Mittwoch, 25. Februar 2015

Merseburger Zaubersprüche - Der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß als Erzieher

Dass eine Autorin dazu auffordert, ihr eigenes Buch bei Amazon positiv zu besprechen und negative Bewertungen als „nicht hilfreich“ abzuwerten, ist ja eigentlich schon ungewöhnlich. Dass ein deutscher Professor versucht, aus einem solchen Verhalten eine umfassende politische Aktion zu machen, ist noch seltsamer.
 
Heinz-Jürgen Voß,  Professor für „Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung“ an der Universität Merseburg, hat das gerade getan. In einem Brief  an „Liebe Freund_innen, liebe Kolleg_innen“ schreibt er dagegen an, sich im Netz von „Maskulinisten und anderen extremen Rechten“ Diskussionen aufdrängen zu lassen, und ruft zu „emanzipatorischen Kommentaren und Rezensionen“ bei Amazon auf.
„Auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen kauft mensch dort zwar keine Bücher. Dennoch beeinflusst Amazon stark die Sicht auf Bücher. Daher: Lasst uns dort jeweils ein Profil haben und jeweils wöchentlich zwei Bücher positiv oder negativ besprechen. Dazu reicht ein Dreizeiler völlig aus. Das wirkt den häufig schlechten Bewertungen linker und emanzipatorischer Bücher entgegen.“
Diese öffentliche professorale Aufforderung, politisch unliebsame Texte organisiert abzuwerten und politisch opportune entsprechend hochzupunkten, kann als erfrischend oder auch als unseriös empfunden werden. Dreizeiler jedenfalls sind dafür sehr praktisch, weil sie für die Rezension eines Buches keine vorherige Lektüre erfordern, bloß seine politische Ausrichtung sollte halt bekannt sein. Michael Klein bemerkt spitz:
„Natürlich kommt Voß keinen Moment auf die Idee, dass die schlechten Bewertungen ‚linker und emanzipativer Bücher’ etwas damit zu tun haben könnten, dass die entsprechenden ‚linken und emanzipativen Bücher’ schlecht sind.“
Wie auch? – Diese Bewertung wäre nach Voß’ Kriterien ein Widerspruch in sich.
Nur Laien denken, hier wäre leicht zu unterscheiden, wer von diesen beiden Menschen schwanger ist.
Auf Voß' Positionen reagieren überhaupt Menschen gleichermaßen ablehnend, die ansonsten eigentlich gar nichts miteinander gemein haben. Akif Pirinçci wurde gerade wegen Beleidigung verurteilt, gegen den Blogger Kirk läuft ein entsprechendes Verfahren.  Aus einer völlig anderen Richtung und in ganz anderer Stillage schreibt Felix Riedl in einem langen und sehr lesenswerten Text  über ein Buch zur Beschneidungsdebatte, das Voß mit zwei anderen Autoren verfasst hat:
„Dankenswerterweise ist das Buch so kurz gehalten, dass man alle falschen Sätze darin rasch abgeschrieben hat – und das sind ungefähr alle.“
Und:
„Die drei Autoren haben es geschafft, auf 90 Seiten Adorno/Horkheimer und Foucault für ihren Aufklärungsverrat als Geiseln zu nehmen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses durchsichtige, zynische Manöver nicht nur Laien auffällt, sondern auch der akademischen Kaste, an die sich der Band richtet (…)“
Was hat der junge Professor eigentlich an sich, dass er aus solch verschiedenen Richtungen solche Ablehnung auf sich zieht? Ihm selbst jedenfalls wird sie womöglich ganz recht sein, weil er sie als Beleg dafür verbuchen kann, dass eine linke und emanzipatorische Politik in diesem Lande mit heftigen Widerständen zu kämpfen hat.

Ich habe mir einmal einen Text näher angeschaut, den Kirk bereits verrissen hat – ein Interview, das Voß Liz Weidinger vom Magazin Fluter  gegeben hat. Dieses Magazin nämlich wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben und liegt in Schulen frei aus. Es bietet also die Möglichkeit, nach dem pädagogischen Nutzen von Voß’ Positionen zu fragen.
 
Ruhig, gelassen und ohne Aggressionen natürlich, wie das ja eh so meine Art ist.

 
Warum es, trotz allem, Unterschiede zwischen Füchsen und Raben gibt Voß stelle, so Weidinger einleitend,
„die grundlegende Auffassung in Frage, dass es zwei biologische Geschlechter gebe. Außerdem glaubt er nicht, dass es biologische Gründe dafür gibt, mit welchen Menschen man Sex haben will. Voß stellt damit in Frage, was für die meisten als selbstverständlich gilt.“
Nun: Dass sexuelle Vorlieben auch kulturell geformt sind, das bestimmte Schönheitsideale Menschen über die Medien regelrecht anerzogen würden – das ist eine weit verbreitete, weithin selbstverständliche Meinung, die fast nirgendwo in Frage gestellt wird. Von Voß selbst schon gar nicht. Wesentlich interessanter wäre es eigentlich, wenn der Biologe Voß einmal nachweisen würde, wie diese kulturellen Formungen auf biologische Gründe zurückgeführt werden können – oder wie Kultur und Biologie zusammenspielen.

Stattdessen verwirft er auch noch das, was die meisten der menschlichen Biologie zuordnen würden, nämlich die Zweigeschlechtlichkeit – also die Aufteilung von Menschen in Männer und Frauen, die nach biologischen Kriterien unterscheidbar seien,

In einem anderen Interview mit der evangelischen Zeitschrift chrismon hat Voß diesen Punkt schon einmal mit einer beeindruckenden Pointe erläutert.
„Bis in die 1920er Jahre sprach man von ­Geschlechtervielfalt. Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung (…).“
Die Einteilung in Frauen und Männer ist also nicht bloß eine soziale Konstruktion – sondern gar eine soziale Konstruktion der Nazis! Sicher, das erklärt vieles – ganz überzeugend ist der Gedanke trotzdem nicht, dass Menschen vorher allüberall von einer Vielfalt der Geschlechter sprachen und heilfroh waren, nicht bloß zwei davon zu haben.

Im Fluter-Interview erläutert Voß im Anschluss an Judith Butler, der Begriff „Sex“ für das biologische Geschlecht werde verwendet für
„gesellschaftlich vereinbarte, körperliche Merkmale anhand derer Menschen in Männer und Frauen eingeteilt werden.“
Der Gedanke dahinter ist, dass wir ja beispielsweise auch gesellschaftlich hätten vereinbaren können, Menschen anhand ihrer Schuhgrößen oder der Länge ihrer Ohrläppchen in verschiedene Geschlechter einzuteilen. Die scheinbar so natürliche, auf unterschiedlicher Biologie basierende Unterteilung in Frau und Mann sei also eine soziale Konstruktion.

