Freitag, 30. August 2013

Die SPD als Gender-Streber und Fettnapftreter

„Die antifeministische Männerrechtsbewegung wird, wenn wir in Regierungsverantwortung sein sollten, keinerlei Zugang bekommen. Wir werden dafür sorgen, dass progressive und profeministische Kräfte in der Männerpolitik gestärkt werden.“
Besten Dank, Thorben Albrecht, Abteilungsleiter Politik im SPD-Parteivorstand, für diese klaren Worte. Ein Leser, „Bombe 20“, hatte sie als Antwort auf Wahlprüfsteine der Lobbyistinnengruppe „Gender Mainstreaming Experts International“ entdeckt und hier in den Kommentaren gepostet. Übrigens hat Herr Albrecht dann keine Antworten mehr auf den Zweifel Arne Hoffmanns, dass die SPD den wilden Spagat schaffen könne, gleichzeitig progressive UND profeministische Kräfte zu stärken. (Mehr dazu auch auf Kritische Wissenschaft.) 
„‘Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden‘, so steht es im Grundsatzprogramm der SPD seit 1989. Gleichstellung von Frauen und Männern hat für die SPD einen hohen Stellenwert. Nur eine gleichgestellte Gesellschaft ist eine moderne Gesellschaft.“
So beginnt Albrecht für die SPD seine Antworten auf den Fragekatalog – und beim Lesen hatte ich den seltsamen Eindruck, er sei stolz wie Bolle darauf, dass seine Partei schon seit 1989 einen Satz in ihrem Parteiprogramm stehen hat, den in dieser Krassheit nicht einmal die Grünen und die Linken zu bieten haben. Übrigens ist er eine Reminiszenz an den alten selbstgerechten feministischen Spruch „Weniger Mann ist mehr Mensch“ aus den siebziger Jahren, der also nur ca. 15 Jahre gebraucht hat, um progressiv und der Zukunft zugewandt im Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten zu landen.

Dienstag, 27. August 2013

"Verhetzung, Lüge, Dreck" - Wie die Böll-Stiftung Böll verwurstet

„Der Schriftsteller Eckhard Henscheid hat den bekannten Schulbuchautor Heinrich Böll in einer Rezension einmal als 'steindumm', 'kenntnislos' und 'talentfrei', kurz: als 'Knallkopf' bezeichnet. Obwohl nicht wenige diese Einschätzung als zutreffend und in jeder Hinsicht überfällig empfanden, musste sich Henscheid auf Betreiben eines Böll-Sohns vor Gericht verantworten."
Jan Fleischhauer ist als Spiegel-Kolumnist offenkundig auch 28 Jahre nach dessen Tod nicht sonderlich gut auf Böll zu sprechen (zum Urteil, auf das er sich bezieht, mehr hier). Ganz ähnlich wie Fleischhauer sieht Michael Klein Böll:

„Kennen Sie auch die Ansichten eines Clowns? Diesen unsäglichen Roman über einen suizidalen Clown, dessen trübe Stimmung dem regnerischen Wetter in nichts nachsteht? Überhaupt regnet es bei Böll immer, wenn die Helden seiner Romane gerade einmal Trübsal blasen. Öde Langeweile in fahle Bilder gegossen."
Die gehässige Rede vom „Schulbuchautor“ trifft: Als Schriftsteller ist Böll, wenn nicht gerade eine seiner Kurzgeschichten (gern: „Wanderer, kommst du nach Spa…“ ) oder „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ in der Schule gelesen wird, weitgehend vergessen. Ein wenig ist er vielleicht noch als „Gewissen der Nation“ in Erinnerung, und über diesen Umweg wird er dann auch auf ganz unvermutete Weise wieder aktuell: Die Grünen haben Bölls Image als moralisch integrer, widerständiger Mahner genutzt und ihre millionenschwere parteinahe Stiftung nach ihm benannt.
Auf eine Schrift eben dieser Stiftung bezieht sich auch Klein in seinem Böll-Verriss. Wenn im Zusammenhang mit geschlechterpolitischen Debatten der Name „Böll" verwendet wird, dann meist im Gespräch über eine als „Expertise“ bezeichnete Schrift der Heinrich-Böll-Stiftung, die bekanntlich den Einsatz für Männerrechte willkürlich mit den Massenmorden Anders Breiviks und mit rechtsradikaler Politik in Verbindung bringt  – oder über eine Schrift zur Verteidigung der Gender Studies, die seltsamerweise nicht etwa deren wissenschaftliche Grundlage erläutert, sondern die sich auf Kritik an ihren Gegnern beschränkt und deren Gegnerschaft ebenfalls in einen rechtsradikalen Zusammenhang stellt.

