Dienstag, 25. Februar 2014

Wie man durch Unfreiheit Freiheit schafft, rückwärts vorwärts fährt und dabei viel Kuchen bekommt

Ein Professor der Erziehungswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität hatte – darauf macht Crumar in einem Kommentar zum ersten Teil dieses Textes aufmerksam – in einer Vorlesung für Erstsemester einen entscheidenden Fehler gemacht: Er hatte nämlich, wie eine Studentin der Vorlesung berichtet,  unklugerweise „unter den Pflichttexten auch Autoren wie Platon, Kant und Rousseau" aufgenommen.

Das geht natürlich nicht, und so kam selbstverständlich unter dem hoffnungsvollen akademischen Nachwuchs der Bundeshauptstadt „die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden". Da Frauen ja bekanntlich immer unterdrückt wurden, kann man eigentlich auch gleich fragen, warum man überhaupt Texte lesen sollte, und überhaupt, wieso ausgerechnet im Studium, aber in dieser gedanklicher Konsequenz gingen die Beteiligten nicht vor. Nicht ganz.

Die Frage danach, ob die Lektüre eigentlich legitim sei, wurde auch „im Zusammenhang mit Autoren wie z.B. Kant und Rousseau wiederholt gestellt" – schließlich ist deren Verhältnis zum Rassismus ja, gelinde gesagt, ungeklärt.
„Den Höhepunkt dieses Gefechts bildeten dann die Vorfälle in der letzten Vorlesung. Die kleine Gruppe Studierender, die zuvor Fragen gestellt hatte, rekrutierte, wie es aussah, einige ihrer Kommilitonen der Gender-Studies, die dann ironischerweise lautstark applaudierten und jubelten, sobald der Professor anfing zu reden. Diese letzte Vorlesung war für die meisten Studierenden ungemein wichtig, da auf Verständnisfragen bezüglich der klausurrelevanten Themen eingegangen werden sollte. Dies war nun nicht möglich. Der Professor versuchte in dem Chaos auch eine Annäherung, ging zu den Beteiligten, die in den Bänken saßen und versuchte ein Gespräch. Parolen wurden gerufen, er wurde ignoriert."
Was soll das? Woher kommt – und zwar nicht auch, sondern ausgerechnet im akademischen Bereich – die Lust an Freund-Feind-Strukturen, mit denen Abwertungen im Rundumschlag verteilt werden und einer als korrupt wahrgenommenen Welt schnurstracks der Glaube an die eigene Lauterkeit entgegengehalten wird, die sich ganz gewiss, und ohne Kompromisse machen zu müssen, schließlich gegen die verderbte Welt behaupten kann?
Der evolutionäre Sinn der Freude an der Rückentwicklung ist noch nicht vollständig geklärt (Quelle)
Der erste Teil dieses Textes endete mit einer ganz ähnlichen Frage: Wer kann ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Weise begrenzte, aber reale Möglichkeiten der vernünftigen Gestaltung sozialer Interaktion zu ignorieren und sie durch die Illusion einer umfassenden und willkürlichen Handlungsmacht im Sinne abstrakter Ideale zu ersetzen?

Sonntag, 23. Februar 2014

Wie man die Biologie abschafft, die Evolution blockiert und nebenbei die ideale Gesellschaft baut

„Baden-Württemberg will Biologie-Unterricht abschaffen. Stuttgart in den Händen der Gender-Ideologen.“
So betitelte Mitte des Monats die Wirtschaftswoche  einen Artikel über die grün-rote Bildungsplanreform. „Denn die Biologie ist ihnen ein Greuel“, begründet dessen Autor Ferdinand Knauß ohne Angst vor falschem Pathos die Pläne der Landesregierung.
Vermutlich wäre der Artikel für die Erregung von Empörung weniger geeignet gewesen, wenn Knauß zumindest nebenbei erwähnt hätte, dass die Landesregierung lediglich in den Schuljahren 5 und 6 das Fach „Naturphänomene und Technik“ einführen möchte, das sich „aus den Fächern Physik, Chemie, Biologie und Technik“ zusammensetzt.  Knauß hätte bei der Gelegenheit dann übrigens auch gleich erwähnen können, dass diese Zusammenlegung von naturwissenschaftlichen Fächern an Gesamtschulen schon seit Jahrzehnten üblich ist – es lässt sich darüber streiten, ob das sinnvoll ist, aber es ist gewiss keine Konsequenz der „Gender-Ideologie“.

