Dienstag, 31. Dezember 2013

Blogparaden, Blogstöckchen und Blockwärtinnen (Monatsrückblick Dezember 2013)

„Sie ist die Frau, für die zwei Männer Platz machen mussten, Ex-Innenminister Freidrich und Ex-Verteidigungsminister de Maizière.“
Während Ursula von der Leyen also laut Spiegel vom 21.12. Männer aus dem Weg räumt (S. 20) und „den Kabinettspoker so kaltblütig gespielt wie kein Mann“ habe (S. 24), sehen die Männer in der Spiegel-Berichterstattung eher soft aus: Harte Mädchen, weiche Jungs.

Die Koalitionsvereinbarungen in Berlin waren geschlechterpolitisch aus zwei Gründen interessant. Einerseits, weil sie einiges an feministischen Pflichtprogramm absolvierten, Frauenquoten, die Bestrafung von Freiern bei „erkennbarer Zwangsprostitution“ (eine Regelung, deren zweifelhafte Realitätstauglichkeit erzaehlmirnix zu dem Spott veranlasste, die Regierung wolle nun eine „Kennzeichnungspflicht für Zwangsprostituierte“ einführen), und aus personalpolitischen Gründen.
 
Ursula von der Leyen steht als erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums, Andrea Nahles, deren Berufserfahrung sich fast ausschließlich auf die Pflege ihrer Parteikarriere beschränkt, ist nun Arbeitsministerin, und Manuela Schwesig (dazu gab es eine längere Diskussion bei Alles Evolution).

Zwischen Weihnachtskitsch und Shitstorm - Mit einer knallreaktionären Ideologie, verpackt in Sentimentalitäten, gelang es einem Nivea-Werbeclip, seine eigene Blogparade aus scharfen Kritiken loszutreten.
Die Koalition liefert aber auch ein Leitmotiv des vergangenen Monats – die Fragen, wie ganz unterschiedliche Akteure eine Zusammenarbeit organisieren können, und die Frage, wo eine Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll ist. Kurz: Verknüpfungen und Grenzziehungen.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Erzählmirnix: "Nun sag, wie hast du's mit dem Maskulismus?" - Acht Antworten

Erzählmirnix hat ein Blog-Stöckchen geworfen, das mittlerweile schon von vielen aufgenommen und beantwortet wurde – acht Fragen stellt sie, die sich eigentlich um eine Frage drehen: „Wie hast du’s mit dem Maskulismus?“
Dass die Fragen so bereitwillig aufgegriffen und beantwortet wurden, verstehe ich - sie bieten eine Gelegenheit,  die eigene Position einmal grundsätzlich zu beschreiben und dieser Beschreibung zugleich mit der anderer vergleichen zu können. Ich hatte nun beim weihnachtlichen Zugfahren Zeit dafür.

Montag, 23. Dezember 2013

Josef und Nivea. Und eine Weihnachtsgeschichte.

„Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich ‚um seine Braut und das Kind‘ gekümmert und dabei ‚still‘ an der Seite Marias gestanden.“
Ganz ähnlich wie von Papst Franziskus, aber mit ganz anderer Bewertung, wird Josef von Marcus Spicker im Kuckucksvaterblog beschrieben:
„Er, der sich um Maria und ihr Kind kümmerte, aber stets im Hintergrund stand und in der Bibel nie zu Wort kommt. (…) Er, dessen Geschichte sich nüchtern betrachtet am Anfang genauso liest, wie die unzähligen Geschichten von heutigen Scheinvätern.“
Josef, der berühmteste Kuckucksvater der Religionsgeschichte, habe aber nur deshalb so tolerant sein können,
„weil er von Anfang an Bescheid wusste über seine Nicht-Vaterschaft und er die Verantwortung für den Jungen auch tatsächlich, zumindest eine Zeit lang, übernehmen durfte. Letztendlich wurde er aber genauso entsorgt, wie unzählige andere Scheinväter heutzutage auch.“
Dass heutzutage auch unzählige reale Väter entsorgt werden, wird Josef keine große Hilfe sein. Julia Schramm schrieb 2012 in der FAZ über einen Mann, der auf vielen Bildnissen weit weg von seinem neugeborenen Sohn steht, weiter als selbst Ochse und Esel, und
„der Vater sein soll, ohne das Baby gezeugt zu haben. Nicht einmal in der Lage war er, für die Niederkunft seiner schwangeren Frau eine ordentliche Herberge zu organisieren.“
Josefs Zurückhaltung sei im Laufe der Jahrhunderte aber auch in eine Tugend uminterpretiert worden. Zur „Disziplinierungsfigur für die Männer nach dem Dreißigjährigen Krieg“ sei er geworden, der „ein vorbildliches Familien- und Arbeitsleben“ vorgeführt hätte. Zudem sei die „Schmach, dass seine Frau ihm ein fremdes Kind untergeschoben hat, (…) längst zum Ausdruck seiner Reinheit umgedeutet“ worden. Ein heutiger Pastor entdeckt in Josef gar einen idealen Mann:
„Er war kein Mensch der vielen Worte, der erst eine Planungskonferenz einberufen musste. Er hat angepackt und gemacht. Und er hat traumhaft genau das Richtige getan.“
Antonio Allegri, genannt Correggio: Die Heilige Nacht (etwa 1530) Vorne ein Hirt und Mägde, die das Kind anbeten, beleuchtet von dem Glanz, der von ihm und der Mutter ausgeht. Im Hintergrund kümmert sich Josef um den Esel.
In diesem Sinne ist Josef ein Traummann aller vaterentsorgenden Mütter: Er ist da, wenn er gebraucht wird, hält aber auch dann den Mund, drängt sich nicht in den Vordergrund, übernimmt Verantwortung für Frau und Kind, ohne dumme Fragen zu stellen, macht der Mutter beim Kind keine Konkurrenz – und wenn er nicht mehr benötigt wird, verschwindet er stillschweigend, ohne dass das noch eigens erwähnt werden müsste.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Friede, Freude und Klingonen - Ein Rückblick auf die Blog-Parade

Bei Alles Evolution  beschreibt der Blogger vom wortschrank in den Kommentaren seine „Ernüchterung“ angesichts der Reaktionen auf die Blogparade, die sich in verschiedenen zeitgleich erschienenen Beiträgen mit dem Verhältnis der Männerbewegung und Homosexuellen auseinandergesetzt hatte.
„Spott und Häme von Feministen, kaum Reaktion aus dem 'homosexuellen Lager' (also weder Lob noch Kritik) und das alles vermengt mit homophoben Kommentaren.“
Mir ging das anders. In meinen Augen war das Ergebnis dieser Blogparade sehr positiv: Im Stil sehr unterschiedliche Artikel, die verschiedene Schwerpunkte setzten, aber im Grundtenor ähnlich waren – nämlich in der klaren Ablehnung von Schwulenfeindlichkeit, auch von der, die maskulistisch daherkommt.
Die Einhelligkeit dieser Ablehnung legte für manche natürlich sogleich die Frage nach der strategischen Absicht nahe. Marenleinchen bei Christian:
„Meiner bescheidenen Meinung nach WERDEN Schwule instrumentalisiert, wenn auf einmal erkannt wird, dass da “Potential” verschenkt wird (…).“
Das unterstellt, Männer – nichtfeministsiche Männer – hätten gewiss gar kein ehrliches Interesse daran, sich gegen Schwulenfeindlichkeit auszusprechen, sondern wären dabei von anderen Motiven geleitet, die es aufzudecken gelte. Das stimmt so nicht, kommt aber Verdächtigungen erstaunlich nahe, die ich so auch im „Gelben Forum“, dem virtuellen Versammlungsraum brachialer Maskulisten, gelesen habe.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Hetenknutschen und andere Männergeschichten

