Donnerstag, 12. Februar 2015

Zeit für neue Lieder

Zu Christoph Kucklicks Das unmoralische Geschlecht. Vierter Teil
 
Nach der Auseinandersetzung mit Kucklicks Position im ersten Teil und den Bezügen von Kucklicks Analysen zu Beispielen aus den achtziger und neunziger Jahren (zweiter Teil) und der Gegenwert (dritter Teil) ist dieser Text nun ein Abschluss. Es geht darum, welche Konsequenzen sich aus Kucklicks Text für gegenwärtige Debatten ergeben können.
 
 
In den Kommentaren  zum vorangegangenen Artikel zitiert Stefan W. einen Satz aus dem Buch, der Kucklick unmittelbar anschließt an ein Konzept von Warren Farrell: das des disposable male, des rundum verfügbaren Mannes, oder auch – des Wegwerf-Manns. Über die Beschneidung schreibt Kucklick, schon ein Junge habe lernen müssen,
„dass sein Körper nicht ihm selbst, sondern dem Kollektiv gehört“. (324)
Kennzeichnend für die moderne Gesellschaft sei der Druck, für ganz unterschiedliche Funktionen – in unterschiedlichen Berufen, gegenüber den Institutionen – nutzbar zu sein und die eine Verfügbarkeit auch organisieren zu können. Diese „segmentierte Verfügbarkeit“ sei „zum Wesensmerkmal von Männern erklärt“ worden. (172)

Damit geht Kucklick noch über Farrells berühmte Begrifflichkeit hinaus. Eben gerade darum, weil Männer für die ökonomischen und sozialen Strukturen moderner Gesellschaften in hohem Maße verfügbar sein müssen, eignen sie sich auch als Repräsentanten moderner Strukturen, eben als „das moderne Geschlecht“ (12). Als Repräsentanten dieser Strukturen aber werden sie wiederum zur Projektionsfläche von Ängsten, in ihnen können sich Widerstände gegen moderne Entwicklungen sinnbildlich bündeln.

Dass sie dann aber, wie Kucklick wieder und wieder nachweist, als Tiere, als Monstren, als Gewalttäter dastehen, legitimiert wiederum ihre unbegrenzte Verfügbarmachung.

Diese sich selbst legitimierende, umfassende Nutzbarmachung korrespondiert mit einem haltlos idealisierenden Bild „der Frau“. Die Frau nämlich bleibe, so die moderne Phantasie, dieser umfassenden Vernutzung fern. „Besonders wichtig ist ihre Ferne zum Wirtschaftssystem, ihre Nicht-Käuflichkeit.“ (226)
 
Für den Mann ist die Frau damit gleichsam eine nahe, konkrete Utopie. Unter dem Druck der entfremdenden Verfügbarmachung ist sie hier gleichsam die Garantie, dass es noch so etwas wie eine unberührtes Menschsein gäbe, für das sich die eigene Entfremdung lohnt – und das selbst niemals ganz bezahlt werden könne.
 
Hier wird auch klar, dass es eigentlich überhaupt nicht um real existierende Männer und Frauen geht, sondern um Fantasien. „Mann“ und „Frau“ werden hier als Chiffren verwendet, mit denen die unüberschaubaren ökonomischen und sozialen Strukturen moderner Gesellschaften im Selbstverständnis der Beteiligten verankert werden.
"I'm a man!" - "Well, nobody's perfect." Dass sich durch die Verwandlung aller Menschen in Frauen auch alle Probleme moderner Gesellschaft  lösen würden, kann ruhigen Gewissens als seltsame Fantasie abgetan werden. Tony Curtis, Jack Lemmon, Marilyn Monroe und andere in Billy Wilders Some Like It Hot.
Klar wird aber auch, dass die Konzepte, über die Kucklick schreibt, tief bürgerliche Konzepte sind: Weder im Adel noch im Proletariat – bei Fabrik- oder Landarbeitern etwa, bei denen Männer und Frauen gleichermaßen selbstverständlich arbeiten mussten – hätte diese Geschlechterkonzeption einen Sinn ergeben.

Dass heutige Debatten Muster nachvollziehen, die Kucklick schon in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts beschreibt, war  Thema der beiden vorangegangenen Texte. Diese Strukturähnlichkeiten zeigen zumindest eines: Die Heldinnenerzählung ist nicht zu halten, dass nach einer jahrhundertelangen Dominanz patriarchaler Zuschreibungen die Frauenbewegungen des 20. Jahrhunderts endlich diese erstarrten Herrschaftsformen durchbrochen hätte. Diese Legende ist offenkundig selbst Teil eben der Strukturen, die zu analysieren sie vorgibt.


Dabei basiert die Annahme einer Männerherrschaft (ob sie nun als „Patriarchat“, als „heterosexuelle Matrix“ oder als „hegemoniale Männlichkeit“ daherkommt) auf einer gleich dreifachen willkürlichen Fixierung: der Fixierung sozialer, ökonomischer und politischer Fragen auf Geschlechterfragen – der Fixierung von Geschlechterfragen auf Herrschaftsfragen – und der Fixierung von Herrschaftsfragen auf die Fantasie einer umfassenden Männerherrschaft.

Anstatt pauschal, und damit ganz im Sinne der Ressentiments ihrer Verfechter und Verächter, gegen die Gender Studies zu schießen, übt Kucklick gegen solche Positionen eine konkrete und grundsätzliche Kritik. Bei ihm löst sich die Konstruktion eines Geschlechterkonflikts in drei andere Probleme auf, die voneinander abhängen:
 
Erstens die Überforderung durch moderne Wirtschafts- und Sozialstrukturen, kenntlich am Verhältnis von „Interaktion“ und „Gesellschaft“
 
zweitens in das Problem, dass diese Überforderung ausgerechnet im Geschlechterverhältnis gespiegelt werde, was weder einer Analyse moderner Gesellschaftsstrukturen noch einer Analyse von Geschlechterbeziehungen nutzen könne –
 
und drittens die Tatsache, dass die damit entwickelten, klischeehaften Konzepte von Mann und Frau mit realen Männern und Frauen sehr wenig zu tun hätten, aber zugleich sehr ernsthafte Konsequenzen für sie haben würden.
 
Wie man aus Angst und Überfluss Feindschaften bastelt (1) Die Interaktion markiert bei Kucklick, wie im ersten Teil beschrieben, einen Bereich des Konkreten, Vertrauten, Übersichtlichen, sinnlich direkt Wahrnehmbaren, in dem ein Mensch sich eines festen Platzes gewiss sein kann. Gesellschaft hingegen steht für abstrakte Strukturen, niemals ganz vertraut, unübersichtlich, unendlich, in denen ein Mensch sich verlieren kann – von deren Möglichkeiten er aber auch maßlos profitiert.

Das Ineinander von einem Überfluss, also einem Reichtum an Möglichkeiten, und massiven Überforderungsgefühlen angesichts dieses Überflusses prägt unverkennbar gegenwärtige Debattenlagen.
 
Ohne diese Überforderungsgefühle wäre es beispielweise nicht nötig, die Schuld an der weltweiten Wirtschaftskrise im Mann zu personalisieren (dazu mehr im zweiten Teil) oder Zukunftsängste auf Männer zu projizieren und dadurch einzuhegen („Das Ende der Männer“).  Ohne den Überfluss aber gäbe es überhaupt nicht die Möglichkeit, solche Ressentiments in Ministerien, Forschungseinrichtungen und Parteien zu institutionalisieren.

Vor allem: In einer Welt ohne Überfluss wird der Wert von Kooperation wesentlich deutlicher als unter Bedingungen des Reichtums, unter denen die Erträge der Kooperation wie selbstverständlich mitgenommen werden können. Das Geschlechterverhältnis als Nullsummenspiel hinzustellen, in dem die eine Seite nur gewinnen kann, wenn die andere verliert – das ist nur dann möglich, wenn ein großer zu verteilender Fundus immer schon vorhanden ist und scheinbar nicht erst, kooperativ, erarbeitet werden muss.

Es ist daher auch nur unter Bedingungen des unüberschaubaren Überflusses plausibel, die Idee einer grundsätzlichen Kooperation der Geschlechter als naiv und altbacken dastehen zu lassen, während die Idee einer Geschlechterfeindschaft als angemessene, politisch aufgeklärte Darstellung verkauft werden kann. Es braucht aber zugleich auch Ängste, um aus dieser Fantasie eines Konflikts Ressentiments zu gewinnen, die über die Jahrhunderte hinweg konserviert und erneuert werden.

Eine wesentliche Schlussfolgerung aus Kucklicks Analyse ist daher, dass die Fixierung auf Geschlechterdebatten grundsätzlich und durchaus absichtsvoll in Sackgassen führt. Öffnen lassen sich die abgeschotteten Strukturen dieser Debatten nur durch die Überlegung, welche allgemeinen Konflikte sich in der Fiktion eines Geschlechterkonflikts ausdrücken – welche Fragen nicht gestellt werden, indem sie als Geschlechterfragen gestellt werden – und auch, welche Herrschaftsinteressen es bedient, an der fixen Idee einer Männerherrschaft festzuhalten.
„Es ist nicht Männlichkeit, die zerstört, und es ist nicht Weiblichkeit, die rettet, sondern es sind Strukturlogiken, die ihren Lauf nehmen ganz unabhängig davon, welches Geschlecht jeweils einem der Vorgänge eingepasst wird.“ (336)

Warum Geschlechterdebatten männliche Verlierer brauchen  (2) So macht Kucklick unübersehbar deutlich, wie problematisch es ist, typische Konflikte moderner Sozialstrukturen im Geschlechterverhältnis zu spiegeln. Wodurch ergibt sich aber das nächste Problem, das der „negativen Andrologie“ – oder, einfacher gefragt: Warum kommen immer wieder Männer, und nicht Frauen, bei dieser Spiegelung so schlecht weg?

Es gebe, so Kucklick, „in der Gesellschaft keinen Platz mehr“ für die Kategorie „Geschlecht“ (214) – die Sortierung von Menschen anhand ihrer Funktionalität sei grundsätzlich geschlechtsblind. Diese „prinzipielle Befreiung von Geschlecht“ ist auf der vertrauten Ebene der Interaktion jedoch nicht vollzogen. Das aber ist eben gerade die Ebene, die als Ebene der „Weiblichkeit“ wahrgenommen werde – diese verbleibe auch in modernen Gesellschaften „in interaktionsnahen Funktionssystemen“ (225).

