Mittwoch, 29. Januar 2014

Wegbeißen, wegberaten, wegprozessieren - und weitere Zaubertricks der Vaterentsorgung


„Das Magazin „PAPA-YA“ fordert vom Bundesfamilienministerium eine Überprüfung der Arbeit des Verbandes allein erziehender Mütter und Väter (VAMV). Der VAMV untergrabe systematisch das neue Sorgerechtsgesetz (…).“
So begann im Mai des vergangenen Jahres eine Pressemeldung über einen Artikel des Magazins Papa-Ya, der schwere Vorwürfe gegen den Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter, VAMV, erhob:
„Aufrufe zu Falschaussagen hinsichtlich des Kindeswohls und 'Anleitungen' für eine dauerhafte, wörtlich als 'Entsorgung' bezeichnete, Trennung des Kindes vom Vater“
seien von Vertreterinnen des Verbands auf öffentlichen Veranstaltungen verbreitet worden.
Ob dieses Kind sich tatsächlich wohlfühlt, lässt sich nicht genau entscheiden. Die Frage sollte auch nicht per Schnellverfahren beantwortet werden, und schon gar nicht ohne Einbindung des Jugendamts oder des VAMV, oder gar ohne Einbindung von Familienanwälten. ( Quelle )
Insbesondere der Münchner Familienanwältin Strasser, die seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen des VAMV abhält,  und einer Münchner Beratungsstelle, Kiebitz e.V., unterstellt der Artikel (der hier im Gelben Forum als pdf-Datei zu finden ist) zudem eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, Vätern auf Wunsch der Mütter die Möglichkeit des Umgangs zu nehmen und entsprechende Gutachten bereitzustellen.

Nun hat die Anwältin den Chefredakteur von Papa-Ya, Jörg Mathieu, verklagt – was diesen nicht überrascht.
„Das die im Artikel namentlich genannte Person sich juristisch dagegen wehren würde, war abzusehen. Wir sehen der öffentlichen Verhandlung am 03.02. in München aber gelassen entgegen,“
erklärt er im Interview.

Inwieweit die Vorwürfe sich bestätigen, wird sich in der Verhandlung ja erweisen – wenn sie denn fair abläuft. Von außen lässt sich allerdings feststellen, dass die Gerichtsverhandlung Probleme austrägt, die eigentlich längst politisch hätten geklärt werden müssen.

Samstag, 25. Januar 2014

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen

Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist. Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben wird, und festgestellt, dass das Ministerium auch nicht mehr weiß als ich. Doch dazu später.
 
Ich hätte mein Vorhaben also aufgegeben, wenn mich nicht einige Artikel, die in Zeitungen und Blogs zum einjährigen Aufschrei-Jubiläum erschienen sind, wieder daran erinnert hätten.

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Lena Jakat beispielsweise über Frauen, die ihre „Erfahrungen über Alltagssexismus“ bei Twitter skizziert hätten:
„Sie sind sehr leise geworden, zum Schweigen gebracht von einer digitalen Front aus Aggression, die sich in den vergangenen Monaten bei Twitter aufgebaut hat. Dort schwappt dem Hashtag inzwischen so viel Hass entgegen, dass sich kaum noch jemand traut, ihn ernsthaft zu tippen. Dabei sollte das Schlagwort einst ebendiesen Hass bekämpfen.“
Jakat ist im vergangenen Jahr vermutlich ganz einfach nicht dazu gekommen, sich mit dem Thema, über das sie schreibt, näher zu beschäftigen. Sonst wäre ihr sicher aufgefallen, dass die „Erfahrungen über Alltagssexismus“ nur einen kleinen Teil der Aufschrei-Beiträge ausmachten, und dass es kein „Hass“ ist, wenn Männer sich darüber beschweren, dass ihre Erfahrungen mit anti-männlichem Sexismus in der Aufschrei-Kampagne geschlossen abgewehrt wurden. 
Ein Mann beteiligt sich am "Aufschrei"
Immerhin befindet sich Jakat damit in guter universitärer Gesellschaft – gerade hat schließlich auch die Osnabrücker Professorin Julia Becker in der Zeit deutlich gemacht, dass eine Aussage wie
„Wenn ständig über Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, wird dabei die Diskriminierung von Männern vernachlässigt“
ausgesprochen sexistisch sei.