Da ich Böll schon sehr lange nicht mehr gelesen habe, da ich aber in meiner Jugendzeit ein viel positiveres Bild von den „Ansichten eines Clowns“ – als junger pubertierender Katholik war ich begeistert von der Geschichte einer tragischen Liebe, die an der hartherzigen Moralität der katholischen Kirche scheitert – und auch einiger seiner Essays hatte, habe ich mir einige von ihnen noch einmal angeschaut. Das Ergebnis kann der Böll-Stiftung nicht gefallen….

Freitag, 23. August 2013

Die Mütze

Eigentlich wollte ich in diesem Blog ja ganz verschiedene Sorten von Texten schreiben, nicht nur Essays, auch ab und zu kleine Geschichten oder Gedichte. Aber ich habe mich von Gender Studies, SPD und Grünen ein wenig mitreißen lassen und dieses wohlmeinende Vorhaben ein wenig aus den Augen verloren… Nun aber wird es Zeit, mal wieder etwas daran zu ändern.

Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist gerade der Band „Scheiden tut weh. Elterliche Trennung aus der Sicht von Vätern und Jungen“ erschienen. Seltsamerweise besetzt keiner der Beiträger einen Gender-Lehrstuhl, obwohl das Thema doch eigentlich zentral für die Geschlechterforschung sein müsste…aber ich will natürlich nicht schon wieder damit anfangen.
 
Zur Gesundheit von Jungen in „Einelternfamilien“ – selbst grammatikalisch ist das Wort ja schon krumm – trägt in dem Band beispielweise Robert Schlack vom Robert-Koch-Institut eine Menge zusammen.

Montag, 19. August 2013

Die grüne Unfähigkeit, sich zu schämen

Wenn ich mich richtig erinnere, war es Václav Havel, der einmal gefordert hat, Politikern zu verbieten, Kinder auf den Arm zu nehmen, sich mit ihnen ablichten zu lassen und sie so für die eigene Präsentation zu benutzen. Ich mache mir diese Forderung jedenfalls gern zu eigen und möchte sie auf Wahlkampfplakate ausweiten – Kinder sind für die beauftragten Werbeagenturen offenbar Mittel der Wahl, wenn es darum geht, der Inhaltsleere in den Positionen Erwachsener den Anschein der Lebensfreude und Vitalität zu geben.

Dabei sind beispielsweise Kinder auf den CDU-Wahlkampfplakaten zumindest noch inhaltlich motiviert – wenn eine Parte Politik für Familien zu machen verspricht, dann ist es zumindest nicht absurd, dies mit Bildern von Eltern und Kindern zu illustrieren. Wesentlich schamloser sind in dieser Hinsicht Plakate der Grünen – und deren Zusammenhang mit der Pädophilie-Debatte, mit der die grüne Partei seit Monaten konfrontiert ist.

Samstag, 17. August 2013

Antifeminismus zwischen Demagogie und Flirthilfe

Da lese ich, im Zug sitzend, unschuldig auf meinem Laptop ein paar Texte zum Thema „Antifeminismus“, kämpfe mich zum Beispiel ohne Rücksicht auf mich selbst durch Rolf Pohls „Männer – das benachteiligte Geschlecht? Weiblichkeitsabwehr und Antifeminismus im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“ und bleibe trotz des wikipedia-Artikels mit der großen Überschrift „Antifeminismus“ wach – und in der ganzen Zeit blickt mir zuerst die junge Frau rechts von mir, und auch die links über den Gang hinter mir beständig über die Schulter und zeigt sich hochinteressiert an dem, was ich da tu.
 
Das erzählt mir jedenfalls die Dame, die mir gegenübersitzt – sie hätte bei den Blicken gedacht, ich würde einen Porno schauen (obgleich der Vergleich Pohls und der wikipedia mit Pornographie natürlich ein wenig ehrabschneidend ist, auch wenn ich im Moment nicht genau weiß, für welche von beiden Seiten). Das nur mal als Tipp nebenbei – interessierte Lektüre von Antifeminismus-Texten könnte gegebenenfalls einen guten Gesprächsanlass bieten…ich weiß allerdings nicht recht, wohin das führt, ich habe es nicht ausprobiert.

Immerhin wird dadurch deutlich, dass der Begriff „Antifeminismus“ ausgesprochen attraktiv ist, wenn auch nicht ganz so deutlich ist, ob er dabei eher positive oder negative Emotionen auslöst. Der wikipedia-Artikel jedenfalls bastelt eher unschöne Parallelen, verknüpft den Antifeminismus und den Antisemitismus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und zieht eine gerade Linie vom Widerstand gegen das Frauenwahlrecht zu Katharina Rutschky, die doch glatt Alice Schwarzers „Emma“ kritisiert habe.

Montag, 12. August 2013

Sind Männer Menschen? Fragen Sie Ihren SPD-Kandidaten!

"Vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie sich offensichtlich intensiv mit dem Grundsatzprogramm der SPD auseinander setzen - und das in der Woche, in der meine Partei den 150. Geburtstag feiern konnte.“
So beginnt die Nachricht eines SPD-Bundestagskandidaten, der auf die Frage antwortet, wie denn eigentlich der berüchtigte Satz aus dem SPD-Grundsatzprogramm zu verstehen sei, dass die männliche Gesellschaft überwinden müsse, wer die menschliche Gesellschaft wolle. Der Fragesteller „Horsti“, hat sie in einem Kommentar zu dem Artikel „Wie die SPD unwählbar wurde“ dokumentiert.

Interessant ist die ganze Antwort: Der Kandidat beruft sich auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, die doch von der SPD angestrebt werde, erläutert aber nicht, was das denn eigentlich mit dem umstrittenen Satz zu tun habe. Vor allem aber nimmt er das Problem nicht wahr, das der Frage offenkundig zu Grunde liegt – dass sie sich nämlich auf die Gegenüberstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit bezieht, mit der die Formulierung der menschlichen männlichkeitsüberwindenden Gesellschaft arbeitet. Da er also die Frage nicht akzeptiert, kann er sie auch gar nicht beantworten.

Obwohl diese wortreich ausweichende Antwortsimulation ja erwartbar war, schreiben noch einige weitere Kommentatoren zu dem Artikel darüber, wie sie selbst an Kandidaten der SPD geschrieben haben. Ich greife die Kommentare hier noch einmal im Zusammenhang auf. Oliver K. schließlich schlägt vor, eine gemeinsame Aktion zu starten und Briefe an SPD-Abgeordnete zu schicken. Das will ich hier unterstützen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass wir damit ergiebigere oder ehrlichere Antworten bekämen als „Horsti“, aber verglichen mit der schweigenden Akzeptanz der SPD-Position sind solche Nachfragen in meinen Augen die deutlich bessere Alternative.  Antworten können dann hier im Kommentarstrang dokumentiert werden – so bekommen wir einen guten Überblick, zumindest einen Einblick.

Freitag, 9. August 2013

Wie die SPD unwählbar wurde

Es gibt wohl kaum einen Satz in der gegenwärtigen deutschen Politik, der in der Männerbewegung ähnlich oft zitiert wird. In der „Champions League des Sexismus“, die gerade von MANNdat veranstaltet wird, ist er natürlich mit dabei, und der Bremer Professor Gerhard Amendt bezeichnet ihn in der „Welt" als einen „Aufruf zum Kampf gegen die Männer“, der sie in den „Status der Unmenschlichkeit“ rücke.
Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden."
Ein Satz, der zum ersten Mal im Berliner Programm der SPD von 1989 auftauchte (S. 22) und der dann 2007 auch in das Hamburger Programm übernommen wurde (S. 41). Diese Übernahme war nicht selbstverständlich – prominente SPD-Frauen wie Hannelore Kraft, Gesine Schwan und Kerstin Griese hatten gefordert den Satz zu streichen, da er „rhetorisch verstaubt“ und „nicht mehr angemessen“ sei.  Auf Druck der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und der Jusos war er auch jedoch auch in die Neufassung des Grundsatzprogramms aufgenommen worden  – und nach dringlicher Fürsprache Erhard Epplers:
„Dieser Satz stammt nicht von einer radikalen Feministin, sondern von mir. Und ihr dürft ihn getrost ins Hamburger Programm übernehmen."
Der Gedanke verharmlost den Satz, dass er nur deshalb problematisch sei, weil er rhetorisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit wäre. In einem Kommentar hier bezieht sich Crumar beispielsweise auf
„den legendären Satz, der nicht nur ahistorisch und asozial ist, sondern radikal zu Ende gedacht Männer nicht als Bestandteil einer menschlichen Gesellschaft sieht. Zerlegt man den Satz in Gegensatz Paare, wird deutlich, dass Frauen das Menschsein verkörpern, womit Männern nur noch die Position des zu überwindenden Unmenschen bleibt.“ 
Ganz gleich, wie immer der ja tatsächlich ausgesprochen wolkige Satz interpretiert wird, er arbeitet mit einem Gegensatz von Männlichkeit und Menschlichkeit. Demokraten würden selbst Nazis zwar als politische Gegner bekämpfen, ihnen aber nicht die Zugehörigkeit zum Menschsein abstreiten.

Warum aber sollten aus Sicht der SPD Männer insgesamt noch schlimmer sein als Nazis? Und wie gerät ein solcher Satz in das Grundsatzprogramm eine Partei, die sich als demokratisch versteht, und wie kann er sich dort über Jahrzehnte behaupten? Um auf die Fragen eine Antwort zu finden, lohnt sich ein Blick auf die Zusammenhänge, in denen dieser Satz steht.

Sonntag, 4. August 2013

Survival Kit für Gender-Studies-Zwangs-Studis

Der Blog „Alles Evolution“ hat vor einigen Wochen einen Test dokumentiert, der grundsätzliche Überzeugungen der Gender Studies abfragt. Er stammt nicht etwa aus einem originären Gender Studies-Studiengang, sondern aus einem ingenieurswissenschaftlichen Studium der Universität Linz – dort ist nämlich, in einer witzig-originellen Volte der Studienplanung, die Teilnahme an einer Gender Studies-Veranstaltung für alle verbindlich, und wer Ingenieur werden will, muss den Test bestehen.
 