Einerseits wird also in Baden-Württemberg das Fach Biologie keineswegs abgeschafft, andererseits hätte der Autor ebenso gut von einer Abschaffung des Fachs Chemie, oder Physik, oder Technik sprechen können. Diese Fächer allerdings hätten sich kaum als Alptraum der „Gender-Ideologen“ verkaufen lassen.
So belegt der Artikel vor allem ein erhebliches Misstrauen gegenüber der Landesregierung – und das Wissen darum, dass eine am Gender-Begriff orientierte Geschlechterpolitik, die Frau und Mann als „soziale Konstruktionen“ versteht, mit der Biologie ein ganz besonderes Problem hat.
Könnte also daher nicht die Biologie besonders geeignet sein, um einer Gender-Politik grundlegend und systematisch zu widersprechen? Über diese Frage gab es vor wenigen Wochen bei Alles Evolution eine lange, zu Teil auch harte und bittere Diskussion – angestoßen durch Elmar Diederichs, der in einem Artikel die Frage „Was können Biologisten?“ stellte, und der dann in der darauffolgenden Diskussion in seinem Blog und bei Alles Evolution darauf bestand, dass der Maskulismus keineswegs auf Biologie angewiesen sei. 
Ich kann diese interessante und zum Teil auch überraschend scharfe Diskussion hier natürlich nicht fortführen. Interessant aber ist für mich die Frage, warum die Biologie für Anhänger der Gender-Theorie eigentlich einen so großen Provokationswert hat – und welche politischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Sonntag, 16. Februar 2014

Zen oder die Kunst, über Männlichkeit zu schreiben

Einerseits erinnerte es mich selbstverständlich an den Film Und täglich grüßt das Murmeltier, wieder einmal dem Vorwurf zu begegnen, Männerrechtler würden sich am Feminismus abarbeiten, anstatt sich einfach einmal mit Männlichkeit zu beschäftigen.
„Einen Maskulismus zu erleben, der sich tatsächlich mal nur mit Maskulinität auseinander setzt, wäre ja so wahnsinnig erfrischend“,
schreibt Robin in ihrem Blog und wiederholt damit eine schon mehrmals diskutierte Position – über die auch bei Alles Evolution schon ausführlich debattiert wurde.
„Ich habe ja schon mehrmals kritisiert, dass sich der Maskulismus meiner Meinung nach zu sehr am Feminismus abarbeitet, statt sich mal um existentielle Fragen rund um Männlichkeit zu kümmern.“
Und was existentielle Fragen für sie sind, das können Männer natürlich nicht allein entscheiden.
„Klar: ‚Feminismus, Feminismus, Feminismus‘. Oder wahlweise auch: ‚Frauen, Frauen, Frauen‘. Und ich so: Meh, meh, meh.“
Das ist aber auch zu blöd: Da regen sich manche Männer ewig+3Tage darüber auf, dass sie aufgrund einer nunmal ungünstigen Geschlechtszugehörigkeit ihre Kinder nicht mehr sehen können, anstatt einfach einmal ungezwungen darüber zu debattieren, wie sie ihren „ersten Samenerguss erlebt“ haben.
 
Oder wie wär es mit einer Antwort auf diese Frage:
„Gibt es Dinge, die du dich nicht traust, gegenüber deiner Frau/Freundin/Sexualpartnerin anzusprechen?“
Genau – worüber ich mit meiner Partnerin nicht zu reden wage, das diskutiere ich natürlich gern, offen und ungezwungen im Internet.
Matthias Mala: Messerrasur
Andererseits aber habe ich etwa zur gleichen Zeit einen Text gelesen, den der Autor und Maler Matthias Mala, der auch bei man tau mitliest und kommentiert, auf seinem eigenen Blog veröffentlicht hat: „Zen und die Lust, ein Rasiermesser zu führen“.
 
Es geht darin um die traditionelle Gesichtsrasur, nicht um die der Beine, des Körpers, des Intimbereichs. Das natürlich ist klassisch männlich, eine routinierte Tätigkeit, regelmäßig wiederholt, in den Alltag eingebettet, zudem übersichtlich in verschiedene Schulen zu unterteilen: Jeden-Tag-Rasierer, Alle-paar-Tage-Rasierer, Bartstutzer, Wachsenlasser, quer dazu natürlich Trocken- und Nassrasierer, und unter diesem wiederum die Gruppe der Mutigsten und Spleenigsten, die Rasiermesserrasierer.

Der Text ist – gerade weil eine alltägliche, unspektakuläre, ganz und gar nicht auf Geschlechterpolitik bezogene private Alltagshandlung im Mittelpunkt steht – ein guter Anlass, um zu überlegen, was das Reden oder Schreiben über „Männlichkeit“ eigentlich so schwer macht, oder was es eben: ermöglicht.

Montag, 10. Februar 2014

Wie man böse Kerle zu netten Jungs umbaut - Progressive Mädchenpädagogik und die "Nice Guys Engine"

Der folgende Text ist ein Beitrag zur Blogparade des Monats Februar, die Geschlechterrollen zum Thema hat. Alle Ähnlichkeiten zu einer Satire sind unbeabsichtigt und ungewollt, aber unglücklicherweise unvermeidbar.
 
Ein Partnertest. Nicht etwa in der Bravo oder auf einer wenig vertrauenswürdigen Internet-Seite, sondern in einem wissenschaftlichen Angebot für Schulen, erstellt in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt, Abteilung Sozialwesen, und weithin empfohlen für den Unterricht. Eine Vierzehnjährige überprüft damit gewissenhaft am Computer, ob eigentlich ihr Freund für sie geeignet ist.
 
