Dienstag, 27. Mai 2014

Warum Linke, Liberale und Konservative sich verständigen können (und Reaktionäre lieber über gegessenen Kuchen klagen)

In einem Kommentar bei Alles Evolution, der zu einem eigenen Beitrag wurde, beschreibt Leszek drei grundsätzliche Strömungen der Kritik am Feminismus: eine linke, eine liberale und eine konservative. Ich finde diese Beschreibung aus mehreren Gründen sehr sinnvoll.
 
Einerseits knüpft sie umstandslos an politische Ordnungsmuster an, die wir ohnehin schon verwenden.

Andererseits bietet sie aber auch die Chance, ein gemeinsames Feld zu beschreiben, auf dem Menschen ganz unterschiedlicher politischer Hintergründe einigermaßen sinnvoll miteinander in eine Diskussion kommen können. Ein solches Modell ist wesentlich sinnvoller als der Versuch, willkürlich Trennlinien zu ziehen oder zu dekretieren, wer „der Männerbewegung“ schade und wer ihr nütze. Gerade in den Diskussionen bei Alles Evolution ist es für mich oft sehr interessant gewesen, dass hier Teilnehmer ganz unterschiedlicher politischer Hintergründe miteinander diskutierten.
Dass gleichwohl mit Leszeks Modell auch Grenzen gezogen werden, ist trotzdem wichtig: Wer Frauen das Wahlrecht nehmen will, von der natürlichen Minderwertigkeit von Frauen redet oder Gewalt gegen Transsexuelle prima findet, hat in einer demokratischen und menschenrechtlich orientierten Bewegung natürlich keinen Platz. Gleichwohl lässt das Modell noch einen großen Raum für Unterschiede.

Allerdings kamen die Konservativen beim ausgewiesenen Linken Leszek vergleichsweise schlecht weg. Während Leszeks liberaler Männerrechtler radikal- und staatsfeministische Positionen als Gefahr für persönliche Freiheiten betrachtet und Leszeks linker Männerrechtler Gerechtigkeit für alle, also auch für Männer im Auge hat, hat der konservative Männerrechtler vorwiegend Angst: Für ihn sei der Feminismus
„Bedrohung für Werte, Normen und Institutionen zu sehen, die ihm Halt, Sicherheit und Orientierung vermitteln“.
Dass dieser Typus Männerrechtler so als ein etwas vorgestriges, aber auch etwas verängstigtes Hascherl präsentiert wird, kam bei konservativen Kommentatoren nicht sonderlich gut an, und sie empörten sich entsprechend prompt über eine „Ausgrenzung der Nichtlinken“ oder ein „Linkssektierertum“. Anstatt also einfach eine etwas positiver formulierte Definition des konservativen Männerrechtlers vorzulegen, zogen sie es vor, zur Sicherheit lieber erst einmal ein wenig zu schmollen.

Da die Konservativen auf diese Weise ihre eigene positive Beschreibung ungeschickterweise den Linken überlassen, habe ich mich also daran gemacht, auch Leszeks konservativen Männerrechtler auf eine Weise zu skizzieren, die zeigt, warum dieser Typus sehr wichtig sein kann.
 
Wo aber Grenzen sind, die ich nicht mehr akzeptabel finden kann, und was mir selbst als linker Männerrechtler wichtig ist, beschreibe ich dann gleich auch noch. Einfach nur, um zu zeigen, warum mit dem Modell einiges anzufangen ist...

Mittwoch, 21. Mai 2014

Paddeln im Sumpf der Väterfeindschaft

„Väter-Krieg zerstört das Leben der Kinder.“
Welcher Kinder? Aller Kinder! Zumindest der Kinder jedenfalls, deren Eltern sich getrennt haben.

Der Krieg, von dessen Front der Berliner BZ-Redakteur Gunnar Schupelius hier berichtet, ist nämlich nicht etwa einfach nur ein Krieg zwischen Vätern – und wirklich schlimm wird ein Krieg ja bekanntlich ohnehin erst, wenn auch Frauen und Kinder zu den Opfern zählen. Es ist ein Krieg, den die Väter gegen die Mütter und damit gegen ihre Töchter und Söhne führen.

Und wer ist Schuld? Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof, und das Verfassungsgericht, und der deutsche Gesetzgeber. Denn:
„In nur einem Jahr hat das neue Sorgerecht eine Spur der Verwüstung durch die Seelen kleinster Kinder gezogen.“
 Und offensichtlich auch durch den Verstand größerer BZ-Redakteure.
Mit diesem Bild illustriert die BZ in gebotener Sachlichkeit ihren Text über den Krieg, den Väter gegen Kinderseelen führen. 
Natürlich enthält es auch ein Rätsel: Was denkt wohl das Kind im Vordergrund? a. Wie schön wäre es, wenn die Eltern einfach anfingen, vernünftig miteinander umzugehen? b. Wie schön wäre es, wenn dieser seltsame schlimme Mann im weißen Hemd endlich weg wäre?
Wer  sich wie Gunnar Schupelius in Kinderseelen auskennt, weiß natürlich, dass nur Antwort b. richtig sein kann. Quelle
Von dem Text in der Berliner Boulevardzeitung BZ berichtet  Gleichmass e.V. und bezeichnet ihn, was sehr wohlwollend und fair formuliert ist, als
„einen außerordentlich tendenziösen und damit voreingenommenen Artikel“.
Das ist auch deshalb interessant, weil Schupelius in unbekümmerter Haudrauflust eben die Argumente verwendet, die schon lange und routiniert von Lobbygruppen wie dem Verband der Alleinerziehenden VAMV oder Lobbyistinnen wie Anita Heiliger formuliert wurden.