Warum nicht auch umgekehrt für alle Gender-Studenten eine erfolgreich bestandene Prüfung in Ingenieurswissenschaften obligatorisch ist, weiß ich übrigens nicht genau – möglicherweise lässt sich eben, anders als umgekehrt, Gender-Kompetenz einfach nicht durch Kompetenz in den Ingenieurswissenschaften ersetzen.

Als Service für alle Gender-Studies-Zwangs-Studis habe ich jedenfalls eine Musterlösung für einige der zentralen Fragen des Tests erstellt – und habe dabei auf die Hilfe von einer der bundesweit anerkanntesten Expertinnen auf dem Gebiet, Frau Professorin Paula-Irene Villa, bauen können. Die Zusammenarbeit – die in dieser Form, wie ich betonen darf, angenehm spannungsfrei war – gestaltete sich so, dass ich Zitate aus einem längeren zweiteiligen Interview mit Frau Professorin Villa mit meinen eigenen Antworten kombinierte (so dass Frau Professorin Villa übrigens bis heute nichts von der Kooperation weiß, was ihren Beitrag umso bemerkenswerter macht).
 
Die Passagen aus dem Interview mit Frau Professorin Villa sind im Folgenden kursiv markiert – und einige ihrer Zitate sind aus verschiedenen Passagen zusammengestellt, ohne allerdings den Sinn zu verändern, zumindest nicht allzusehr.

Nicht nur Anna-Katharina Meßmer, ganz gewiss bald führend in der kritischen Schamlippenschönheitschirurgieforschung, sondern auch andere haben ihrer Doktormutter Frau Professorin Villa vieles zu verdanken. Zum Beispiel Mona Motakef, die über ihre Dissertation „Körper Gaben“ zum Thema Organspende sagt:
„Mein Buch räumt mit der Gewissheit auf, dass es über Organspende nichts mehr zu verhandeln gibt, außer der Frage, wie sie effizienter gestaltet werden kann. Dagegen eröffnet es eine Perspektivenvielfalt und richtet den Blick auf die Ambivalenzen und Widersprüche des Feldes."
Oder eine Doktorandin zur Frage „des Zusammenhang von Komplexität und Glück anhand des Lebens und Arbeitens auf einer Alm“, die die
„in modernen, westlichen Gesellschaften vorherrschenden Annahme, daß Glück durch Komplexitätssteigerung wächst“,
kritisch beleuchtet und zu dem bahnbrechenden Schluss kommt, „daß steigende Komplexität nicht gleichgesetzt werden kann mit mehr Glück“ .
 
Wie eine Dissertation in der Gender Studies konzipiert werden muss, ist damit klar: Erwartet wird von den Dokorand_innen, eine Position zu formulieren, die so albern, engstirnig und tiefenbescheuert ist, dass kein halbwegs vernünftiger Mensch sie jemals einnehmen würde – sodann zu behaupten, dass diese Position weit und breit und unreflektiert als Gewissheit" vertreten werde, gerade auch von Wissenschaftlern – und dann in der Dissertation nachzuweisen, dass ja in Wirklichkeit alles ganz anders, ambivalenter, vieldeutiger, spannungsreicher, komplexer (oder wahlweise eben nicht komplexer) etc. sei, als die Leute so glauben.

Wie man eine Gender Studies-Dissertation verfasst, wissen wir also nun. Jetzt müssen wir nur noch durch den Eingangstest kommen.

Donnerstag, 1. August 2013

Gender Studies und die Logik der Feindschaft

Alexandra Weiss, Innsbrucker Koordinatorin im Büro für Gleichstellung und Gender Studies, ist richtig sauer – doch zum Glück gibt ihr die taz die Gelegenheit, ihre Empörung öffentlich zu machen:
„Die aktuell populäre Rede von der „Krise der Männlichkeit“ und der damit einhergehende Antifeminismus sind Ausdruck eines Verteilungskampfs. In der Krise sollen damit gefährdete männliche Machtpositionen abgesichert werden.“
Irritierend bei einer Frau, die eine wissenschaftliche und öffentlich finanzierte Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen zu ihrem Beruf gemacht hat, ist hier unter anderem die Tatsache, dass sie noch nicht einmal auf die Idee kommt, es könnte tatsächlich auch gesellschaftliche Nachteile für Männer geben – jedes Reden davon habe lediglich die Absicherung männlicher Machtpositionen im Auge.