„Du benimmst dich, wie du wirklich bist, wenn ihr zusammen seid“ klickt sie an, außerdem „Er akzeptiert deine Art zu leben, deine Kultur“ und „Er hört dir zu, wenn du was erzählst“. Was sie allerdings stört, ist, dass er manchmal Bier trinkt („Es sind Alkohol oder Drogen im Spiel“). Sie klickt auf die „Fertig, zum Ergebnis“-Schaltfläche, ein neues Fenster öffnet sich, und sie erfährt:
„Bei diesem Typ…bekommst du bald Schläge.“
Dieser Partnertest gehört zur „Nice Guys Engine“, der Nette-Jungs-Maschine, die seit 2006 als Internetangebot für Schulen verfügbar ist. „Spass oder Gewalt?“ ist die Internet-Plattform überschrieben, und das ist natürlich keine echte Frage – Kinder und Jugendliche sollen damit lernen, dass das, was Jungen als Spaß empfinden, tatsächlich oft Gewalt ist.
 
Papa macht's doch auch Ein Bild auf der Website Cristina Perinciolis, der Produzentin der Nice Guys Engine. Es entstammt Anita Heiligers Münchner Kampagne gegen Männergewalt und schlägt gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Es zeigt, dass Jungen gewalttätig sind, es zeigt, dass Männer gewalttätig sind, und es zeigt, dass Väter für Jungen nicht gut sind. Dass es bei Jungen noch immer, wie seit eh und je, verpönt ist, Mädchen zu schlagen, konnte angesichts dieser wichtigen Vorteile leider nicht berücksichtigt werden.
 
Wer könnte etwas gegen ein Programm haben, das  Gewalt, und insbesondere sexueller Gewalt gegen Mädchen vorbeugt? Entsprechend wurde diese aufwendig gestaltete Plattform auch großzügig aus öffentlichen Geldern gefördert, von der „Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V.“, die über Vorstand und Geschäftsführung an das Bundesfamilienministerium angebunden ist, und durch erhebliche Investitionen der Fachhochschule Erfurt, deren Professorin Cäcilia Rentmeister das Projekt geleitet und über viele Semester hinweg insgesamt über einhundert Studierende des Fachbereichs Sozialwesen am „Praxistransfer“ beschäftigt hat.
 
Natürlich wurde dieses Projekt auch mit einem Preis ausgestattet, schon 2007 mit dem Thüringer Frauenmedienpreis des Landesfrauenrats Thüringen e.V. und der Thüringer Landesmedienanstalt.

Für Jungen hält die Plattform übrigens keinen Partnertest bereit, dafür können sie sich damit beschäftigen, wann ihr Verhalten gegenüber Mädchen als Vergewaltigung zu werten ist. Das aber ist nur einer der vielen kleinen Unterschiede dieses Projekts.

Samstag, 8. Februar 2014

"Get away from me" - Gewalt gegen Männer (Gastbeitrag von Kai)

"Starre und leicht erkennbare Freund-Feind-Muster" und "Gewaltnähe" – das waren einige der Aspekte von Alice Schwarzers Politik, die in diesem Text beschreiben wurden. Das ist nicht nur ein theoretisches Problem. Wenn eine solche Politik erfolgreich ist und wirksam, dann kann sie natürlich für das Leben vieler Einzelner dramatische Folgen haben. Das lässt sich besonders bedrückend an Themen beschreiben, die in der Praxis oft miteinander verbunden sind: an der Ausgrenzung von Vätern und den doppelten Standards bei häuslicher Gewalt.
 
Natürlich ist diese Politik nicht Schwarzer allein zu verdanken, sie ist allerdings ihre erfolgreichste Repräsentantin in Deutschland. "Gewalt ist nie zu rechtfertigen - egal, von wem sie ausgeübt wird" so zitiert der nachfolgende Text die Leiterin des "Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff)", Katja Grieger. Das wäre absolut richtig, wenn Grieger hier nicht – aber das fällt ihr offensichtlich gar nicht auf – ausschließlich die Gewalt von Männern meinen würde. Häusliche Gewalt von Männern zu verurteilen ist natürlich richtig – aber es ist falsch, häusliche Gewalt von Frauen zu ignorieren und herunterzuspielen.
 
Wie selbstverständlich auch in den USA beliebige Menschen Gewalt zwischen den Geschlechtern radikal unterschiedlich danach bewerten, ob ein Mann gegen eine Frau oder eine Frau gegen einen Mann gewalttätig ist, zeigt diese berühmte Sendung der amerikanischen abc-News.
 
 
Kai hat mir angeboten, einen Text zur Gewalt gegen Männer und ihrer Verbindung mit dem Vaterentzug zu veröffentlichen – vielen Dank dafür! Kai ist seit vielen Jahren in der Elternarbeit tätig und hat sich insbesondere mit der Situation ausgegrenzter Väter intensiv beschäftigt. In seinem Text fließen Erfahrungen aus dieser Arbeit und aus öffentlich zugängliche Quellen zusammen – so werden auch hier die persönlichen Konsequenzen einer auf Freund-Feind-Mustern aufbauenden Politik deutlich.
 
