Der Blog
„Alles Evolution“ hat vor einigen Wochen einen Test dokumentiert, der grundsätzliche Überzeugungen der Gender Studies abfragt. Er stammt nicht etwa aus einem originären Gender Studies-Studiengang, sondern aus einem ingenieurswissenschaftlichen Studium der Universität Linz – dort ist nämlich, in einer witzig-originellen Volte der Studienplanung, die Teilnahme an einer Gender Studies-Veranstaltung für alle verbindlich, und wer Ingenieur werden will, muss den Test bestehen.
Warum nicht auch umgekehrt für alle Gender-Studenten eine erfolgreich bestandene Prüfung in Ingenieurswissenschaften obligatorisch ist, weiß ich übrigens nicht genau – möglicherweise lässt sich eben, anders als umgekehrt, Gender-Kompetenz einfach nicht durch Kompetenz in den Ingenieurswissenschaften ersetzen.
Als Service für alle Gender-Studies-Zwangs-Studis habe ich jedenfalls eine Musterlösung für einige der zentralen Fragen des Tests erstellt – und habe dabei auf die Hilfe von einer der bundesweit anerkanntesten Expertinnen auf dem Gebiet, Frau Professorin Paula-Irene Villa, bauen können. Die Zusammenarbeit – die in dieser Form, wie ich betonen darf, angenehm spannungsfrei war – gestaltete sich so, dass ich Zitate aus einem längeren
zweiteiligen Interview mit Frau Professorin Villa mit meinen eigenen Antworten kombinierte (so dass Frau Professorin Villa übrigens bis heute nichts von der Kooperation weiß, was ihren Beitrag umso bemerkenswerter macht).
Die Passagen aus dem Interview mit Frau Professorin Villa sind im Folgenden
kursiv markiert – und einige ihrer Zitate sind aus verschiedenen Passagen zusammengestellt, ohne allerdings den Sinn zu verändern, zumindest nicht allzusehr.
Nicht nur Anna-Katharina Meßmer, ganz gewiss bald führend in der
kritischen Schamlippenschönheitschirurgieforschung, sondern auch andere haben ihrer
Doktormutter Frau Professorin Villa vieles zu verdanken. Zum Beispiel Mona Motakef, die über ihre Dissertation „Körper Gaben“ zum Thema Organspende
sagt:
„Mein Buch räumt mit der Gewissheit auf, dass es über Organspende nichts mehr zu verhandeln gibt, außer der Frage, wie sie effizienter gestaltet werden kann. Dagegen eröffnet es eine Perspektivenvielfalt und richtet den Blick auf die Ambivalenzen und Widersprüche des Feldes."
Oder eine Doktorandin zur
Frage „des Zusammenhang von Komplexität und Glück anhand des Lebens und Arbeitens auf einer Alm“, die die
„in modernen, westlichen Gesellschaften vorherrschenden Annahme, daß Glück durch Komplexitätssteigerung wächst“,
kritisch beleuchtet und zu dem bahnbrechenden Schluss kommt, „daß steigende Komplexität nicht gleichgesetzt werden kann mit mehr Glück“ .
Wie eine Dissertation in der Gender Studies konzipiert werden muss, ist damit klar: Erwartet wird von den Dokorand_innen, eine Position zu formulieren, die so albern, engstirnig und tiefenbescheuert ist, dass kein halbwegs vernünftiger Mensch sie jemals einnehmen würde – sodann zu behaupten, dass diese Position weit und breit und unreflektiert als „Gewissheit" vertreten werde, gerade auch von Wissenschaftlern – und dann in der Dissertation nachzuweisen, dass ja in Wirklichkeit alles ganz anders, ambivalenter, vieldeutiger, spannungsreicher, komplexer (oder wahlweise eben nicht komplexer) etc. sei, als die Leute so glauben.
Wie man eine Gender Studies-Dissertation verfasst, wissen wir also nun. Jetzt müssen wir nur noch durch den Eingangstest kommen.