Stattdessen ist sie darauf konzentriert, dass die österreichischen Medien „den antifeministischen Diskurs forcieren“ – auch hier unterstellt sie Machtinteressen, erwägt aber nicht die Möglichkeit, dass über Nachteile von Männern vielleicht ja auch deshalb ab und zu berichtet wird, weil diese Nachteile real sind. Sie zählt entsprechende Berichte kurz auf und bringt ganz– als sei die bloße Tatsache, dass jemand feminismuskritisch argumentiert, schon Beweis für die Unhaltbarkeit seiner Argumentation – kaum Gegenargumente.
 
Ausnahme ist die mehrfach variierte, aber nirgends belegte Behauptung, dass in feminismuskritischen Positionen „Erzählungen über Einzelfälle (…) gesellschaftstheoretische Analysen und statistische Daten“ ersetzen würden und, tatsächlich, dass „die gewählte Sprache (…) nahe der Umgangssprache“ sei (was sich jedoch für Kenner und Leidtragende des Gender Studies-typischen Jargons vermutlich regelrecht verheißungsvoll liest).

Abschließend empört sich Weiss darüber,
„dass gerade im Feld der Geschlechterpolitik und -theorie Qualitätsstandards obsolet wurden und nun (fast) alles sagbar ist“
– was selbstverständlich nichts, aber auch gar nichts mit „Meinungsfreiheit“ zu tun habe.

Der Text wirft noch einmal ein Licht auf zwei wesentliche Probleme der Gender Studies, die in den vergangenen Artikeln der kleinen Reihe Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies angesprochen wurden. Dort, wo sie konkret und genau sein müssten, in der Ausformulierung eigener Standards und in der Ausarbeitung klarer Methoden – dort bleiben sie allgemein und diffus. Dort aber, wo sie sich öffnen und weiträumig anschlussfähig sein müssten, verschließen sie sich willkürlich, sind fixiert auf feministische Deutungsroutinen und imaginieren schon den bloßen Zweifel als Kollaboration mit männlicher Herrschaft.

Sonntag, 28. Juli 2013

Gender Studies: Wissenschaft von unten, installiert von oben

„Man muss bei einer wissenschaftlichen Gender Studies davon ausgehen dürfen, dass sich chauvinistische Wissenschaftler ebenso zu dem Fach hingezogen fühlen würden wie Feministen. Es gäbe keine als Wissenschaft getarnte Streitschrift gegen die Kritiker des Fachgebietes, in der sie als “maskulinistische bzw. antifeministische Autor_innen” (= Klassenfeind, S. 7) bezeichnet werden. Denn “maskulinische” und “antifeministische” Wissenschaftler würden ebenso im Bereich der Gender Studies forschen wie Feministen.“
So beschreibt Andreas Müller im Feuerbringer-Magazin  Gender Studies, die wie andere Wissenschaften eine Vielfalt von Ansätzen zuließen.  Er vergleicht sie mit der Situation in den Literaturwissenschaften und der Philosophie,
„wo es auch konservative, religiöse, liberale Forscher gibt, die es trotz ihrer Weltanschauung auf die Reihe kriegen, objektiv zu forschen.“
Das Zitat  im Zitat bezieht sich auf die Schrift der Böll-Stiftung, die zur Verteidigung der Gender Studies gegen Kritiker herausgegeben wurde und die gleichwohl Müllers Sicht, wohl ungewollt, bestätigt. Beispielsweise stellt Marc Gärtner dort am Ende den emeritierten Bremer Professor Gerhard Amendt mit seiner Studie über Scheidungsväter als Gender-Gegner vor (S. 54-57). Problematisch ist dabei natürlich nicht, dass er Amendt kritisiert – problematisch aber ist, dass er ihn lediglich als prinzipiellen Gegner präsentiert, ohne auch nur einen Moment lang die Frage zu stellen, ob zu einer seriösen Geschlechterforschung nicht auch Forschungen wie die Amendts gehören müssten.
 
Tatsächlich ist es eine seltsame „Wissenschaftsrichtung“ (S. 67), die ihre Grenzen weniger durch einen Fachbereich oder durch ein Thema als durch die Zustimmung zu einer bestimmten Gesinnung festlegt. Wie ist es eigentlich möglich, eine solche in der Wissenschaftslandschaft – soweit ich sehen kann – einmalige Position erfolgreich zu verkaufen?

Der zweite Teil der kleinen Sommerreihe Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies beschäftigt sich mit der Frage, welchen Platz eigentlich Männer in diesen Studien haben. Darum, wie denn nun seriöse Gender Studies aussehen könnten, geht es dann in der nächsten Folge.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder

„Wissenschaftliche Gender Studies hätten das Ziel, ohne ideologische Scheuklappen die Natur und Kultur der menschlichen Geschlechter zu erforschen. Biologische, psychologische, historische und soziologische Erkenntnisse würden gleichermaßen akzeptiert werden."
So skizziert Andreas Müller im „Feuerbringer-Magazin“ die Möglichkeit wissenschaftlich fundierter Gender Studies. Eigentlich müsste dies eine fraglos mehrheitsfähige Position sein – denn auch wenn vermutlich verschiedene Interessierte an den Gender Studies verschiedene Vorstellungen vom Begriff der „Ideologie“ haben, so würde doch sicher niemand von ihnen fordern, dass Forschung „ideologische Scheuklappen" haben sollte.