Das bedeutet: Wenn moderne Strukturen im Geschlechterverhältnis gespiegelt werden – dann werden diese Strukturen auf einer Ebene gespiegelt, die grundsätzlich weitaus eher als weiblich denn als männlich wahrgenommen wird. Einfach formuliert: Geschlechterpolitik ist grundsätzlich Frauenpolitik – Geschlechterforschung ist grundsätzlich Frauenforschung.

Belege für „den negativ andrologischen Bias unserer Geschlechterideologie“ (336) finden sich zwanglos und massenhaft – ein putziges Beispiel ist etwas die Empörung von Gleichstellungsbeauftragten über die Idee, dass Gleichstellung auch Männer- und nicht nur Frauenförderung bedeuten könne.  Werden die Belange von Männern oder Jungen explizit zum Thema gemacht, dann nicht in ihrer eigenen Perspektive, sondern in einer argwöhnischen Perspektive auf sie, beispielweise als „angry white men“ bei Michael Kimmel oder als „toxische Männlichkeit“ bei Raewynn Connell.

Die Frau steht hier, als Repräsentantin der Interaktion, eben für das immer schon Vertraute und das immerzu Vertrauenswürdige. Mami. Der Mann hingegen steht für etwas Fremdes, das in dieses Vertraute einbricht, für etwas unüberschaubar Bedrohliches.
 
Ironischerweise haben damit Vertreter des Postrukturalismus ganz recht, wenn sie ihre zentrale Idee auf das Geschlechterverhältnis übertragen, Strukturen würden sich immer über die Ausgrenzung des Anderen definieren. Es ist nur eben nicht die Frau, sondern der Mann, der in Geschlechterdebatten notorisch das Andere und Fremde bleibt – weil sich diese Debatten durch seine Ausgrenzung überhaupt erst strukturieren.

So ist es ganz verständlich, dass Männer diesen Debatten meist fernbleiben: Sie sind gleichsam Spiele, in denen die Karten immer schon zu Ungunsten von Männern gezinkt sind.


Weibliches Gedöns und männliche Männerfeindschaft (3) Es gibt aber möglicherweise noch einen wichtigeren Grund für das Desinteresse vieler Männer am Gedöns“ der Geschlechterdebatten. Es gibt nun einmal unter modernen Bedingungen keine „Einheitlichkeit der Männlichkeit“, sondern es gibt Männlichkeiten „nur im Plural“ (149). Männer identifizieren sich weitaus eher mit verschiedenen Funktionen – ihrer beruflichen Position und Tätigkeit, in ihrer Funktion als Versorger der Kinder und der Familie – als allgemein mit ihrer Geschlechtszugehörigkeit.

Da es aber gerade zum Mannsein gehört, sich gar nicht vorwiegend als Mann, sondern eher als Lehrer, Biologe, VW-Mitarbeiter, Vater, Versorger etc. wahrzunehmen – daher nehmen die meisten Männer selbst massive antimännliche Ressentiments auch gar nicht als etwas wahr, was sie direkt betrifft. Die Feindseligkeit dieser Ressentiments wird für viele erst dann zum Thema, wenn sie Bereiche bestimmt, mit denen sie sich tatsächlich identifizieren – wenn sie beispielsweise nicht mehr Vater sein können, weil sie als Mann nur ein massiv begrenztes Sorgerecht haben.

Gleichwohl ist die klischeehafte Rede von Mann und Frau für Frauen nicht allen deshalb schon von Vorteil, weil sie für Männer von Nachteil ist. Die durch Kucklick beschriebene Idealisierung von Frauen ist eben nur dann aufrecht zu erhalten, wenn Frauen weitgehend aus funktional bestimmten Institutionen herausgehalten werden.
 
Es hat also kaum einen Sinn, die feministische Idee einer Männerherrschaft schlicht durch eine Idee der Frauenherrschaft zu ersetzen. Was schlecht ist für Männer, ist deswegen noch nicht gut für Frauen – und wenn Männer sich hilflos fühlen, bedeutet das nicht, dass Frauen herrschen.

Eine Ent-Idealisierung von „Weiblichkeit“ durch die stärkere Einbindung von Frauen in die Hierarchien ist für Männer wie für Frauen mit Vorteilen verbunden, aber auch mit Enttäuschungen:
„Je mehr Frauen in Führungspositionen aufsteigen und gegen alle Widerstände die Spitzenpositionen von Hierarchien besetzen, je mehr sie in das Geschehen auch jener Funktionssysteme inkludiert werden, die ihnen in der Moderne zunächst verschlossen waren, je mehr die Barrieren also endlich wegbrachen, umso deutlicher wird erkennbar, was sich am Gefüge der Moderne verändert: nichts.“ (336)
Der heutige Feminismus lässt sich dabei auch als Versuch verstehen, dieser humanen Entzauberung mit einer erneuten Sakralisierung von Weiblichkeit zu begegnen: als Zukunft der Menschheit (von Mitscherlichs Die Zukunft ist weiblich bis zu Rosins Das Ende der Männer) – als eigentlich humane Substanz der Gesellschaft, auf deren beständiger Opferung die gesamte männliche Herrschaft aufbaue – als Garantie eines freien Blicks, des female gaze, der nicht durch männliche Herrschaftsinteressen korrumpiert sei (dazu im dritten Teil mehr).

Den Feminismus oder feministische Männerfeindlichkeit aber als das wesentliche Problem für Männer und Jungen zu beschreiben, verwechselt Symptom und Krankheit. Da Männer weiterhin stärker als Frauen in die entfremdenden Strukturen moderner Arbeitswelt eingebunden sind, haben sie prinzipiell sogar ein noch größeres Motiv als Frauen, sich das Gegenbild eines unverfälschten, eigentlich humanen Menschseins zu bewahren – in die Frau das hinein zu fantasieren, was ihnen in ihrem Leben fehlt.

Wenn daher männerfeindliche Männer als „lila Pudel“ oder als „Manginas“ bezeichnet werden, dann ist das nicht nur – wie schon Christian Schmidt deutlich macht – eine ressentimentgeladene Abwertung, sondern auch eine Verharmlosung. Die Formulierungen führen nämlich männliche Männer- und Jungenfeindlichkeit allein darauf zurück, dass Männer sich Feministinnen gegenüber unterwürfig und kriecherisch verhalten – und leugnen unterschwellig die Möglichkeit, dass sie ganz eigene Gründe für diese Feindseligkeit haben könnten.

Ein atemberaubendes Beispiel einer männlichen Männer- und Jungenfeindlichkeit, die mit feministischen Ideen kaum etwas zu tun hat, ist für mich ein Fall, der einer der schlimmsten Justizskandale der Bundesrepublik Deutschland ist – der aber außer ein paar kritische Juristen und Väter- und Männerrechtler fast niemanden nachhaltig interessierte: Der Fall Kazim Görgülü.

Der türkische Staatsbürger Kazim Görgülü lebte von 1997 bis 1999 in einer nichtehelichen Beziehung mit einer Frau in Deutschland. Die Frau wird von ihm schwanger, trennt sich aber von ihm. Er erfährt erst spät von der Schwangerschaft und erst nachträglich von der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Zu diesem Zeitpunkt hat die Kindesmutter den Sohn schon, ohne Wissen des Vaters, zur Adoption freigegeben, das Jugendamt bringt ihn bei Pflegeeltern unter.

Kazim Görgülü bemüht sich nun um das Sorgerecht für seinen Sohn, die Pflegeeltern hingegen beantragen die Adoption des Kindes. Besonders brutal urteilt schließlich das Oberlandesgericht Naumburg: Es zweifelt zwar nicht an Görgülüs Fähigkeit zur elterlichen Sorge, erkennt ihm aber gleichwohl das Sorgerecht ab und setzt sogar sein Umgangsrecht aus.
 
Eine befristete Aussetzung des Umgangs ist oft das Ende des Kontakts von Vater und Kind für lange Zeit.

Görgülü geht vor das Verfassungsgericht, das seine Beschwerde nicht annimmt. Drei Jahre später aber, 2004, entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass durch die Entscheidung des OLG Naumburg die Europäische Menschenrechtskonvention verletzt worden sei. Nun wird endlich auch das Verfassungsgericht tätig und hebt den OLG-Beschluss auf, das Amtsgericht Wittenberg überträgt Görgülü zumindest ein Umgangsrecht.

Der aber muss noch einmal bis vor den Bundesgerichtshof gehen, bis er 2008 endlich vom Amtsgericht Wittenberg das Recht erhält, für seinen Sohn sorgen zu dürfen – nach fast zehn Jahren der verbissenen Blockade durch deutsche Ämter und Gerichte, die ohne den Beschluss des Europäischen Gerichtshofs niemals aufgehoben worden wäre.

Tätig wird aber auch die Staatsanwaltschaft Halle und erhebt 2006 Anklage wegen Rechtsbeugung gegen die drei Richter des OLG Naumburg. Schließlich entscheidet das Oberlandesgericht Naumburg selbst zu Gunsten der Kollegen vom Oberlandesgericht Naumburg und lehnt eine gerichtliche Anklageerhebung endgültig ab.
 
Interessant ist die Begründung: Zwar hätten die Richter des OLG in Ausübung ihres Amtes wissentlich basale Rechte Görgülüs verletzt, ihr Beschluss sei aber von einem Kollegialgericht, also von drei Richtern getroffen worden. Da alle drei die Aussage verweigerten, könne nicht festgestellt werden, ob nicht einer von ihnen gegen den Beschluss gestimmt habe und also der Rechtsbeugung nicht schuldig sei.

So können die drei Skandalrichter Deppe-Hilgenberg,  Materlik und Kawa nun, wie ein juristischer Kommentator schreibt, „fröhlich weiterjudizieren“. 

Hier sind es Männer, nämlich männliche Richter, die wissentlich und vorsätzlich basale Rechte eines anderen Mannes und eines Jungen massiv verletzt haben – und es sind Männer, die sie dabei geschützt haben.
 
Es hätte überhaupt keinen Sinn, solche Strukturen dem Feminismus anzulasten.

Deutlich wird durch das weiträumige Desinteresse an dem Skandal aber auch: Selbst massive Diskriminierungen von Migranten sind für die wackere rotgrüne deutsche „Linke“ völlig in Ordnung, solange sie nur zugleich ihre eigene Geschlechter-Ressentiments bedienen. Die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, SPD, wies beispielweise desinteressiert und begründungslos den naheliegenden Vorwurf zurück, bei der Entscheidung des OLG Naumburg hätten auch „rassistische Gedankengänge“ eine Rolle gespielt.
 