„Ich habe Adrians Blog bisher vernachlässigt, mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren). Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.“ 
Das schreibt David in einem Kommentar bei Alles Evolution. Adrian wiederum hatte auf seinem Blog Gay West über die „Kluft zwischen heterosexuellen und homosexuellen Männern“ geschrieben und über die in seinen Augen fatale Außenwirkung der Männerrechtsbewegung, die weiterhin oft von ein paar Brachialmaskulisten geprägt werde, die gern über „Homo-Perverse“ herziehen oder dramatisch vor einer „Verschwulung der Gesellschaft“ warnen.
„Es sind eben ('offiziell') heterosexuelle Männer, die Schwule auf der Straße beleidigen, anpöbeln, angreifen. Es sind ('offiziell') heterosexuelle Männer, die ihre immerwährende Abneigung gegenüber Homosexualität kund tun. (…) Ich weiß, ich weiß, das alles gibt es bei Frauen ebenfalls zur Genüge, dennoch lässt sich meines Erachtens nicht verleugnen, dass Frauen Schwulen gegenüber toleranter und auch freundschaftlicher gesinnt sind.“ 
Gentlemen gegen Homophobie, Hetenknutschen für ein friedlicheres Deutschland - Für das Magazin Gentlemen's Quarterly küssen sich Hetero-Männer, hier die Schauspieler Ken Duken und Kostja Ullmann
Welche Chancen auf Verständigung gäbe es also, wenn Männerrechtler Feindseligkeit gegen Schwule stärker zu ihrem Thema machten? Und: Welchen Sinn hätte es?

Sonntag, 15. Dezember 2013

Viele Verlierer, wenige Gewinner und ab und zu ein Märchen - "Inside Llewyn Davis" und "Searching for Sugar Man"

Hätte mir nicht ein Freund eine DVD ausgeliehen und mir dringend empfohlen, sie anzusehen, dann hätte ich eines der wichtigsten Film-Ereignisse des Jahres glatt verpasst: Searching for Sugar Man, ein schwedisch-britischer Dokumentarfilm des zuvor unbekannten Regisseurs Malik Bendjelloul aus dem Jahr 2012 wurde bei den Academy Awards im Januar mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Eigentlich schafft der Film sich sein eigenes Genre, das eines Doku-Märchen-Films – nachdem ich ihn gesehen hatte, habe ich erst einmal das Internet durchsucht, um herauszufinden, dass die dort gezeigte Geschichte tatsächlich wahr ist.
Der Film ist in überraschend vielen Aspekten vergleichbar mit einem Spielfilm, der gerade erst in den Kinos angelaufen ist: Inside Llewyn Davis von Joel und Ethan Coen.  In beiden Filmen geht es um erfolglose Musiker aus einer gerade vergangenen Zeit, die aber versuchen, ihrer Idee von Musik treu zu bleiben – beide kontrastieren die radikale Erfolglosigkeit mit einem gigantischen Erfolg – und beide stellen einen direkten Bezug zu einem der wichtigsten Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts her, zu Bob Dylan. Vor allem aber sind beides Filme über Männer, die vieles über männliches Leben deutlich machen und die gängige Klischees über Männerleben ins Leere laufen lassen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Kleine Schnitte, große Konflikte und offene Wunden - Kein Ende der Beschneidungsdebatte

„Seine Mutter wollte ihm etwas vorlesen, wie früher, damit er sich nicht so allein fühlte und sich beruhigte, aber er wollte nicht, dass sie da blieb, er wollte nicht Antworten geben müssen oder nachdenken oder Rücksicht nehmen, alles, was er wollte, war, eine Position zu finden, die es ihm erlaubte, sich vor dem Schmerz zu verkriechen.
Den Rest der Nacht lag er steif in seinem Bett und wagte nicht, sich zu rühren.“
Der neunjährige Jason aus Gunnar Kunz‘ 2013 erschienen Kurzgeschichte Unberührbar, oder: Nur ein kleiner Schnitt“ lebt mit seinen Eltern Bob und Fay in Deutschland – der Vater hat nach vierzehn Jahren Arbeit für die Niederlassung einer amerikanischen Firma seinen Beruf verloren, aber einen neuen Beruf in Aussicht – die Mutter erteilt Englischunterricht. Nicht lange vor der oben zitierten Szene hat er mit seinem Vater ein beiläufiges Gespräch geführt, das erhebliche Folgen haben sollte.
„‚Weißt du, es ist langsam an der Zeit, dass du beschnitten wirst.'
‚Beschnitten? Was bedeutet das?‘
‚Dass die Vorhaut um dein Glied entfernt wird.‘
‚Warum?‘
‚Weil das hygienischer ist. In Amerika machen das fast alle so.‘
‚Es sieht auch ästhetischer aus, finde ich‘, mischte sich Fay ein.“
Der Vater hatte Jason, auch in Erinnerung an seine eigene, komplikationslose Beschneidung einen einfachen Eingriff versprochen.
„‚Von der Operation selbst wirst du gar nichts spüren, weil du ja betäubt wirst. Hinterher ist es ein bisschen unangenehm, ein paar Tage vielleicht, aber nichts, was man nicht aushalten könnte. Alles in allem nicht der Rede wert.‘“
Das Versprechen des Vaters aber erweist sich als haltlos – die Wunde der Operation infiziert sich und vereitert, das Glied des Jungen schwillt an, Jason hat bei jeder Bewegung ungeheure Schmerzen.
„Jede noch so kleine Berührung der Decke entlockte ihm einen Schrei. Bitte, lieber Gott, lass die Schmerzen aufhören!“
Vor einem Jahr, im Dezember 2012, wurde in Deutschland ein schnell entwickeltes Gesetz in zweiter und dritter Lesung durch den Bundestag gebracht, das die Beschneidung von Jungen auch bei Säuglingen und anderen Kindern, die noch nicht zustimmungsfähig sind, und auch ohne medizinische Notwendigkeit erlaubt. Gunnar Kunz‘ Kurzgeschichte bietet eine gute Möglichkeit, um an den Jahrestag des neuen Gesetzes zu erinnern.

