei Gründe. Einerseits wird deutlich, dass sich Vertreter und Vertreterinnen der Gender Studies offenkundig durch die nachhaltige Kritik, die insbesondere auf Blogs und unabhängigen Webseiten erhoben wird, unter Druck gesetzt fühlen. Michael Klein dazu bei „Kritische Wissenschaft“:
„Wie vollständig muss der Versuch, die Männerbewegung unter Benutzung von Hinrich Rosenbrock und seiner Magisterarbeit in die rechte Ecke zu rücken, in die Hose gegangen sein, wenn das von Steuerzahlern finanzierte Gunda-Werner-Institut (Teil der Heinrich-Böll oder HB-Stiftung), das die Steuermittel einsetzt, um Ideologien zu verbreiten, sich gezwungen sieht, ein dünnes Pamphlet mit dem Titel “Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie” herauszugeben, dessen einziger Zweck darin besteht, für den Genderzirkus Wissenschaftlichkeit zu reklamieren?"
Zugleich liegt damit ein Positionspapier einer für die Gender Studies zentralen politischen Institution vor – eine Auseinandersetzung mit dieser Position ist lohnend, weil Kritiker wie Verteidiger der Schrift mit guten Gründen davon ausgehen können, hier repräsentativen Argumenten zu begegnen, die auf die Gender Studies insgesamt bezogen werden können.

Warum aber sind die Gender Studies, die doch allem Anschein nach stets das Gute wollen, überhaupt so umkämpft? Die Frage kann als Auftakt für eine kleine Sommer-Serie dieses Blogs dienen: Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies In dieser Folge geht es um den Vorwurf der Beliebigkeit und Willkür, der an die Gender Studies erhoben wird – und im nächsten Text um die Frage, wo bei alledem eigentlich die Männer bleiben.

Samstag, 20. Juli 2013

Aber die Kaiserin hat ja gar nichts an! - Psssssst.....

„Dies ist keine Einladung, mich zu vergewaltigen“ („This is not an invitation to rape me.“) steht auf dem Bild einer jungen Frau. Sie flaniert offenkundig an einem öffentlichen Ort, trägt ein ärmelloses, enges, weißes Hemd mit großem, aufgeknöpften Ausschnitt, ohne BH. Die Webseite der schottischen Kampagne des Vereins “Rape Crisis Scotland” erläutert zu dem Bild:
„The assumption that such choices can lead to rape – that clothes can speak for women who say no – are ludicrous and extremely damaging.”
 
 
Natürlich ist die Kleidung der Frau der Frau keine Einladung zur Vergewaltigung, wie denn auch?  Vergewaltigt wird ein Mensch ja eben gerade gegen seinen Willen und ohne dass er dazu eingeladen hat. Irritierend ist also weniger das Wort „rape“ als das Demonstrativpronomen „this“ – dass die Frau nicht zu einer Vergewaltigung einlädt, ist  keineswegs in der Situation, sondern im logischen Widerspruch einer Einladung zur Vergewaltigung begründet. Der Satz „This is not an invitation to rape me“ ließe sich  unter jedes beliebige Bild schreiben.

Was soll also das Bild mit der Unterschrift? Und wer wird überhaupt angesprochen? Warum reicht nicht einfach ein Satz wie „There is no invitation for rape“ oder ähnliches? Wer das Bild anklickt, erhält jeweils alternative Sichtweisen zu der Situation. Der Frau selbst wird in den Mund gelegt: “I feel great in this outfit – the vest looks so much better without a bra.” Ein Mann hingegen denkt: “I see a scantily dressed woman, asking for it.” Eine Frau, die sich einfach nur ohne BH wohl fühlt – und ein Mann, der meint, dass sie es darauf anlegt" und selbst schuld ist, wenn ihr etwas passiert. 
 
Natürlich: Nicht alles, was ein Mann als Signal versteht, ist auch von der Frau als Signal gemeint (umgekehrt gilt das auch). Die Kampagne aber greift auf allzu simple holzschnittartige Gegenüberstellungen zurück.

Wer kurz über die Dumpfheit hinwegsieht, die hier dem Mann in den Mund bzw. den Kopf gelegt wird, könnte den Unterschied zwischen beiden Äußerungen auch so beschreiben: Der Mann interpretiert die Kleidung der Frau als soziales Signal, die Frau hingegen hat sich – so die Darstellung der Kampagne – schlicht etwas angezogen, ohne dabei irgendetwas ausdrücken oder signalisieren zu wollen. Eine solche Interpretation sozialer Signale, die doch eigentlich gar eine Signale seien, ist bezeichnend für viele Konflikte in Geschlechterdebatten – deshalb lohnt sich ein kurzer Blick darauf.