Montag, 19. Mai 2014

Warum es sexuelle Gewalt gegen Männer nicht gibt (und sie außerdem auch halb so schlimm ist)

„Theon wurde nicht vergewaltigt.“
Das hat Robin hier zu Beginn des Monats zu meiner Behauptung geschrieben, dass in der Fernsehserie Game of Thrones die Vergewaltigung einer Frau als Medienskandal behandelt wurde, während die unendlich lange Folter, Demütigung und Vergewaltigung eines männlichen Protagonisten kaum der Rede wert sei.

Ich hab mir daraufhin noch einmal die über die gesamte Staffel verteilten Szenen der Folterung Theons angeschaut, weil ich wissen wollte, ob ich irgendetwas ganz falsch verstanden hatte. Ein solches Best-of-Folterszenen war natürlich eine eher schräge Erfahrung und hat eine Weile gedauert, aber zum Thema der sexuellen Gewalt gegen Männer und ihrer Verarbeitung in der Popkultur sind die Szenen sehr aufschlussreich.

Entschuldigung an Robin übrigens für die späte Antwort – und das schreibe ich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass solche Entschuldigungen ab und an dramatische Folgen haben können. Auch wenn die sexuelle Gewalt, die Theon erlebt, rechtlich wohl tatsächlich nicht als Vergewaltigung klassifiziert werden würde, sondern als schwere sexuelle Nötigung, frage ich mich weiterhin: Warum spielt diese Gewalt eigentlich eine so viel geringere Rolle als die Vergewaltigung der Cersei, die in vergangenen Wochen ein Skandal war?

Sicher: Weil Theon ein Mann ist, sicher, und wohl auch, weil die Täter Frauen sind. Nur beantwortet das ja fast nichts, sondern führt sofort zu neuen Fragen.
Theon sagt Please... Eine Szene aus der dritten Staffel von Game of Thrones Quelle
Vergewaltigte Männer hätten es auch in der Realität schwerer als es vergewaltigte Frauen hätten, mit ihrer Erfahrung ernst genommen zu werden und Hilfe zu bekommen, berichtet der Mitarbeiter einer Beratungsstelle in Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik. (S. 189) James Landrith vom Good Man Project, selbst Opfer einer Vergewaltigung durch eine Frau, berichtet im selben Text von „immer wieder reflexartig erfolgenden Abwehrversuchen“ (190), wenn es um männliche Vergewaltigungsopfer ginge – und um weibliche Täterschaft.

Mehr noch als die psychologischen Motive hinter dieser Abwehr interessiert mich die Frage, wie sich diese Einseitigkeit eigentlich legitimiert.

Montag, 12. Mai 2014

"Not all men" - Die Politik der Beschämung

Vorgestern habe ich bei Spiegel-Online von der Geburt eines neuen Superhelden gelesen. Die Missy-Journalistin Chris Köver beschreibt dort sein Wirken so:
„Alarm, das Mann-Signal ist am Himmel zu sehen. Das bedeutet: Irgendwo auf der Welt wird gerade in diesem Moment ein Mann diskriminiert, höchste Not. Doch fürchten muss sich niemand, denn schon ist er zur Stelle: Not-All-Man, der Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, die Stimme der Stimmgewaltigen.“ 
Und weiter:
„Dem Not-All-Man ist das Differenzieren wichtig: Während sicher einige Männer vielleicht und ganz eventuell auch mal etwas frauenfeindlich, gewalttätig oder zumindest übermäßig von sich eingenommen sein könnten, gilt das eben nicht für alle Männer. Und das zu sagen, ist dem Not-All-Man sehr, sehr wichtig. (…) Einen solch Mutigen wie Maskierten kennen fast alle, die sich im Netz oder anderswo bemühen, über Sexismus zu diskutieren.“
Das Ende von Matt Lubchanskys Episode Save Me aus seinem Comic Please Listen to Me: Die Geburt einer neuen Art von Superheld. Das Comic gilt als sehr witzig.  Quelle
Der Not-All-Men setzt ein Motiv fort, das für Köver „bislang eines der erfolgreichsten feministischen Netzphänomene“ ist: Witzeleien über die Wendung „Not all men“ (etwa: „Nicht alle Männer sind so“), die mit entsprechenden Bildern versehen seit Beginn des Jahres einen „kometenhaften Aufstieg“ („meteoric rise“, so Jess Zimmerman bei TIME) erlebt hätten.

Für die feministische Website jezebel ist das Not-All-Men-Motiv „das beste Meme im Internet“ („the Best Meme on the Internet“).
„Das Meme ist ein Kind des Internets. Ein Running Gag, ein Schmäh, der sich mal schnell, mal langsam verbreitet, lokal und global“,
erläutert The Gap.  Was aber macht das Not-All-Men-Meme so erfolgreich – und was eigentlich sollte an dem selbstverständlichen Hinweis so belustigend seien, dass nicht alle Männer gleich sind?