Zuvor hatte Hannah Beitzer ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung freundlich eingeräumt: „Es gab Männer, die sich selbst im Alltag benachteiligt fühlten.“ Dass damit aber neben den unzähligen Frauen mit ihren realen Diskriminierungserfahrungen Männer mitmischen und sich auch einmal ein wenig diskriminiert füllen wollten, kann Beitzer natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Sie ist sich sicher, dass sich
„hier vor einem Jahr etwas entlud, das sich schon eine ganze Weile angebahnt hatte - nämlich die Unzufriedenheit darüber, dass Männer und Frauen in Deutschland noch immer nicht wirklich gleichberechtigt sind. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, immer noch ist ein Großteil der Führungspositionen in der Wirtschaft von Männern besetzt, während Frauen sich häufiger und intensiver als ihre Partner um Haushalt und Kindererziehung kümmern.“
Diskriminiert sein, bitteschön, ist Frauensache.

Freitag, 17. Januar 2014

Schulen, Sex und Bildungspläne

Manchmal gibt es bekanntlich Auseinandersetzungen, bei denen es für unbedarfte Betrachter schwer zu entscheiden ist, welche Seite ihnen stärker auf die Nerven geht. Für mich ist der Streit um die Online-Petition, die sich gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg richtet, eine solche Situation. Auch lesenswerte Diskussionen und Beiträge dazu in Blogs, etwa bei Alles Evolution, beim Stadtfuchs, bei Mein Senf oder im Pelz-Blog, beziehen ganz unterschiedliche Positionen, sind aber nach meinem Eindruck jeweils beiden gegnerischen Parteien gegenüber skeptisch.
Weht diese Fahne bald über dem ganzen Ländle? Oder setzen sich die Feinde des Regenbogens durch? Und vor allem: Kann es sein, dass beide Seiten ein wenig übertreiben? (Quelle)
Auf der einen Seite eine Petition mit mittlerweile etwa 154.000 Unterzeichnern, die sich kaum die Mühe macht, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zielen der Landesregierung zu unterscheiden und die ihr rundweg unterstellt, eine
„pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“
anzustreben. 
 
Dass es richtig sei, die Diskriminierung von Homo-, Bi- und Transsexuellen im Unterricht zu thematisieren, erwähnt der Autor in einer einzigen Passage, die er dann nirgends weiter vertieft. Welche Diskriminierung? Was hat die Schule damit zu tun? Was erleben beispielsweise Jungen an durchschnittlichen deutschen Schulen, wenn sie früher oder später merken, dass sie sich sexuell für ihre Mitschüler stärker interessieren als für ihre Mitschülerinnen? Oder Mädchen, die merken, dass sie lesbisch sind?

Solche Fragen sind dem Petenten, dem Realschullehrer Gabriel Stängle, nicht sonderlich wichtig. Stattdessen ärgert er sich gleich mehrmals über die wolkige – und im Original übrigens in eine Frage, nicht in eine Tatsachenaussage verpackte – Formulierung des Lesben- und Schwulenverbands, dass womöglich die „Schule ein homophober Ort“ sei.

Noch seltsamer ist jedoch die Reaktion auf die Petition.