Montag, 15. Juli 2013

Der böse, fremde Sohn - Lynne Ramsays "We Need To Talk About Kevin"

„Mami war glücklich bevor der kleine Pinkel-Kevin dazukam, weißt du das? Jetzt wacht Mami jeden Morgen auf und wünscht sich, sie wäre in Frankreich.“ („Mummy was happy before widdle Kevin came along, you know that? Now Mummy wakes up every morning and wishes she was in France!”)
Der etwa zweijährige Kevin steht noch im Laufstall und hat gerade sein Essen an eine Wand geschmissen, als seine Mutter, die Reisejournalistin Eva Khatchadourian (Tilda Swinton), ihm eindringlich erklärt, dass er eine Belastung für sie sei und ihr Leben ohne ihn wesentlich glücklicher gewesen sei. Der Ehemann, Franklin (John C. Reilly), wird Zeuge der kurzen mütterlichen Rede, schüttelt den Kopf, sagt aber nichts.

Die Szene bündelt verschiedene Aspekte des am Ende des britisch-amerikanischen Films „We Need To Talk About Kevin“ der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay, der am Ende des vergangenen Jahres in die Kinos kam. Die Autorin des gleichnamigen, dem Film zu Grunde liegenden Romans beschreibt im Nachwort, dass das Buch am „Schnittpunkt privater und allgemeiner Angst“ („intersection of private und public angst“, S. 473 ) entstanden sei – ihrer eigenen Angst vor der Mutterschaft und dem damit verbundenen Verlust an Freiheit sowie der öffentlich diskutierten Angst vor „school shootings“, Schulmassakern.
 
 
Entsprechend besteht der Film eigentlich aus zwei Filmen – einem über Eva, der die Idee der Mutterschaft ein Greuel ist, die gleichwohl einen Jungen und ein Mädchen bekommt und deren Beziehung zum Sohn massiv belastet ist – und einen über diesen Sohn Kevin, der schon als Kleinkind ein geborener Terrorist zu sein scheint und der schließlich in einem Schul-Massaker mehrere Mitschüler sowie daheim seine Schwester und seinen Vater tötet. Beiden Filmen tut die Kombination miteinander nicht gut – gleichwohl ist „We Need to Talk About Kevin“ insgesamt ein wichtiges, aber auch sehr beunruhigendes Beispiel dafür, wie problematisch und verantwortungsfern Erwachsene männliche Kinder und Jugendliche vor dem Hintergrund gängiger Geschlechterklischees wahrnehmen.

Freitag, 12. Juli 2013

Deserteure an der Wickelfront

Das Kind war ein Wunschkind, für beide Eltern, doch noch vor der Geburt zog der Vater sich zurück, trennte sich, kappte den Kontakt, und über Jahre hinweg schickte er seinem Kind – das nun allein bei der Mutter lebte – nicht einmal mehr eine Geburtstagskarte. Die Mutter wollte das nicht akzeptieren, fand den Umgang mit dem Vater im Sinne des Kindes wichtig, wandte sich an das Jugendamt, schließlich an ein Familiengericht und erhielt jeweils dieselbe Antwort: Wenn der Vater nicht kooperieren wolle, dann könne man nichts tun.

Ein Vater, der nach einer Scheidung den Kontakt mit den Kindern – um die er sich vorher gern gekümmert hatte – radikal abbrach; ein anderer, der sich nach der Scheidung nur selten und unverlässlich bei seinen Kindern meldete – und jeweils dieselbe Antwort von Ämtern an die Mütter, die um Hilfe baten: Sie könnten froh sein, andere Väter benähmen sich noch schlimmer.

Das sind einige Beispiele (noch mehr wären möglich), die ich selbst aus dem Bekannten- und Freundeskreis kenne – persönliche Eindrücke also, bei denen ich keinen Anspruch darauf erheben kann, dass sie repräsentativ sind. Gleichwohl gibt es eben viele dieser Geschichten, und dass viele Menschen von ganz ähnlichen Situationen berichten können, ist wohl eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass Väter in Deutschland gesetzlich noch immer erheblich benachteiligt sind.

Denn leicht lässt sich das Engagement für die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern vor diesem Hintergrund diskreditieren: Männer würden einerseits auf das Recht pochen, sich von ihren Kindern nach Lust und Laune zu distanzieren – aber dann andererseits, wenn sie die Lust aufs Vatersein entdeckten, unbedingt das gleiche Recht auf Kindessorge haben wollen wie die Frau.
 
Warum dieser Vorwurf nicht nur naheliegend, sondern auch falsch ist, lässt sich unter anderem an einer Schrift zeigen, die vom Familienministerium finanziert und versandt, aber vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter erstellt wird. 

Sonntag, 7. Juli 2013

Wie Alice Schwarzer einmal eine Alien-Invasion bekämpfte

„Ich brauche den Feminismus, damit jemand meine Stimme zum Verstummen bringt.“ Diesen Satz, eine Übersetzung der Reaktion eines amerikanischen Mannes auf die dortige „whoneedsfeminism“-Kampagne, habe ich vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite des deutschen Pendants „Wer braucht Feminismus?" veröffentlicht. Er wurde sofort gelöscht.