In seinem vor wenigen Tagen veröffentlichten Text Das Schweigen der Männer schreibt LoMi in einem anderen Zusammenhang über Erfahrungen an der Universität:
„Da gab es einschlägige Seminare, die bei den männlichen Teilnehmern schweres Unbehagen hervorriefen. In den Pausen wurde zwar gespottet, aber während des Seminars selbst ertrug man mit zusammengebissenen Zähnen die allfällige Anklage gegen das Patriarchat, welches noch heute und auch in Gestalt vermeintlich aufgeklärter Männer wirksam sei. Der im Pausenspott ausgedrückte Unmut wurde hier nicht mehr offen ausgesprochen. Keine Gegenwehr. Lediglich zaghafte Kritik wurde hier und da geäußert."
Das Not-All-Men-Meme ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie dieses Schweigen von Männern in Geschlechterdebatten produziert wird. Wie viele Männer ruhig bleiben, anstatt ihre Interessen zu vertreten und etwas zu sagen, bemerken dabei viele Frauen offenkundig kaum.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Geschlechterkampf als Selbstgespräch - Bäuerleins und Knüplings "Tussikratie"

In Theresa Bäuerleins und Friederike Knüplings Buch Tussikratie schreibt Knüpling einen Brief, den sie mit der Anrede „Liebe Männer" beginnt. Arne Hoffmann hat diesen Brief kritisiert und zugleich das Buch insgesamt hoch gelobt, auch Ole Wintermann hat das Buch sehr positiv besprochen, Christian Schmidt über ein Interview der Autorinnen einen Essay verfasst – aber niemand ist auf die Idee gekommen, Friederike Knüpling einfach mal zu antworten.
 
Das, natürlich, ist sehr unhöflich. Da ich hingegen, wie ja allgemein bekannt ist, ein sehr höflicher Mensch bin, habe ich einen Antwortbrief verfasst, der Einfachheit halber als offene Antwort auf einen offenen Brief. Hier ist er:


Sehr geehrte Frau Knüpling,

eigentlich hatte ich es mir ja abgewöhnen wollen, offene Briefe zu schreiben – schon allein, weil ich das Gefühl habe, mich mit einem offenen Brief immer sehr hart an der Peinlichkeitsschwelle zu bewegen. Da Sie aber für Ihr Buch Tussikratie, das Sie gemeinsam mit Theresa Bäuerlein verfasst haben, einen Brief mit der nun einmal ziemlich allgemeinen Anrede „Liebe Männer“ geschrieben haben und da ich mich damit selbstverständlich einfach angesprochen gefühlt habe, dachte ich, es sei zumindest höflich, Ihnen auch zu antworten.
„Die meisten Männer, die ich kenne, sind zwar durchaus bereit – und das übrigens ziemlich unabhängig von ihrem Geburtsjahrgang – , über Geschlechterverhältnisse zu sprechen. Aber die begriffliche Gruppe Männer betrachten sie in diesen Unterhaltungen meistens ausschließlich als Profiteure im Geschlechtergefüge.“ (S. 226)
Das schreiben Sie schon ziemlich zu Beginn Ihres Briefes und erzählen dann bald darauf von Ihrem Verdacht,
„dass der Fleiß, ein guter Feminist zu sein, für viele von Euch vor allem eine Methode sein dürfte, die Sprachlosigkeit über die eigene Situation zu verbergen.“ (226)
Nun ist männliche Sprachlosigkeit in Gesprächen über Geschlechterverhältnisse selbst schon ziemlich lange ein festes Thema solcher Gespräche, auch bei Männern: Ein Buch von Warren Farrell heißt beispielsweise Women Can’t Hear What Men Don’t Say.
 
Schon Arne Hoffmann allerdings war dann irritiert, wie Sie über diejenigen Männer schreiben, die dann doch den Mund aufmachen: Es befremde ihn,
„wie herablassend Knüpling über die Männerrechtler bzw. Maskulisten schreibt, ‚von denen manchmal im Sommerloch etwas in der Zeitung zu lesen ist‘."
Alles ein Geschlechterkampf - oder wie? Quelle

Es lohnt sich hier, einen größeren Absatz aus Ihrem Brief an die „lieben Männer“ zu zitieren, in dem Sie gleichwohl in dritter Person über „die Männerrechtler“ reden, als gehörten sie irgendwie zu einer ganz anderen, ganz seltsamen Spezies und als könnten sie in die Gruppe der angesprochenen Männer gewiss nicht einsortiert werden.
„Sie haben eine Übervorteilung von Frauen in der Bildung, bei der Gesundheit und im Familienrecht identifiziert. Manche von ihnen nennen sich Maskulisten oder Antifeministen. Sie scannen die Rechtsprechung und die Medien mit dem Rechenschieber der Geschlechter, und die Blogs, die sie über Väterrechte und Jungen schreiben, kommen merkwürdig fremd-vertraut her, wie ein Dialekt aus vergangenen Zeiten.“ (228)
Tja, wie man’s macht, macht man’s falsch. Auch wenn es natürlich ein paar lobenswerte Ausnahmen gibt, wie zum Beispiel Ralf Bönt, dessen „Männerpanoptikum“ (233) sie viel Platz widmen.
„Denn für sich genommen, schreibt er, gilt ein Mann als wertlos; man erwartet von ihm, dass er von sich selbst absieht, für andere arbeitet, sich heroisch aufopfert.“ (232)
Das sind übrigens, wenn hier bei Ihnen auch zugespitzt, zentrale Thesen dieser „Maskulisten“ mit ihren Scannern und Rechenschiebern. 