Vieles von dem, was Kai beschreibt, kenne ich übrigens auch persönlich. "Im Hintergrund hört man die Kinder schreien und weinen, was die Frau nicht im Geringsten dazu veranlasst, inne zu halten." Oder: "Es geht sogar so weit, dass man sie nicht mal an den Armen festhalten darf, um nicht geschlagen zu werden." Das habe ich so auch erlebt.
 
Als die Mutter unseres gemeinsamen Kindes mich im Beisein unseres noch ganz jungen Sohnes und ohne für mich nachvollziehbaren Anlass getreten und auf die Brust geschlagen hat, wusste ich zugleich, tatsächlich regelrecht instinktiv, dass ich sie auf gar keinen Fall auch nur zur Verhinderung weiterer Schläge an den Armen festhalten darf, weil mir das danach hätte zur Last gelegt werden können.
 
Gleichwohl ist niemals irgend jemand der später Beteiligten, mit Ausnahme von mir, auf die Idee gekommen, auch nur die Frage zu stellen, ob nicht unser Sohn möglicherweise bei mir besser aufgehoben wäre als bei ihr. Hätte ich mich aber damals gewehrt, dann hätte ich womöglich auf längere Sicht die Chance verloren, unseren Sohn zumindest wiederzusehen.
 
Ich kann also Kais Text nur nachdrücklich empfehlen! Lucas Schoppe

Donnerstag, 6. Februar 2014

Zerstörte Chancen - Esther Vilar begegnet den Wundern im Alice-Land

Nachdem nun das Ende der Dauerpräsenz Alice Schwarzers in den Medien bevorsteht, lohnt es sich, noch einmal einen Blick zurück zu werfen in die ferne Zeit, in der diese Präsenz begann.
 
1975 wurde der Vietnamkrieg beendet, starb der spanische Faschist Franco, wurden die Konditorei Coppenrath&Wiese und das Unternehmen Microsoft gegründet, David Beckham und Angelina Jolie geboren, Borussia Mönchengladbach wurde Deutscher Meister und gegen Twente Enschede UEFA-Pokalsieger, Spielbergs Der Weiße Hai wurde zum ersten Mal auf die Kinos losgelassen und Coppolas Der Pate II mit dem Oscar ausgezeichnet – und im deutschen Fernsehen lieferte sich Esther Vilar einen aufreibenden Schlagabtausch mit Alice Schwarzer. 
Alice Schwarzer bringt einige Notgroschen vor der politischen Verfolgung in Sicherheit.
Balthasar Esterbauer (1715): Schalldeckel der Kanzel in der Comburg - Die sieben Todsünden - Avaritia (Geiz, Habgier) (Quelle)
Beide waren vier Jahre zuvor schon allgemein bekannt geworden – Vilar mit dem provozierend-polemischen, aber seiner Zeit auch weit vorauseilenden Buch Der dressierte Mann, Schwarzer mit der Aktion Wir haben abgetrieben, bei der sich 374 Frauen in der Illustrierten Stern selbst der Abtreibung bezichtigten, um eine Reform des Paragraphen 218 zu erreichen. Dass die Selbstbezichtigung in vielen Fällen, auch in Schwarzers eigenem, unwahr war, spielte noch keine Rolle – wenn es einem guten Zweck dient, muss die Wahrheit sich eben ab und zu als flexibel erweisen.

Für diejenigen, die gern Körpersprache und soziale Manöver deuten, ist schon der Beginn der Sendung interessant – Schwarzer kommt zu spät, macht dafür seltsamerweise lauthals anderen Vorwürfe, wartet, bis Vilar sich einen Platz ausgesucht hat, verlangt dann diesen Platz für sich selbst und eröffnet schließlich unvermittelt das Gespräch mit einer gezielten Beleidigung:
„Das soll einige Leute geben, die glauben, dass das, was sie geschrieben haben, das sei also keine pure Dummheit oder so, das sei eine Satire.“ (1:09)
An dem, was dann geschieht, lässt sich wie an einem Kammerspiel zeigen, welche Entwicklung die deutschen Geschlechterdebatten in den Jahren darauf nahmen, welche Chancen sie ausgelassen haben – und welche Rolle Alice Schwarzer dabei spielte.

Sonntag, 2. Februar 2014

Familienfreundlicher Militarismus und andere mediale Verzückungen (Monatsrückblick Januar 2014)

Die Bundeswehr: familienfreundlicher! Jetzt mit noch mehr Auslandseinsätzen! Gern auch mit minderjährigen Soldaten!