Anlass für mich waren Berichte von Lesern, die aus kritischer männlicher Perspektive etwas zu der „Wer braucht Feminismus“-Kampagne beisteuern wollten und die berichteten, dass dieser Versuch zumindest bei Facebook und der Webseite der Kampagne hoffnungslos sei.
 
Nun kann man sicherlich den Betreibern privater Webseiten oder Facebook-Seiten das Recht zugestehen, nach eigenem Ermessen und beliebig Kommentare und Nachrichten zu löschen. Bei politischen Seiten ist eine solche Praxis mit Erwartungen an eine demokratische Diskussion allerdings schwer vereinbar, solange die Kommentare in einem zivilen und rechtsstaatlichen Rahmen bleiben. Wenn zudem eine Kampagne von einem „Jeder kann mitmachen“-Flair lebt und den Eindruck zu erwecken versucht, sie würde einen breiten Konsens ganz unterschiedlicher Menschen präsentieren, dann ist es offenkundig widersprüchlich, dass sie sich zugleich nur durch eine massive Abschottung von jeder kritischen Stimme konstituieren kann.

Vermutlich aber löschen die Betreiberinnen der Kampagne so routiniert, dass ihnen die Ironie der Löschung eines Satzes, der auf das Verstummen der Männer hinweist, gar nicht aufgefallen ist. Ein Kommentator zu dem Artikel „Wer braucht Feminismus? Na, wir!“ bringt die Widersprüchlichkeit der Kampagne auf den Punkt:
„Es ist quasi selbsterklärend, wenn 'Wer braucht Feminismus?' ein Image-Problem des Feminismus konstatiert, welches sich jedoch so gar nicht in den Statements der Facebook-Kampagnenseite wieder findet.“
Dass der Feminismus also ein Image-Problem hat, ist wesentlicher Grund für die Kampagne – in deren Rahmen zugleich auf keinen Fall thematisiert werden darf, dass der Feminismus ein Image-Problem hat.   Solche widersprüchlichen, selbstbezüglichen Strukturen finden sich schon in den Anfängen der „zweiten Welle“ in der deutschen Frauenbewegung – sie haben sich über die Jahrzehnte und über die verschiedenen „Wellen“ hinweg bewahrt. Es lohnt sich, einen kurzen vergleichenden Blick zurück auf den grundlegenden Text der neueren deutschen Frauenbewegung zu werfen, der hier schon einmal Thema war.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Wer braucht Feminismus? Na, wir!

Jasmin Mittag war in den USA und hat von dort etwas mitgebracht. Sie stellt beunruhigt fest, dass der Feminismus diejenige soziale Bewegung mit dem schlechtesten Image sei: „Sich für Umweltschutz, Tierrechte oder Frieden einzusetzen, ist zum Beispiel wesentlich angesehener“.

Natürlich ist es ein Mysterium, warum viele Menschen eine halbwegs intakte Umwelt oder die Vermeidung von Atomkriegen für wichtiger halten als etwa eine Quote, die einer kleinen Menge privilegierter Frauen Spitzenpositionen in der Wirtschaft garantiert. Jedenfalls müsste deutlich sein, dass das so nicht geht und das Image des Feminismus verbessert werden muss – und so wurde Mittags Idee, eine Idee aus den USA zu importieren, von vielen Medien und vielen berühmten Frauen und Männern begeistert aufgegriffen und verbreitet. Nach dem Vorbild der amerikanischen „whoneedsfeminism“-Kampagne erläutern nun auf Facebook, im NDR (siehe oben) und auf er eigens eingerichteten Webseite viele berühmte und weniger berühmte Menschen, warum Feminismus für sie wichtig ist.

Doch leider wird die charmante Idee Mittags von einigen auch kritisiert – und zwar, wie der NDR auf seiner Webseite überrascht feststellt, mehrheitlich von Männern. „Viele von ihnen scheinen sich vom Feminsmus (sic) bedroht und in ihren Rechten eingeschränkt zu fühlen.“ Natürlich hätte mit dieser Paranoia niemand rechnen können – doch so wird zumindest klar, dass der Feminismus (der doch eigentlich nichts anderes möchte als das Gute in der Welt, Frieden und Gerechtigkeit für alle) sein Image-Problem vermutlich männlichem Verfolgungswahn zu verdanken hat.

„Ich brauche Feminismus für mehr Gerechtigkeit auf der Welt“ steht auf dem Schild, das Mittag in die Kamera hält. Und so ist auch schon klar, wie das öffentliche Gespräch über den Feminismus geführt werden muss: Es kommt vor allem darauf an, einfach nur geduldig seine schlichte Grundwahrheit zu verkünden und sich durch Einwände nicht beirren zu lassen. So ungefähr funktioniert das Gespräch:

Gerechtigkeitsliebende Feministin: Ich brauche Feminismus für mehr Gerechtigkeit auf der Welt.
Paranoider männlicher Kritiker: Aber warum dann „Feminismus“? Wenn es um Gerechtigkeit für alle geht, geht es doch nicht nur um Frauen, oder?
GF: Ich brauche Feminismus für mehr Gerechtigkeit auf der Welt.
PmK: Okay, seh ich ein. Aber setzt das nicht voraus, dass per definitionem nur Frauen Opfer von Benachteiligungen werden können? Was ist mit den Vätern, die nicht bei ihren Kindern sein können, nur weil die Mütter das so wollen? Was ist mit den Nachteilen von Jungen im Bildungssystem? Was ist mit den riesigen finanziellen Transferleistungen von Männern zu Frauen über die Sozial- und Krankenkassen? Was ist mit den doppelten Standards bei der häuslichen Gewalt, bei denen Gewalt von Frauen gegen Männer systematisch verschleiert wird? Was ist mit der deutlich niedrigeren männlichen Lebenserwartung, der deutlich höheren Selbstmordrate, der deutlich höheren Rate bei der Obdachlosigkeit – könnte es nicht sein, dass es dafür auch strukturelle Ursachen gibt? Was ist mit den Tausenden von sogenannten Gleichstellungsbeauftragten, die sich öffentlich finanziert allein um Frauen kümmern? Was ist…?
GF: (gähnt) Ich brauche Feminismus für mehr Gerechtigkeit auf der Welt.

Sonntag, 30. Juni 2013

Krieg im Frieden - Bernhard Lassahns erster Band der "Trilogie zur Rettung der Liebe"

„In dem Roman Die Wand von Marlen Haushofer aus dem Jahr 1968, der nun verfilmt wurde, tut sich plötzlich eine unüberwindliche, gleichwohl unsichtbare Wand auf und isoliert die Frau von der Welt. Das Buch war nie ein Beststeller. Es gehört aber, wie die Kritikerin Elke Heidenreich festgestellt hat, zu den Büchern, die tatsächlich am meisten gelesen wurden – ein Longseller, ein Lieblingsbuch der Frauenbewegung, das ihr Lebensgefühl in ein bedrückendes Bild kleidet, in dem es keine Hoffnung auf ein gutes Ende gibt.“
So beschreibt Bernhard Lassahn in seinem „Frau ohne Welt“ aus einer „Trilogie zur Rettung der Liebe“ Marlen Haushofers Roman. Der Hinweis auf die Unmöglichkeit eines guten Endes erklärt sich schon aus dem Untertitel von Lassahns großem Essay: „Der Krieg gegen den Mann“ (die Rezension dazu auf Genderama findet sich hier).

Die These, dass in den westlichen Gesellschaften ein beständiger, zäher Krieg gegen Männer geführt werde, steht im Zentrum des Textes, der diese These in immer neuen Aspekten umkreist. Lassahn steht damit nicht allein: Dass es einen „Krieg gegen die Männer“, einen „war on men“ gäbe, war gerade erst Thema eines viel zitierten und heftig angegriffenen Textes im Wall Street Journal, einer der wichtigsten Tageszeitungen der USA. Ganz ähnlich ist das Bild, dass eben erst die US-Psychologin Helen Smith in ihrem aufsehenerregenden Buch „Der Streik der Männer“ („Men on Strike“) zeichnet, in der sie westliche Gesellschaften als eine feindselige Umgebung für Männer beschreibt und so erklärt, warum immer mehr Männer sich aus gesellschaftlicher und familiärer Verantwortung zurückzögen – zum Schaden für alle (auch dazu eine Rezension von Arne Hoffmann).

Leben wir also tatsächlich in Kriegszeiten?

Mittwoch, 26. Juni 2013

Naturliebe und Männerhass - Julian Pölslers "Die Wand"

Es ist gut, dass Julian Roman Pölslers Verfilmung von Marlen Haushofers 1963 erschienenen Kultroman „Die Wand“, die im Oktober des vergangenen Jahres in die Kinos kam, nun auf DVD erhältlich ist: Ich habe mir den Film so zu Hause anschauen können, bin ungefähr fünf Mal dabei eingeschlafen und hätte im Kino also möglicherweise nur 20 Minuten des Filmes gesehen. Nun jedoch konnte ich jeweils wieder bei der letzten Stelle starten, an die ich mich noch erinnerte. Als ich wieder wach war, fiel mir zudem auf,  dass der Film auch als eine politische Metapher verstanden werden kann, die gerade im Hinblick auf Männer- und Jungenrechte sehr interessant ist.

Die Geschichte, soweit es im Film eine gibt, ist schnell erzählt: Eine Frau (Martina Gedeck) fährt mit einem befreundeten Paar auf deren Berghütte, und als die Freunde Richtung Tal in ein kleines Dorf gehen, bleibt sie mit dem Hund zurück. Am nächsten Morgen sind die Freunde noch immer nicht wieder da – sie sucht sie und stößt auf dem Weg ins Dorf an eine unsichtbare Wand, die ihr kein Durchkommen erlaubt. Diese Wand umschließt sie offenbar auf allen Seiten, und sie ist allein mit den Tieren in ihrer abgesonderten Bergwelt. In der Welt draußen hat sich währenddessen ein großes Unglück ereignet: Das Radio empfängt keine Musik mehr, niemand – auch keiner der Freunde – sucht nach der Frau, und ein älteres Paar auf einem nahen, aber auf der anderen Seite der Wand gelegenen Hof wirkt wie versteinert.
 