Das aber ist auch der Grund, warum ich diesen Brief schreibe: Ich wollte angesichts Ihres Briefs wissen, warum so viele Männer stumm wirken – und was Sie eigentlich (von ein paar willkürlich wirkenden Ausnahmen abgesehen) so gegen die Männer haben, die nicht stumm sind.

Samstag, 3. Mai 2014

Von belangloser Gewalt und der Macht des Konsums (Monatsrückblick April 2014)

Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, der hat aus irgendwelchen Gründen den Monat April verpasst.
Ein mittlerweile schon berühmtes Bild: Alle Toten in den Game of Thrones (A Song of Ice and Fire)-Büchern, durch bunte Lesezeichen markiert. Der gewaltsame Tod ist dort so allgegenwärtig, dass es sogar einen spielerischen Zufallsgenerator gibt, bei dem jeder herausfinden kann, wie er selbst in dieser Welt sterben würde...
DIESE GEWALT allerdings ist gar nicht das eigentliche  Problem... (Quelle)
Ein Skandal war beispielweise eine Szene in einer der gewalthaltigsten Fernsehserien aller Zeiten, weil dort ausnahmsweise einmal für ein paar Minuten lang kein Kind getötet, Mann gefoltert oder Dorf massakriert, sondern eine Frau vergewaltigt wurde. Der Feminismus sei
„mitten in der Popkultur angekommen“,
schreibt Lorraine Haist in der Welt, passenderweise in der Lifestyle-Sektion. Das aber hat offenbar bislang weder dem Feminismus noch der Popkultur sonderlich genutzt.

Geschadet allerdings auch nicht, jedenfalls nicht dem Feminismus. Das liegt auch daran, dass die Männerbewegung im Netz zwar noch zu klein ist, um zu laufen, sich aber schon jede Menge Flügel wachsen lässt – ohne mit ihnen koordinierte Flugbewegungen hinzubekommen, selbstverständlich.
 
Diese internen Konflikte sind ohnehin ein Symptom eines ganz anderen Problems: Da die kleine, institutionell weithin isolierte Männerbewegung keinen Zugang zu ernsthaften politischen Debattenfeldern hat, trägt sie diejenigen Konflikte praktischerweise nach innen aus, die sie dort nicht führen kann, wo sie geführt werden müssten.

Es gab mal einen Mann, der sich oft über seinen Nachbarn ärgerte. Der aber hörte ihm nie zu, wenn er ihm etwas dazu sagen wollte. Schließlich fand der Mann einen guten Umgang mit dem Problem: Jedes Mal, wenn der Nachbar sich wieder einmal daneben benommen hatte, haute er sich einfach selbst eine aufs Maul, weil das irgendwie die einfachste Lösung war.

Weiß ich auch nicht, wie ich darauf jetzt komme. Ein gutes Beispiel jedenfalls für die Isolation der Männerbewegung ist der Hype – bekanntlich eine der popkulturellen Pflichtübungen – um das Buch „Tussikratie“ der Autorinnen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, über die auch Christian Schmidt, Arne Hoffmann und Ole Wintermann Essays veröffentlicht haben.

Ich finde das Buch nicht schlecht, und die Essays fand ich sehr lesenswert – die massenmediale Aufmerksamkeit, die es bekommt, steht gleichwohl in einem seltsamen Missverhältnis zu dem viel substantielleren Veröffentlichungen Arne Hoffmanns aus diesem Jahr, die kaum einmal einer Radiostation ein Interview wert waren. Geschlecht ist weiterhin Frauensache.

Aber der Reihe nach. Alles beginnt, selbstverständlich, mit „Game of Thrones“…

Montag, 28. April 2014

Vom donnernden Schweigen aufrechter Männer

Was macht denn eigentlich das Bundesforum Männer so?
 
Als vor wenigen Wochen eine EU-Studie veröffentlicht wurde, die allein Gewalt gegen Frauen zum Thema hatte und so den Eindruck erweckte, Frauen würden allüberall Gewalt erleiden, Männer aber würden allüberall Täter sein –

Als das deutsche Familienministerium den einjährigen Geburtstag seines Gewalttelefons feierte, das Hilfe allein weiblichen Gewaltopfern anbietet und dessen Werbung den Eindruck erweckt, Täter seien durchweg männlich –

Da erinnerte ich mich mit Schaudern an die nun schon fern und irgendwie unwirklich absurd erscheinenden Zeiten, als gegen solche millionenscheren regierungsamtlichen Einseitigkeiten allein ein paar private Blogger anschrieben, während sie von den Mainstream-Medien kritiklos weiter verbreitet wurden.
 
Dass sich das geändert hat, dass diese Zeiten heute wie ein ferner Alptraum erscheinen, liegt insbesondere an dem Bundesforum Männer – dem „Interessenverband für Männer, Jungen und Väter“, der vom Familienministerium finanziert wird.