Dabei ist der Fall gerade in dieser Hinsicht durchaus bezeichnend: Vätern „mit Migrationshintergrund“ fällt es allgemein noch schwerer als anderen Vätern in Deutschland, ihre und ihrer Kinder Rechte in Ämtern und vor Gerichten zu vertreten, weil sie – offenbar zurecht – befürchten, dass die Diskriminierungen als Migranten und als Väter sich miteinander potenzieren könnten.


Ein neues Lied, ein besseres Lied - auf stumm geschaltet Für Kucklick steht seine Dissertationsschrift „im Umfeld neuere Werke der Gender-Studies“. (32) Seine Pointe ist jedoch nicht allein, dass sich in negativen Männlichkeitsbildern jahrhundertealte Klischees ausdrücken – sondern auch, dass diese Klischees besonders nachdrücklich und unreflektiert eben gerade dort transportiert werden, wo die Beteiligten eigentlich den Anspruch erheben, Geschlechterverhältnisse zu reflektieren und zu analysieren.

Die Gender Studies waren offenkundig nicht bereit oder nicht in der Lage, auf diese Provokation zu reagieren – es gibt kaum eine Auseinandersetzung mit Kucklick, in eine akadamische Karriere mündete er mit seiner Dissertation nicht ein.

Dass akademische Institutionen so weiträumig und offenbar vorsätzlich versagen, hat Konsequenzen auch für Debatten im Netz und anderswo. Einer Geschlechterdebatte, die Perspektiven von Männern und Frauen, Mädchen und Jungen gleichwertig berücksichtigt, fehlt gleichsam das Hinterland. Diejenigen, die das Privileg und die Aufgabe haben, mit Zeit, Distanz und Überblick zu Geschlechter-Themen zu arbeiten, verweigern sich dieser Aufgabe durchaus konsequent.

Im Netz und in Massenmedien hingegen bannen immer neue, schnell hochgepushte und schnell wieder verschwundene Aufregungen die Aufmerksamkeit auf den Moment.
Maskus belagern Anne Wizoreks Buch! Eine Frau geht durch New York und wird permanent belästigt! Der Uni-Campus ist ein Hort der Rape Culture! Ein Forscher trägt ein sexistisches Hemd!
Das lässt sich bis ins Unendliche so weiter führen. Auch und gerade dann, wenn Männer dagegen halten, fixieren diese momentanen Aufregungen den Blick und sorgen dafür, dass er sich nicht weiten kann.

Eben das ist bei Kucklick anders: Geschlechterdebatten weiten sich bei ihm über die Jahrhunderte hinweg, aber vor allem verknüpfen sie sich mit anderen Themen und werden so relativiert. Wer dagegen „Gender“ – wie es beispielweise der Sozialpädagogik-Professor Uwe Sielert tut – für „omnirelevant“ erklärt, stattet die Kategorie Geschlecht mit göttlichen Attributen aus und entzieht sie damit der Analyse.


Die Arbeit, die für die es eigentlich die Universitäten gibt, ist in meinen Augen eben deshalb sehr wichtig, weil sie den Blick löst von der Fixierung auf eine immerwährend-gegenwärtige Aufregung. Deshalb habe ich gehofft, eine Beschäftigung mit Kucklicks Buch über mehrere Texte hinweg könnte lohnend sein, weil sie ein kleines Gegengewicht bildet gegen das Verschwinden in immer neuen Aufgeregtheiten.

Im Blog Maskulismus für Anfänger gibt es ja schon eine Plattform, auf der in ruhigem Ton verfasste Überblicksartikel stehen. Bei Alles Evolution erscheinen jeden Tag neue Texte, aber immer wieder auch zusammenfassende Analysen und Überblicke.
 
Vielleicht können Texte auch einmal gemeinsam, etwa in einer Neu-Auflage der Blogparaden, besprochen und analysiert werden. Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik ist in meinen Augen sehr gut geeignet dafür – die Teilnehmer könnten sich einfach auf Schwerpunktkapitel verständigen. Ähnliches gilt für Warren Farrells The Myth of Male Power, das vor Kurzem  mit neuem Vorwort neu als E-Book aufgelegt wurde.

Wichtig ist in meinen Augen auch, sich stärker – und stärker fordernd – an Diskussionen in Institutionen zu beteiligen, beispielsweise das Bundesforum Männer oder Gender Studies-Veranstaltungen nicht ruhig im eigenen Saft schwimmen zu lassen. Der Stadtfuchs hat in diesem Sinn einmal über eine Diskussionsrunde mit Ilse Lenz berichtet.
„Es erfordert große Selektivität und einen erheblichen Willen zum Immergleichen, auch im Geschlechterdiskurs um 1900 nur das alte Lied von weiblicher Unterdrückung und männlicher Herrschaft zu hören (…).“ (329)
So Kucklick über die Klischees heutiger Geschlechterstudien. Zu einem neuen Lied und besseren Lied hat er selbst schon eine ganze Reihe von Tönen beigesteuert. Es ist auch schon lange Zeit dafür.


 
Die kleine Winterreihe über Kucklicks Text ist nun vollständig.

1. Warum Männerfeindschaft modern ist (Kucklicks Theorie der „Negativen Andrologie“)

2.1 Der liebesunfähige Mann: Vom alten Klischee zur revolutionären Neuheit (Die achtziger und neunziger Jahre)

2.2 Politik und Kinderfeindschaft (Die Gegenwart)

3. Zeit für neue Lieder (Konsequenzen für heutige Debatten)

Empfehlenswert, insbesondere im Hinblick auf den Hintergrund von Kucklicks Theorie in Luhmanns Systemtheorie: Warum die moderne Gesellschaft niemals ein 'Patriarchat' gewesen ist (von djadmoros
 
Das Blog Maskulismus für Anfänger bietet eine kurze Einführung und eine kommentierte Leseliste zu Kucklicks Text an.



Alle Zitate, soweit nicht anders angegeben, stammen aus
Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der negativen Andrologie, Frankfurt am Main 2008
 

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für den Text - ist der jetzt eigentlich eine Koproduktion von Elmar und Lucas oder ein »reiner Elmar«? :-) Ich würde da gern ausführlich drauf antworten, verschiebe das aber besser auf meinen nächsten GA-Post.

    Nur eine bei der Lektüre entstandene spontane Idee: enteignen wir den Feminismus, indem wir ihm das Geschlechterthema *wegnehmen* (»Geschlechterforschung ist Frauenforschung«)! Dazu ist unter anderem wichtig, die analytischen Dimensionen zu »entzerren« und nicht alle Probleme, denen Männer ausgesetzt sind, dem Feminismus oder einer »Femokratie« zuzuschieben. Das ist eine eminent wichtige Differenzierung, die obiger Blogpost vornimmt. Denn nur dann entsteht eine *unabhängige* Analyse, die sich nicht dadurch vom Gegner beherrschen lässt, dass sie von einem Feindbild des Gegners beherrscht wird. Wer den Feminismus *überwinden* will, muss zunächst in der Lage sein, sich von der Fixierung auf diesen zu *lösen*.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Wer den Feminismus *überwinden* will, muss zunächst in der Lage sein, sich von der Fixierung auf diesen zu *lösen*."

      Guter gesprochen, @djadmoros. Das Problem ist aber in meinen Augen nicht, dass man sich löst, sondern eher angewidert abwendet.

      Wie Lucas schon schrieb, wurde dies Alles als "Gedöns" abgetan - und man drehte sich um bzw. zeigte die Kehrseite und wurde dafür zum Arsxxloch deklariert.

      Das viele Männer sich einfach entnervt wegdrehen, das hat nicht nur mit dem aktuellen Familienrecht, Frauenquoten o.ä. zu tun. Sondern es ist ein Reflex darauf, was man tagtäglich in die Hirne pressen möchte. Es ist ein 'Gedöns', welches nur noch Abwehr und -kehr evoziert.

      Schoppe wies zurecht im Umfeld Görgülü darauf hin, dass es nicht nur Frauen sind, sondern auch Männer, die diesem 'Schweinkram' treu und standhaft folgen.

      Da liegt u.a. auch eines der genannten Probleme. Ob das nun ein "Stockholm-Syndrom" ist oder andere Urachen hat, das sei mal dahingestellt.

      Löschen
    2. @emannzer:

      Ich glaube, dass diese angewiderte Abwendung daher kommt, dass nicht konkret biografisch betroffene Männer die Widersinnigkeit feministischer Kapriolen zwar wahrnehmen, aber keine Verbindung zum Thema herstellen können: es geht sie nichts an, außer dass es ihnen manchmal irgendwie im Weg steht.

      Kucklicks Analyse stellt eine solche Verbindung »über Bande gespielt« her. Was fehlt ist, dass sein Grundgedanke zu einer selbstverständlichen Denkfigur in der öffentlichen Debatte wird, die zwischen dem angewiderten, aber ohnmächtigen Sich-Abwenden und der Hegemonie der feministischen Ideologie keinen Raum bietet. Theoriearbeit ist Diskursarbeit, und sie muss den Weg von den Kommandohöhen der Begriffe hinunter ins publizistische Jammertal finden. Damit sich auch nicht privat Betroffene im Thema wiedererkennen können.

      Ich würde Arnes Perspektive daher sogar umkehren: in den letzten Jahren ist eine enorme empirische, »phänomenologische« Arbeit zur Benachteiligung und Diskriminierung von Männern geleistet worden - aber ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit leidet weiterhin darunter, dass sie nicht den Erwartungen der Theorie entsprechen - und zwar nicht nur nicht der feministischen Theorie (das versteht sich von selbst), sondern aufgrund der von Kucklick analysierten Zusammenhänge auch dem alltäglichen Plausibilitätsempfinden der »bürgerlichen Öffentlichkeit« nicht.

      Das heißt, es würde jetzt darum gehen zu zeigen, warum Männerdiskriminierung nicht nur eine Tatsache, sondern obendrein *systematisch zu erwarten* ist.

      Löschen
    3. Bei Kucklick geht es nur indirekt um "Diskriminierung", direkt um "negative Andrologie", also um massive Abwertungen von Männern - moralisch, als Menschen, als Mitmenschen, als Bürger. Dass die "systematisch zu erwarten" sei, macht Kucklick - so hab ich ihn zumindest verstanden - durchaus deutlich.