Sonntag, 12. Januar 2014

Monströse Männer, reine Frauen - und andere Sonderbarkeiten moderner Familien

Als sich einmal in einem Bielefelder Kindergarten, so der Zeit-Artikel Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht,
„ein Mann beworben hatte, berief die Kitaleitung erst einmal einen Sonder-Elternabend ein. In hitzigen Debatten sprachen sich einige der vermeintlich fortschrittlichen Eltern gegen den Kandidaten aus. Dann machte einer der Väter einen Kompromissvorschlag: Er sei einverstanden, vorausgesetzt, seine Tochter werde nicht von dem Erzieher gewickelt.“
Für die Autorinnen Elisabeth Raether und Tanja Stelzer (deren Artikel ich hier schon besprochen hatte) ist die ablehnende, ressentimentgeladene Reaktion der Eltern angesichts ihres wohl „fortschrittlichen“ Milieus offenbar überraschend. Das lässt sich auch anders sehen: Gerade in einem vordergründig fortschrittlichen, tendenziell links-alternativen Milieu sind Geschlechterklischees wie der Glaube, dass ein Kind unbedingt zu Mutter gehöre und der Vater ihm im Zweifelsfall schädlich sei, in den vergangenen Jahrzehnten besonders liebevoll gepflegt worden.
Würden Sie diesem Mann Ihr Kind anvertrauen?
Wie also sind Kindergärten und andere Orte der Kindererziehung zu solch androphoben Orten geworden? 

Ein mögliches Beispiel dafür, welche Quellen das absonderliche Verhalten der fortschrittlichen Bielefelder Eltern haben kann, lässt sich mit ein wenig Gegenwartsarchäologie finden – in den Schriften der Münchner Wissenschaftlerin Anita Heiliger, die 1991 eine folgenreiche Dissertation veröffentlicht hat, bis 2006 am Deutschen Jugendinstitut in München arbeitete und die bis heute als Vortragende auf Veranstaltungen autonomer Frauenhäuser unterwegs ist. Es lohnt sich, einen Blick in ihre Schriften zu werfen – auch wenn er erschreckend ist.

Montag, 6. Januar 2014

Wie Alice Schwarzer einmal "man tau" zum Geburtstag überraschte

Bevor der Tag zu Ende geht, muss ich einmal einen kleinen Feier-Text einschieben. Heute wird man tau nämlich genau ein Jahr alt. 2450 Kommentare für 127 Posts, im Durchschnitt mehr als 523 Seitenaufrufe am Tag – was sehr schön ist, zumal das Blog am Anfang manchmal pro Tag etwa 5-10 Aufrufe hatte und sich also ein wenig steigern konnte. Die Gewohnheit, ab und zu mal Gedichte zu veröffentlichen, habe ich mit der Zeit vernachlässigt, dafür beschäftigen sich die Texte konzentrierter als zu Beginn mit Geschlechterthemen.
Die Redewendung „man tau“ kommt natürlich, wie ich, aus Norddeutschland, aus der Seglersprache – alle Mann an die Taue, es geht los. Natürlich steckt eine große symbolische Bedeutung darin, an die ich übrigens überhaupt nicht gedacht hatte. Ich fand es schön, dass sich die Redewendung sowohl norddeutsch als auch asiatisch anhörte – „man tau“ hat dort allerdings nichts mit tieferer buddhistischer Weisheit zu tun, sondern bezeichnet, soweit ich das gelesen habe, eine Art gedünsteter Brötchen.
 
Ich dachte, es wäre schön zu sehen, was heute am Bloggeburtstag eigentlich sonst noch so passierte.

Sonntag, 5. Januar 2014

Von müden Helden und unwichtigen Toten - Eine Zeit-Kritik

„Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist.“
Anstatt einfache Zuschreibungen zu liefern, welches Geschlecht mächtig und welches hilfebedürftig – oder: der Hilfe wert – sei, plädiert der Text, aus dem das Zitat entnommen wurde, um ein differenzierteres Bild: „Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht“ von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer, in dieser Woche in der Wochenzeitung Die Zeit erschienen und schon bald darauf vielfach kommentiert (der Artikel ist hier mittlerweile online)..

Raether und Stelzer listen geschlechtsspezifische Nachteile von Männern in Reihe auf, etwa die deutlich kürzere Lebenserwartung, die extrem viel höhere Selbstmordrate, den extrem viel höheren Anteil an Obdachlosen, die deutlich höhere Drogenabhängigkeit, die deutlich geringeren Schulerfolge von Jungen, deren vielfach höhere Rate an psychischen Störungen, den extrem viel höheren Anteil an Inhaftierten und den höheren an Gewaltopfern, die Probleme von Vätern, die an der Sorge für ihre Kinder gehindert werden, die höhere Wahrscheinlichkeit, als Kind Opfer von Misshandlungen zu werden, die hilflosere Position bei Ehescheidungen – und die deutlich größere Ignoranz gegenüber ihren Nöten, verbunden mit konstant hohen Leistungs- und Erfolgserwartungen.
 