Eine klare, aber donnernde und unüberhörbare Kritik formulierten die Verantwortlichen des Bundesforums am „sexistischen Umgang mit Gewalt“ seitens der deutschen Regierung und der verantwortlichen EU-Agentur, der „Männern den Anspruch auf Schutz vor Gewalt abspricht und sie zugleich als ewige Täter denunziert“ und der dadurch „dem Ziel der Geschlechtergerechtigkeit erheblich schadet“.

Dankbar angesprochen auf die klaren Worte des Bundesforums stellte sein Vorsitzender klar, dass die Verantwortlichen „weiter nichts als ihren Job“ gemacht hätten – und dass die Mitglieder des Bundesforums „sich schließlich hätten in Grund und Boden schämen müssen, wenn sie hier still geblieben wären“.
 
Zugegeben: Das habe ich jetzt herbeifantasiert. Das Bundesforum hat eher versucht, die Situation durch demonstratives, aber donnerndes Schweigen zu gestalten. Das hätte auch beinahe prima geklappt, wenn es nur irgendjemandem aufgefallen wäre. 
 
Das aber hat mich  zu der Frage geführt: Was macht den eigentlich das Bundesforum Männer so, wenn es nicht gerade damit beschäftigt ist, politisch Verantwortlichen sein drängendes und unüberhörbares Stillschweigen tapfer entgegenzuschleudern?

Also hab ich mir einmal seine Homepage angeschaut und dort zum Beispiel einen Text gefunden, der sich mit einem der grundlegenden Texte der aktuellen Politik aus männerpolitischer Perspektive auseinandersetzt: mit der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung. Geschrieben hat diese Analyse Thomas Gesterkamp, der insbesondere dadurch bekannt wurde, dass er für die taz und die SPD Männerrechtler als rechtsradikal hinstellte und forderte, sie mit einem „cordon sanitaire“ auszugrenzen, als seien sie eine ansteckende schwere Krankheit.
 
Um über Männerrechte zu schreiben, ist er also hochqualifiziert (ungefähr in dem Sinne, in dem ja auch ein Abdecker von Berufs wegen qualifiziert ist, sich kompetent über Tierrechte zu äußern). Was also hat das Bundesforum Männer mit Gesterkamp aus männerpolitscher Perspektive beizusteuern?

Dienstag, 22. April 2014

Das bisschen Gewalt ist doch halb so wild....

„Was hat eine Solanas mit uns zu tun? Warum werden wir permanent dazu genötigt uns von ihr zu distanzieren?“
Das fragt genervt die Feministin Onyx auf ihrem Blog – übrigens in den Kommentaren zu einem Artikel, in dem sie deutlich die Gewaltphantasien des mackergohome-Trends kritisiert.  Leszek antwortet:
„Feministinnen werden zu Recht aufgefordert sich von Solanas zu distanzieren, weil Solanas faschistische Hass-Schrift bis heute in radikalfeministischen Kreisen als feministischer Klassiker gilt und bis heute radikale Feministinnen Bezug darauf nehmen.
Maskulisten wurden auch zu Recht aufgefordert, sich vom gelben Forum oder vom Frauenhaus-Blog zu distanzieren – was viele getan haben.“
Ein Beispiel dafür?
„Solanas eiskalte Abhandlung des Ist-Zustandes mündet in den Vorschlag, die Männer auszurotten, um endlich mit dem Aufbau einer menschlichen Gesellschaft beginnen zu können.“
Das schreibt 1997 in der Emma die Regisseurin Mary Harron 1997, die 29 Jahre nach Solanas‘ Schüssen auf Andy Warhol einen Film über sie fertigstellte. Begeistert schildert sie das Buch als „eine Lektüre, die mein Leben veränderte. Kein Buch hatte mich je so angerührt und erschüttert“ und feiert es als „brillante Satire - so als hätte Oscar Wilde beschlossen, Terrorist zu werden.“ 
 
Ein schwedischer Film aus dem Jahre 2010, produziert von einer Theatergruppe, die Solanas' SCUM auch für Schulklassen aufführte. "Do your part" - Leiste auch Du Deinen Beitrag - steht am Ende.
 
Doch auch, wenn sich die Reihe begeisterter Äußerungen über Solanas‘ Massenmordphantasie  noch lange fortsetzen ließe – warum sollten sich alle Menschen, die sich als feministisch bezeichnen, davon distanzieren? Schließlich ist es in zivilen Kontexten eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass wir bei Gesprächspartnern oder -partnerinnen in aller Regel nicht den heimlichen oder offenen Wunsch erwarten müssen, uns umzubringen.

Dienstag, 15. April 2014

Und plötzlich war ich Männerrechtler...

Ich habe das Thema dieser Blogparade, „Warum ich mich mit Männerrechten beschäftige und was ich damit zu erreichen hoffe”, einfach als Aufforderung interpretiert, eine persönliche Geschichte aufzuschreiben. Wie eigentlich kommt ein Junge aus einer durch und durch sozialdemokratischen Familie, ein Student der Sprach-, Geistes- und Sozialwissenschaften, der freiwillig (!) Seminare zu feministischer Literaturwissenschaft belegt, der schon recht früh und vermutlich sogar ohne bleibende Schäden Schriften von Susan Brownmiller, Alice Schwarzer oder Judith Butler liest, später dazu, sich für Männerrechte einzusetzen? Ein Stück in drei Akten. 
Wie, um Gottes Willen, wurde aus diesem unschuldigen Jungen ein MÄNNERRECHTLER?
Erster Akt: Seltsame Begebenheiten auf der Universität  Dass irgendetwas nicht stimmte, war schon früh klar. Da ich in den Geistes- und Sozialwissenschaften studiert habe, erlebte ich natürlich viele feministisch inspirierte Diskussionen zum Verhältnis der Geschlechter, und ich erlebte auch ihre Widersprüche.