Ob die neue Verteidigungsministerin sich irgendwann einmal Gedanken darüber gemacht hat, wie ihre verschiedenen Positionen miteinander vereinbar sind, spielte im vergangenen Monat keine Rolle. Wozu auch: Von der Leyen schaffte es zumindest, immer wieder allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kritik daran wurde deutlich stärker in Blogs geäußert als in etablierten Medien. 
Sollte es hinter der medialen Wirklichkeit noch eine andere geben, die manchmal unvermittelt durchscheint? Und verwandelt jemand, der das glaubt, sich möglicherweise auf der Stelle in Maskuscheiße? Fragen des Monats Januar. (Quelle)
 
„Wer einen Hammer hat, für den ist jedes Problem ein Nagel. Und so war es nur konsequent, dass Feministin und Frauenquoten-Befürworterin Ursula von der Leyen als erste Amtshandlung in ihrer neuen Position als Verteidigungsministerin verkündet, die Bundeswehr nicht nur familienfreundlicher, sondern sogar zum attraktivsten Arbeitsgeber Deutschlands umzugestalten."
So zum Beispiel beginnt der Beitrag zur Bundesverteidigungsministerin im Wortschrank. Beim Spiegelfechter schreibt Jörg Wellbrog über den „Kriegsspaß für die ganze Familie“, den die Ministerin verspreche.
„Sie drängt den Krieg, die Toten, die Verletzten und seelisch Geschundenen in eine theoretische Ecke und will die Einsätze der Bundeswehr in den Alltag integrieren wie die Mittagspause bei Starbucks.  
Nichts davon wird sich umsetzen lassen. Ursula von der Leyen zeichnet ein Bild, das abstrakt bleiben wird.“
Ganz ähnlich Kai, der als „Frontberichterstatter“ eigentlich für „Neues von der Geschlechterfront“ zuständig ist:
„Das hier Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen in heimische Kasernen zurück kommen, das Menschen ihr Leben verlieren oder ihre körperliche Integrität, versucht von der Leyen durch Kitas und Teilzeit auszublenden und mit ihrem kühlen Lächeln zu überspielen.“
 Und:
„Adelige Frau aus der Oberschicht befehligt Soldaten aus der Unterschicht im Kriegseinsatz. Militär und Krieg war immer schon eine Domäne des Adels, nur dass diesmal eine Frau die Befehle gibt die Menschen über die Klinge springen lässt.“
Der Pelz-Blog bringt den Zusammenhang von demonstrativer Familienfreundlichkeit und einem Ende militärischer Zurückhaltung auf den Punkt:
„Während groß getrommelt wird, dass die Bundeswehr familienfreundlicher werden soll, werden Maßnahmen kriegerischer Natur eher bedeckt kommuniziert.“
Bettina Hammer wirft von der Leyen bei Telepolis ganz in diesem Sinne vor, ein geschöntes Bild der militörischen Wirklichkeit zu zeichnen:
„Wer diese Wirklichkeit ausblendet, aber zeitgleich von mehr ‚humanitären Einsätzen‘ in Ländern, in denen ‚Vergewaltigung und Mord an der Tagesordnung sind‘, redet, muss sich letzten Endes entweder Blindheit oder aber gezielte Desinformation vorhalten lassen.“
Dass die Unterstellung nicht hergeholt ist, die Ministerin verdecke mit routiniertem Familienministerinnen-Vokabular eine militaristische Politik, zeigen Beiträge vom Ende des Monats. Zugleich spielt hier eine zentrale Frage des zurückliegenden Monats eine Rolle: inwieweit nämlich Akteure in etablierten Medien überhaupt noch daran interessiert sind, zu demokratischen Auseinandersetzungen beizutragen, oder ob diese Funktion nicht, zumindest im Internet, mittlerweile viel besser von dezentraleren Medien erfüllt wird.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Wegbeißen, wegberaten, wegprozessieren - und weitere Zaubertricks der Vaterentsorgung


„Das Magazin „PAPA-YA“ fordert vom Bundesfamilienministerium eine Überprüfung der Arbeit des Verbandes allein erziehender Mütter und Väter (VAMV). Der VAMV untergrabe systematisch das neue Sorgerechtsgesetz (…).“
So begann im Mai des vergangenen Jahres eine Pressemeldung über einen Artikel des Magazins Papa-Ya, der schwere Vorwürfe gegen den Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter, VAMV, erhob:
„Aufrufe zu Falschaussagen hinsichtlich des Kindeswohls und 'Anleitungen' für eine dauerhafte, wörtlich als 'Entsorgung' bezeichnete, Trennung des Kindes vom Vater“
seien von Vertreterinnen des Verbands auf öffentlichen Veranstaltungen verbreitet worden.
Ob dieses Kind sich tatsächlich wohlfühlt, lässt sich nicht genau entscheiden. Die Frage sollte auch nicht per Schnellverfahren beantwortet werden, und schon gar nicht ohne Einbindung des Jugendamts oder des VAMV, oder gar ohne Einbindung von Familienanwälten. ( Quelle )
Insbesondere der Münchner Familienanwältin Strasser, die seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen des VAMV abhält,  und einer Münchner Beratungsstelle, Kiebitz e.V., unterstellt der Artikel (der hier im Gelben Forum als pdf-Datei zu finden ist) zudem eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, Vätern auf Wunsch der Mütter die Möglichkeit des Umgangs zu nehmen und entsprechende Gutachten bereitzustellen.