Gender Studies könnten sich also damit beschäftigen, welche Konsequenzen die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen für sein Leben hat, was diese Geschlechtszugehörigkeit überhaupt bedeutet, wie biologische und soziale Faktoren dabei zusammenspielen – und insgesamt fragen, ob und wie die Reflexion der Geschlechtlichkeit von Menschen ihre Möglichkeiten, sinnvoll zu handeln und zu leben, vergrößern kann. Wer sollte etwas dagegen haben?

Überraschenderweise aber sehen sich die Gender Studies erheblicher Kritik ausgesetzt und sind hart umkämpft.
„Genderforschung ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.“
Das schreibt beispielsweise Harald Martenstein am 8. Juni dieses Jahres in der Zeit und erhält dafür auch seinerseits massive Kritik.

Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen hingegen hat Ende des Monats Juni eine Schrift zur Verteidigung der Gender Studies herausgegeben, die ebenfalls engagiert diskutiert und scharf kritisiert wurde – etwa auf den Blogs „Alles Evolution“ und „Kritische Wissenschaft“ , die ihrerseits in dem Papier als Kritiker der Gender Studies kritisiert worden waren: Sie würden sich zu „Wissenschaftswächtern“ aufschwingen, und auch wenn man sie mit anderen Gender-Studies-Kritikern wie christlichen Fundamentalisten, militanten Antifeministen und politisch rechten Akteuren nicht gleichsetzen solle, gäbe es durchaus „argumentative Schnittstellen“ (Seite 10).

(Einmal ganz nebenbei und vollständig off-Topic bemerkt: Ich habe mir gerade den seltsamen Spaß erlaubt, auf der Webseite der NPD nachzuschauen, deren Verlinkung ich mir hier natürlich erspare – dort fordert die Partei beispielsweise einen Rücktritt von Verteidigungsminister de Maizière und kritisiert die steigenden Mieten scharf. Ich bin nun natürlich sehr beunruhigt, weil sich Grüne und SPD angesichts der argumentativen Schnittstellen mit der Rechtsaußenpartei offenbar überhaupt keine ernsthaften Gedanken machen!!!111)

Die engagierten und kritischen Reaktionen auf das Papier der Böll-Stiftung haben wohl vor allem zwei Gründe. Einerseits wird deutlich, dass sich Vertreter und Vertreterinnen der Gender Studies offenkundig durch die nachhaltige Kritik, die insbesondere auf Blogs und unabhängigen Webseiten erhoben wird, unter Druck gesetzt fühlen. Michael Klein dazu bei „Kritische Wissenschaft“:
„Wie vollständig muss der Versuch, die Männerbewegung unter Benutzung von Hinrich Rosenbrock und seiner Magisterarbeit in die rechte Ecke zu rücken, in die Hose gegangen sein, wenn das von Steuerzahlern finanzierte Gunda-Werner-Institut (Teil der Heinrich-Böll oder HB-Stiftung), das die Steuermittel einsetzt, um Ideologien zu verbreiten, sich gezwungen sieht, ein dünnes Pamphlet mit dem Titel “Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie” herauszugeben, dessen einziger Zweck darin besteht, für den Genderzirkus Wissenschaftlichkeit zu reklamieren?"
Zugleich liegt damit ein Positionspapier einer für die Gender Studies zentralen politischen Institution vor – eine Auseinandersetzung mit dieser Position ist lohnend, weil Kritiker wie Verteidiger der Schrift mit guten Gründen davon ausgehen können, hier repräsentativen Argumenten zu begegnen, die auf die Gender Studies insgesamt bezogen werden können.

Warum aber sind die Gender Studies, die doch allem Anschein nach stets das Gute wollen, überhaupt so umkämpft? Die Frage kann als Auftakt für eine kleine Sommer-Serie dieses Blogs dienen: Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies In dieser Folge geht es um den Vorwurf der Beliebigkeit und Willkür, der an die Gender Studies erhoben wird – und im nächsten Text um die Frage, wo bei alledem eigentlich die Männer bleiben.

Samstag, 20. Juli 2013

Aber die Kaiserin hat ja gar nichts an! - Psssssst.....

„Dies ist keine Einladung, mich zu vergewaltigen“ („This is not an invitation to rape me.“) steht auf dem Bild einer jungen Frau. Sie flaniert offenkundig an einem öffentlichen Ort, trägt ein ärmelloses, enges, weißes Hemd mit großem, aufgeknöpften Ausschnitt, ohne BH. Die Webseite der schottischen Kampagne des Vereins “Rape Crisis Scotland” erläutert zu dem Bild:
„The assumption that such choices can lead to rape – that clothes can speak for women who say no – are ludicrous and extremely damaging.”
 