Sonntag, 13. April 2014

Merkel, Schwesig und die Freude an Gewalt

#mackergohome wo dich deine frau erwartet. mit einem messer.
Gewaltphantasien, die sich bei Twitter unter dem Stichwort „Mackergohome“ sammeln, wirken pubertär im schlechtesten Sinn des Wortes, werden aber – soweit ich das erkennen kann – von erwachsenen Frauen formuliert. Für politisch interessierte Gender-Forscherinnen wäre das eigentlich einmal eine interessante Frage:
 
Warum eigentlich werden im Internet regelmäßig Plattformen gebastelt, auf denen Frauen und auch Männer in aller Öffentlichkeit und mit großer Begeisterung antimännliche Gewaltphantasien austauschen? Der berühmteste ist der Hashtag killallmen, der ohne störende Zurückhaltung und mit großer Gefolgschaft zur Tötung aller Männer aufruft.
ich seh schon die tränen fließen, seid nur froh, wenn wir nicht schießen!
Haut die macker platt wie Acker!

maskus, mackern und sexisten, entschlossen in die fresse
fisten.

wir kochen vor Wut / wir
stampfen euch entzwei / zu Mackerhaschee / und auch zu Mackerbrei

Wir geben den Mackern die Straße zurück –
Stein für Stein, Stück für Stück!

Macker sind erbärmlich,
Misandrie ist herrlich!
bürger von twitter seid nicht faul, gebt den mackern eins aufs maul.

wir stellen das richtig maskus sind nicht wichtig waren es nie misandrie!

ihr seid eh nicht mehr lange da haaahahahaha. MISANDRIE!
Die letzten drei Beispiele zitiert auch die Internet-Feministin Onyx in ihrer deutlichen Kritik  an der kleinen „Mackergohome“-Welle. 

Woher nur haben die gewaltverliebten mackergohome-Fans ihr Männerbild? Motiv aus einer millionenschweren Aktion des Familienministeriums
Diese Welle begann mit einem T-Shirt, das eine Frau mit dem Twitter-Namen „tofutastisch“ sich selbst hergestellt und dann stolz auf Twitter präsentiert hatte. „Macker gibt’s in jeder Stadt Bildet Banden macht sie platt reimt sie dort, und zwischen den Zeilen platziert sie das stilisierte Bild eines mit Schlagstöcken bewaffneten Frauen-Mobs.  Der Duden übrigens erläutert „Plattmachen“ als „jemanden umbringen, körperlich erledigen, vernichten“.   

Das Bild des T-Shirts wird ein großer Erfolg, die Idee des „Plattmachens“ von „Mackern“ wirkt auf eine Reihe von Frauen inspirierend.
„Ich will übrigens auch so ein tshirt wie das von @Tofutastisch,“
schreibt beispielweise Antje Schrupp, Redakteurin der Zeitschrift „Evangelisches Frankfurt“ und eine der wichtigsten Internet-Feministinnen.

Wie kommt es eigentlich, dass sich hier erwachsene Menschen in aller Öffentlichkeit in Gewaltphantasien suhlen, ohne dass irgendjemandem von ihnen auch nur der Gedanke kommt, dieses Verhalten könne ein wenig seltsam sein? Eine mögliche Antwort findet sich an einem unerwarteten Ort: bei einer millionenschweren Aktion der Bundesregierung.

Mittwoch, 9. April 2014

Von männerfreien Friedhöfen und Telefonen nur für Frauen (Monatsrückblick März 2014)

Da ich mich gefreut habe, die Kommentare von Leszek über linke Männerpolitik als Text veröffentlichen zu können, habe ich den Rückblick auf den Monat März ein paar Tage verschoben. Der Monat lohnt aber, wie ich finde, solch einen Rückblick auch noch etwas später...

Der Monat März endete in einer Reihe von Aprilscherzen, der erste kam einen Tag zu früh. Von einer seltsamen Nachricht auf dem Anrufbeantworter der Familienministerin Schwesig berichtete am 31. März das Blog Wortschrank.
„Mir ist zwar bewusst, dass (mit Ausnahme von Sexualstraftaten) Männer sämtliche Gewaltopfer-Statistiken anführen und das auch in der Statistik des Bundeskriminalamtes ganz klar belegt ist. Das hat mich aber nicht daran gehindert, trotzdem statt für alle Bürgerinnen und Bürger nur für Frauen eine Gewaltopfer-Telefon-Hotline einzurichten und ich verkünde heute mit Stolz den 12.000sten Anruf, den wir in mühevoller Kleinarbeit und 16 verschieden Sprachen an zuständige Frauenhäuser, psychologische Beraterinnen, Seelsorgerinnen und Online-Chats vermittelt haben."
Tatsächlich hat das exklusive Anti-Gewalt-Telefon 6 Millionen Euro an Steuergeldern gekostet – wofür eigentlich, das habe ich auch bei längere Suche im Internet nicht herausfinden können. Noch seltsamer ist die Beschränkung auf Hilfe für Frauen. Wie würde es wohl einem Minister ergehen, der mehrere Millionen Euro für ein Anti-Gewalt-Telefon nur für Weiße ausgeben würde?