Eigentlich müssten Männerrechtler zufrieden sein, dass Die Zeit so ausführlich, und im Rahmen ihres wöchentlichen Dossiers über die oft prekäre Situation von Männern berichtet. Trotzdem ärgerten sich Kommentatoren im Forum Männerrechte von MANNdat über den „wässrigen Artikel“, wollten das „Käseblatt ignorieren, im Netz und am Kiosk“  oder beklagten weiterhin das „Schweigen der Medien“, wenn es um die Verletzungen der Rechte von Männern und Jungen geht.

Der Vaterberater hingegen mutmaßt, dass es Die Zeit mit dem Thema nicht allzu ernst meint:
„Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist verräterisch. Wenn es ein Winterloch gibt, dann befinden wir uns im Moment genau darin.“ 
Dass die Kritik gute Gründe hat, zeigt sich schon an Sätzen des Artikels, die auf die oben zitierte Passage unmittelbar folgen.
„Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist. Denn natürlich gibt es sexuelle Gewalt gegen Frauen, natürlich gibt es den Gender Pay Gap, die Geschlechterdifferenz beim Verdienst von Männern und Frauen.“
Dass es sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, macht nun die aufgelisteten Nachteile von Männern natürlich nicht besser, auch nicht die sexuelle Gewalt gegen Männer und Jungen. Die Haltlosigkeit des „Gender Pay Gap“-Geredes wurde wiederum schon häufig herausgestellt, zum Beispiel auch bei Kritische Wissenschaft oder Alles Evolution.

Die Widersprüche der zitierten Stelle prägen den gesamten Text.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Blogparaden, Blogstöckchen und Blockwärtinnen (Monatsrückblick Dezember 2013)

„Sie ist die Frau, für die zwei Männer Platz machen mussten, Ex-Innenminister Freidrich und Ex-Verteidigungsminister de Maizière.“
Während Ursula von der Leyen also laut Spiegel vom 21.12. Männer aus dem Weg räumt (S. 20) und „den Kabinettspoker so kaltblütig gespielt wie kein Mann“ habe (S. 24), sehen die Männer in der Spiegel-Berichterstattung eher soft aus: Harte Mädchen, weiche Jungs.

Die Koalitionsvereinbarungen in Berlin waren geschlechterpolitisch aus zwei Gründen interessant. Einerseits, weil sie einiges an feministischen Pflichtprogramm absolvierten, Frauenquoten, die Bestrafung von Freiern bei „erkennbarer Zwangsprostitution“ (eine Regelung, deren zweifelhafte Realitätstauglichkeit erzaehlmirnix zu dem Spott veranlasste, die Regierung wolle nun eine „Kennzeichnungspflicht für Zwangsprostituierte“ einführen), und aus personalpolitischen Gründen.
 
Ursula von der Leyen steht als erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums, Andrea Nahles, deren Berufserfahrung sich fast ausschließlich auf die Pflege ihrer Parteikarriere beschränkt, ist nun Arbeitsministerin, und Manuela Schwesig (dazu gab es eine längere Diskussion bei Alles Evolution).

Zwischen Weihnachtskitsch und Shitstorm - Mit einer knallreaktionären Ideologie, verpackt in Sentimentalitäten, gelang es einem Nivea-Werbeclip, seine eigene Blogparade aus scharfen Kritiken loszutreten.
Die Koalition liefert aber auch ein Leitmotiv des vergangenen Monats – die Fragen, wie ganz unterschiedliche Akteure eine Zusammenarbeit organisieren können, und die Frage, wo eine Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll ist. Kurz: Verknüpfungen und Grenzziehungen.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Erzählmirnix: "Nun sag, wie hast du's mit dem Maskulismus?" - Acht Antworten

Erzählmirnix hat ein Blog-Stöckchen geworfen, das mittlerweile schon von vielen aufgenommen und beantwortet wurde – acht Fragen stellt sie, die sich eigentlich um eine Frage drehen: „Wie hast du’s mit dem Maskulismus?“
Dass die Fragen so bereitwillig aufgegriffen und beantwortet wurden, verstehe ich - sie bieten eine Gelegenheit,  die eigene Position einmal grundsätzlich zu beschreiben und dieser Beschreibung zugleich mit der anderer vergleichen zu können. Ich hatte nun beim weihnachtlichen Zugfahren Zeit dafür.