 
Offenkundig hält die Wand die Frau also nicht nur gefangen, sondern schützt sie auch vor den Folgen einer Katastrophe. Im Innern des von der Wand begrenzten Bereichs behauptet sich die Frau, ernährt sich durch verbleibende Vorräte, durch Pflanzen und durch die Jagd, und vor allem sorgt sie für Tiere: für den Hund Luchs, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis entwickelt, die trächtige Kuh Bella (die bald einen jungen Stier zur Welt bringt), für Katzen. Auf einer Alm merkt sie, dass sie zu einer Einheit mit der ihr umgebenden Natur findet, in der ihr das, was ihr zuvor wichtig schien – insbesondere der Wunsch, sich von anderen zu unterscheiden – bedeutungslos vorkommt.

In die einsame Idylle aber bricht nach einigen Jahren jemand ein: Ein Mann tötet den jungen Stier mit einer Axt, und als die Frau ein Gewehr holt, tötet er auch den Hund Luchs, der ihn angreift. Die Frau erschießt den Mann, begräbt Luchs tief erschüttert und rollt die Leiche des Mannes einen Abhang herab.

Samstag, 22. Juni 2013

Menschenteile bei Maischberger (und andere ProQuote-Seltsamkeiten)

„Zu dem unterirdischen Radiofeature "Maskuline Muskelspiele" sei der Hinweis erlaubt, dass Homann nur "Künstler" ist, kein Journalist. Redaktionell verantwortlich ist Ulrike Ebenbeck, rein zufällig natürlich auch Unterzeichnerin / Unterstützerin von Pro Quote.“
Soweit Thomas M. in einem Kommentar vor wenigen Tagen.  Die zentrale Forderung von ProQuote – einer seit Beginn des vergangenen Jahres tätigen Initiative von Journalistinnen, die sich unter dem Namen ProQuote Medien auch als Verein etabliert hat – ist eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in allen Führungspositionen der Redaktionen. Zu der Initiative gehören etwa dreihundert Journalistinnen (laut Spiegel-Autor Thomas Tuma etwa 150 zahlende), darunter auch Anne Will, Sandra Maischberger oder Gabi Bauer, sowie einige männliche Unterstützer. Der Verein bekennt sich zu einer umfassenden Lobbyarbeit – er will beispielsweise auf „verzerrende Berichte zum Thema Gender und Quote“ (also auf Berichte, die den Zielen des Vereins nicht entsprechen) schnell reagieren und entwickelt „Kampagnen, die Öffentlichkeit schaffen und den Druck auf die Verlage und Sender erhöhen“.

Schon mit diesen Zielen begeben sich die Journalistinnen allerdings in einen erkennbaren Konflikt – einerseits sind sie Teil von Verlagen und Sendern und tragen dort Verantwortung, zugleich aber wollen sie in ihrem Sinne Druck auf ihr Arbeitsumfeld ausüben. Umso heikler wird diese Situation dadurch, dass ihre journalistische Arbeit ja eigentlich ein hohes Maß an Abstand und Unvoreingenommenheit voraussetzt. Entsprechend kritisiert Thomas Tuma ProQuote auch im Spiegel. In seinem Essay „Die ScheinriesInnen“ schreibt er:
Sorry, Ladys, sie missbrauchen Ihren Status, Ihre Prominenz, Ihre Funktion, Ihre Medien und sogar das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen des Publikums in Ihre Unabhängigkeit! Denn Sie sind bei Ihrer Vereinsarbeit nicht nur einseitig Partei. Sie sind es leider in einem schlichten Beweggrund: Eigeninteresse, das Sie geschickt als gesellschaftliche Relevanz inszenieren. (Der Spiegel, 27.5.2013. S. 146)
Der Vorwurf Tumas, das unabhängiger Journalismus zu Propaganda zu verkommen drohe, wurde ganz entsprechend der ProQuote-Politik der schnellen Reaktion auf unliebsame Berichte heftig beantwortet, Tuma nach eigenen Angaben als ein „reaktionäres Macho-Schwein (…) oder ein heulsusiges Weichei“ beschimpft  Dabei ist gerade die eingangs angesprochene Sendung ein gutes Beispiel dafür, wie recht Tuma mit seiner Einschätzung hat.