Das ist nur dann überzeugend, wenn mensch nicht länger darüber nachdenkt. Natürlich sind Geschlechter auch sozial konstruiert, aber soziale Konstruktionen sind nicht beliebig, sondern erfüllen bestimmte Funktionen. Dass Menschen anhand ihrer Sexualorgane verschiedenen Geschlechtern zugeteilt werden, hat offenbar etwas mit der Zeugungs- und Gebärfähigkeit zu tun: Grundsätzlich ist die eine männlich, die andere weiblich. Ihre offenkundige Funktion erfüllen diese sozialen Konstruktionen also auf einer biologischen Grundlage.

Das aber kann Voß nicht akzeptieren.
„Es hat sich gezeigt, dass Fortpflanzungsfähigkeit beim Menschen nicht so verbreitet ist, wie oft angenommen.“
Warum das ein Einwand sein sollte, ist überhaupt nicht klar. Natürlich können komplexe Systeme, die komplexe Funktionen erfüllen, auch fehlerhaft sein. Zudem gibt es überhaupt keine Notwendigkeit, dass fortpflanzungsfähige Menschen sich auch tatsächlich fortpflanzen müssen – dazu fähig sind sie trotzdem, in einer „Komplementarität von Gebär- und Zeugungsfähigkeit“ (Kirk). Männer und Frauen, die sich nicht fortpflanzen, bleiben Männer und Frauen – das bezweifelt außer Voß eigentlich kaum jemand.

Ein Vergleich: Ein Computer, der seine Funktionen nicht erfüllt, weil er nicht angeschaltet ist, bleibt unbestritten trotzdem ein Computer. Wir würden, wenn wir uns überhaupt Gedanken darüber machen würden, so etwas wie „Der Computer ist aus“ dazu sagen – aber gewiss nicht „Mein Computer hat sich in etwas ganz anderes verwandelt“ oder „Wir müssen einen neuen Namen für dieses Gerät finden, der es nicht der binären Logik von Computer oder Nicht-Computer unterwirft.“

Ein möglicher Grund, warum Voß diesen Selbstverständlichkeiten aus dem Weg zu gehen versucht: Wenn Mann und Frau über die Fortpflanzungsfähigkeit bestimmt werden, könnten Fortpflanzungsunfähige als defizitäre Wesen dastehen. 

Sicherlich werden viele Betroffene dieses Gefühl auch haben und mehr oder weniger gute Wege finden, damit zurechtzukommen. Tatsächlich ist es aber keine notwendige Folge des Mann-Frau-Schemas. Für dieses Schema ist es nur notwendig, dass wir im Allgemeinen Männer und Frauen grundsätzlich anhand unterschiedlicher Funktionen in der Fortpflanzung unterscheiden. Dass es in Einzelfällen Abweichungen davon geben kann, stört den Sinn der allgemeinen Unterscheidung überhaupt nicht, und es macht Fortpflanzungsunfähige auch nicht zu bloß halben Männern oder halben Frauen.

Damit erübrigt es sich auch, so zu tun, als ob wir eine klare Entscheidung zwischen biologischen oder sozial-konstruktivistischen Erklärungen treffen müssten: Vernünftige soziale Konstruktionen sind eben die, die den biologischen Gegebenheiten auf vernünftige Weise Rechnung tragen.

Voß aber besteht darauf, dass „auch biologisches Geschlecht und biologische Theorien immer in gesellschaftlichen Zusammenhängen entstehen“. Das ist völlig richtig, aber auch völlig banal. Natürlich müssen wir nicht in die menschenleere Wüste ziehen, um über Biologie nachdenken zu können. Sätze biologischer Theorien werden in einer Sprache formuliert, die weitgehend auf sozialen Konventionen beruht. Sie basieren auf anderen Sätzen, die sozial akzeptiert sind.

Daraus ergibt sich allerdings so gut wie nichts. Dass soziale Konstruktionen für die Formulierung von Geschlechtsunterschieden notwendig sind, führt nicht zu dem Schluss, dass Geschlechtsunterscheide bloß sozial konstruiert und biologische Erklärungen unzulässig sind. Soziale Konstruktionen sind keine Zaubersprüche, die dank einer magischen Kraft der Worte dort etwas herbeizaubern könnten, wo vorher nichts war.
 
Wir könnten beispielsweise auch in langen Diskursanalysen untersuchen, wie unterschiedlich Füchse und Raben in Fabeln, in Märchen, in Redewendungen, in etablierten Vergleichen und anderen Äußerungen konstruiert werden, wie sie für feste Klischees verwendet werden, wie bestimmte Projektionen menschlicher Eigenschaften auf diese Tiere sich immer wieder wiederholen. Kein vernünftiger Mensch würde aber deshalb auf die Idee kommen, Füchse und Raben seien bloß sozial konstruiert und wiesen keine realen biologischen Unterschiede auf.
 
 
Wie Professor Voß einmal versuchte, Olympiasiege von Frauen zu verhindern Voß aber ist gar nicht so wichtig, dass und wie Geschlechterunterschiede sozial konstruiert sind – ihm ist wichtig, dass sie auch ganz gewiss nichts anderes sind als das. Dass er dabei auf ein Beispiel aus dem Sport zurückgreift, ist besonders ungeschickt.
„Körperliche Merkmale wie Muskulatur werden durch unsere Sozialisation und Lebensweise geformt.“
Das galt beispielweise, um mal ein besonders bekanntes Beispiel zu nennen, für viele Sportlerinnen aus den Ostblockstaaten, deren Muskulatur und männliches Aussehen sehr gezielt durch Lebensweise und soziale Rahmenbedingungen geformt wurden, nämlich durch die systematische Verabreichung männlicher Hormone. Vermutlich glaubt selbst Voß nicht, dass die deutliche Vermännlichung dieser Sportlerinnen allein auf die sozialistische Lebensart und nicht auf Hormone zurückzuführen sei. Trotzdem schreibt er:
„Die Leistungen im Marathonlauf haben sich stark verändert. Während in den 1960er Jahren der Unterschied der Weltbestzeiten zwischen Männern und Frauen bei circa einer Stunde lag, hat er sich mittlerweile auf zehn Minuten reduziert. Hier wird klar welchen Einfluss Trainingsbedingungen, Teilnahmeerlaubnisse und Prestige für Männer und Frauen im Spitzensport haben und wie wenig letztlich durch das Geschlecht vorgegeben ist.“
Tatsächlich zeigt das Beispiel, dass durch Training viel zu erreichen ist – was bei Licht besehen keine große Überraschung ist. Den männlichen Weltrekord hat Dennis Kipruto Kimetto 2014 in Berlin gelaufen (2:02:57). Den Weltrekord bei den Frauen hält noch immer Paula Radcliffe, mit einem Lauf aus dem Jahr 2003 – und einer Zeit (2:15:25), die keine olympische Goldmedaillengewinnerin seit den achtziger Jahren auch nur annähernd erreicht hat.