 
Natürlich ist die Kleidung der Frau der Frau keine Einladung zur Vergewaltigung, wie denn auch?  Vergewaltigt wird ein Mensch ja eben gerade gegen seinen Willen und ohne dass er dazu eingeladen hat. Irritierend ist also weniger das Wort „rape“ als das Demonstrativpronomen „this“ – dass die Frau nicht zu einer Vergewaltigung einlädt, ist  keineswegs in der Situation, sondern im logischen Widerspruch einer Einladung zur Vergewaltigung begründet. Der Satz „This is not an invitation to rape me“ ließe sich  unter jedes beliebige Bild schreiben.

Was soll also das Bild mit der Unterschrift? Und wer wird überhaupt angesprochen? Warum reicht nicht einfach ein Satz wie „There is no invitation for rape“ oder ähnliches? Wer das Bild anklickt, erhält jeweils alternative Sichtweisen zu der Situation. Der Frau selbst wird in den Mund gelegt: “I feel great in this outfit – the vest looks so much better without a bra.” Ein Mann hingegen denkt: “I see a scantily dressed woman, asking for it.” Eine Frau, die sich einfach nur ohne BH wohl fühlt – und ein Mann, der meint, dass sie es darauf anlegt" und selbst schuld ist, wenn ihr etwas passiert. 
 
Natürlich: Nicht alles, was ein Mann als Signal versteht, ist auch von der Frau als Signal gemeint (umgekehrt gilt das auch). Die Kampagne aber greift auf allzu simple holzschnittartige Gegenüberstellungen zurück.

Wer kurz über die Dumpfheit hinwegsieht, die hier dem Mann in den Mund bzw. den Kopf gelegt wird, könnte den Unterschied zwischen beiden Äußerungen auch so beschreiben: Der Mann interpretiert die Kleidung der Frau als soziales Signal, die Frau hingegen hat sich – so die Darstellung der Kampagne – schlicht etwas angezogen, ohne dabei irgendetwas ausdrücken oder signalisieren zu wollen. Eine solche Interpretation sozialer Signale, die doch eigentlich gar eine Signale seien, ist bezeichnend für viele Konflikte in Geschlechterdebatten – deshalb lohnt sich ein kurzer Blick darauf.

Montag, 15. Juli 2013

Der böse, fremde Sohn - Lynne Ramsays "We Need To Talk About Kevin"

„Mami war glücklich bevor der kleine Pinkel-Kevin dazukam, weißt du das? Jetzt wacht Mami jeden Morgen auf und wünscht sich, sie wäre in Frankreich.“ („Mummy was happy before widdle Kevin came along, you know that? Now Mummy wakes up every morning and wishes she was in France!”)
Der etwa zweijährige Kevin steht noch im Laufstall und hat gerade sein Essen an eine Wand geschmissen, als seine Mutter, die Reisejournalistin Eva Khatchadourian (Tilda Swinton), ihm eindringlich erklärt, dass er eine Belastung für sie sei und ihr Leben ohne ihn wesentlich glücklicher gewesen sei. Der Ehemann, Franklin (John C. Reilly), wird Zeuge der kurzen mütterlichen Rede, schüttelt den Kopf, sagt aber nichts.

Die Szene bündelt verschiedene Aspekte des am Ende des britisch-amerikanischen Films „We Need To Talk About Kevin“ der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay, der am Ende des vergangenen Jahres in die Kinos kam. Die Autorin des gleichnamigen, dem Film zu Grunde liegenden Romans beschreibt im Nachwort, dass das Buch am „Schnittpunkt privater und allgemeiner Angst“ („intersection of private und public angst“, S. 473 ) entstanden sei – ihrer eigenen Angst vor der Mutterschaft und dem damit verbundenen Verlust an Freiheit sowie der öffentlich diskutierten Angst vor „school shootings“, Schulmassakern.
 
 
Entsprechend besteht der Film eigentlich aus zwei Filmen – einem über Eva, der die Idee der Mutterschaft ein Greuel ist, die gleichwohl einen Jungen und ein Mädchen bekommt und deren Beziehung zum Sohn massiv belastet ist – und einen über diesen Sohn Kevin, der schon als Kleinkind ein geborener Terrorist zu sein scheint und der schließlich in einem Schul-Massaker mehrere Mitschüler sowie daheim seine Schwester und seinen Vater tötet. Beiden Filmen tut die Kombination miteinander nicht gut – gleichwohl ist „We Need to Talk About Kevin“ insgesamt ein wichtiges, aber auch sehr beunruhigendes Beispiel dafür, wie problematisch und verantwortungsfern Erwachsene männliche Kinder und Jugendliche vor dem Hintergrund gängiger Geschlechterklischees wahrnehmen.