Montag, 23. Dezember 2013

Josef und Nivea. Und eine Weihnachtsgeschichte.

„Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich ‚um seine Braut und das Kind‘ gekümmert und dabei ‚still‘ an der Seite Marias gestanden.“
Ganz ähnlich wie von Papst Franziskus, aber mit ganz anderer Bewertung, wird Josef von Marcus Spicker im Kuckucksvaterblog beschrieben:
„Er, der sich um Maria und ihr Kind kümmerte, aber stets im Hintergrund stand und in der Bibel nie zu Wort kommt. (…) Er, dessen Geschichte sich nüchtern betrachtet am Anfang genauso liest, wie die unzähligen Geschichten von heutigen Scheinvätern.“
Josef, der berühmteste Kuckucksvater der Religionsgeschichte, habe aber nur deshalb so tolerant sein können,
„weil er von Anfang an Bescheid wusste über seine Nicht-Vaterschaft und er die Verantwortung für den Jungen auch tatsächlich, zumindest eine Zeit lang, übernehmen durfte. Letztendlich wurde er aber genauso entsorgt, wie unzählige andere Scheinväter heutzutage auch.“
Dass heutzutage auch unzählige reale Väter entsorgt werden, wird Josef keine große Hilfe sein. Julia Schramm schrieb 2012 in der FAZ über einen Mann, der auf vielen Bildnissen weit weg von seinem neugeborenen Sohn steht, weiter als selbst Ochse und Esel, und
„der Vater sein soll, ohne das Baby gezeugt zu haben. Nicht einmal in der Lage war er, für die Niederkunft seiner schwangeren Frau eine ordentliche Herberge zu organisieren.“
Josefs Zurückhaltung sei im Laufe der Jahrhunderte aber auch in eine Tugend uminterpretiert worden. Zur „Disziplinierungsfigur für die Männer nach dem Dreißigjährigen Krieg“ sei er geworden, der „ein vorbildliches Familien- und Arbeitsleben“ vorgeführt hätte. Zudem sei die „Schmach, dass seine Frau ihm ein fremdes Kind untergeschoben hat, (…) längst zum Ausdruck seiner Reinheit umgedeutet“ worden. Ein heutiger Pastor entdeckt in Josef gar einen idealen Mann:
„Er war kein Mensch der vielen Worte, der erst eine Planungskonferenz einberufen musste. Er hat angepackt und gemacht. Und er hat traumhaft genau das Richtige getan.“
Antonio Allegri, genannt Correggio: Die Heilige Nacht (etwa 1530) Vorne ein Hirt und Mägde, die das Kind anbeten, beleuchtet von dem Glanz, der von ihm und der Mutter ausgeht. Im Hintergrund kümmert sich Josef um den Esel.
In diesem Sinne ist Josef ein Traummann aller vaterentsorgenden Mütter: Er ist da, wenn er gebraucht wird, hält aber auch dann den Mund, drängt sich nicht in den Vordergrund, übernimmt Verantwortung für Frau und Kind, ohne dumme Fragen zu stellen, macht der Mutter beim Kind keine Konkurrenz – und wenn er nicht mehr benötigt wird, verschwindet er stillschweigend, ohne dass das noch eigens erwähnt werden müsste.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Friede, Freude und Klingonen - Ein Rückblick auf die Blog-Parade