Ganz offenbar ist, trotz stetiger Forschung an Trainingsmethoden und großem Einsatz von Mitteln, eine biologische Grenze erreicht. Auf diesem Niveau, bei dieser Austrainiertheit der Sportler liegen Welten zwischen der – ihrerseits fantastischen – Zeit von Radcliffe und der von Kimetto.

Das wird noch deutlicher angesichts der Entwicklung der Leichtathletik-Weltrekorde in 23 Disziplinen. Bei Frauen stammt fast die Hälfte der Rekorde aus den achtziger Jahren  – und in jedem Fall ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Rekorden erheblich.

Das ist kein vernünftiger Grund für Männer, sich Frauen überlegen zu fühlen – schließlich könnte nur ein verschwindend geringer Anteil von ihnen die Leistungen dieser Rekordhalterinnen einholen. Es bedeutet aber, dass eben die Zahlen, die Voß zum Beleg für seine Thesen anführt, tatsächlich ein sehr starker Hinweis auf das Gegenteil sind – nämlich darauf, dass es offenbar grundlegende biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die auch durch intensive Bemühungen nicht verschwinden.

Das interessiert Voß nicht: „eine Unterscheidung nach Geschlecht ist meiner Meinung nach nicht tragbar“, behauptet er für den Sport – ungeachtet der Tatsache, dass nicht nur in der Leichtathletik ohne diese Unterscheidung selbst die grandiosesten Sportlerinnen kaum jemals eine Chance hätten, bei großen Veranstaltungen auch nur unter die ersten zehn zu kommen.

Es interessiert ihn ebenso wenig, dass seine Aussage, „dass es für Menschen erst in der Zeit der europäischen Moderne wichtig wurde, sich über ihr sexuelles Begehren zu definieren“, durch ganze Haufen von Gegenbeispielen leicht widerlegt werden kann.
 
Einer Kritik am wissenschaftlichen Gehalt können schließlich in jedem Fall politische Ressentiments unterstellt werden, womit diese Kritik dann auch schon ohne nähere Beschäftigung mit ihr entlarvt wäre. Das brachiale Geholze Pirinçcis macht es dieser Interpretation ja auch leicht – in ihrer Sehnsucht nach klaren Feindbildern und geordneten Frontverläufen sind Voß und Pirinçci ohnehin Brüder im Geiste.


Wie Professor Voß einmal aus Versehen zum autoritären Pädagogen wurde Zwei weitere Konsequenzen sind, angesichts des pädagogischen Umfelds dieses Interviews, vielleicht noch bedenklicher. Die Zeit berichtete 2007 über Ergebnisse des Entwicklungspsychologen Hanns Martin Traubner:
„Männer und Frauen, die früh in eine sichere Geschlechtsrolle gefunden haben, müssen sich nicht mehr ständig ihrer sexuellen Identität durch präpotentes oder püppchenhaftes Gebaren versichern. Sie können sich auch vom Rollenklischee abweichendes Verhalten erlauben. Die klare Vorstellung von der Geschlechterdifferenz und der eigenen Zugehörigkeit ist offenbar eine gute Basis für einen späteren freien Umgang mit Stereotypen.“ (via Alles Evolution)
Das bedeutet: Großzügigkeit gegenüber Differenzen und Vielfalt, sogar Freude daran setzt eine große Sicherheit in eigenen Geschlechtsrollen voraus. Eine Pädagogik hingegen, die eine solche Sicherheit irritieren möchte, die Kindern oder Jugendlichen den Eindruck vermittelt, ihr Gefühl der sexuellen Identität beruhe auf bloß scheinhaften sozialen Konstruktionen – eine solche Pädagogik wird nicht zu größerer Freiheit, sondern zu Verhärtungen von Ressentiments beitragen.

Die allzu selbstverständliche Annahme, eine De-Konstruktion von Geschlechtsindentitäten würde Homo- und Transsexuellen helfen, sie von der Zuweisung der „Unnormalität“ befreien, ist also trügerisch – wahrscheinlich ist, dass sie stattdessen umso schärfere Ausgrenzungsmanöver initiiert. Besser, als Kindern und Jugendlichen ihr Gefühl von „Normalität“ zu zerstören, ist es, ihnen das Selbstvertrauen zu vermitteln, das sie für eine Erweiterung ihrer Vorstellungen von Normalität brauchen.

Pädagogisch in hohem Maße bedenklich ist auch ein zweiter Aspekt der Voß-Positionen. Seine Fixierung auf die soziale Konstruiertheit von Geschlecht und Identität spielt darüber hinweg, dass diese Konstruktionen immer auf etwas Bestehendem aufbauen, dass sie im Rahmen dieses Bestehenden Funktionen erfüllen und dass sie eben für diese Funktionen errichtet werden. Pädagogisch gewendet vertritt Voß einen Tabula Rasa-Ansatz: Der Mensch ist gleichsam ein unbeschriebenes Blatt, in das dann soziale Konstrukte eingetragen werden.

Das entspricht, ohne dass Voß das bewusst oder wichtig ist, dem Menschen- und Kinderbild einer erz-autoritären Pädagogik. Anstatt anzuerkennen, dass alle pädagogische Arbeit nur auf dem aufbauen kann, was das Kind mitbringt, liegt der Fokus autoritärer Pädagogik ganz in der Prägung des Kindes durch andere, die Repräsentanten immer schon bestehende sozialer Normen sind.
 
Ein extremes neueres Beispiel dieser unsinnigen und menschenfeindlichen Pädagogik sind die Boot Camps, deren Betreiber durch Schikane und den Zwang zur Unterordnung Jugendliche zunächst brechen – als würden sie eine Tafel wischen, um auf der leeren Tafel dann ganz neu schreiben zu können. 

Die einfache Einordnung der Kritiker von Voß als homophob, als reaktionär, als herrschaftsdienlich und inhuman lässt sich also nicht halten – eher im Gegenteil. Wenn Voß sich selbst zu „linken und emanzipatorischen Kräften“ zählt, dann benutzt er diese Begriffe als Worthülsen. Dass das, was er sagt, eher in autoritäre als in offene Strukturen passt, und dass sein Ansatz in pädagogischen Feldern Homosexuellen womöglich eher schadet als nützt – das sind allerdings Überlegungen, die sich angesichts der beeindruckenden Selbst-Etikettierung zwangsläufig verbieten.