Nun hat die Anwältin den Chefredakteur von Papa-Ya, Jörg Mathieu, verklagt – was diesen nicht überrascht.
„Das die im Artikel namentlich genannte Person sich juristisch dagegen wehren würde, war abzusehen. Wir sehen der öffentlichen Verhandlung am 03.02. in München aber gelassen entgegen,“
erklärt er im Interview.

Inwieweit die Vorwürfe sich bestätigen, wird sich in der Verhandlung ja erweisen – wenn sie denn fair abläuft. Von außen lässt sich allerdings feststellen, dass die Gerichtsverhandlung Probleme austrägt, die eigentlich längst politisch hätten geklärt werden müssen.

Samstag, 25. Januar 2014

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen

Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist. Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben wird, und festgestellt, dass das Ministerium auch nicht mehr weiß als ich. Doch dazu später.
 
Ich hätte mein Vorhaben also aufgegeben, wenn mich nicht einige Artikel, die in Zeitungen und Blogs zum einjährigen Aufschrei-Jubiläum erschienen sind, wieder daran erinnert hätten.

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Lena Jakat beispielsweise über Frauen, die ihre „Erfahrungen über Alltagssexismus“ bei Twitter skizziert hätten:
„Sie sind sehr leise geworden, zum Schweigen gebracht von einer digitalen Front aus Aggression, die sich in den vergangenen Monaten bei Twitter aufgebaut hat. Dort schwappt dem Hashtag inzwischen so viel Hass entgegen, dass sich kaum noch jemand traut, ihn ernsthaft zu tippen. Dabei sollte das Schlagwort einst ebendiesen Hass bekämpfen.“
Jakat ist im vergangenen Jahr vermutlich ganz einfach nicht dazu gekommen, sich mit dem Thema, über das sie schreibt, näher zu beschäftigen. Sonst wäre ihr sicher aufgefallen, dass die „Erfahrungen über Alltagssexismus“ nur einen kleinen Teil der Aufschrei-Beiträge ausmachten, und dass es kein „Hass“ ist, wenn Männer sich darüber beschweren, dass ihre Erfahrungen mit anti-männlichem Sexismus in der Aufschrei-Kampagne geschlossen abgewehrt wurden. 
Ein Mann beteiligt sich am "Aufschrei"
Immerhin befindet sich Jakat damit in guter universitärer Gesellschaft – gerade hat schließlich auch die Osnabrücker Professorin Julia Becker in der Zeit deutlich gemacht, dass eine Aussage wie
„Wenn ständig über Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, wird dabei die Diskriminierung von Männern vernachlässigt“
ausgesprochen sexistisch sei.

Zuvor hatte Hannah Beitzer ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung freundlich eingeräumt: „Es gab Männer, die sich selbst im Alltag benachteiligt fühlten.“ Dass damit aber neben den unzähligen Frauen mit ihren realen Diskriminierungserfahrungen Männer mitmischen und sich auch einmal ein wenig diskriminiert füllen wollten, kann Beitzer natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Sie ist sich sicher, dass sich
„hier vor einem Jahr etwas entlud, das sich schon eine ganze Weile angebahnt hatte - nämlich die Unzufriedenheit darüber, dass Männer und Frauen in Deutschland noch immer nicht wirklich gleichberechtigt sind. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, immer noch ist ein Großteil der Führungspositionen in der Wirtschaft von Männern besetzt, während Frauen sich häufiger und intensiver als ihre Partner um Haushalt und Kindererziehung kümmern.“
Diskriminiert sein, bitteschön, ist Frauensache.

Freitag, 17. Januar 2014

Schulen, Sex und Bildungspläne

Manchmal gibt es bekanntlich Auseinandersetzungen, bei denen es für unbedarfte Betrachter schwer zu entscheiden ist, welche Seite ihnen stärker auf die Nerven geht. Für mich ist der Streit um die Online-Petition, die sich gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg richtet, eine solche Situation. Auch lesenswerte Diskussionen und Beiträge dazu in Blogs, etwa bei Alles Evolution, beim Stadtfuchs, bei Mein Senf oder im Pelz-Blog, beziehen ganz unterschiedliche Positionen, sind aber nach meinem Eindruck jeweils beiden gegnerischen Parteien gegenüber skeptisch.
Weht diese Fahne bald über dem ganzen Ländle? Oder setzen sich die Feinde des Regenbogens durch? Und vor allem: Kann es sein, dass beide Seiten ein wenig übertreiben? (Quelle)
Auf der einen Seite eine Petition mit mittlerweile etwa 154.000 Unterzeichnern, die sich kaum die Mühe macht, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zielen der Landesregierung zu unterscheiden und die ihr rundweg unterstellt, eine
„pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“
anzustreben. 
 
Dass es richtig sei, die Diskriminierung von Homo-, Bi- und Transsexuellen im Unterricht zu thematisieren, erwähnt der Autor in einer einzigen Passage, die er dann nirgends weiter vertieft. Welche Diskriminierung? Was hat die Schule damit zu tun? Was erleben beispielsweise Jungen an durchschnittlichen deutschen Schulen, wenn sie früher oder später merken, dass sie sich sexuell für ihre Mitschüler stärker interessieren als für ihre Mitschülerinnen? Oder Mädchen, die merken, dass sie lesbisch sind?