Samstag, 7. Dezember 2013

Wer hat Angst vorm bösen Männerrechtler? (Gastbeitrag von Kai)

In den Kommentaren hatte ich ja ab und zu geschrieben, dass ich bei man tau gern auch Gastbeiträge veröffentlichen würde. Kai hat als Antwort auf einen sehr kurzen Beitrag Adrians bei Gay West und vor dem Hintergrund der Väterbewegung einen sehr engagierten Text geschrieben, der viele Punkte aufgreift, die mir auch schon lange im Kopf herumgegangen waren.


Wer hat Angst vorm bösen Männerrechtler?
„Ich traue Männerrechtlern nicht. Sie geben mir keine Hoffnung, sondern nur düstere Vorahnungen.“
So schreibt Adrian auf Gay West in seinem Beitrag zu „Männerrechtler“.  Er besteht nur aus diesen zwei kleinen Zeilen. Wie gerade Gay West zu dieser Schlussfolgerung kommt, obwohl der Blog durch Genderama oftmals zitiert und auf fast allen für mich relevanten Blogs, die sich um Männerprobleme drehen, in den Blogrolls steht, erschließt sich mir nicht ganz.

Eigentlich kann es mir egal sein, denn ich bezeichne mich nicht als Männerrechtler, nicht als Maskulist oder Antifeminist, ich selbst bezeichne mich als Mensch, als denkender Mensch. Ich brauche nicht unbedingt in eine Schublade eingeräumt werden, wie Menschen dieses gerne tun. Wie es auch von Kritikern der Männerrechtsbewegung gerne gemacht wird. Für die Heinrich Böll Stiftung und die Friedrich Ebert Stiftung ist es einfach, alles was gegen Feminismus ist, kommt in die Schublade Antifeminist.
Angefangen hat es mit Gesterkamps „Geschlechterkampf von Rechts“.  Hier schon in der Sub-Unterschrift:
„Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren“.
Also auch hier, Männerrechtler UND Familienfundamentalisten, aber es geht noch weiter, es kommen noch konservative Publizisten, militante Abtreibungsgegner, evangelikale Christen und rückwärtsgewandte katholische Kirchenobere hinzu. Alles eine Suppe, alle sind gegen Feminismus, passt schon irgendwie. Es fehlen nur noch Salafisten, die sind ja auch gegen Feminismus, wenn ich mich nicht täusche. Nazis sind mit konservative „irgendwas“ ja immer in der Gruppe enthalten. Ob Gay West neuerdings auch in dieses Denkmuster verfallen ist, weiß ich nicht, ich kann und will es mir aber nicht vorstellen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Fleißige Feministinnen, miserable Maskulisten und andere Märchen vom Patriarchat