Dabei hätte Voß selbst wissen können, dass nicht alles so einfach ist, wie es aus seiner Sicht aussieht. Die Forschung seit den neunziger Jahren, auch seine eigene, beschreibt er mit tiefgründigen Worten, die zusammengenommen mein Lieblingszitat von ihm ergeben:
„Man ist einfach - egal in welchem Bereich - auf Komplexität gestoßen.“
Wie auf Öl, irgendwie. So beschreibt der junge Merseburger Forscher die Geschichte der Sexualwissenschaft auf überraschend einleuchtende Weise: Durch die Zeitalter hindurch und bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hinein erfreuten sich die Menschen einer bunten Welt voll federleichter Vielfalt – die Nazis zerstörten dann mit ihrer Erfindung der heterosexuellen Matrix diese bunte Welt – bis die Menschen in den neunziger Jahren endlich wieder verstanden, dass Sexualität kompliziert ist.

Wie schön, dass ein deutscher Professor das einmal so klar herausgearbeitet hat.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel, vielen Dank dafür!
    Was Voss da vertritt (und mit ihm die Genderwissenschaften) ist wirklich recht einfach erkennbar Humbug. Leider ist er damit trotzdem Professor geworden.

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  2. Das ist wirklich ein toller Artikel! Ich werde ihn weiterverbreiten, jetzt Samstag wieder. Und es sei noch mal dran erinnert: Eigentlich dürfte Herr Voss gar kein Prof. sein.

    Diplom-Biologe, fachfremd promoviert zum Dr. phill., (noch) keine Habilitation, aber Professor und sogar Lehrstuhlinhaber. Das ist echt ein Witz.

    Für mich ist er hinsichtlich seiner Qualifikation ein ganz normaler, nichtpromovierter Diplom-Biologe. Fachfremde Dissertationen, und dann noch solche, die in einem Fach hingelegt wurden, dass sich in Fundamentalopposition zur Biologie befindet, die zählen bei mir nicht so, dass ich ihn als "promovierten Biologen" anerkenne.

    Da ich auch ein nichtpromovierter Diplom-Biologe bin und damit vergleichbar qualifiziert, will ich also jetzt auch einen Lehrstuhl haben!!! Am besten seinen, und dann mal richtig aufräumen. Und überall im Land Vorträge halten, an jeder Uni. Nämlich darüber, dass es wirklich nur zwei Geschlechter gibt. Und über die Gendersens und ihre Fehlvorstellungen. Und dafür dann kräftig abkassieren wie der Vossibär!

    Echte Professoren aus der Biologie, die sich damit hauptberuflich viele Jahre befasst haben wie z.B. Prof. Peter Kappeler oder Prof. Susanne Foitzik (beide übrigens in der Biologie promoviert und habilitiert), sind auch der Meinung, es gebe nur zwei Geschlechter. Auch Charles Darwin war in seiner Abhandlung über die Geschlechter von 1871 der Meinung, dass es nur zwei gibt. Aber Herrn Voss ist das alles egal. Hauptsache, er kann Meinungen, die ihm nicht gefallen, zum Nazigedankengut erklären.

    Jedenfalls ein toller Artikel!

    Grüße von Matthias

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    1. Für Interessenten am segensreichen Schaffen von Herrn Voss sei auch das hier

      http://sciencefiles.org/2015/02/16/queer-links-feministisch-und-anti-der-gute-mensch-aus-merseburg/

      empfohlen!

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    2. ät Matthias:

      Ach hier bist Du. Daß wir wegen der grassierenden Gendermanie ernsthaft schreiben, daß es zwei Geschlechter gibt, macht mich irgendwie kribbelig.
      Freue mich schon auf eine Talg-Show mit Maischberger, wo Vossibär seine kruden Thesen zum besten gibt. Hoffe nur, daß Lucas Schoppe dann daneben sitzt. Sonst kommt am Ende noch raus, Vossi habe recht.

      Hast Du eigentlich vom "Fachtag" in Merseburg gelesen, der von der SPD-Stiftung gesponsert wird? Wobei ich mich frage, was da eigentlich bezahlt wird. Räume kriegt ein Prof. auch ohne Kohle, das kalte Buffet wird nicht die Welt kosten, und die Anreise für Kongresse eh nicht übernommen.
      Wahrscheinlich kriegt Vossibär für die Ausrichtung ein "Taschengeld". So 10.000,- schätze ich. Die Politstiftungen kriegen ihre Verschenk-Penunzen übrigens zu 100% vom Staat. Also vom Steuerzahler. Dient der "Demokratieförderung". Blöde Schmarotzer.

      Mal schauen, wer da ins verschlafene Merseburg dackelt. Wahrscheinlich nur die Genderdeppen aus Halle, die ihm die Professur zugeschanzt haben.

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  3. Hallo Lucas,

    besonders das Marathonbeispiel ist bezeichnend. Ich habe früher einmal, als ich noch eine andere Gewichtsklasse hatte, bei den 20KM von Paris am letzten Stand vor dem Ziel Verpflegung verteilt. Es waren immer auch Profis eingeladen, teilweise bezahlt. Aber auch beim Marathon oder Halbmarathon von Paris, wo ich bei KM 20 stand, das gleiche Spiel.

    Der Ablauf war immer gleich, erst eine Gruppe schwarzer männlicher Profiläufer, dann eine Gruppe europäischer männlicher Profiläufer, direkt danach kamen die ersten männlichen Amateure. Unter anderem auch ein 60jähriger Laufladenbesitzer aus Vincennes, der gleichauf mit der Gruppe der besten schwarzen Profifrauen lief...

    Es ist heute noch für viele supergut trainierte Amateure ein Ziel als "beste Frau" durchs Ziel zu laufen. Also die besten Frauen zu schlagen. Was Voss hier betreibt ist nicht nur Augenwischerei, sondern Scharlatanerie! Was nicht heißen soll dass ich an die Leistungen der besten Frauen anschließen kann... Trotzdem bin ich ein Mann PUNKT! Aber da sind wir wieder bei den Matriarchatstheoretikerinnen, die glauben dass es mit dem Eintritt der Patriarchate dazu kam das Frauen zuhause eingesperrt wurden und deshalb schwächer wurden... Kann man bei den Masuo und den Trobriandern sehr gut beobachten wie stimmig die These ist...