Bei Alles Evolution  beschreibt der Blogger vom wortschrank in den Kommentaren seine „Ernüchterung“ angesichts der Reaktionen auf die Blogparade, die sich in verschiedenen zeitgleich erschienenen Beiträgen mit dem Verhältnis der Männerbewegung und Homosexuellen auseinandergesetzt hatte.
„Spott und Häme von Feministen, kaum Reaktion aus dem 'homosexuellen Lager' (also weder Lob noch Kritik) und das alles vermengt mit homophoben Kommentaren.“
Mir ging das anders. In meinen Augen war das Ergebnis dieser Blogparade sehr positiv: Im Stil sehr unterschiedliche Artikel, die verschiedene Schwerpunkte setzten, aber im Grundtenor ähnlich waren – nämlich in der klaren Ablehnung von Schwulenfeindlichkeit, auch von der, die maskulistisch daherkommt.
Die Einhelligkeit dieser Ablehnung legte für manche natürlich sogleich die Frage nach der strategischen Absicht nahe. Marenleinchen bei Christian:
„Meiner bescheidenen Meinung nach WERDEN Schwule instrumentalisiert, wenn auf einmal erkannt wird, dass da “Potential” verschenkt wird (…).“
Das unterstellt, Männer – nichtfeministsiche Männer – hätten gewiss gar kein ehrliches Interesse daran, sich gegen Schwulenfeindlichkeit auszusprechen, sondern wären dabei von anderen Motiven geleitet, die es aufzudecken gelte. Das stimmt so nicht, kommt aber Verdächtigungen erstaunlich nahe, die ich so auch im „Gelben Forum“, dem virtuellen Versammlungsraum brachialer Maskulisten, gelesen habe.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Hetenknutschen und andere Männergeschichten

„Ich habe Adrians Blog bisher vernachlässigt, mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren). Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.“ 
Das schreibt David in einem Kommentar bei Alles Evolution. Adrian wiederum hatte auf seinem Blog Gay West über die „Kluft zwischen heterosexuellen und homosexuellen Männern“ geschrieben und über die in seinen Augen fatale Außenwirkung der Männerrechtsbewegung, die weiterhin oft von ein paar Brachialmaskulisten geprägt werde, die gern über „Homo-Perverse“ herziehen oder dramatisch vor einer „Verschwulung der Gesellschaft“ warnen.
„Es sind eben ('offiziell') heterosexuelle Männer, die Schwule auf der Straße beleidigen, anpöbeln, angreifen. Es sind ('offiziell') heterosexuelle Männer, die ihre immerwährende Abneigung gegenüber Homosexualität kund tun. (…) Ich weiß, ich weiß, das alles gibt es bei Frauen ebenfalls zur Genüge, dennoch lässt sich meines Erachtens nicht verleugnen, dass Frauen Schwulen gegenüber toleranter und auch freundschaftlicher gesinnt sind.“ 
Gentlemen gegen Homophobie, Hetenknutschen für ein friedlicheres Deutschland - Für das Magazin Gentlemen's Quarterly küssen sich Hetero-Männer, hier die Schauspieler Ken Duken und Kostja Ullmann
Welche Chancen auf Verständigung gäbe es also, wenn Männerrechtler Feindseligkeit gegen Schwule stärker zu ihrem Thema machten? Und: Welchen Sinn hätte es?

Sonntag, 15. Dezember 2013

Viele Verlierer, wenige Gewinner und ab und zu ein Märchen - "Inside Llewyn Davis" und "Searching for Sugar Man"

Hätte mir nicht ein Freund eine DVD ausgeliehen und mir dringend empfohlen, sie anzusehen, dann hätte ich eines der wichtigsten Film-Ereignisse des Jahres glatt verpasst: Searching for Sugar Man, ein schwedisch-britischer Dokumentarfilm des zuvor unbekannten Regisseurs Malik Bendjelloul aus dem Jahr 2012 wurde bei den Academy Awards im Januar mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Eigentlich schafft der Film sich sein eigenes Genre, das eines Doku-Märchen-Films – nachdem ich ihn gesehen hatte, habe ich erst einmal das Internet durchsucht, um herauszufinden, dass die dort gezeigte Geschichte tatsächlich wahr ist.
Der Film ist in überraschend vielen Aspekten vergleichbar mit einem Spielfilm, der gerade erst in den Kinos angelaufen ist: Inside Llewyn Davis von Joel und Ethan Coen.  In beiden Filmen geht es um erfolglose Musiker aus einer gerade vergangenen Zeit, die aber versuchen, ihrer Idee von Musik treu zu bleiben – beide kontrastieren die radikale Erfolglosigkeit mit einem gigantischen Erfolg – und beide stellen einen direkten Bezug zu einem der wichtigsten Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts her, zu Bob Dylan. Vor allem aber sind beides Filme über Männer, die vieles über männliches Leben deutlich machen und die gängige Klischees über Männerleben ins Leere laufen lassen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Kleine Schnitte, große Konflikte und offene Wunden - Kein Ende der Beschneidungsdebatte