Freitag, 12. Juli 2013

Deserteure an der Wickelfront

Das Kind war ein Wunschkind, für beide Eltern, doch noch vor der Geburt zog der Vater sich zurück, trennte sich, kappte den Kontakt, und über Jahre hinweg schickte er seinem Kind – das nun allein bei der Mutter lebte – nicht einmal mehr eine Geburtstagskarte. Die Mutter wollte das nicht akzeptieren, fand den Umgang mit dem Vater im Sinne des Kindes wichtig, wandte sich an das Jugendamt, schließlich an ein Familiengericht und erhielt jeweils dieselbe Antwort: Wenn der Vater nicht kooperieren wolle, dann könne man nichts tun.

Ein Vater, der nach einer Scheidung den Kontakt mit den Kindern – um die er sich vorher gern gekümmert hatte – radikal abbrach; ein anderer, der sich nach der Scheidung nur selten und unverlässlich bei seinen Kindern meldete – und jeweils dieselbe Antwort von Ämtern an die Mütter, die um Hilfe baten: Sie könnten froh sein, andere Väter benähmen sich noch schlimmer.

Das sind einige Beispiele (noch mehr wären möglich), die ich selbst aus dem Bekannten- und Freundeskreis kenne – persönliche Eindrücke also, bei denen ich keinen Anspruch darauf erheben kann, dass sie repräsentativ sind. Gleichwohl gibt es eben viele dieser Geschichten, und dass viele Menschen von ganz ähnlichen Situationen berichten können, ist wohl eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass Väter in Deutschland gesetzlich noch immer erheblich benachteiligt sind.

Denn leicht lässt sich das Engagement für die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern vor diesem Hintergrund diskreditieren: Männer würden einerseits auf das Recht pochen, sich von ihren Kindern nach Lust und Laune zu distanzieren – aber dann andererseits, wenn sie die Lust aufs Vatersein entdeckten, unbedingt das gleiche Recht auf Kindessorge haben wollen wie die Frau.
 
Warum dieser Vorwurf nicht nur naheliegend, sondern auch falsch ist, lässt sich unter anderem an einer Schrift zeigen, die vom Familienministerium finanziert und versandt, aber vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter erstellt wird. 

Sonntag, 7. Juli 2013

Wie Alice Schwarzer einmal eine Alien-Invasion bekämpfte

„Ich brauche den Feminismus, damit jemand meine Stimme zum Verstummen bringt.“ Diesen Satz, eine Übersetzung der Reaktion eines amerikanischen Mannes auf die dortige „whoneedsfeminism“-Kampagne, habe ich vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite des deutschen Pendants „Wer braucht Feminismus?" veröffentlicht. Er wurde sofort gelöscht.

Anlass für mich waren Berichte von Lesern, die aus kritischer männlicher Perspektive etwas zu der „Wer braucht Feminismus“-Kampagne beisteuern wollten und die berichteten, dass dieser Versuch zumindest bei Facebook und der Webseite der Kampagne hoffnungslos sei.
 
Nun kann man sicherlich den Betreibern privater Webseiten oder Facebook-Seiten das Recht zugestehen, nach eigenem Ermessen und beliebig Kommentare und Nachrichten zu löschen. Bei politischen Seiten ist eine solche Praxis mit Erwartungen an eine demokratische Diskussion allerdings schwer vereinbar, solange die Kommentare in einem zivilen und rechtsstaatlichen Rahmen bleiben. Wenn zudem eine Kampagne von einem „Jeder kann mitmachen“-Flair lebt und den Eindruck zu erwecken versucht, sie würde einen breiten Konsens ganz unterschiedlicher Menschen präsentieren, dann ist es offenkundig widersprüchlich, dass sie sich zugleich nur durch eine massive Abschottung von jeder kritischen Stimme konstituieren kann.

Vermutlich aber löschen die Betreiberinnen der Kampagne so routiniert, dass ihnen die Ironie der Löschung eines Satzes, der auf das Verstummen der Männer hinweist, gar nicht aufgefallen ist. Ein Kommentator zu dem Artikel „Wer braucht Feminismus? Na, wir!“ bringt die Widersprüchlichkeit der Kampagne auf den Punkt:
„Es ist quasi selbsterklärend, wenn 'Wer braucht Feminismus?' ein Image-Problem des Feminismus konstatiert, welches sich jedoch so gar nicht in den Statements der Facebook-Kampagnenseite wieder findet.“
Dass der Feminismus also ein Image-Problem hat, ist wesentlicher Grund für die Kampagne – in deren Rahmen zugleich auf keinen Fall thematisiert werden darf, dass der Feminismus ein Image-Problem hat.   Solche widersprüchlichen, selbstbezüglichen Strukturen finden sich schon in den Anfängen der „zweiten Welle“ in der deutschen Frauenbewegung – sie haben sich über die Jahrzehnte und über die verschiedenen „Wellen“ hinweg bewahrt. Es lohnt sich, einen kurzen vergleichenden Blick zurück auf den grundlegenden Text der neueren deutschen Frauenbewegung zu werfen, der hier schon einmal Thema war.