„Herrgott, wie soll man eine Bewegung Ernst nehmen, die ihre Existenzberechtigung offensichtlich einzig daraus zieht, die Anderen mit Hass zu übergießen, statt mal was konstruktives zu tun?“
Wenn Robin Urban, Internet-Feministin, sauer ist, dann macht sie das immerhin zweifelsfrei deutlich. Sie schreibt über Texte von Männerrechtlern, von denen angeblich 99% „nicht ohne idiotisches ‚Feminazi!‘-Gebrülle oder allgemeine Frauenabwertung“ auskommen, fragt und weiß die Antwort schon: 
„Ist es der Neid auf den wesentlich besser organisierten Feminismus oder schlicht Hass, der versucht, im Gewand des Maskulismus halbwegs gesellschaftsfähig daher zu kommen? Man weiß es nicht, man ahnt es nur!“
Arschlöcher sind Leute, die mit Arschlöchern kein Mitgefühl haben - oder irgendwie so... (Bild: avoiceformen.com)
Sie macht sich lustig über die
„belanglose, latent oder offen frauenverachtende Scheiße oder ein Gejaule darüber, was die bösen Feminazis jetzt schon wieder angestellt haben“
und betitelt die dergestalt Angesprochenen unkompliziert-fröhlich als „Arschlöcher“.

Und wie reagieren die Arschlöcher? Einer schreibt in den Kommentaren, Robin habe
„Männern mit dem Artikel tatsächlich einen lobenswerten Dienst erwiesen. Danke dafür.“
Ein anderer stellt klar:
„Robin, ich danke Dir für diesen Beitrag. Du liegst bei vielen Deiner Aussagen sehr richtig.“
Ein weiterer Kommentator findet den Text von Robin „klasse“, und Arne Hoffmann bekennt offen: „Ich mag diese Frau!“  Was genau war hier eigentlich geschehen?

Samstag, 30. November 2013

Warum die Pole Position im Opferwettrennen so wichtig ist (Monatsrückblick November 2013)

„Nach meiner Auffassung ist es die Pflicht der Hochschule und ihrer zuständigen Instanzen, von außen kommende Versuche dogmatischer Einflußnahme auf die Lehre abzuwehren und die Möglichkeiten kritischer Diskussion umfassend zu wahren.“ (S. 73)
So argumentierte zu Beginn der neunziger Jahre der Duisburger Philosophieprofessor Hartmut Kliemt, als er gegen massive Proteste und schließlich erfolgreiche Störversuche ein Seminar über den umstrittenen australischen Moralphilosophen Peter Singer abzuhalten versuchte.
„Es darf weder Herrn Singer noch seinen Gegnern erlaubt werden, sich einer kritischen Diskussion zu entziehen oder eine argumentative Auseinandersetzung zu verhindern."
Kurz nach Beginn meines Philosophiestudiums in Göttingen habe ich ähnliche Diskussionen über Singer miterlebt. Ich hatte kurz zuvor Zivildienst in einer Einrichtung für geistig Schwerbehinderte gemacht, und mir war die Selbstverständlichkeit suspekt, mit der Singer über das Lebensrecht behinderter Menschen schrieb, überlegte, wann eine Tötung gerechtfertigt sei, und Behinderte nonchalant als „human vegetables“ (wörtlich: menschliches Gemüse, aber auch mit einer Anspielung auf das Vegetieren) bezeichnete. Obwohl Singer nur über Menschen mit schwersten Behinderungen geschrieben hatte, nahmen viele Behinderte eine solche Diskussion natürlich als bedrohlich wahr. 
Trotzdem waren die Störversuche falsch, die Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger in Deutschland übrigens sehr erfolgreich waren: Seminare über Singer wurden abgesagt oder abgebrochen, Einladungen an ihn zu universitären Vorträgen zurückgenommen. Falsch waren sie, weil sie der universitären Debatte nicht zutrauten, dass sie ihre eigene Problematik – über das Lebensrecht anderer Menschen zu debattieren – nicht ernsthaft zum Thema machen könnte und weil sich unter den Störern niemand Gedanken darüber machte, wo denn eigentlich die Grenzen der Störung freier Rede gezogen würden.