„Seine Mutter wollte ihm etwas vorlesen, wie früher, damit er sich nicht so allein fühlte und sich beruhigte, aber er wollte nicht, dass sie da blieb, er wollte nicht Antworten geben müssen oder nachdenken oder Rücksicht nehmen, alles, was er wollte, war, eine Position zu finden, die es ihm erlaubte, sich vor dem Schmerz zu verkriechen.
Den Rest der Nacht lag er steif in seinem Bett und wagte nicht, sich zu rühren.“
Der neunjährige Jason aus Gunnar Kunz‘ 2013 erschienen Kurzgeschichte Unberührbar, oder: Nur ein kleiner Schnitt“ lebt mit seinen Eltern Bob und Fay in Deutschland – der Vater hat nach vierzehn Jahren Arbeit für die Niederlassung einer amerikanischen Firma seinen Beruf verloren, aber einen neuen Beruf in Aussicht – die Mutter erteilt Englischunterricht. Nicht lange vor der oben zitierten Szene hat er mit seinem Vater ein beiläufiges Gespräch geführt, das erhebliche Folgen haben sollte.
„‚Weißt du, es ist langsam an der Zeit, dass du beschnitten wirst.'
‚Beschnitten? Was bedeutet das?‘
‚Dass die Vorhaut um dein Glied entfernt wird.‘
‚Warum?‘
‚Weil das hygienischer ist. In Amerika machen das fast alle so.‘
‚Es sieht auch ästhetischer aus, finde ich‘, mischte sich Fay ein.“
Der Vater hatte Jason, auch in Erinnerung an seine eigene, komplikationslose Beschneidung einen einfachen Eingriff versprochen.
„‚Von der Operation selbst wirst du gar nichts spüren, weil du ja betäubt wirst. Hinterher ist es ein bisschen unangenehm, ein paar Tage vielleicht, aber nichts, was man nicht aushalten könnte. Alles in allem nicht der Rede wert.‘“
Das Versprechen des Vaters aber erweist sich als haltlos – die Wunde der Operation infiziert sich und vereitert, das Glied des Jungen schwillt an, Jason hat bei jeder Bewegung ungeheure Schmerzen.
„Jede noch so kleine Berührung der Decke entlockte ihm einen Schrei. Bitte, lieber Gott, lass die Schmerzen aufhören!“
Vor einem Jahr, im Dezember 2012, wurde in Deutschland ein schnell entwickeltes Gesetz in zweiter und dritter Lesung durch den Bundestag gebracht, das die Beschneidung von Jungen auch bei Säuglingen und anderen Kindern, die noch nicht zustimmungsfähig sind, und auch ohne medizinische Notwendigkeit erlaubt. Gunnar Kunz‘ Kurzgeschichte bietet eine gute Möglichkeit, um an den Jahrestag des neuen Gesetzes zu erinnern.

Samstag, 7. Dezember 2013

Wer hat Angst vorm bösen Männerrechtler? (Gastbeitrag von Kai)

In den Kommentaren hatte ich ja ab und zu geschrieben, dass ich bei man tau gern auch Gastbeiträge veröffentlichen würde. Kai hat als Antwort auf einen sehr kurzen Beitrag Adrians bei Gay West und vor dem Hintergrund der Väterbewegung einen sehr engagierten Text geschrieben, der viele Punkte aufgreift, die mir auch schon lange im Kopf herumgegangen waren.