    Aber auch die Auszüge aus seinem Beschneidungsbuch sind bezeichnend. Er scheint in einer inneren Nazimanie zu leben, in der er alle anderen, selbst Mediziner, einfach mal Kompetenz abspricht und/oder in eine Naziecke rückt und sich selbst, bzw. seine Meinung über alles stellt. Auch das ist nicht progressiv sondern erinnert an eine Zeit als mal so komische Menschen die Vielgeschlechtlichkeit abgeschafft haben und Weltweit, sogar in Amerika und China ihre Ideologie von Mann und Frau durchgesetzt haben...

    Gruß
    Kai

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    1. Hallo Lucas,
      Gruß von Axel auf Alles Evolution. Matthias hat Werbung für Dich gemacht. :-)
      Schöner Artikel, dem man eigentlich nicht viel hinzufügen kann.

      Außer einer Sache: Du schreibst, daß das Geschlecht "natürlich auch sozial konstruiert" sei. Uff. Aua. Nee, der Begriff "soziale Konstruktion" ist meines Wissens poststrukturalistischer Herkunft oder zumindest nur dort zu finden. Aus der wissenschaftlichen Psychologie (Nebenfach) kenne ich den gar nicht. Da gibt es "Rollen"; als Vater, Muttter, Mann, Frau... Die Psychologen in meinen Seminaren haben das bemerkt, hoben aber längst nicht ununterbrochen auf Geschlecht & G-Verkehr ab, was bei Voß&Co. offenbar gar nicht mehr anders geht.
      Ich befürchte, die Genderologen haben eine derartige Deutungsmacht errungen, daß einige ihrer Gendersprech-Vokabeln mittlerweile automatisch in den Sprachgebrauch übergegangen sind.
      Eine Soziale-Arbeit-Studentin meinte mal zu mir, daß es ja ein "biologisches und ein soziales Geschlecht" gäbe. Wobei sie das noch zusätzlich im Genderseminar eingetrichtert bekam. Sie fragte sich allerdings gar nicht, was "soziales Geschlecht/soz. Konstruktion" bedeutet. Nun, es bedeutet, daß geschlechtstypische Verhaltensweisen samt und sonders anerzogen und daher komplett änderbar seien.
      Absoluter Humbug, wie uns die Wissenschaft lehrt. Unsere zwei Geschlechter sind wesentlich älter als die Menschheit, wie könnte da substantiell etwas durch Lernen geändert werden?

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    2. @Axel:

      »der Begriff "soziale Konstruktion" ist meines Wissens poststrukturalistischer Herkunft oder zumindest nur dort zu finden«

      Der Begriff »soziale Konstruktion« ist ziemlich breit angelegt und weder ursprünglich beim Gender-Thema entstanden noch auf dieses beschränkt. »Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit« von Berger und Luckmann ist da wohl *der* Klassiker. Das fällt unter »Wissenssoziologie« und hat mit Poststrukturalismus überhaupt nichts am Hut.

      Und auch das »Konstruierte« am Geschlecht ist nicht weiter spektakulär: dass es - hauptsächlich vermittelt über hormonelle Einflüsse - »männliche« Frauen und »weibliche« Männer gibt, ist nichts neues, und wenn von beiden dennoch erwartet wird, sich wie »typische« Männer und Frauen verhalten zu sollen, dann ist Geschlecht als »soziale Konstruktion« am Werk.

      Das kann man auch »Rolle« nennen, das impliziert dann nur, dass die *Rolle* eine »Konstruktion« ist. Eine Ideologie wird erst dann daraus, wenn unterstellt wird, dass es unterhalb der Konstruktionen *überhaupt nichts* mehr gäbe.

      Dementsprechend ist auch die Unterscheidung zwischen Sex und Gender eigentlich nicht weiter problematisch - sofern man sie nur nicht überreizt und gegen die Biologie auszuspielen versucht.

      Und dann gibt es ja noch die Typologien der differentiellen Psychologie, die m. W. auch nicht alles auf das Geschlecht zurückführen - sondern bestimmte Persönlichkeitstypen finden sich bei beiden Geschlechtern. Da hat wiederum eine Biologie der Geschlechter nur begrenzten Einfluss.

      Man kann das mit dem Klassenbegriff vergleichen: »Klasse« ist ein sinnvoller Grundbegriff der Sozialstrukturanalyse und keine böse kommunistische Erfindung - erst, wenn verlangt wird, dass jeder gefälligst seinen »Klassenstandpunkt« und seine »Klassenprivilegien« checken müsse, wird ein ideologischer Schmerz im Arsch draus.

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    3. Hallo Djad,
      hab grad mal bei Wiki nachgeschlagen: „Es ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus.“ Und was weiter unter Sozialk steht, kommt mir bestens bekannt vor (Ableitung Culturalstudies/ Genderscheiß). Also war meine Einschätzung sinngemäß eigentlich richtig, oder nicht? Leugnung der menschlichen Natur, unbeschriebenes Blatt, Kulturrelativismus etc.

      Was meinst Du mit „männlichen“ Frauen? Lesben? Oder eine Fußballverrückte und Technikverliebte? Ist trotzdem eine Frau. Daß ihr das Werkeln „verboten“ wird, würde ich eher als Klischee oder Weltbild bezeichnen – der Begriff „Konstruktion“ ist viel zu stark und deutet an, dass es Determinismus wie Gene nicht gäbe; er leistet also der Ideologie Vorschub. Grundlegende Eigenschaften wie Geschlecht rühren nach neuer wiss. Erkenntnis aber eindeutig von Genen her.

      Da gerade die GSGWler erfahrungsgemäß zur Schlagseite neigen, mal links, mal rechts, halte ich die Unterscheidung zwischen Sex und Gender für kontraproduktiv.

      Was die differentielle Psycho angeht, sind die größten Unterschiedsgruppen gerade Frauen und Männer. Das unregulierte Machtmotiv zB zeigt sich bei Frauen eher selten. Oder Aggression: Bei Männern tendenziell außerhalb der Gruppe, bei Frauen tend. innerhalb. Was Du andeutest, ist hingegen eine paritätische Verteilung. Wirst Du kaum finden.

      „»Klasse« ist ein sinnvoller Grundbegriff der Sozialstrukturanalyse…“ Mh, ja, früher mal. Nach der Übernahme durch die Marxisten würde ich das modernere „Milieu“ bevorzugen, oder auch „Schicht“.

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    4. Moin Axel,

      »Leugnung der menschlichen Natur, unbeschriebenes Blatt, Kulturrelativismus«

      Ich glaube nicht, dass man das aus dem Buch herauslesen oder damit rechtfertigen kann. »Keine Aussage« ist nicht dasselbe wie eine »negative Aussage«. Was einem Voß allerdings egal sein dürfte, der wird das Buch trotzdem für seine Zwecke kannibalisieren.