Trotzdem: Im Vergleich zu heute erscheint die Diskussion um Singer in Deutschland regelrecht als Musterbeispiel universitärer Debattenkultur. Es erschienen Sammelbände wie die oben zitierte Dokumentation, im Spiegel oder der Zeit wurde kontrovers über die Position Singers und über die Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit durch die Störversuche diskutiert.

Dienstag, 26. November 2013

Wenn Erwachsene gegen Kinder hetzen - Jungen in der Schule

„Tatsächlich ist Gleichberechtigung an den Schulen Realität, weshalb Mädchen aufgrund ihres Entwicklungsvorsprungs, größeren Fleißes und höherer Lernmotivation im Vorteil sind. Eine gezielte Jungenförderung ist allerdings keine Lösung.“
So lautet im Jahr 2007 die Antwort der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel auf die Frage, ob wir es uns eigentlich noch leisten können, auf eine gezielte Jungenförderung zu verzichten – angesichts der Tatsache, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen die Schule ohne Abschluss, deutlich mehr Mädchen als Jungen die Schule mit dem Abitur verlassen.

Ein Angehöriger des faulen und minderbegabten Geschlechts - was früher die Eselskappe erledigte, erledigen heute Politiker und Wissenschaftler
Warum eine gezielte Jungenförderung keine Lösung sei, verrät Merkel – oder möglicherweise ihr Ghostwriter – nicht. Unverblümt aber formuliert sie eine Vorstellung weiblicher Überlegenheit: Wenn nur die Ausgangsbedingungen zwischen Jungen und Mädchen gleich wären, dann würden Mädchen eben bessere Ergebnisse erzielen. Alles normal, kein Grund zur Sorge.

Fünf Jahre später redet der Grüne Jürgen Trittin ganz wie seine Kanzlerin, als er ihr bei einer Bundestagsrede vorwirft, dafür zu sorgen,
„dass das begabtere Geschlecht weiterhin ein Viertel weniger verdient als wir Männer.“ (1:07)
Als die Linke Kathrin Vogeler verwundert nachfragt (2:25), welch einen Bildungsbegriff Trittin denn der von ihm unterstellten Lern- und Bildungsunwilligkeit der Männer und Jungen zu Grunde lege, antwortet er mit einem Hinweis auf die besseren Abschlüsse von Mädchen.

Auffällig ist bei Merkel wie Trittin, wie unterschiedlich sie Nachteile von Jungen und Mädchen bzw. Frauen interpretieren. Während sie Nachteile für Mädchen und Frauen selbstverständlich auf Diskriminierungen zurückführen, sehen sie für Nachteile von Jungen die Verantwortung allein bei diesen selbst. Kein Grund zum Engreifen.

Donnerstag, 21. November 2013

Zombie-Feminismus, Antisexismus und Demokratie

„Es gibt nur einen Feminismus“, sagt die Grüne Renate Künast.  „Zu keinem Zeitpunkt gab es nur einen Feminismus wie die in Stein gemeißelte Lehrmeinung, sondern seit den Anfängen standen stets mehrere Konzepte nebeneinander“, sagt die grüne Böll-Stiftung. Wer das wiederum für einen Widerspruch hält, kennt sich nur mit dem Thema nicht richtig aus.
Wer sich aber mit dem Thema nicht richtig auskennt, wird möglicherweise schnell verwirrt von den ganz unterschiedlichen Feminismen, die ja doch alle irgendwie zusammengehören oder irgendwie auch nicht – und die auch in den Argumentationen von Männerrechtlern eine große Rolle spielen.

Problematisch ist dann aus männerrechtlicher Perspektive nicht etwa der liberale Feminismus, sondern der Radikalfeminismus, oder, in Kategorien der kritischen amerikanischen Feministin Christina Hoff Sommers, nicht der Equity-Feminismus, sondern der Gender-Feminismus. Es ist lohnend, sich mit diesen Begriffen auseinanderzusetzen – auch wenn das schließlich zu der Vermutung führt, dass sie eigentlich nicht sinnvoll sind.