Dienstag, 18. Juni 2013

Berserkerin

Ernst Barlachs Plastik „Berserker“ ist auf irritierende Weise widersprüchlich. Eigentlich ist ein Berserker ja jemand, der vor Wut in einen Rausch geraten ist und der nun ohne Sinn für die eigenen Schmerzen auf die Feinde einschlägt, laut Duden ein „Rasender, Tobender, Tobsüchtiger“, oder auch ganz einfach ein „kampflustiger, sich wild gebärdener Mann“.   An Barlachs Berserker aber fällt der ruhige, gelassene Gesichtsausdruck aus, eine fast meditative Entspanntheit. Auch der Ausdruck des Körpers passt kaum zum Bild des wilden Manns: Zwar hält er den rechten Arm, zum Schlag bereit, über den Kopf, aber dass er darin ein Schwert hält, ist aus der Perspektive von vorn kaum zu sehen. Der Körper ist auch nicht im Wutrausch nach vorn gerichtet, sondern schräg nach hinten gebeugt, als würde er sich vor einem Angreifer zurückziehen. Dazu passt der linke Arm, dessen Hand zwar zur Faust geballt ist, der aber quer vor dem Körper des Berserker ausgestreckt eben vom Angreifer fort weist.

Die blanken Füße stehen auseinander, ein weites Gewand – und nicht etwa ein Bärenfell – spannt sich zwischen ihnen, und der ganze Berserker sieht so aus, als ob er nicht etwa wild wüten, sondern gelassen sitzen würde. Das tut er auch – wenn man ihn von hinten anschaut, sieht man, dass er sich ruhig auf ein paar Steinen niedergelassen hat.
Die Widersprüche der Figur haben mich an Diskussionen erinnert, die auch hier im Blog immer wieder über Äußerungen der Männerrechtsbewegung geführt wurden. Eine noch vor wenigen Tagen: 
Ich fürchte aber, dass die (…) ins offene Messer laufen. Wenn man einige Blogs der Männerrechtler liest, findet man neben sachlichen Artikeln und Kommentaren leider immer wieder vulgäre, beleidigende und [wirklich] sexistische Beiträge.
Als Beispiel nennt der Kommentator Begriffe wie „Quotze“, eine Kontamination aus den Begriffen „Quote“ und „Fotze“, die in seinen Augen erschreckend sind. Sein Schluss daraus:
Wer gegen die totalitären Spielarten des Genderismus und des Feminismus argumentieren will, braucht ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Er muss auch von seinen Kommentatoren Disziplin fordern. Sonst gibt man sich Blößen, die gnadenlos ausgenutzt werden.

Freitag, 14. Juni 2013

Aggro akademisch

„Peinliche Maskutrolle rotten sich auf peinlichem Maskublog gegen „Genderfeministin“ Dr. Mutti zusammen“ – „Ihr rottet euch zusammen. Ob ihr eine „Meinung“ habt, ist dabei irrelevant.“ – „Haha, es gibt tatsächlich Leute, die Pinker [gemeint ist Steven Pinker, Professor für Psychologie in Harvard]  für „gute Gesellschaft“ halten.“ – „Außer Ihren Maskutrollfreunden hat niemand Interesse, Ihr Blog zu lesen oder zu kommentieren.“ Derjenige, der sich hier auf diese Weise durch seinen Twitter-Account pöbelt, ist keineswegs ein Jugendlicher in der Hochzeit seiner Pubertät, sondern ein deutscher Professor – Anatol Stefanowitsch, Lehrstuhlinhaber am Institut für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin und bekannt für seine feministischen Positionen zur geschlechtergerechten Sprache".  Was war passiert? In einem Artikel auf dem Blog „Dr. Mutti“  hatte die Blogbetrieberin, die Hamburger Linguistin Juliane Goschler, in einem Artikel nur eine sehr geringe Bedeutung biologischer Faktoren für das unterschiedliche Verhalten von Männern und Frauen eingeräumt: Es schnurre „die Liste der wissenschaftlichen Studien, die einen eindeutigen Einfluss von biologischem Geschlecht auf das Verhalten zeigen, zusammen auf eine kleine Handvoll, die man überhaupt nur ernsthaft diskutieren muss.“ Darauf hatte Alexander Roslin als Kommentator auf dem Blog „Alles Evolution“, der sich wesentlich mit eben der Bedeutung dieser biologischen Faktoren für die Geschlechterrollen auseinandersetzt, hingewiesen  und einige Zitate zusammengestellt, die der Darstellung von Dr. Mutti widersprachen. Roslin schloss mit dem Hinweis, dass er seinen Kommentar bei Dr. Muttis Blog gepostet habe und gespannt sei, ob er freigeschaltet werde. Auch Christian Schmidt schob auf seinem Blog noch einige Argumente hinterher und versuchte sie ebenfalls als Kommentare bei Dr. Mutti zu posten. Die Widersprüche gegen Goschers Position waren durchweg sehr sachlich formuliert, doch die Petitesse, dass sie – angesichts der Unsicherheit, ob die Kommentare bei Dr. Mutti freigeschaltet würden – auch auf „Alles Evolution“ veröffentlicht wurden, nahm Stefanowitsch (der mit der ganzen Diskussion eigentlich gar nichts zu tun hatte) zum Anlass, sich hemmungslos zu enragieren. Während er jedes Gesprächsangebot der „Gegenseite“ (z.B. die Versicherung von Christian Schmidt, Diskussionsbeiträge von Stefanowitsch oder Goschler auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen) höhnisch ablehnte, ließ er andere, zustimmende Beiträge zu seiner Position (soweit hier zitiert von „JoergR“) völlig unkommentiert. „Schon toll welch tolles Vokabular sexistischer Schleim für den eigenen Auswurf hat. ‚bespricht‘, ‚Meinung‘“ – „Bullshit. Ich hab kein Interesse, mit Sexisten zu reden. Ich will dass sie ihre Fresse halten.“ – „Ich hoffe die Argumente haben scharfe Kanten, die kannst du nämlich zusammenrollen und dir in den Arsch stecken.“ (zu einem Kommentar, der darauf hinwies, dass die Kommentare auf dem Alles Evolution-Blog schlicht Argumente und Quellen nennen würden). Für einen Professor ein etwas überraschendes Verhalten: Während sich Stefanowitsch den mehrfachen Angeboten einer sachlichen Diskussion umgehend aggressiv verweigert, scheint ihm angesichts der verrückt unangemessenen, dehumanisierenden Kommentare, mit denen ihm ein anderen Nutzer beispringt, nicht einmal eine kleine Relativierung nötig.