      Die modernen Geschlechterbilder spiegeln beängstigende, unüberschaubare Prozesse im Bereich der "Gesellschaft" auf der überschaubaren, vertrauten Ebene der "Interaktion" wieder. Das bedeutet aber auch: "Geschlechterdebatten", Geschlechterforschung, Geschlechterpolitik bewegen sich grundsätzlich auf einem Gebiet, das deutlich weiblich konnotiert ist. Zugleich sorgen sie dafür, dass es auch weiblich konnotiert bleibt.

      Das führt zu dem paradoxen Resultat, dass über "Geschlechter" bzw. "Gender" geredet wird, INDEM Männer aus dem Gespräch ausgegrenzt werden. So theoretisch das bei Kucklick auch daherkommt - diese Struktur finden wir ja täglich vor, im konkreten Alltag: vom programmatisch einseitigen Aufschrei-Hype im Netz bis zur Struktur eines "Familienministeriums", das es schafft, fast alle Bevölkerungsgruppen in seinem Namen unterzubringen und dabei regelrecht demonstrativ die Männer außen vor zu lassen.

      Der heutige Feminismus ist offenkundig Teil dieser Strukturen, und er ist verbissen darum bemüht, diese Strukturen auch aufrecht zu erhalten. Wer aber auf den Feminismus fixiert bleibt, oder auf die Konstruktion eines Geschlechterkrieges – der löst sich eben gerade NICHT von dem untauglichen, aber sehr erfolgreichen Versuch, gesellschaftliche Ängste und Überforderungen in Geschlechterfantasien zu spiegeln.

      Die Görgülü-Richter und wiederum deren Richter stehen für eine Männerfeindlichkeit, von der der heutige Feminismus ein Teil ist – die aber nicht insgesamt feministisch ist. Für diese Feindseligkeit gibt es sehr starke Motive auch im Leben vieler MÄNNER. Wer etwas gegen diese Feindseligkeit tun will, landet daher immer wieder in Sackgassen, wenn er „die Feministinnen“ als Hauptgegner oder überhaupt „die Frauen“ als Gegner wahrnimmt.


      Elmar übrigens hat diesen Text reblogged, was ich gut finde, weil es ja schön ist, wenn der Text oft gelesen wird. Ich hab von dem Rebloggen vorher nichts gewusst – was für mich völlig in Ordnung ist. Ich hab an der Kucklick-Lektüre Ende des letzten Jahres ein paar Wochen gesessen (ich fahr ja genug Zug, weil unser Sohn mit seiner Mutter so weit weg wohnt – da komm ich viel zum Lesen und Schreiben), und dann hat es eine Weile gedauert, bis ich im Kopf hatte, wie ich dazu schreiben kann. Elmar war daran nicht beteiligt, ich finde es (wie erwähnt) aber sehr gut, dass er den Text weiter verbreitet.

      Löschen
    4. @Schoppe: Interessant - wie komme ich darauf, dass Elmar beteiligt war? Vermutlich, weil er ebenfalls angekündigt hatte, etwas zu Kucklick zu schreiben, und er Deine Posts so zeitnah rebloggt hat, dass ich sie anfangs für Gastartikel gehalten habe. Wohlan - möge mein Dank vorerst über Dir allein regnen! :-)

      Löschen
  2. Meinen ausdrücklichen Respekt vor dieser Leistung, ein hochkomplexes Thema, wie das Buch von Kucklick so zu strukturieren und kommentieren.

    Ich war da etwas platter, als ich über sich hassende Versager schrieb.

    Meinen Dank an dich, Lucas, dass du dieses sperrige Thema so gut aufbereitet und strukturiert hast. Vieleicht, hoofentlich, bingt es das "zottelige Nutztier", genannt Mann, auch als disposable man bezeichnet, gegebenenfalls zum Nachdenken bzw. zu einem längst notwendig erscheinenden Widerstand gegen dieses 'Environment' (die Umgebung, das Milieu)

    Und eventuell gehen danach Frauen und Männer wieder gemeinsam ernten ...

    AntwortenLöschen
  3. Auch von mir einen herzlichen Dank.

    Für eine Blogparade würde ich vorschlagen, dass man sich vielleicht dem "Unmöglichen Verbrechen" konzentriert, also Vergewaltigung von Männern durch Frauen, welches in "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" behandelt wird. Einfach mal, damit man schnell auf entsprechende Seiten verlinken kann, wenn wieder mal von dieser unsäglichen "Rape-Culture" die Rede ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Kommentar!

      Es war tatsächlich auch eine Idee von mir bei dem Gedanken einer Blogparade zum "Plädoyer", dass Hinweise auf seine Themen - und auf die ungeheure Menge an Informationen darin - dann im Netz gut verfügbar und zugleich strukturiert wären. Die Texte dürften halt nicht den Eindruck erwecken, dass sie die Lektüre ersetzen, sondern würden gewissermaßen Hinweisschilder auf eine solche Lektüre sein.

      Löschen
  4. Arnes Einwand gegen die hiesige ausführliche Kucklick-Exegese verstehe ich jetzt leider überhaupt nicht: er beanstandet sinngemäß, dass das zu viel Beschäftigung mit »Theorie« darstellt und die Männerbewegung von politischer »Praxis« abhält.

    (1) Ein *Kernstück* der männerrechtlichen Kritik besteht in *Medien- und Diskurskritik* - auch Arne selbst greift diesen Schwerpunkt immer wieder auf. Ich frage mich, wie es bitteschön gelingen soll, männerrechtlichen Themen mehr Gehör zu verschaffen, wenn es nicht unter anderem auch gelingt, das *Koordinatensystem* zu verschieben, in dem die Geschlechterthematik publizistisch einsortiert wird. Mit einer solchen Verschiebung darf genau dann gerechnet werden, wenn Leitfiguren und Multiplikatoren des Medienbetriebs auf einen Wandel des intellektuellen Klimas reagieren, und einen solchen stößt man m. E. mit anspruchsvollen Analysen an. Ich glaube nicht, dass die Erfolge der Frauenbewegung ohne ihre Theoriearbeit und das daraus resultierende Schrifttum zustande gekommen wären.

    (2) Ähnliches gilt m. E. für die Universitäten: wer, wenn nicht eine unabhängige, gebildete Öffentlichkeit, soll das Versagen der Universitäten denn sonst kompensieren? Institutionalisierte Wissenschaft ist reputationsabhängig - und solange die Reputation von Männerthemen (außerhalb der feministisch kodierten Männerforschung) so »bäh« ist wie die Beschäftigung mit Ufos, werden die betreffenden Lehrstühle ihren Arsch *niemals* hochkriegen.

    (3) Jeder so, wie er kann. Ich für meinen Teil kann neben Beruf und Teilzeitvaterschaft noch genau eines: nämlich schreiben. Also wird mein Beitrag auch weiterhin in der Produktion von Texten bestehen - und ich freue mich, dass es Lucas/Elmar geschafft haben, eine noch wesentlich ausführlichere und auch lesbarere Auseinandersetzung mit Kucklick abzuliefern als ich selbst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich schließe mich deiner Einschätzung an, mit Ausnahme des dritten Punktes. Deine Auseinandersetzung mit Kucklick hat ja gerade durch ihre Lesbarkeit beindruckt! Auch ich hoffe, dass fundierte theoretische Analysen die Aufmerksamkeit potentieller Mitstreiter erregt. Ehrlich gesagt, hoffe ich es nicht nur - ich bin davon überzeugt. Warum ist die Reputation von Männerthemen so "bäh"? Sicher wegen des Looser-Image vom Männerrechtlern. Daher müsste nach meiner Meinung, die theoretische Analyse auf einen positiven Horizont gegründet werden. Was nutzt der Nachweis strukturimmanenter Männerfeindlichkeit, wenn Männer selbst zum großen Teil diese Strukturen befestigen? Wir könnten dann nur, wie die Feministen, ungerechte Strukturen beklagen. Das ist nicht sexy. Besser ist es, junge kritische Köpfe für eine coole Sache zu gewinnen. Ich habe leider genause wenig Zeit wie du. Ich hätte gern mehr Ressourcen, um einen gemeinsamen Horizont, ein neues Paradigma, Fundament oder wie immer man das nennen will, zu erkunden.

      Löschen
    2. "...die Männerbewegung von politischer »Praxis« abhält."

      Welcher Praxis? Die einzige Praxis die man ausführen muss ist die generelle Leistungsbereitschaft, die Männer 24/7 zeigen, auszusetzen und ein Jahr Urlaub zu machen. Dann hat man(n) tatsächlich einen Hebel. Momentan jedoch erinnert das Verhalten der hiesigen Männerrechtler an das eines Gewerkschaftsführers dem immer erst nach Arbeitsschluss einfällt das er ja noch Forderungen an den Vorstand hat.

      Löschen
    3. "... wenn Leitfiguren und Multiplikatoren des Medienbetriebs auf einen Wandel des intellektuellen Klimas reagieren, und einen solchen stößt man m. E. mit anspruchsvollen Analysen an. "

      Anspruchsvolle Analysen sind gut und wünschenswert, nur glaube ich nicht, daß außerhalb entsprechend interessierter Kreise bewegen. Sie wird sicher nicht die Hetzpropaganda von Frau Groll beenden oder die Volksverdummungsversuche von Frau Schwesig.

      "Ich glaube nicht, dass die Erfolge der Frauenbewegung ohne ihre Theoriearbeit und das daraus resultierende Schrifttum zustande gekommen wären."

      Die Erfolge der Frauenbewegung kamen nach meiner Wahrnehmung völlig ohne tiefergehende Theorien aus. Ich wiederhole der Einfachheit halber aus einer früheren Diskussion des Themas:

      ".... Ich würde den Erfolg des Feminismus in der Vergangenheit (speziell nach dem 2. Weltkrieg) ... zurückführen ... auf bestimmte Merkmale damaliger feministischer Forderungen (freie Berufsausübung, Zugang zu Bildung, körperliche Unversehrtheit, ...):

      1. Sie waren nach einem aufgeklärt-humanistischen Wertekanon schlicht und ergreifend intuitiv richtig und gerecht.

      2. Sie waren einfach zu verstehen und erforderten keine höhere Mathematik oder soziologische Studien.

      3. Sie betrafen ein massenhaft auftretendes Phänomen, sehr viele Frauen waren persönlich betroffen.

      4. Sie standen nicht in direkt erkennbarem oder allenfalls schwachem Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Zielen.