Freitag, 15. November 2013

Wie man aus Jungen Ritter bastelt (und nebenbei Sadismus fördert) - Zur Politik der häuslichen Gewalt

„Wir hatten eine Küche im klassischen Siebziger Jahre Stil, Avocado-Grün. Überall war Blut, auf dem Boden, dem Kühlschrank, dem Telefon, der Ladentheke. Rot auf grün ergibt schwarz. Ich war sieben Jahre alt. Ich sah ihnen zu, wie sie meinen Papa hinten in den Krankenwagen schoben. Die Nachbarn, in Morgenmänteln und Pyjamas, standen um den Wohnblock herum. 
Mein Papa hatte spät in der Nacht noch gearbeitet (um einige Rechnungen nachzutragen) und bei seiner Rückkehr aus Versehen meine Mutter aufgeweckt. Ein Streit folgte und in einem Wutanfall nahm sie eine 25-Kaliber-Pistole aus der Kasse, die er auf der Ladentheke aufgebaut hatte, und schoß auf ihn. Mein älterer Bruder rannte zum Haus der Nachbarn und sorgte dafür, dass sie Hilfe holten.“ (1)
Höhö. Male Tears – ihr wisst schon? >;-) / Favorite drink, you ask? Maletears, on the rocks. / Frisch abgefüllt: White male tears. Twitter-Kommentare zu Leiderfahrungen von Jungen und Männern
Noch irrwitziger als dieser Mordversuch seiner Mutter an seinem Vater, von dem „David“ in der Serie „In His Own Words“ berichtet, ist die Reaktion des Opfers: Weil die Mutter ihn dringend darum bittet, lügt der Vater gegenüber der Polizei und sagt aus, dass sich der Schuss von allein gelöst habe, als ihm die Pistole hingefallen sei. 
„Innerhalb von drei Wochen, nachdem er fast in seinem eigenen Haus verblutet wäre, hatte er keine andere Wahl mehr als das zu tun, was er am besten konnte – zurück zur Arbeit zu gehen. Wir gingen zurück zur Schule, und von uns wurden gute Zeugnisse erwartet.“ (2)
Nicht nur funktioniert der Vater wie von ihm erwartet weiter, dieselbe Erwartung vererbt er auch an die Söhne. Warum aber sollte er „keine andere Wahl” gehabt haben?

Sonntag, 10. November 2013

Der Staat als Gewalttäter - Wie staatliche Institutionen bei häuslicher Gewalt mitmischen

Das amerikanische Justizministerium begeht den Monat Oktober als Monat zur Aufklärung über häusliche Gewalt („Domestic Violence Awareness Month“)  – in Zusammenarbeit mit dem „Office on Violence Against Women“. Gegen die damit nahegelegte Konzentration auf männliche Täter und weibliche Opfer hat die amerikanische Psychologin Tara Palmatier, die auf die Beratung von Männern gewalttätiger (Ex-)Partnerinnen spezialisiert ist, einen Monat der Aufklärung häuslicher Gewalt gegen Männer und Jungen initiiert – gemeinsam mit einer Hotline für männliche und weibliche Opfer häuslicher Gewalt und mit der männerrechtlichen Webseite „A Voice for Men“.
An jedem Oktobertag dieses Jahres veröffentlichte sie daher in ihrem eigenen Blog  und bei AVfM einen Bericht eines Mannes, der Gewalt durch eine Partnerin erlebt hat: „In his own words“. Einunddreißig Geschichten von Männern, die Gewalt durch die Partnerin erleben.

Ein Geschichte von einem Mann beispielweise, dem seine Partnerin mit einer Pistole in den Bauch schießt, der sie bei der Polizei deckt und der drei Wochen später schon wieder arbeiten geht, um seine Familie zu ernähren.
 
Eine Geschichte von einem Mann, dessen Frau unzählige Pferde, Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen und andere Tiere im Haus und angrenzenden Stall hält, und der es hinnimmt, dass sie dafür die Familie finanziell ruiniert, er sich schwerkrank nicht einmal Medikamente kaufen kann und wiederholt von ihr geschlagen wird. 
 
Eine Geschichte von einem Vater und Lehrer, der schlüssige Beweise dafür liefern kann, dass seine Frau ihn misshandelt hat, für den sein Schulleiter, die stellvertretende Schulleitung, unzählige Kollegen, zwei Eheberater und viele andere aussagen, während bei der Frau erhebliche psychische Störungen diagnostiziert werden – und der trotzdem erleben muss, wie das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder der Mutter zugesprochen wird. 
 