      »Was meinst Du mit „männlichen“ Frauen?«

      Zum Beispiel den »Tomboy«, das typische Mädchen mit Jungen-Interessen. Interessiert sich nicht für Puppen, sondern für Autos und spielt lieber mit den Jungs. Bei Lesben kommt noch Homosexualität hinzu. Das sind mehr als Klischees oder Weltbilder, das sind Verhaltensdispositionen, und die sind biologisch zustandegekommen, ohne strikt ans biologische Geschlecht gebunden zu sein. »Konstruiert« ist demgegenüber eine Forderung nach Einheitlichkeit, die meint, alle Mädchen müssten sich weiblich verhalten. Die Natur ist also variabler als die (»konstruierte«) Kultur. Das heißt noch lange nicht, dass es deshalb fünfzig oder so Geschlechter gäbe, es bedeutet aber, das nicht alle Persönlichkeitsmerkmale strikt mit dem biologischen Geschlecht kovariieren.

      »Was Du andeutest, ist hingegen eine paritätische Verteilung.«

      Habe ich damit nicht andeuten wollen. Es geht um das Verhältnis von statistischer Tendenz zum Einzelfall: im statistischen Mittel gibt es diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber eine konkrete Frau und ein konkreter Mann können von dieser Tendenz abweichen.

      »Milieu« und »Schicht« sind ebenfalls Grundbegriffe. »Klasse« ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man sich für Schichtung aufgrund ökonomischer Allokationsprozesse interessiert. Hängt letztlich von der genauen Fragestellung ab.

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    5. ät Djadmoros:
      Hups, da war noch was.

      "Ich glaube nicht, dass man das aus dem Buch herauslesen oder damit rechtfertigen kann. »Keine Aussage« ist nicht dasselbe wie eine »negative Aussage«. "

      Formal gebe ich Dir recht. Allerdings haben die modernen "Philosophen" und "Sozialwissenschaftler" à la Adorno und Marcuse sich selbst als schwer links identifiziert. Berger&Luckmann, auch in deutschsprachiger Tradition, scheinen sich da einzureihen.

      Wasa die Tomboys angeht, kann ich nur sagen: Testosteron ist natürlicherweise kein rein männlicher Steuerungsfaktor. In niedriger Dosierung auch für Frauen da. Evolutionär wahrscheinlich dafür vorgesehen, daß Frauen unter Bedingungen der Wildbeuter auch mal zugreifen.
      Ein Mädel à la "Sex and the city" dürfte es in der Steinzeit eher schwer gehabt haben, selbst mit Machomann.

      Leider schreit einer wie Voß dann sofort "Aha, es gibt biologisch also keine Geschlechter, alles fließt!"
      Deswegen würde ich zB in einer Debatte mit Voß vor Publikum mit solchen Erkenntnissen äußerst vorsichtig sein, weil er seinen platten Genderismus schnell raushauen kann; für eine biologische Erklärung aber ausgeholt werden muß.

      "»Konstruiert« ist demgegenüber eine Forderung nach Einheitlichkeit, die meint, alle Mädchen müssten sich weiblich verhalten."
      -Stimmt, aber wir leben nicht mehr in den 50ern. Außerdem zeigt gerade die Erfahrung in der Freiheit, daß Abweichungen vom geschlechtsspezifischen Verhalten eher selten sind. Im Gegenteil: je freier eine Gesellschaft ist, desto weiblicher verhalten sich die Mädels (s.o., Steinzeit).

      "»Klasse« ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man sich für Schichtung aufgrund ökonomischer Allokationsprozesse". Uff, mal "Allokation" gugeln.
      "Zuweisung oder Verteilung finanzieller oder anderer Mittel". OK, aber aus dem Soziunterricht kenne ich den Begriff "Klasse" als marxistisch definiert und somit ideologisch. Leider sind ja auch in den modernen "Schichten" oder "Milieus" Geldzuweisungen bzw. -Abzüge zu verzeichnen.
      Heißt, die breite Masse der Werktätigen kriegt nur wenig zurück von ihren Steuern. Das liberal-intellektuelle Miljöh hingegen kann über "Wissenschaftsförderung" (zB im Genderbereich..) richtig viel Volksvermögen umleiten.
      http://www.sigma-online.com/de/SIGMA_Milieus/SIGMA_Milieus_in_Germany/Liberal-Intellektuelles_Milieu_/#

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  4. Man gewinnt aber wirklich den Eindruck das ein überproportionaler großer Anteil der Gender-Studies Dozenten und Professoren Homosexuell sind oder das Gefühl haben nicht in das Schema Männlich/Weiblich zu passen.

    Da kommt bei mir die Frage auf, ob die in wirklich nicht nur versuchen irgendwelche Kindheitstrauma aufzuarbeiten.
    Also das Gefühl nicht "normal" zu sein los zu werden, in dem sie die angebliche "Heteronormativität" zerstören, um so nicht mehr von der Norm abzuweichen.

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    1. Die persönliche Motive können so sein, es bleibt aber spekulativ. Welche persönlichen Gründe Voß hat, ist ja - außer für ihn und sein soziales Umfeld - auch gar nicht entscheidend. Wichtig ist mir ein anderer, allgemeiner Punkt:

      Normalitätserwartungen erfüllen wichtige Funktionen für der Ordnung der Riesenmenge an Informationen, die uns täglich begegnen. Wir können unser eigenes Verhalten danach sinnvoll steuern, und wir können sinnvoll abschätzen, wie sich andere verhalten werden - weil wir mit gutem Grund davon ausgehen können, das wir weitgehend ähnliche Normalitätserwartungen haben. Zum Beispiel die Erwartung, dass es kein "normales" Verhalten ist, wenn mir jemand als Antwort auf eine freundliche Begrüßung einen Faustschlag ins Gesicht gibt - mit dieser Möglichkeit muss ich nicht kalkulieren, wenn ich auf andere freundlich zugehe.

      Ähnliches gilt eben auch für sexuelle Orientierungen. Wer als Mann mit einem Kollegen ausgeht, wird im Allgemeinen weniger mit einer Romanze rechnen, als wenn er mit einer Kollegin ausgeht. Wir lernen aber eben auch irgendwann, nicht aus allen Wolken zu fallen, wenn wir erfahren, dass der Kollege schwul ist - dass es also Abweichungen von unseren Erwartungen geben kann.