Wer hat Angst vorm bösen Männerrechtler?
„Ich traue Männerrechtlern nicht. Sie geben mir keine Hoffnung, sondern nur düstere Vorahnungen.“
So schreibt Adrian auf Gay West in seinem Beitrag zu „Männerrechtler“.  Er besteht nur aus diesen zwei kleinen Zeilen. Wie gerade Gay West zu dieser Schlussfolgerung kommt, obwohl der Blog durch Genderama oftmals zitiert und auf fast allen für mich relevanten Blogs, die sich um Männerprobleme drehen, in den Blogrolls steht, erschließt sich mir nicht ganz.

Eigentlich kann es mir egal sein, denn ich bezeichne mich nicht als Männerrechtler, nicht als Maskulist oder Antifeminist, ich selbst bezeichne mich als Mensch, als denkender Mensch. Ich brauche nicht unbedingt in eine Schublade eingeräumt werden, wie Menschen dieses gerne tun. Wie es auch von Kritikern der Männerrechtsbewegung gerne gemacht wird. Für die Heinrich Böll Stiftung und die Friedrich Ebert Stiftung ist es einfach, alles was gegen Feminismus ist, kommt in die Schublade Antifeminist.
Angefangen hat es mit Gesterkamps „Geschlechterkampf von Rechts“.  Hier schon in der Sub-Unterschrift:
„Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren“.
Also auch hier, Männerrechtler UND Familienfundamentalisten, aber es geht noch weiter, es kommen noch konservative Publizisten, militante Abtreibungsgegner, evangelikale Christen und rückwärtsgewandte katholische Kirchenobere hinzu. Alles eine Suppe, alle sind gegen Feminismus, passt schon irgendwie. Es fehlen nur noch Salafisten, die sind ja auch gegen Feminismus, wenn ich mich nicht täusche. Nazis sind mit konservative „irgendwas“ ja immer in der Gruppe enthalten. Ob Gay West neuerdings auch in dieses Denkmuster verfallen ist, weiß ich nicht, ich kann und will es mir aber nicht vorstellen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Fleißige Feministinnen, miserable Maskulisten und andere Märchen vom Patriarchat

„Herrgott, wie soll man eine Bewegung Ernst nehmen, die ihre Existenzberechtigung offensichtlich einzig daraus zieht, die Anderen mit Hass zu übergießen, statt mal was konstruktives zu tun?“
Wenn Robin Urban, Internet-Feministin, sauer ist, dann macht sie das immerhin zweifelsfrei deutlich. Sie schreibt über Texte von Männerrechtlern, von denen angeblich 99% „nicht ohne idiotisches ‚Feminazi!‘-Gebrülle oder allgemeine Frauenabwertung“ auskommen, fragt und weiß die Antwort schon: 
„Ist es der Neid auf den wesentlich besser organisierten Feminismus oder schlicht Hass, der versucht, im Gewand des Maskulismus halbwegs gesellschaftsfähig daher zu kommen? Man weiß es nicht, man ahnt es nur!“
Arschlöcher sind Leute, die mit Arschlöchern kein Mitgefühl haben - oder irgendwie so... (Bild: avoiceformen.com)
Sie macht sich lustig über die
„belanglose, latent oder offen frauenverachtende Scheiße oder ein Gejaule darüber, was die bösen Feminazis jetzt schon wieder angestellt haben“
und betitelt die dergestalt Angesprochenen unkompliziert-fröhlich als „Arschlöcher“.

Und wie reagieren die Arschlöcher? Einer schreibt in den Kommentaren, Robin habe
„Männern mit dem Artikel tatsächlich einen lobenswerten Dienst erwiesen. Danke dafür.“
Ein anderer stellt klar:
„Robin, ich danke Dir für diesen Beitrag. Du liegst bei vielen Deiner Aussagen sehr richtig.“
Ein weiterer Kommentator findet den Text von Robin „klasse“, und Arne Hoffmann bekennt offen: „Ich mag diese Frau!“  Was genau war hier eigentlich geschehen?