In seinem Auftreten zeigt sich aber eine Tendenz, die eine ganze Reihe akademischer Reaktionen auf die Männerrechtsbewegung prägt: Eine inhaltliche und sachliche Auseinandersetzung kategorisch und demonstrativ zu verweigern – einen akademischen Status auszuspielen, ohne dass die Grundlagen und Regeln, die diesen Status bedingen, respektiert würden – mit einer verbissenen Feindseligkeit zu agieren, deren Gründe nie reflektiert oder erläutert werden – und mit massiven Unterstellungen zu arbeiten, die offenkundig keiner Begründung bedürfen. Wenn Professor Stefanowitsch Diskutanten, die sachliche Einwände vorbringen, als „Trolle“ bepöbelt und ihre Beschimpfung als „Schleim“ stillschweigend billigt oder begrüßt, gehört das vergleichsweise sogar noch zu den harmloseren Diffamierungen. Es lohnt sich, diese Art der akademischen Beschäftigung mit Themen der Männerrechtsbewegung (die unter anderem in diesem Blog schon an verschiedenen Stellen erwähnt wurden) einmal im Zusammenhang zu betrachten.

Dienstag, 11. Juni 2013

Eloquent und selbstbewusst die Klappe halten

„Von Kurt Tucholsky stammt der Seufzer ‚meine Sorgen möcht‘ ich haben‘. Dabei ahnte Tucholsky noch nichts von den drängenden Problemen unserer Tage, nichts von Klimawandel und Eurokrise, von Tempolimit und Ehegattensplitting und schon gar nichts vom immerwährenden Kampf und die geschlechterneutrale Sprache.“  Dieser Kommentar des Bayrischen Rundfunks gehört noch zu den milderen Reaktionen auf die Entscheidung des Senats der Leipziger Universität, in der universitären Grundordnung nur noch weibliche Bezeichnungen zuzulassen – und mit Titeln wie dem der „Professorin“ Männer einfach mitzumeinen. Dass die Entscheidung fast flächendeckend, vorsichtig formuliert, als skurril wahrgenommen wurde – die Bildzeitung sprach wie zu erwarten von „Irrsinn“Kommentare zum entsprechenden Artikel in der FAZ sind mit „Irrenhaus“ oder „Ansonsten haben wir keine Probleme“ überschrieben , und selbst Heide Oestreich kommt in der taz nicht umhin, aus den Reaktionen zu zitieren: „ideologischer Irrsinn, die Uni als psychiatrische Tagesklinik, Obsession …“  Tatsächlich wirkt diese Entscheidung wohl wegen der großen Fallhöhe, die durch einen universitären und elitären Anspruch aufgebaut wird: Es wirkt nun einmal recht wirklichkeitsentrückt, wenn man auf der einen Seite Wissenschaft mit erheblichem Geltungsanspruch (und erheblichen Hürden für die Möglichkeiten des Zugangs dazu) betreibt und auf der anderen Seite seine hochbezahlte Zeit damit verbringt, einfach mal zu schauen, wie es wohl ist, alle Menschen mit der weiblichen Form anzureden.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Facebook: Nazi-Mist ist okay, Feminismus-Kritik muss weg

Vor ein paar Monaten habe ich zum ersten (und letzten) Mal ein Bild bei Facebook gemeldet. Das Bild vom 4.1. zeigt eine Dose Nüsse, beschriftet ist sie mit den Worten „Buchenwald’s Beste“, darunter steht „Cash-Jews“ (also etwa: Geldjuden), neben den Schriftzug „Nur echt mit dem Stern“ ist ein Judenstern gezeichnet, unten prangt ein Hakenkreuz mit dem Satz „Hergestellt nach dem deutschen Reinheitsgebot“. Was Juden eigentlich mit Nüssen zu tun haben, macht das Partizip vor dem Begriff „Cash-Jews“ klar – es sind „Geröstete Cash-Jews“.