Solche Fragen sind dem Petenten, dem Realschullehrer Gabriel Stängle, nicht sonderlich wichtig. Stattdessen ärgert er sich gleich mehrmals über die wolkige – und im Original übrigens in eine Frage, nicht in eine Tatsachenaussage verpackte – Formulierung des Lesben- und Schwulenverbands, dass womöglich die „Schule ein homophober Ort“ sei.

Noch seltsamer ist jedoch die Reaktion auf die Petition.

Sonntag, 12. Januar 2014

Monströse Männer, reine Frauen - und andere Sonderbarkeiten moderner Familien

Als sich einmal in einem Bielefelder Kindergarten, so der Zeit-Artikel Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht,
„ein Mann beworben hatte, berief die Kitaleitung erst einmal einen Sonder-Elternabend ein. In hitzigen Debatten sprachen sich einige der vermeintlich fortschrittlichen Eltern gegen den Kandidaten aus. Dann machte einer der Väter einen Kompromissvorschlag: Er sei einverstanden, vorausgesetzt, seine Tochter werde nicht von dem Erzieher gewickelt.“
Für die Autorinnen Elisabeth Raether und Tanja Stelzer (deren Artikel ich hier schon besprochen hatte) ist die ablehnende, ressentimentgeladene Reaktion der Eltern angesichts ihres wohl „fortschrittlichen“ Milieus offenbar überraschend. Das lässt sich auch anders sehen: Gerade in einem vordergründig fortschrittlichen, tendenziell links-alternativen Milieu sind Geschlechterklischees wie der Glaube, dass ein Kind unbedingt zu Mutter gehöre und der Vater ihm im Zweifelsfall schädlich sei, in den vergangenen Jahrzehnten besonders liebevoll gepflegt worden.
Würden Sie diesem Mann Ihr Kind anvertrauen?
Wie also sind Kindergärten und andere Orte der Kindererziehung zu solch androphoben Orten geworden? 

Ein mögliches Beispiel dafür, welche Quellen das absonderliche Verhalten der fortschrittlichen Bielefelder Eltern haben kann, lässt sich mit ein wenig Gegenwartsarchäologie finden – in den Schriften der Münchner Wissenschaftlerin Anita Heiliger, die 1991 eine folgenreiche Dissertation veröffentlicht hat, bis 2006 am Deutschen Jugendinstitut in München arbeitete und die bis heute als Vortragende auf Veranstaltungen autonomer Frauenhäuser unterwegs ist. Es lohnt sich, einen Blick in ihre Schriften zu werfen – auch wenn er erschreckend ist.

Montag, 6. Januar 2014

Wie Alice Schwarzer einmal "man tau" zum Geburtstag überraschte

Bevor der Tag zu Ende geht, muss ich einmal einen kleinen Feier-Text einschieben. Heute wird man tau nämlich genau ein Jahr alt. 2450 Kommentare für 127 Posts, im Durchschnitt mehr als 523 Seitenaufrufe am Tag – was sehr schön ist, zumal das Blog am Anfang manchmal pro Tag etwa 5-10 Aufrufe hatte und sich also ein wenig steigern konnte. Die Gewohnheit, ab und zu mal Gedichte zu veröffentlichen, habe ich mit der Zeit vernachlässigt, dafür beschäftigen sich die Texte konzentrierter als zu Beginn mit Geschlechterthemen.
Die Redewendung „man tau“ kommt natürlich, wie ich, aus Norddeutschland, aus der Seglersprache – alle Mann an die Taue, es geht los. Natürlich steckt eine große symbolische Bedeutung darin, an die ich übrigens überhaupt nicht gedacht hatte. Ich fand es schön, dass sich die Redewendung sowohl norddeutsch als auch asiatisch anhörte – „man tau“ hat dort allerdings nichts mit tieferer buddhistischer Weisheit zu tun, sondern bezeichnet, soweit ich das gelesen habe, eine Art gedünsteter Brötchen.
 
Ich dachte, es wäre schön zu sehen, was heute am Bloggeburtstag eigentlich sonst noch so passierte.

Sonntag, 5. Januar 2014

Von müden Helden und unwichtigen Toten - Eine Zeit-Kritik

„Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist.“
Anstatt einfache Zuschreibungen zu liefern, welches Geschlecht mächtig und welches hilfebedürftig – oder: der Hilfe wert – sei, plädiert der Text, aus dem das Zitat entnommen wurde, um ein differenzierteres Bild: „Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht“ von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer, in dieser Woche in der Wochenzeitung Die Zeit erschienen und schon bald darauf vielfach kommentiert (der Artikel ist hier mittlerweile online)..