      Auf diese Weise können wir das Spektrum dessen, was wir als "normal" erwarten, mit der Zeit vergrößern. Ich kann mich durchaus erinnern, dass ich als Jugendlicher gegenüber Schwulen öfter mal befangen war (ich bin allerdings auch ab und zu mal auf recht unangenehme Weise angebaggert worden) - aber diese Befangenheit hat sich im Lauf der Zeit völlig gelegt. Wenn ich jetzt mit jemandem zusammensitze, der schwul ist, merke ich davon gar nichts mehr - es ist zu einem Teil der Normalität geworden.

      Und eben der Punkt ist mir wichtig: Es ist keine Lösung, Kinder und Jugendliche massiv in dem zu verunsichern, was sie für "normal" halten. Viel besser ist es, ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln, sie in ihrem Gefühl einer halbwegs sichern Identität zu stärken - und ihnen damit eine Basis zu geben, auch das, was ihnen fremd ist, allmählich als einen Teil der Normalität wahrnehmen zu können.

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    2. ät Lucas und Anonym:
      Ganz so spekulativ ist es nicht. Viele der bekannteren Genderprofs oder -Theoretiker sind homosexuell: Judith Butler, Anne Fausto, HJ Voß, Elisabeth Tuider. Und beim Anblick von Professix denkt man zunächst an einen Mann - was auf den hohen Testosteronspiegel von Hornscheidt schließen läßt.
      Mag hier nicht so interessieren, psychologisch hingegen aber schon. Sollen Leute mit deutlichen Störungen die Elite bilden? Deswegen haben wir die Monarchie eigentlich abgeschafft.
      Es mag Dispositionen geben, die von Vorteil sind, wie zB Borderline bei Showstars. In der Wissenschaft sehe ich pathologische Motive hingegen als äußerst gefährlich an.

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  5. Ach ja, die Vösschen und anderen Dingsdidelbums, sollten mal in die Bibliothek gehen und sich die drei Bände "Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart" von Eduard Fuchs von 1909 ausleihen. Da geht es in drei Bänden von vorne bis hinten um kulturell geprägte Sexualpraktiken. Heißa, wie da kreuz und quer und monogam wiepolygam und puritanisch wie exhibitionistisch, und auf was man sonst noch alles stehen könnte, durch die Jahrhunderte gevögelt wurde. Ach ja, und zu jeder Sexualpraktik gab es eine passende Aufregung und Moral. Und seltsam, heute in der anscheinend aufgeklärtesten Epoche aller Epochen, sollen nun die Unterschiede verschwunden sein, die den ganzen Spaß erst möglich machen. Ja, wenn man dem puplizierten Genöle über schlechten oder gar keinen Sex glauben würde, dann hätte die sinkende Geburtenrate tatsächlich mit der Ermüdung der konsturierten Sexualorgane zu tun und nicht mit einer Umwelt, in der kein Platz für Kinder mehr ist. Und das Ende vom Lied, es gibt weder Männlein und Weiblein, und trotzdem bringen sich mehr Männer um als Frauen und und und ... Herrgott, lass bitte Hirn regnen!

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  6. „Die Leistungen im Marathonlauf haben sich stark verändert. Während in den 1960er Jahren der Unterschied der Weltbestzeiten zwischen Männern und Frauen bei circa einer Stunde lag, hat er sich mittlerweile auf zehn Minuten reduziert.

    Selbstverständlich flacht die Leistungssteigerungskurve ab, je höher das Niveau, je professioneller der Sport betrieben wird. Würden die Frauen jedes Jahr den Weltrekord im Hochsprung um fünf Zentimeter steigern, dann würden sie in hundert Jahren so um die sieben Meter hoch springen.

    Der Genderisten liebstes Spiel ist die Umdeutung der Begriffe. Geschlecht als biologische Kategorie wird umgedeutet - im Genderjargon "dekonstruiert" - bis es mit der ursprünglichen Bedeutung nichts mehr gemein hat. Der Poststrukturalist vom Schlage eines Voss glaubt ernsthaft, dass durch den veränderten Gebrauch der Worte sich auch die Wahrnehmung vollständig ändere, dass die Sprache die Wahrnehmung vollständig moduliere. Deshalb ist jede argumentative Erwiderung mit dem Ziel, Poststrukturalisten und Radikalkonstruktivisten zu überzeugen, von vornherein aussichtslos.

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  7. Das ist ja mal ein schön differenzierter Blogpost, den ich vielleicht mal dem Staatsanwalt vorlegen sollte, damit der kapiert, daß ich nicht der einzige bin, der Voß für einen Scharlatan hält, sondern daß das auch tatsächlich stimmt und solche Typen an Universitäten weilen.

    Ich fürchte jedenfalls, daß sich Staatsanwälte kaum vorstellen können, daß es so etwas tatsächlich an deutschen Universitäten gibt. An dieser Stelle verweise ich auch noch mal auf Karsten Mende uns seine Betrachtungen zu Andreas Kemper ihm seinen absurden physikalischen Relativismus. Muß man sich mal auf dem Blog Die Kehrseite angucken.

    Kemper ist quasi der Begründer einer neuen Pippi-Langstrumpf-Relativitätstheorie.

    Aber noch eines, lieber Schoppe, du Lehrer Lempel. Als linker Männerrechtler solltest du dich mal richtig trauen, homophob zu sein.

    Es sind wohl 90% der bekannteren Gender-Leute homosexuell. Und gerade weil diese Leute zu diesem Thema solch hanebüchenen Unsinn verzapfen, sollte man sich mal Gedanken über die angebliche Natürlichkeit der Homosexualität machen. Man fragt sich ja schon, warum diese Leute solch ein Fabulieren nötig haben und so sehr die soziale Konstruiertheit des Homotums postulieren.

    Aber der Voß ist schon ein Typ, wo einem mulmig werden kann. Da werden bei mir finsterste DDR-Assoziationen wach. Ich meine dieses Ausmaß der "Selbstverlogenheit" und das unbekümmerte Amoklaufen im Apparat der Universität, null Gewissensbisse. Das ist tiefste moralische Verkommenheit.

    Und noch eins: Bei all diesen sogenannten Sexualwissenschaftlern hat man den sicheren Eindruck, daß die eigentlich sich selbst therapieren und kennenlernen wollen. Man denke auch an das zwanghafte Naturalisieren und Legitimieren jeder noch so absurden Pathologie.

    Als Lehrer sei dir übrigens Alice Miller ans Herz gelegt. Falls du mit Literatur, Kunst, Geschichte oder Politik zu tun hast, kann die Lektüre deinen Horizont erweitern, und nicht zuletzt als Vater wirst du besser mit dem seelischen Mißbrauch deines Sohnes durch die Mutter umgehen und ihn vielleicht ausgleichen können.

    Ich meine jedenfalls mitbekommen zu haben, daß du einen Sohn bzw. ein Kind hast, das die Tage bis zu den "Vatertagen" zählt. Du wirst sicherlich auch besser verstehen, warum du überhaupt an solch eine Frau geraten bist.