      Vor allem die ersten 3 Punkte halte ich für entscheidend für die Mobilisierung von Aktivisten, auch von männlichen. Mobilisierung heiß nicht nur Demo, es reicht bereits die Stimmabgabe für die Grünen, die besorgen dann den Rest."

      Löschen
    4. "dass das zu viel Beschäftigung mit »Theorie« darstellt und die Männerbewegung von politischer »Praxis« abhält." Die Theorie-Praxis-Ressentiments sind ja uralt, und nicht an bestimmte Zusammenhänge gebunden. Auf der einen Seite stehen dann schlauschnackende Sesselfurzer, die beständig klug daherreden und so tun, als würde das allein schon etwas ändern (und die sich irgendwie immer für was Besseres halten) - auf der anderen Seite blinde Aktionisten, die das, was sie beständig tun, überhaupt nicht einordnen können und die nicht einmal merken, wessen Interessen sie damit eigentlich dienen. Beides verkürzt natürlich.

      Ich glaube, in unserer relativ isolierten Debattenposition müssen wir sehr darauf achten, uns nicht beständig in Konflikte untereinander zu verstricken - die daraus entstehen, dass diejenigen, mit denen wir die ernsthafteren Konflikte haben, sich permanent entziehen können.

      Dasselbe gilt auch für die fast schon rituellen Konflikte mit den wenigen Netzfeministinnen, die überhaupt für feminismuskritische Männer ansprechbar sind - auch die sind in meinen Augen weitgehend Ersatzkonflikte, weil wir in die wirklich wichtigen Konflikte gar nicht erst reinkommen.

      "Mann" ist keine sinnvolle soziale Kategorie, weil der Begriff viel zu unterschiedliche Personen in viel zu unterschiedlichen Kontexten umfasst. Wir kommen, sozial, politisch, beruflich etc. aus viel zu unterschiedlichen Kontexten, als dass wir uns hier im Netz jederzeit problemlos und ohne Missverständnisse verständigen könnten.

      Das gemeinsame "Mannsein" schafft eine scheinbare Gemeinsamkeit des Kontextes. Bestimmte Erfahrungen kehren tatsächlich immer wieder, bei ganz verschiedenen Männern. Aber insgesamt täuscht der Eindruck, man müsste sich gut verständigen können, nur weil man dieselbe Geschlechtszugehürigkeit hat.

      Das ist bei Frauen übrigens ganz genauso. Frauen allerdings nehmen an öffentlichen und politischen Diskussionen in weit geringerem Maße teil als Männer. Da ein Großteil der Frauen zu „Geschlechterfragen“ einfach die Klappe gehalten hat, und hält, konnte eine relativ kleine, sozial weitgehend homogene, bildungsbürgerliche Gruppe von Frauen tatsächlich den Eindruck erwecken, die Frauenbewegung würde auch tatsächlich für „die Frauen“ sprechen.

      Wie falsch dieser Eindruck war, konnte man eigentlich immer leicht am aggressiven oder sogar hasserfüllten Umgang frauenbewegter Frauen mit solchen Frauen sehen, die es wagten, doch mal grundsätzlich abweichende Meinungen zu äußern.

      Bei Männern ist das anders - was grundsätzlich ein Vorteil ist. Ob es tatsächlich eine Männerbewegung gibt, weiß ich nicht mal. Es gibt aber, zum Glück, viel mehr Männer als noch vor fünf oder zehn Jahren, die sich zumindest äußern und die beanspruchen, mitzureden, wenn über sie geredet wird.

      Was in dieser Situation in meinen Augen wichtig ist: einigermaßen großzügig mit anderen umzugehen – und grundsätzlich vorauszusetzen, dass auch Meinungen, die seltsam oder bescheuert erscheinen, im Kontext des anderen einen Sinn ergeben könnten.

      Was Männerrechtler also oft falsch machen, ist: Es gibt zu viele, die immer mal wieder gern öffentlich darüber räsonnieren, was andere Männerrechtler falsch machen. ;-) Es gibt natürlich Grenzen – wer permanent freudig die misandrischen Klíschees des gewaltgeneigten, primitiven Frauenfeinds bedient, die Kucklick beschreibt, der schadet damit nicht nur sich selbst.

      Abgesehen davon werden wir damit klarkommen müssen, dass Männerrechtler völlig unterschiedliche politische Positionen oder Stile der Auseinandersetzung haben, und dass sie völlig unterschiedlich interpretieren, was „Engagement“ bedeutet. Auch wenn vermutlich allen klar ist, dass allein die Diskussionen im Internet auf Dauer wenig ändern werden.

      Löschen
    5. @ mitm Warum aber klappt das nicht bei Männern?

      „1. Sie waren nach einem aufgeklärt-humanistischen Wertekanon schlicht und ergreifend intuitiv richtig und gerecht.“ Das gilt für sehr viele Anliegen der Männerbewegung. Dass Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit willkürlich von ihren Kindern getrennt werden können, und Kinder von ihren Eltern, weil die das falsche Geschlecht besitzen – das ist schon intuitiv so brutal, dass es mehr als einen Aufschrei wert wäre. Dass eine bestimmte Gruppe von Menschen sehr viel mehr in öffentliche Kassen und Versicherungen einzählt, aber wesentlich weniger daraus erhält – das ist intutiv sehr ungerecht. Dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die statistisch nachweisbar viele Jahre eher sterben (ein zentraler Indikator für die soziale Position, übrigens), ohne dass das irgendjemand ernsthaft als Problem empfindet – das ist auch intuitiv skandalös. Dass es Kinder gibt, die schulisch auf breiter Basis abrutschen, weil sie im falschen Geschlecht geboren wurden, und dass eine sich fortschrittlich gebende Gewerkschaft wie die GEW extra Studien in Auftrag gibt, um zu „belegen“, dass das so auch alles in Ordnung ist – das ist schon intuitiv ein Skandal, und eine Brutalität von Erwachsenen gegenüber Kindern. Die Liste ließe sich – das sieht man ja auch auf Deinem Blog – leicht fortsetzen.

      Intuitiv sind die meisten Forderungen von Männern in einem aufgeklärt-humanistsichen Wertekanon schlicht intuitiv richtig und gerecht. Nur setzen diese Intuitionen offenbar aus, wenn klar ist, dass sondern Männer oder Jungen die Betroffenen sind. Warum?

      „2. Sie waren einfach zu verstehen und erforderten keine höhere Mathematik oder soziologische Studien.“

      Das gilt, glaube ich, für alle Punkte, die ich oben genannt habe. Ich finde sogar, dass das zentrale Anliegen der neueren Frauenbewegung, beim §218, gar nicht mal einfach zu verstehen war. Immerhin geht es da um Tötung menschlichen Lebens – da muss schon einiges erklärt werden, warum das nicht nur in Ordnung sein sollte – sondern warum es skandalös wäre, es zu verbieten oder einzuschränken.
      Wir können niemals ganz theoriefrei argumentieren. Die stillschweigend vorausgesetzten Theorien sind oft unreflektiert, was sie handlicher, aber auch gefährlicher macht. Aber es gibt bei sozialen Bewegungen immer ein gemeinsames, allgemein fassbares Thema. Die Befreiung „der Frau“ aus der Männerherrschaft zum Beispiel.
      Solche Themen entwickeln sich bei uns auch in Auseinandersetzungen mit Theorien. Das Konzept des „disposable male“ erweist sich m.E. beispielweise mehr und mehr als ein zentraler Bestandteil davon.

      „3. Sie betrafen ein massenhaft auftretendes Phänomen, sehr viele Frauen waren persönlich betroffen.“ Das ist ein Problem bei Männern. Viele sind von zentralen Themen nicht betroffen (Väterrechte), viele sind betroffen, fühlen sich aber nicht betroffen („Gender Budgeting“), und fast alle finden es vermutlich irgendwie albern, wenn Männer sich beklagen, weil sie sich „als Männer“ diskriminiert fühlen. Das ist wohl einer der zentralen Unterschiede von Frauen- und Männerbewegung: Die Frauenbewegung konnte sich aus dem Fundus etablierter Geschlechterklischees bedienen (bedrohlicher Mann, die Frau als hilfloses Opfer), Männer hingegen müssen, wenn sie sich engagieren, GEGEN diese Klischees arbeiten.

      „4. Sie standen nicht in direkt erkennbarem oder allenfalls schwachem Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Zielen.“ Das ist vielleicht der zweite wesentliche Unterschied. Wenn Männer sich tatsächlich einmal verweigern würden, beispielweise in einem Generalstreik – dann würde das ALLE anderen Ziele gefährden. Die öffentlichen Kassen funktionieren, weil Männer deutlich mehr einzahlen, aber – besonders in den Gesundheitskassen – deutlich weniger beanspruchen. Der „disposable male“ wird in vielen Zusammenhängen dringend benötigt – Männer, die sich dagegen auflehnen würden, gefährdeten tatsächlich andere gesellschaftliche Ziele.

      Löschen
    6. @Schoppe: Ich finde, Du hast die Asymmetrien der Ausgangssituation punktgenau analysiert! Der Feminismus arbeitete erstens faktisch (und zwar paradoxerweise *entgegen* der eigenen Selbstwahrnehmung) in *Konkordanz* mit den geltenden Geschlechterklischees, während Männer dagegen arbeiten müssen, und zweitens befand sich der Feminismus in Übereinstimmung mit längst im Gange befindlichen Wandlungsprozessen (Einbeziehung der Frau in Bildungs- und Erwerbssphäre), während Männer dagegen arbeiten müss(t)en. Ein Generalstreik ist noch nicht die Aufkündigung des »disposable male«, aber eine Aufkündigung des »disposable male« wäre sozusagen der Vater aller Generalstreiks.

      Daher ist es nur konsequent, wenn sich der Feminismus heute als eine mit (fast) beliebigen reaktionären Kräften bündnisfähige Bonzenherrschaft etabliert hat, während eine vergleichbar umfangreiche Männerbewegung eine Revolution implizieren würde. Das klingt jetzt erst mal großmäulig und überspannt, ist aber m. E. nur die implizite Kehrseite besagter Asymmetrie. Die von der Männerbewegung aufgeworfenen Probleme stehen ja nicht kontextfrei im leeren Raum, sondern sind im Rahmen einer generellen Krise der modernen Gesellschaft situiert - der von Hanna Rosin diagnostizierte »Untergang des Mannes« hat ja viel mit dem Übergang zu einer »Zweidrittelgesellschaft« zu tun, in dem vor allem Männer ökonomisch »disposable« werden. Diese Situation in feministischen Begriffen zu psychologisieren und zu moralisieren ist ja das beste, was der herrschenden Klasse der Superreichen pasieren kann.