Raether und Stelzer listen geschlechtsspezifische Nachteile von Männern in Reihe auf, etwa die deutlich kürzere Lebenserwartung, die extrem viel höhere Selbstmordrate, den extrem viel höheren Anteil an Obdachlosen, die deutlich höhere Drogenabhängigkeit, die deutlich geringeren Schulerfolge von Jungen, deren vielfach höhere Rate an psychischen Störungen, den extrem viel höheren Anteil an Inhaftierten und den höheren an Gewaltopfern, die Probleme von Vätern, die an der Sorge für ihre Kinder gehindert werden, die höhere Wahrscheinlichkeit, als Kind Opfer von Misshandlungen zu werden, die hilflosere Position bei Ehescheidungen – und die deutlich größere Ignoranz gegenüber ihren Nöten, verbunden mit konstant hohen Leistungs- und Erfolgserwartungen.
 
Eigentlich müssten Männerrechtler zufrieden sein, dass Die Zeit so ausführlich, und im Rahmen ihres wöchentlichen Dossiers über die oft prekäre Situation von Männern berichtet. Trotzdem ärgerten sich Kommentatoren im Forum Männerrechte von MANNdat über den „wässrigen Artikel“, wollten das „Käseblatt ignorieren, im Netz und am Kiosk“  oder beklagten weiterhin das „Schweigen der Medien“, wenn es um die Verletzungen der Rechte von Männern und Jungen geht.

Der Vaterberater hingegen mutmaßt, dass es Die Zeit mit dem Thema nicht allzu ernst meint:
„Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist verräterisch. Wenn es ein Winterloch gibt, dann befinden wir uns im Moment genau darin.“ 
Dass die Kritik gute Gründe hat, zeigt sich schon an Sätzen des Artikels, die auf die oben zitierte Passage unmittelbar folgen.
„Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist. Denn natürlich gibt es sexuelle Gewalt gegen Frauen, natürlich gibt es den Gender Pay Gap, die Geschlechterdifferenz beim Verdienst von Männern und Frauen.“
Dass es sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, macht nun die aufgelisteten Nachteile von Männern natürlich nicht besser, auch nicht die sexuelle Gewalt gegen Männer und Jungen. Die Haltlosigkeit des „Gender Pay Gap“-Geredes wurde wiederum schon häufig herausgestellt, zum Beispiel auch bei Kritische Wissenschaft oder Alles Evolution.

Die Widersprüche der zitierten Stelle prägen den gesamten Text.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Blogparaden, Blogstöckchen und Blockwärtinnen (Monatsrückblick Dezember 2013)

„Sie ist die Frau, für die zwei Männer Platz machen mussten, Ex-Innenminister Freidrich und Ex-Verteidigungsminister de Maizière.“
Während Ursula von der Leyen also laut Spiegel vom 21.12. Männer aus dem Weg räumt (S. 20) und „den Kabinettspoker so kaltblütig gespielt wie kein Mann“ habe (S. 24), sehen die Männer in der Spiegel-Berichterstattung eher soft aus: Harte Mädchen, weiche Jungs.

Die Koalitionsvereinbarungen in Berlin waren geschlechterpolitisch aus zwei Gründen interessant. Einerseits, weil sie einiges an feministischen Pflichtprogramm absolvierten, Frauenquoten, die Bestrafung von Freiern bei „erkennbarer Zwangsprostitution“ (eine Regelung, deren zweifelhafte Realitätstauglichkeit erzaehlmirnix zu dem Spott veranlasste, die Regierung wolle nun eine „Kennzeichnungspflicht für Zwangsprostituierte“ einführen), und aus personalpolitischen Gründen.
 
Ursula von der Leyen steht als erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums, Andrea Nahles, deren Berufserfahrung sich fast ausschließlich auf die Pflege ihrer Parteikarriere beschränkt, ist nun Arbeitsministerin, und Manuela Schwesig (dazu gab es eine längere Diskussion bei Alles Evolution).

Zwischen Weihnachtskitsch und Shitstorm - Mit einer knallreaktionären Ideologie, verpackt in Sentimentalitäten, gelang es einem Nivea-Werbeclip, seine eigene Blogparade aus scharfen Kritiken loszutreten.
Die Koalition liefert aber auch ein Leitmotiv des vergangenen Monats – die Fragen, wie ganz unterschiedliche Akteure eine Zusammenarbeit organisieren können, und die Frage, wo eine Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll ist. Kurz: Verknüpfungen und Grenzziehungen.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Erzählmirnix: "Nun sag, wie hast du's mit dem Maskulismus?" - Acht Antworten

Erzählmirnix hat ein Blog-Stöckchen geworfen, das mittlerweile schon von vielen aufgenommen und beantwortet wurde – acht Fragen stellt sie, die sich eigentlich um eine Frage drehen: „Wie hast du’s mit dem Maskulismus?“
Dass die Fragen so bereitwillig aufgegriffen und beantwortet wurden, verstehe ich - sie bieten eine Gelegenheit,  die eigene Position einmal grundsätzlich zu beschreiben und dieser Beschreibung zugleich mit der anderer vergleichen zu können. Ich hatte nun beim weihnachtlichen Zugfahren Zeit dafür.