Eine Werbung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Dazu gehört auch noch ein eindrucksvoller Spot:
 

Der sexistische Blick auf Gewalterfahrungen prägt auch eine Studie, die ausgerechnet von der EU-Kommission für Menschenrechte erstellt wurde: Eine europaweite Studie zur Gewalt gegen Frauen. Als ob es Hunderte von Studien nie gegeben hätte, nach deren Ergebnissen Männer ebenso häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen, fixiert sich die Studie programmatisch allein auf weibliche Opfer.

Während sie so die Gruppe derjenigen, deren Gewalterfahrungen untersuchenswert erscheinen, erheblich begrenzt, weitet sie zugleich den Gewaltbegriff willkürlich aus: Geschubstwerden oder das Gefühl, vom Partner nicht angemessen wahrgenommen zu werden, stehen hier beliebig neben Angriffen mit Schusswaffen oder Vergewaltigungen.

Das erwartbare Ergebnis dieses Untersuchungsdesigns: Europas Frauen werden rundweg als Opfer massiver Alltagsgewalt präsentiert, Männer implizit rundweg als Gewalttäter. Das dieses Ergebnis mehr das sexistische Design der Studie als über die Erfahrungen von Frauen und Männern aussagt, spielt für berichtende Medien kaum eine Rolle: Fast durchweg spiegeln sie kritiklos die Ergebnisse der „Studie“ und schlagen Alarm im Namen von Europas allüberall gequälten Frauen.

Freitag, 4. April 2014

Über den Sinn linker Männerpolitik


– Eine Erwiderung von Leszek –
 
Auf meinen Text Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht) zu  Arne Hoffmanns Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik hat Leszek einen ausführlichen, detaillierten, mehrteiligen Kommentar geschrieben, der in vielerlei Hinsicht eine Erwiderung auf meinen Text ist. Eine Auseinandersetzung damit hat im Kommentarstrang schon begonnen. Es dient ihr aber sicher, wenn Leszeks sehr engagierter Text, der ein eigenes Plädoyer für eine linke Männerpolitik ist, auch einen eigenen Platz bekommt.
 
Die eingefügten Zwischenüberschriften stammen von mir, ich habe mich dabei nah an den Text Leszeks gehalten. Lucas Schoppe
 
 
Hallo Schoppe, ich habe den Eindruck, in diesem Artikel ist einiges an Ärger und Enttäuschung über die zeitgenössische politische Linke und ihre Ignoranz gegenüber männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen eingeflossen.

Die Idee, den Spieß einfach mal gedanklich umzudrehen und darüber zu reflektieren, wie eine Öffnung der zeitgenössischen Linken gegenüber der Männerrechtsbewegung für die Linke selbst potentiell hilfreich sein könnte, um sich zu erneuern, zu tatsächlich klassisch linken Werten und Idealen zurückzufinden und wieder eine ernsthafte linke Politik von Relevanz zu entwickeln ist sicherlich interessant und kreativ, bei einigen Schlussfolgerungen deines Artikels bin ich jedoch – wie bei diesem Thema nicht anders zu erwarten – anderer Meinung.
 
Du schreibst:
„Arne geht an mehreren Stellen ausdrücklich auf die Situation ein, dass Offenheit für geschlechterpolitische Positionen von Männern, für die Auseinandersetzung mit spezifischen Benachteiligungen von Männern deutlich eher bei Konservativen als bei "Linken" zu finden ist. Das hat in seinem Buch nie den Charakter einer Wahlempfehlung für Union oder FDP, sondern eher den einer etwas ungläubigen Frage an die "Linken": Das wäre eigentlich euer Job - warum interessiert er euch nicht?“
Arnes sehr gutes Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ ist in Bezug auf die angesprochene Thematik m.E. in seinen Reflektionen hierzu deutlich ausgewogener.

Samstag, 29. März 2014

Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)

„Vor allem die linken Parteien schrecken inzwischen immer mehr Männer ab, die eigentlich für die Anliegen dieses Lagers mehr als aufgeschlossen wären“,
schreibt Arne Hoffmann in seinem gerade erschienenen „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“. (S. 19)

Der Text listet viele Beispiele panischer Abgrenzungen und Feindseligkeiten irgendwie linker Parteien gegenüber Männerrechtlern auf: vom verbissenen Desinteresse an einer „Bekämpfung sozialer Nachteile“ (27) von Männern und Jungen, dem „Fall Monika Ebelings“ (18), die von Grünen, SPD, Linken, aber auch der FDP aus dem Amt als Gleichstellungsbeauftragte getrieben wurde (18), bis zu diffamierenden Schriften der SPD (338f.) oder der Grünen (347f.), die aus Steuermitteln finanziert den Einsatz für Männer- und Jungenrechte als rechtsradikal denunzieren.