      Daher möchte ich die These aufstellen: die Männerbewegung wird in genau dem Maße gesellschaftlich wahrgenommen werden, in dem es ihr gelingt, den Bezug zu solchen gesamtgesellschaftlichen Problemen öffentlich zu vermitteln. Das ist die *zusätzliche* Deutungsarbeit, die eine Männerbewegung im Unterschied zur Frauenbewegung stemmen muss.

      Warum wehren sich Männer nicht, wie Arnes Journalistin sich wundert, massiv gegen die Frauenquote? Weil Sätze wie: »Die Frauenquote ist ein reaktionäres Repressionsinstrument der spätkapitalistischen Klassengesellschaft« heute weder sagbar noch denkbar sind. Und das liegt nicht nur am Jargon, den auch ich heute nicht mehr in dieser Form kopieren möchte, sondern daran, dass uns Jahrzehnte einer Psychologisierung und Moralisierung gesellschaftlicher Zusammenhänge (die der Feminismus nicht erfunden, aber tatkräftig daran mitgearbeitet hat) die Fähigkeit zur Analyse auf hinreichender Abstraktionshöhe ausgetrieben haben.

      Anders formuliert: sich in der Öffentlichkeit hinzustellen und zu beanstanden, dass Männerdiskriminierung gegen die Menschenrechte verstößt, ist in den Wind gesprochen, denn es besteht ein (uneingestandener) gesellschaftlicher Konsens, der instinktiv antwortet: »Ja und? Dafür sind die Männer doch da!«. Statt dessen wäre der Spieß unzudrehen und zu sagen: »Es ist der Feminismus, der wesentlich dazu beiträgt, unsere Welt gemeinsam mit den herrschenden Eliten in einen illiberalen, postmodern-sanften Faschimsus zu verwandeln!«

      Ich bin mir durchaus bewusst, dass solche Überlegungen aus einer »praktischen« Perspektive ganz fürchterlich nach Schreibtischstrategentum riechen - aber dass die Männerbewegung so schwer in die Gänge kommt, hat einen *Grund*, der über bloß psychologische Erklärungen wie Theorieverliebtheit oder »Narzissmus der kleinen Differenzen« hinausgeht, und ich denke, dass Schoppe diesen Grund treffend umrissen hat.

      Löschen
  5. Guter Einwurf, djadmoros

    Aber: Was haben denn die Ideologinnen des Geschlechterkrieges, aka Feminismus, in der Vergangenheit bislang zustande bekommen, außer sich theoretisch auf irgendwelche Lektüre von Simone de Beauvoir oder ähnlichem zu beziehen?

    Was diese 'Kriegerinnen' trieben, war nichts anderes, als billiger Populismus, der allerding gut ankam und eilfertigst angenommen wurde:

    - Mein Bauch gehört mir

    Das mag wohl so sein, ich muss ihn nicht vor mir herschleppen. Und mein Hirn gehört immer noch mir.

    Insofern denke ich zwiegespaltenn, da ich nicht glaube, dass man mit der theoretischen Auseinandersetzung etwas erreicht, bzw. mit Aktionen wie "400" (Agens) etwas voranbringt.

    Sondern scheinbar nur durch Populismus.

    Pegida war so ein Beispiel dafür; egal wie man nun dazu stehen mag.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @ emmanzer, djadmoros Ich geh einfach mal, stellvertretend, auf zwei Sätze aus dem verlinkten Text von Arne näher ein.

      „Die Zahl der tatsächlich in der Männerbewegung Aktiven ist nun mal ausgesprochen klein, und diese Leute arbeiten kontinuierlich am Limit.“ Das stimmt, soweit ich das beurteilen kann. Für mich stimmt es auf jeden Fall.

      Ich hatte aber auch überhaupt nicht vor, „der Männerbewegung“ Ratschläge zu geben, sondern für mich selbst überlegt, wie ich die begrenzten Ressourcen, die ich habe, einigermaßen sinnvoll einsetzen kann. Außerdem wollte ich irgendwie erklären, warum ich auf die Auseinandersetzung mit Kucklicks Text vier Texte und mehrere Wochen verwendet habe.

      Ich finde es auch weiterhin wichtig, dass auf so etwas wie das „Shirtgate“ reagiert wird, nur: Gerade wenn man nur begrenzte Ressourcen hat, ist es doch wichtig, sie nicht immer wieder in momentanen Aufregungen zu verballern. Es gibt beispielweise einige sehr gute Rezensionen zu Wizoreks Buch, u.a. natürlich die von Arne selbst – aber das ist dann auch schon gut so. Den Hype hatte das Buch nie verdient – es ist intellektuell wie sprachlich dahergerotzt und klischeehaft, gedankenlos, selbstgerecht.

      Insofern ging es mir GERADE um die knappen Ressourcen – und um die Überlegung, wie wir die einsetzen können, ohne permanent durch die jeweils gerade neueste und angesagteste MORAL PANIC gebannt zu werden.

      „Ob die Männerrechtsbewegung "nebenher" noch eine gründliche Exegese zentraler maskulistischer Texte leisten kann, erscheint mir insofern zweifelhaft. (Andererseits: Während es in der Männerszene offenbar wenig Interesse an praktischen Tätigkeiten gibt, ist dort das Interesse, verschiedene Texte ausführlich zu diskutieren sehr hoch.)“ Der letzte Satz ist vermutlich etwas bissig gemeint, aber in der Sache trotzdem völlig richtig.

      Das Interesse an der Diskussion ist in meinen Augen deshalb groß, weil es in der allgemeinen Debattenlage, die wir vorfinden, wichtig ist, überhaupt erst einmal strukturierte eigene Positionen zu entwickeln, sie zu überprüfen, sie in verschiedenen Szenarien durchzuspielen. Arne hat völlig recht – damit tritt man noch nicht aus der eigenen Filterbubble hinaus. Es ist aber eine wichtige Voraussetzung, wenn man strukturiert politisch handeln möchte.

      Grundsätzlich finde ich es ungeheuer positiv, dass sich angesichts der vielen, alltäglichen, massenmedial wie institutionell verbreiteten Ressentiments gegen Jungen und Männer ein Raum gebildet hat, in dem relativ ruhig und sachlich über solche Ressentiments geredet bzw. geschrieben werden kann. (Das bedeutet selbstredend nicht, dass Männer die einzige Gruppe sind, gegen die öffentlich Ressentiments gepflegt werden.) Die Diskussion von Texten ist dabei in meinen Augen kein Selbstzweck, aber wichtig, weil sie eine gewisse Distanz zu den jeweils gegenwärtigen Aufregungen herstellt. Ich bin ganz optimistisch, dass das, was sich dabei entwickelt, auch über die Filterbubble hinaus wirken kann. Und wirken wird.

      Löschen
  6. Das sind ja alles gute Argumente, Djadmoros. Dem unbenommen:

    Die Journalistin vom Österreichischen Rundfunk, die mich am Montag interviewt hatte, hat mir erzählt, wie sie auf ihre Interviewpartner gekommen ist: "Als im Herbst die Frauenquote durchgesetzt wurde, haben wir uns gedacht: Das kann doch nicht sein, dass die Männer dazu still bleiben. Da hab ich meinen Kollegen gefragt, der sich in der Männerszene ein bisschen auskennt, was sich da so tut. Nicht viel, hat er gesagt. Wir sind dann notgedrungen durch die Buchhandlungen und haben uns angeschaut, was für Bücher es zu diesem Thema gibt."

    Der Frau hätte man nun natürlich antworten können: "Nicht viel? Letztens erst hat es ein Kommentarstrang in einem unserer Blogs auf 140 Kommentare gebracht! Und lesen Sie doch mal den Blogeintrag soundso, wie toll da der Feminismus auseinandergenommen wird!" Ich fürchte, das ändert alles nichts daran, dass die Männerrechtsbewegung nicht mal von Journalisten wahrgenommen wird, die aktiv zu diesem Thema suchen. Und nur die angebliche Inkompetenz von Journalisten zu beschimpfen bringt uns auch nicht weiter.

    Lucas hat ja selbst schon mal angemerkt, dass es unfassbar sei, wieviel Lebenszeit Männer in das Erstellen von Blogbeiträgen steckten, ohne dass das irgendetwas ändere. Und jetzt soll die Lösung in noch viel mehr, noch längeren, noch durchdachteren Blogbeiträgen beistehen? War das der Weg, auf dem der Feminismus erfolgreich war?

    Auf meinen Genderama-Eintrag von heute Morgen habe ich von einem Männerrechtler, dessen Aktivitäten weit übers Bloggen hinausgehen, folgende Zuschrift erhalten: "Mein Dank für die unter dem Hinweis zu Schoppe eingebrachten Ausführung, dass der sogenannte Maskulismus fast nur um sich selbst kreist und die wenigen da draußen in der Praxis am Limit wirken. Sollte noch viel deutlicher angesprochen werden. Mich nerven diese Pseudoschattendebatten bei Chris, Elmar und Co." Er wollte allerdings nicht namentlich zitiert werden. (Vermutlich weil er keine Lust hat, wegen seiner Kritik jahrelang Zielscheibe von Flames zu sein.)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @ Arne Unsere beiden Kommentare haben sich überschnitten - ich habe meinen letzten losgeschickt, bevor ich Deinen gelesen hatte.

      Ich glaube nicht, dass Blogbeiträge irgendein Problem lösen. Das bedeutet aber nicht, dass sie unsinnig sind. Wie massiv verunsichernd moderne "Geschlechterdebatten" sind, hab ich selbst schon an der Uni erlebt. Männer waren dabei eine Seltenheit, und sie changierten zwischen kleinlauter Zustimmung und gelegentlich ausbrechendem, dann aber irgendwie albern wirkenden Protest. Ruhige, klare Gegenpositionen gab es selten, von mir auch nicht.

      Darin kann das Netz durchaus einen Zweck erfüllen - solche Positionen zu erarbeiten. Das hat an sich noch überhaupt keine politische Wirkung, ist aber vielleicht eine Grundlage dafür.

      Das Schreiben hat für mich zudem noch einen anderen Hintergrund. Ich bin seit Jahren im Väteraufbruch, bin regelmäßig und zuverlässig dabei, hab auch Aktionen mitgemacht oder mit initiiert. Gerade bei denen im VAfK, die schon lange dabei sind, ist die Resignation aber sehr groß und lähmend.