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    1. Hallo Kirk,
      wie sieht´s denn mit der Anzeige aus? Hattest Du mal Kontakt zu Piri aufgenommen? Hatte ihn ja auf FB angemailt, aber hat´s wegen Überfüllung nicht gelesen. Eigentlich ein gutes Zeichen: Politisch hat Pirincci im Volke erheblichen Rückhalt.
      Kennst Du die Folge von "Hjernevask"/Brainwash über die biologische Basis der Homosexualität mit meinem Namensvetter, Homoforscher Axel, der allen Ernstes behauptet, Schwule hätten sich bewußt entschieden, schwul zu sein? Zum Kugeln!

      Grüße

      Axel von AE

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    2. Hallo Kirk, ich kenn die Bücher von Alice Miller gut - eine Weile lang hab ich sie regelrecht begeistert gelesen, bis ich mich dann mehr und mehr davon distanziert habe. Aber das ist eine andere Geschichte.

      Die Überlegungen zur Homosexualität als Motor zu bestimmten Theorien halte ich nicht für falsch - ich finde sie nur sehr spekulativ. Was nützt es mir (oder irgendwem sonst), wenn ich darüber räsonniere, was wohl im Kopf von Voß passiert ist, als er seine Vorstellungen entwickelt hat? Das ist nun wirklich seine Sache.

      Was nicht spekulativ ist, ist eben die Auseinandersetzung mit dem Gehalt dieser Vorstellungen - das ist, anders als die höchstpersönliche Motivlage von Voß, eine Sache für die offene Debatte.

      Abgesehen davon: Dass viele, die sich intensiv mit Gender-Fragen beschäftigen, homosexuell sind, kann ganz einfach erklärt werden. Homosexuelle werden vermutlich immer wieder erleben, dass für sie etwas schwierig und erklärungsbedürftig bleibt, das für andere ganz selbstverständlich ist. Das heißt, dass der Reflexionsdruck ist für sie einfach größer ist.

      Pathologisches zu unterstellen ist dabei überhaupt nicht nötig.

      Pirincci geht mir übrigens mit seiner Holzerei auf die Nerven. Seine These, dass er damit Aufmerksamkeit schaffen würde, ist dämlich - er schafft zwar Aufmerksamkeit, aber er betoniert auch Fronten der Debatten. Er liefert zudem ein Spektakel - und kann dann bequem die Begeisterung der Zuschauer als "politischen Rückhalt" missverstehen.

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    3. @Axel

      Nichts Genaues weiß man nicht. Drei Monate läuft's jetzt. Hab noch keine Post bekommen.

      @Schoppe

      Was genau hat dich denn an Alice Miller begeistert? Und was hat dich wieder abgebracht?

      Ich fürchte, es ist der Reduktionismus-Vorwurf. Es gibt hunderte Möglichkeiten, sich die einfache Wahrheit vom Leib zu halten. Ich finde es traurig, wie lange die Menschheit noch braucht, um zu begreifen, daß sämtliche Gewalt auf diesem Planeten eine Widerspiegelung der Kindheitserfahrungen ist.

      Die Abwehrargumente sind jedenfalls häufig sehr trivial und leicht zu widerlegen. Erkennbar von der Angst vor der Wahrheit getragen.

      Das Räsonnieren über die lebensgeschichtlichen Hintergründe der Homosexualität ist eben nicht spekulativ. Es ist ein Teil des Puzzles. Genauso wie es die Frage nach den lebensgeschichtlichen Hintergründen für Hitlers Judenhaß ist. Diese Frage ist sogar wichtiger als Feststellung, daß Hitlers Taten und Ansichten falsch und menschenfeindlich waren.

      Deine Ausführungen zu den Motivationen homosexueller Gender-Forscher sind leider erkennbar abwehrbehaftet. Das ist die übliche Dramatisierung eines Homosexuellenlebens, womit diverse Merkwürdigkeiten erklärt werden, Stichwort z.B. die ach so schlimme Homophobie. Es sind recht oberflächliche Abwehrerklärungen. Mal eben so aus der Hüfte geschossen, damit Ruhe ist.

      Finde es ein bißchen simpel, diesen Homo-Gender-Überschuß mit dem Außenseiter- und Besonderheitsstatus zu erklären.

      Zielführender ist es wohl, von einer Pathologie und sexuellem Mißbrauch als Lebenshintergrund auszugehen. Das erklärt so manche Merkwürdigkeit in diesem Milieu. Aber mir ging es eher um all die anderen sexuellen Pathologien, die heutzutage naturalisiert werden.

      Deine Sichtweise zu Pirincci halte ich für interessengeleitet. Du hast halt deine Interessen, aber er macht halt sein Ding. Und die Frage ist, ob er wirklich der Sache der seriösen und sachlichen Feminismuskritiker schadet. Da müßt ihr mal aus eurem Ghetto herauskommen. :)

      Seht die Sache einfach etwas ganzheitlicher und "erotischer". Ich freue mich über Pirincci. Daß Voll-Sp***** wie der Voll-Voßten :) und andere auf Pirincci als Feindbild abfahren, kannst du wohl kaum letzterem ankreiden. Sähe die Sachlage anders aus, wenn es Pirincci nicht gäbe?

      Wurde Pirincci in dem tollen SWR-Machwerk erwähnt? Es ist einfach naiv, davon auszugehen, daß ohne WGVDL und Pirincci alles besser wäre und die seriöse Feminismuskritik besser dastünde.

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  8. Dementsprechend ist auch die Unterscheidung zwischen Sex und Gender eigentlich nicht weiter problematisch - sofern man sie nur nicht überreizt und gegen die Biologie auszuspielen versucht.

    Die Unterscheidung ist nicht problematisch, sondern notwendig. Oft wird "Gender" und "Geschlecht" synonym verwendet. Das ist es, was Voss letztendlich behauptet: Dass Geschlecht (als biologische Kategorie) und Gender ein- und dasselbe seien und eine Unterscheidung eine soziale Konstruktion ohne naturwissenschaftliche Basis.

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    1. Hallo Peter,
      (Alles Ev ist wohl komplett hierher verlegt? :-) )
      Im Englischen ist "sex" kaum noch zu lesen, wenn es nicht um Penetration geht. Zum Glück läßt der Begriff "Gender" im Deutschen die Menschen die Augen verdrehen; wobei ich hoffe, daß das so bleibt. Zum Glück kann die Allgemeinbevölkerung Dschender noch nicht mal richtig aussprechen - selbst Akif Piri sagt Gggender.

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