Eine Geschichte von einem Mann, der nach einem zwölfstündigen Arbeitstag bereitwillig die Hausarbeit übernimmt, während die Frau den Tag über durch verschiedene Internet-Partnerbörsen surft. 
 
Eine Geschichte von einem Mann, der von seiner Frau nachts immer wieder wegen nichtiger Gründe aus dem gemeinsamen Haus geworfen wird – auch wenn sie dann die drei Kinder im Alter zwischen einem und vier Jahren dort allein lässt, weil sie selbst trinken geht.

Diese und viele andere Geschichten erscheinen unglaublich. Natürlich geben sie die Realität aus einer bestimmten Perspektive wieder, der eines direkt Betroffenen, und aus anderer Perspektive würden manche Geschichte möglicherweise anders klingen. Gleichwohl gibt es auffällige Ähnlichkeiten zwischen ihnen, die über den Einzelfall hinaus aussagekräftig sind.

Das betrifft insbesondere die Geschichten, in denen Kinder direkt involviert sind.

Samstag, 9. November 2013

Sex, Geld und Nähe - und viele Kommentare

Der Artikel Sex, Geld und Nähe, oder: Was haben Feministinnen eigentlich gegen die Prostitution? ist sehr ausführlich kommentiert worden – so dass einige in meinen Augen sehr interessante und wichtige Beiträge leicht übersehen werden können, insbesondere, wenn sie erst in der unteren Hälfte des Kommentarstrangs auftauchen. Zumindest auf einige davon möchte ich hier aufmerksam machen – das strukturiert den langen Thread vielleicht so, dass auch andere Beiträge besser zur Geltung kommen können.
Der Kommentarstrang beginnt, noch leicht aufzufinden, mit Beiträgen von virtual-cd und Matthias, die evolutionspsychologische Aspekte des Themas stark machen und die Frage nach einer „Verschuldung“ (virtual-cd) von Männern gegenüber Frauen stellen.

Es folgen Überlegungen zu der Frage, inwieweit Männerrechtler, gerade in kritischer Absicht, eigentlich feministische Argumentationsmuster nachvollziehen sollten – und wie sich ein linker Maskulismus positionieren kann (hier stellvertretend ein Beitrag von crumar, weil er in meinen Augen viele Aspekte der Diskussion noch einmal bündelt).

„Männerrechtler müssen verstehen, daß Prostitution nur möglich ist, nachdem systematische Verletzungen der sexuellen Würde des Mannes Alltag geworden sind.“  Diesen Punkt macht Elmar Diederichs (jungsundmaedchen) in einem Beitrag und der darauffolgenden Diskussion stark.

Ausgehend von der Frage, inwieweit brachiale Ausdrucksweise eigentlich einen Platz in der Geschlechterdebatte haben sollte, entwickelte sich eine knappe, aber in meinen Augen sehr interessante und wichtige Diskussion darüber, wie stark der Sprachgebrauch in solchen Debatten eigentlich durch den sozialen Status der Beteiligten bestimmt ist – und welches Ziel Diskussionen in einem Blog wie diesem eigentlich verfolgen können.

Schließlich schreibt Thomas aus einer Freierperspektive sehr sachlich und detailliert über seine Motive, zu Prostituierten zu gehen.  Eine sehr klare Position, die einem Freier- (und allgemeiner: Männer-)Bashing wie dem gerade auf Genderama beschriebenen eine differenzierte Perspektive gegenüberstellt.

Natürlich deckt das nicht alle interessanten Kommentare ab – es folgt beispielsweise noch eine kurze Diskussion, die klarstellt, dass es bei der von Schwarzer und anderen begonnenen Kampagne nicht um die „Abschaffung“, auch nicht um das Verbot der Prostitution, sondern allein um die Bestrafung der Freier ginge. Die folgende Frage, welche Möglichkeiten Männer eigentlich hätten, auf das skizzierte Männer-Bashing" zu reagieren, ist schon ein Ausblick auf weitere Debatten.

Die hier verlinkten Kommentare helfen vielleicht, in der Diskussion nicht den Überblick zu verlieren und lohnende Beiträge nicht zu übersehen.