      Insofern war es für mich nicht so, dass es einen Raum der praktischen politischen Arbeit gab, den ich zugunsten des Schreibens im Netz verlassen habe. Für mich waren Blogs wie Deiner oder der von Christian eher virtuelle Orte, an denen überhaupt mal ohne unterschwellige Depressivität über Anliegen von Vätern und Männer "gesprochen" wurde.

      Insofern finde ich es eine irreführende Alternative, das Schreiben im Netz und die politische Tätigkeit in der Offline-Welt gegeneinander auszuspielen. Ich finde es grandios, was z.B. Tristan Rosenkranz macht, oder was Dietmar Nikolai Webel bis zu seinem Tod gemacht hat. Ich habe nicht die Illusion, dass ich es durch Blogeinträge ersetzen kann.

      Für mich geht es gleichwohl darum, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt hinkriegen kann. Ich hab, nachdem ich den Kontakt zu unserem Kind weitgehend verloren hatte, jahrelang fast mit niemandem darüber geredet, weil ich es überhaupt nicht konnte. Es war überhaupt nicht einfach, es überhaupt in Sprache gefasst zu bekommen, was mir dabei ständig durch den Kopf ging. Hätte ich zu dem Zeitpunkt mit politischer oder sozialer Arbeit angefangen, wäre das ohnehin schnell versandet. Heute wäre ich dazu aber wesentlich besser in der Lage, als ich es etwa vor zwei Jahren war, und dazu haben die Diskussionen im Netz sehr viel beigetragen.

      Was ich aber tatsächlich sehr ärgerlich finde, sind völlig unnötige, heraufgepushte, regelrecht zelebrierte Konflikte in Blogs oder zwischen ihnen. Die sind zu einem guten Teil schlicht ein bequemer Ersatz für die Konflikte, die außerhalb unserer Filterbubble geführt werden müssen. Es sind Pseudo-Auseinandersetzungen, die wohl gerade deshalb intensiv geführt werden, weil sie eigentlich viel Lärm um Nichts veranstalten.

      Insofern geht es für mich nicht um einen Theorie-Praxis-Konflikt, oder einen zwischen der Online- und der Offline-Welt. Dass die wesentlichen Arbeiten praktisch und offline erledigt werden, bezweifle ich nicht. Ich würde das aber nicht gegen die Internet-Tätigkeit ausspielen, sondern frage mich eher, WIE das Schreiben und Diskutieren online so gestaltet werden kann, dass es praktische Arbeit unterstützt oder in sie münden kann.

      Löschen
    2. "Und jetzt soll die Lösung in noch viel mehr, noch längeren, noch durchdachteren Blogbeiträgen beistehen? War das der Weg, auf dem der Feminismus erfolgreich war?"

      Allerdings. Flankiert von aggressiver Subversion und einem ungebrochenem Selbstvertrauen. Ausgeführt von Ideologen geschult im Marxismus und Genderismus.

      Ich gebe dir gern Bestnoten für deinen Einsatz. Aber es kann nur einen Arne Hoffmann geben. Wir anderen sollen was tun? Ich kenne die öffentlich wirksam Engagierten in der Männerrechtlerszene nicht. Ich vermute, dass die meisten berufliche und private Schnittpunkte zu diesem Thema haben. Ich kann diese Schnittpunkte nicht vorweisen. Ich bin an diesem Thema dran, weil ich ein Mann bin und weil mich die systematische Abwertung von Männern anwidert. Mich interessiert tatsächlich, wie diese systematische Abwertung möglich war. Die Männerrechtlerszene krankt daran, dass sie keinen theoretischen Unterbau hat. Das muss geändert werden. Du solltest entsprechende Bemühungen unterstützen.

      Löschen
    3. @ quellwerk

      "Ausgeführt von Ideologen geschult im Marxismus und Genderismus."

      Wohl kaum. Ich kenne keine im Marxismus geschulten gender-feministischen Ideologen. Der Genderismus ist ideengeschichtlich im Poststrukturalismus verwurzelt.

      Ich kenne nur antimarxistische irrationale Verschwörungstheorien von im Marxismus ungeschulten, meist konservativen Feminismuskritikern, aber auch lesenswerte Beiträge von marxistischen Feminismuskritikern.

      Löschen
    4. @Leszek
      Ich erwarte mit Spannung deine Analyse des Poststrukturalismus :)

      Löschen
    5. @ quellwerk

      "Ich erwarte mit Spannung deine Analyse des Poststrukturalismus"

      Im Moment grabe ich etwas tiefer.
      Mich interessiert zur Zeit das Phänomen, für das der US-amerikanische PC-Kritiker Allan Bloom (mit dessen politischen Ansichten ich allerdings nicht übereinstimme) den treffenden Ausdruck "Nietzscheanisation of the Left" (Nietzscheanisierung der Linken) geprägt hat.

      Wobei es allerdings nur eine bestimmte Variante des Links-Nietzscheanismus ist, die mich in kritischer Perspektive interessiert, nämlich der Links-Nietzscheanismus als Quelle des Poststrukturalismus (an links-nietzscheanischen Einflüssen im Marxismus und Anarchismus habe ich z.B. bislang keine gravierende Kritik).

      Mich interessiert, wie eine bestimmte Form linker Nietzsche-Rezeption den poststrukturalistischen Relativismus begünstigte und wie der ursprünglich antiautoritäre französische Poststrukturalismus im Zuge einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des Poststrukturalismus aufgrund seines Relativismus ins Autoritäre umschlug und die US-amerikanische Variante des Poststrukturalismus im Kontext dieses Umschlagens vom Relativistischen ins Autoritäre Political Correctness, Multikulturalismus, Critical Whiteness und Gender Studies hervorbrachte.

      Mich interessiert also die ideengeschichtliche Linie von Friedrich Nietzsche zum französischen Poststrukturalismus, vom französischen zum US-amerikanischen Poststrukturalismus und von diesem hin zu Political Correctness, Multikulturalismus, Critical Whiteness und Gender Studies, (welche ich häufiger als politisch korrekten Vulgär-Poststrukturalismus bezeichne).

      Die "Nietzscheanisation of the Left" ist m.E. ideengeschichtlich der wichtigste Baustein zum Verständnis der Fehlentwicklungen im Poststrukturalismus, die auch der Entstehung des Gender-Feminismus zugrundeliegen.

      Ich komme daher amüsanterweise zu der Annahme, dass der politisch rechte Philosoph Friedrich Nietzsche ideengeschichtlich ein zentraler Einflussfaktor für die Entstehung der linken Variante der Political Correctness war bzw. dass der frauenfeindliche Philosoph Friedrich Nietzsche eine wesentliche ideengeschichtliche Quelle für die Entstehung der männerfeindlichen Gender Studies darstellt.

      Löschen
    6. Lieber Arne, du weißt, das ich dich und dein kontinuierliches Engagement sehr schätze. Allerdings verstehe ich auch deine Kritik über Endlosdiskussionen über Kulturmarxismus und was weiß ich noch für Beharkerei in religiösen, politischen oder anderen Themengebieten.

      Daher frage ich mich bis heute, weshalb man solches noch unnötig anfeueren muss, indem man sich als linker Männerrechtler positioniert und dabei alles andere ausgrenzt. Ob nun gewollt oder nicht, eine Tatsache wurde damit dennoch geschaffen.

      Es ist frustrierend zu sehen, wie viele Menschen sich, aus allen möglichen Sichtweisen heraus, engagieren (z.T. tatsächlich "am Limit") - und dennoch nicht wahrgenommen werden (oder wollen?).

      Ich denke dennoch nicht, dass deren Arbeit sinn- oder zwecklos ist, sonst könnte man jede Kommentar-, Blog- oder andere Funktionen gleich abschalten!

      Es hat sich viel getan, in den letzten Jahren - und ich denke, dass das u.a. auch mit den teils harschen Widerlegungen der Medienmeinung durch Leserbriefe, Blogeinträge o.ä. zu tun hat. Oder etwa nicht?

      Natürlich hast du recht, wenn du die 150 Kommentare in einer Blogblase kritisierst; das ist halt Selbstbefruchtung, welche nichts erreicht. Aber irgendwo müssen (und wollen) die Leute halt anfangen. Jeder so gut er kann oder sich einbringen möchte.

      Bei Agens habe ich damals die Aktion "400" mitinitiiert und das Logo gebastelt bzw. für den polarisierenden Text gekämpft, welcher u.a. im Vorwort zu Hinrich Rosenbrocks 'Studie' negativ erwähnt wurde. Ein Erfolg - oder ein Desaster?

      Der Misserfolg war anschließend die Demo vor dem Brandenburger Tor: "Agens reißt die Mauer ein" - ca. 50 Teilnehmer bei schönstem Wetter und trotz Hüpfburg für Kinder. Denn um die ging es, die "400" Trennungskinder jeden Werktag per Gerichtsbeschluss.

      Mehr dazu hier: http://agensev.de/aktuelles/berlin-agens-reisst-die-mauer-ein

      Jeder eben, so gut er kann ...

      Löschen
    7. @Arne: "... die angebliche Inkompetenz von Journalisten zu beschimpfen bringt uns auch nicht weiter"

      Natürlich, aber weiterbringen würde es uns, 1. die Inkompetenz von Journalisten (und Politikern und sonstigen meinungsbildenden Personen) als Faktum erst einmal wertneutral zu akzeptieren, 2. die Ursachen herauszufinden und 3. auf dieser Basis Strategien zu entwickeln, wie man die Situation verbessern kann.

      Zu 1 und 2 habe ich hier einiges Material zusammengestellt, das ist aber noch sehr allgemein. Für 3 und insb. konkrete Aktionen sind ggf. öffentliche Foren nicht so gut geeignet.


      "... Lebenszeit Männer in das Erstellen von Blogbeiträgen steckten, ohne dass das irgendetwas ändere. Und jetzt soll die Lösung in noch viel mehr, noch längeren, noch durchdachteren Blogbeiträgen beistehen?"

      Sehe ich im Prinzip genauso. Das paßt zu meiner These, daß die wissenschaftlichen Grundlagen und Theorien, die mit den durchdachteren Blogbeiträgen vermutlich gemeint sind, wenig keinen Einfluß auf den politischen Machtkampf haben, der vor allem mit Propaganda, Gefühlen und Oberflächlichkeiten arbeitet.