Ein lupenreines Nazi-Bild, das antijüdische Klischees nutzt und sich offen über den Massenmord an den europäischen Juden lustig macht. Ein paar Tage später erhielt ich von Facebook eine sehr knappe Mail mit dem Satz „Wir haben deine Meldung zu [Umstrittener Humor] Schwarzer Humors Foto überprüft.“ Das war alles: Das Bild wurde nicht entfernt, obwohl ich weiß, dass ich bei Weitem nicht der einzige bin, der es gemeldet hatte. Mittlerweile ist er auf der entsprechenden Seite der Gruppe ein zweites Mal gepostet, Hunderte von Facebook-Nutzern geben an, dass sie es mögen. Die Seite ist insgesamt voller rassistischer und antisemitischer Bilder und Sprüche, regelrecht zwanghaft sind Witze über Anne Frank (die zum Beispiel mit Papierhütchen und dem Spruch „I played hide and seek“ dargestellt wird, 9.1.), die Seite macht sich über eine Statistik lustig, die eine rapide Schrumpfung der jüdischen Weltbevölkerung während der Nazi-Herrschaft zeigt (31.3.), nutzt Nazi-Chiffren wie den Hitler-Code „88“ („Frage mich, womit die heizen“, 28.3.), macht zahllose Witze über Juden, Schwarze oder Türken und spottet auch über Angriffe auf Israel in der heutigen Zeit („Reise nach Jerusalem“, 3.1.). Auch rassistische Klischees werden offen bedient, Bilder erhängter Schwarzer mit dem Satz „Mal die schwarze Seele baumeln lassen“ untertitelt (1.4.), gleich mehrmals wird die Frage „What’s the most positive thing in Africa?“ mit „HIV“ beantwortet, und unter einem Bild eines Affen neben einem weißen Kind steht der Satz „Black children and white children are the same“ (1.4.) Dies nur einige Beispiele von sehr viel mehr möglichen.

Dienstag, 4. Juni 2013

Gespräche verweigern, Gesetze sabotieren, "Kindeswohl" schreien

Der Alleinerziehendenverband untergrabe systematisch das neue Sorgerechtsgesetz, stellt das Magazin PAPA-YA in einer Mitteilung fest (dazu auch das Magazin Focus und Genderama).  „Darin berichtet das Magazin über Informations-Veranstaltungen, auf denen der VAMV Müttern exakte Anweisungen zum „Kampf“ gegen Väter gebe. (…) Scharfe Vorwürfe richtet ‚PAPA-YA‘ im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung an die VAMV-Vorsitzende Edith Schwab, Berufskolleginnen und – zum Teil inkognito – auftretende Verbandsmitglieder. So hetze eine Fachanwältin für Familienrecht auf Veranstaltungen mit fragwürdigen Tipps alleinerziehende Mütter gegen die Väter ihrer Kinder auf. Einige dieser ‚Hinweise‘ können nach Ansicht des Magazins als strafbare Handlungen eingestuft werden. Dazu zählen den Angaben zufolge Aufrufe zu Falschaussagen hinsichtlich des Kindeswohls und ‚Anleitungen‘ für eine dauerhafte, wörtlich als ‚Entsorgung‘ bezeichnete, Trennung des Kindes vom Vater.“ Angesichts offizeller schriftlicher Stellungnahmen des Alleinerziehendenverbands sind diese Vorwürfe völlig glaubwürdig. Eine im Internet erhältliche Handreichung des VAMV zum neuen Sorgerecht gibt beispielsweise Tipps, wie Mütter angesichts der veränderten Gesetzeslage gegen eine gemeinsame Sorge argumentieren könnten. Da heißt es zum Beispiel: „Offenbar scheint der Gesetzgeber Eltern, deren ‚ablehnende Haltung sich verfestigt‘ hat, die gemeinsame Sorge nicht in jedem Fall zumuten zu wollen. Hier dürften langjährige Gerichtsverfahren, beispielsweise den Umgang betreffend, einschlägig sein, weil sie die Unfähigkeit der Eltern, ohne Hilfe Dritter gemeinsame Entscheidungen zu fällen, schwarz auf weiß vor Augen führt.“ (sic!, S. 8) Im Klartext: Nach der Darstellung des Verbands lohnt es sich für Mütter, den Umgang zwischen Vätern und Kindern über lange Zeit so zu erschweren, dass der Vater-Kind-Kontakt nur über Gerichtsverfahren gesichert werden kann – weil eben diese Gerichtsverfahren sich als Argument gegen eine gemeinsame Kommunikationsbasis und also gegen eine Beteiligung der Väter an der Sorge werten ließen. Wenn der Verband schon in leicht erhältlichen schriftlichen Stellungnahmen Müttern so unverblümt ein destruktives Verhalten gegen Väter und Kinder nahelegt, dann ist tatsächlich davon auszugehen, dass Repräsentantinnen dieses Verbands in mündlichen öffentlichen Stellungnahmen und erst Recht in vertraulichen Beratungssituationen noch viel deutlicher werden.