Und das sind nur wenige Beispiele dafür, dass das Wort „Männer" – so Matthias Lohre in der taz„in der politischen Linken geradezu zu einem Schimpfort geworden" sei. (16)

Warum eigentlich sollten sich Männerrechtler angesichts dieser entschlossenen Ablehnung ausgerechnet als „links“ bezeichnen?
„Bezeichnenderweise war es nicht das linke, sondern das bürgerliche Lager, das die ersten Schritte tat, um die bisherigen Einseitigkeiten zu überwinden“,
schreibt Hoffmann weiter (22). Angesichts dieser Situation für eine linke Männerpolitik einzutreten, wirkt wie der Versuch, mitten in Hamburg eine Werder-Kneipe zu eröffnen, weil es in Bremen ja zu einfach wäre. Oder in einem bayerischen Dorf die große Bedeutung des Preußentums zu erläutern. Was soll das?
Eine etwas abgewrackte rote Bushaltestelle im Nirgendwo, an der niemand wartet - dazu das Schild "Weg endet in 250m" - manche Szenen sind in aller Unschuld so allegorisch, dass sie unbedingt fotografiert werden müssen. Glaubt mir ja sonst keiner.
Das Eintreten für die Rechte von Männern und Jungen setzt linke Positionen, wie immer sie auch verstanden werden, zudem überhaupt nicht voraus. Dafür genügt es, liberale Positionen zu vertreten oder sich an basalen Grundrechten, Menschenrechten und Fairnessprinzipien zu orientieren. Männerrechtler brauchen Linke nicht.

Andersherum ist das jedoch nicht so – Linke würden erheblich davon profitieren, wenn sie die Diskussionen der Männerbewegung offen und ohne irrationale Abwehr aufnehmen würden. Dafür gibt es vor allem drei Gründe.

Freitag, 28. März 2014

Biertrinken mit Feministinnen - Kais Blogstöckchen

Das „Blogstöckchen", das Kai auf seinem Blog veröffentlicht hat, ist mittlerweile von Arne Hoffmann, von Christian Schmidt, von Elmar Diederichs, von Tom, Adrian, LoMi und Graublau beantwortet worden.
Edouard Manet: Im Café-Concert (1878) Quelle
Nachdem Erzählmirnix vor wenigen Monaten blockstöckchenwerfend Blogger nach ihrem Verhältnis zum Maskulismus gefragt hat, fragt Kai nun nach dem Verhältnis zum Feminismus. Ich hatte eine volle Woche und bin gerade sehr, sehr müde, aber antworten will ich natürlich, und die Müdigkeit macht die Antworten ja vielleicht auch besonders interessant....Viel Spaß!

Sonntag, 23. März 2014

„Lasst das mal den Papa machen“. Der „Stromberg“-Film ist sexistisch: Fragt sich nur, gegenüber wem

– Gastbeitrag von Johannes Meiners –
 
 
Johannes Meiners' Filmkritik über den Stromberg-Film und seine Großmannsucht" setzt sich auch mit Figuren einer Fernsehserie auseinander, die ich  früher während der ersten Staffeln einmal gern gesehen habe. Ich fand sie witzig, bin dann aber irgendwann ausgestiegen warum, weiß ich nicht einmal mehr. Doch auch angesichts der Sympathie für die Serie überzeugt mich die Kritik, die Johannes Meiners an dem Film übt. Viel Spaß dabei!  Lucas Schoppe
 
 
Bernd Stromberg ist zurück: Noch ein Mal – als Kinofilm. Die Büro-Satire spielt im (vermeintlichen) Alltag europäischer Durchschnittsbürger, in diesem Falle Versicherungsangestellter in Nordrhein-Westfalen. So viel vorweg: Ich teile die Ansicht des Schauspielers – und Hauptdarstellers – Christoph Maria Herbst, wonach „Stromberg“ auserzählt sei).
 
Die Finanzierungsprobleme rund um den Film konnten durch zahlende, am Ende alphabetisch entlang ihrer Vornamen aufgelistete, fast nur männliche Fans offenbar gelöst werden. Die Produktion hält gleichwohl einige Lacher bereit, die durchaus hörenswert sind. Ähnliches gilt für das Bildmaterial mit der ein oder anderen überraschenden Sentenz. Herbst selbst spielt neuerlich stark auf. Ohne ihn wäre die Satire wie der frühere Krimi „Derrick“ ohne Derrick – oder „Wetten, dass…“ ohne Thomas Gottschalk.

Der vorliegende Text ist keine „gewöhnliche“ Rezension eines aktuellen künstlerischen Ergusses. Nein, es geht um eine dezidiert maskulistische Filmkritik: Im Mittelpunkt steht die Darstellung des Geschlechterverhältnisses. Und daran gibt es aus dieser Sicht eine Menge zu deuteln. Die folgenden Zeilen erheben daher in alle Richtungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ist Stromberg wirklich „sexistisch“? Laut Teaser der Werbung für den Film: JA.
Er reiße rassistische und sexistische Witze. Dass dies ein für weiße, heterosexuelle Männer geradezu konventionelles Verhalten ist, scheint im Teaser nicht mal einen erläuternden Halbsatz wert zu sein. So selbstverständlich wirkt die Annahme wohl aus Sicht derer, die sie formulierten.

Dem Autor dieser rezensierenden Zeilen zufolge lautet die Antwort ebenfalls: JA.