      Wünschenswert wären natürlich trotzdem bessere wissenschaftliche Grundlagen und Theorien. D.h. man sollte diejenigen, die Spaß daran haben, nicht deswegen kritisieren und von ihnen verlangen, etwas anderes zu tun. Das funktioniert sowieso nicht. Ich habe seit einiger Zeit einen (noch nicht ganz durchdachten ;-) ) Blogpost fast fertig, der eine Selbstanalyse der MR-Bewegung ist und mit dem ich mich eventuell unbeliebt machen werde ... da ich aus privaten Gründen dringend 6 - 8 Wochen Auszeit nehmen muß, sollte ich ihn eigentlich jetzt veröffentlichen...

      ".... die wenigen da draußen in der Praxis am Limit wirken"

      Was machen die "wenigen da draußen in der Praxis" konkret? Wo liegt "da draußen"? Haben die praktikable und wirksame Strategien entwickelt, die sie uns verraten würden?

      Löschen
    8. "Natürlich, aber weiterbringen würde es uns, 1. die Inkompetenz von Journalisten (und Politikern und sonstigen meinungsbildenden Personen) als Faktum erst einmal wertneutral zu akzeptieren, 2. die Ursachen herauszufinden und 3. auf dieser Basis Strategien zu entwickeln, wie man die Situation verbessern kann."

      Bei Punkt 3. bin ich dabei. Allerdings ist der Punkt Eins wesentlich prägnanter und meinungsbildender, als erwähnt. Die schreiben einfach, werden erwähnt und bekommen ggf. Widerspruch in den Kommentaren (so noch zugelassen).

      Ich meine, dass es nichts bringt, sich mit den Ursprüngen zu beschäftigen. Oder ist die Analyse zu "du hast mir auf die Fresse gehauen" gleichzusetzen mit einer Schweren Kindheit?

      Das passt nicht zusammen und wird es auch niemals tun. Theorien hin oder her: Mütter entfremden 'ihre' Kinder den Vätern, Medien beschreiben diese als Gewalttäter oder Ähnliches, und Feministinnen lachen sich kaputt und empfehlen Heulen oder einen Dauerlutscher zu kaufen.

      Das muss ich nicht analysieren - sondern ich reagiere darauf.
      Und zwar direkt, jenseits jedem Theorems.

      Dir von Herzen alles Gute für deine Auszeit, "mitm".





      Löschen
    9. @Leszek

      Ja, diese Linie habe ich auch immer wieder in den Quellen gefunden. Foucault hat nach mein Wissenstand seine stärksten Einflüsse von Heidegger, Nietsche und Marquis de Sade bezogen und abgesehen davon, von dem zu seiner Zeit angesagten Strukturalismus (Althusser). Was für mich völlig neu war: die Studentenrevolution kann man vielleicht gar nicht denken ohne Foucault et. al. Die linke Frauenbewegung in Amerika hatten schon früh große Erwartungen in Foucault: er hat ihnen aber den Gefallen nicht getan. Er hat sich für die Frauenbewegung nicht sonderlich interessiert - was auch kein Wunder war: er wollte zwar, wie die Feministen, die Emanzipation der Menschen von den Fesseln des Diskurses und der Macht. Er hat aber keine Schuldzuweisungen gemacht. Dies ist einer der weinigen Punkte, die ich an Foucault schätze. Er war konsequent genug, sich auch immer als Täter in den Blick zu nehmen.

      Löschen
    10. "... einen (noch nicht ganz durchdachten ;-) ) Blogpost fast fertig, der eine Selbstanalyse der MR-Bewegung ist und mit dem ich mich eventuell unbeliebt machen werde ... "

      so, der Blogpost, der die Frage, wie der Maskulismus erfolgreicher sein könnte, einmal von der Seite der (potentiellen) Aktivisten aus betrachtet, mußte jetzt heraus, auch wenn er mir selber spekulativ vorkommt und womöglich ein weiterer Blogpost ist, der nichts in der Realität verändert.

      http://maninthmiddle.blogspot.de/2015/02/ich-brauche-maskulismus-weil.html

      Löschen
    11. Danke dafür! Wichtig, auch im Zusammenhang mit der Diskussion hier, sind für mich zum Beispiel die Überlegungen dazu, welche Funktion die "maskulistische Blogosphäre" haben kann - und welche nicht.

      Sie ist ein virtueller Ort, wo man dazulernen und sich verständigen kann, wo Informationen verfügbar sind. Sie ist nur sehr eingeschränkt ein Instrument zur politischen Wirksamkeit - aber das muss man auch gar nicht unbedingt von ihr erwarten.

      Löschen
    12. Danke für deinen Artikel @man.in.the.middle (mitm). Hier würde ich dir aber gerne widersprechen wollen:

      "Spaß haben"

      Denn, es macht keinen Spaß, sondern ist anstrengend, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen bzw. dieses mehr oder minder zu reflektieren.

      Man kann es sich einfach machen - und Links inklusive eines Kurzzitates einfach nur abzukippen, wie vielfach zu erleben - oder sich inhaltlich auseinanderzusetzen, wie aktuell in Schoppes Quattrologie zu lesen. Ich bevorzuge Letzteres.

      Ob das nun Spaß macht, das kann ich nicht beurteilen. Mühe macht es sicherlich, wie auch der Beitrag von dir, den du gut geschrieben hast.

      In diesem Sinne: niemals aufgeben!

      Löschen
    13. @ emmanzer Sicherlich, die Formulierung "Spaß haben" ist provokant. Was mir aber schon oft aufgefallen ist, im Netz wie außerhalb: Wenn Männer sich zu ihrer Situation als Männer, und zu geschlechtsspezifischen Benachteiligungen äußern - dann ist das oft von einer ungeheuren Bitterkeit. Oder es hat (nach meiner Erfahrung gerade bei Trennungsvätern) einen deutlich depressiven, hoffnungslosen Unterton.

      Das hat zumal bei Vätern gute Gründe und ist vermutlich sogar eine angemessene Reaktion auf die eigenen Erfahrungen. Aber man wird damit nichts erreichen. Ohne positive Perspektiven, und ohne Spaß daran, wird man kaum jemanden gewinnen können, der sich bislang noch nicht für Themen der "Männerbewegung" interessierte.

      Löschen
    14. @Lucas: Ich gebe dir schon recht, denn teilweise befindet man sich in einem reinen Jammertal, welches ich auch nachvollziehen kann. Es ging mir auch nicht darum, auf dem Artikel von "mitm" herumzuhacken, da es durchaus Gründe gibt, auch eine Portion Positives hineinzubringen. Leider wird es aber nur eine Prise sein können, welche teilweise noch ziemlich tief aus der Sarkasmus-Ecke herausgekramt werden muss.

      Ich gebe dir aber recht: Mit Jammern erreicht man nichts und schon gar nicht die Menschen außerhalb einer Blase. Aber mit dem Offenlegungen dessen, was u.a. hier im Land als Feminismus verkauft wird bzw. einer Karrikierung dessen vieleicht schon eher. Steilvorlagen wie "gendergerechte Steinigung" oder "Der Matratze" bzw. eines "Doktorx" gibt es ja nun zur Genüge.

      Das mag ja zum Teil populistisch sein - erreicht aber ein paar Leute, die nicht auf den bekannten Blogs herumtoben.

      Ich widerspreche "mitm" ja auch nicht, denn grundsätzlich sollte man schon Spaß haben an dem, was man macht - und er schreibt ja selbst, dass das Abtauchen in spezielle Themen echte Arbeit bedeutet.

      Und es ist schon interessant, welche (im positiven Sinne) Leute man dabei so kennenlernt. Ich habe neulich ein Buch redigiert und mich öfter mit dem Autor, ein Trennungsvater unterhalten. Dabei haben wir zwischenzeitlich durchaus auch viel gefrotzelt und vor allem schallend gelacht.

      Das kam von Innen und war sicherlich keine Übersprungshandlung - sondern befreiend und ehrlich. Sonst würde man wohl durchdrehen.

      PS: Sorry, dass (u.a. durch meine Kommentare) dein wichtiger Beitrag so ein wenig ins Hintertreffen geriet. Das hat wohl niemand so beabsichtigt.

      Löschen
    15. @Arne Hoffmann @all

      So sehr ich auch glaube, dass wir politisch in den Quark kommen müssen, so denke ich auch, dass sich unsere Situation grundsätzlich vom angelsächsischen Raum unterscheidet.

      Trotzdem sollte m.E. bewusster werden, dass wir weder auf die Parteien im linken und linksliberalen Spektrum hoffen können, noch auf die ÖR-Medien, noch auf die private liberale Presse.
      Die sind fest auf den (Staats-) Feminismus gebucht.

      Wenn man sich von der Illusion verabschiedet, die Pressevertreter würden auf uns zukommen, dann haben wir trotzdem Mittel eine Gegenöffentlichkeit, quasi eine außerparlamentarische Opposition zu erzeugen.

      An dieser Stelle beschränke ich mich auf die medialen Erfolgsfaktoren des US-amerikanischen Raums in Sachen "manosphere" aus meiner Sicht und ich denke, dies sollte uns ein Beispiel sein:

      1. Es gibt hier keine zentrale, quasi überparteiliche, gut gemachte Web-Site im Stile von AVFM als Anlaufstelle für Informationen und Diskussionen.
      Hier ist alles in Blogs, Sites diverser Einzelorganisationen zersplittert und jede Journalistin müsste sich die Informationen und den Stand der Debatte mühsam zusammen recherchieren.
      Aus guten und schlechten Gründen findet dies nicht statt.

      Anregung: Gründung einer solchen Site und Ballung von Informationen, Lehrmaterial, Dossiers, Diskussionen. Es ist reichlich vorhanden.
      Gut wäre, wenn es eine TYPO3 basierende wäre.

      2. Es gibt keine Beiträge deutscher MRM auf "youtube" - aus der Sicht der Zielgruppe der U30 existieren wir also gar nicht.
      Wenn ihr bitte die Views analysiert, die Karen Straughan, barbar, Paul Elam mit *einem einzigen* Video generieren, dann ist das mehr Aufmerksamkeit als alle deutschen Blogs der MRA zusammengenommen in einem Jahr bekommen.

      Das aber heißt: Wir agieren letztlich unmodern und unprofessionell.
      Anregung: 1. Eigenen oder gemeinsamen VBlog erstellen.
      2. Eigene Diskussionsrunde organisieren, filmen, ab ins Netz.

      3. Es gibt in den USA eine Haltung, die ich sehr unterstütze: Den verdammten "donate" Knopf drücken und eine Spende leisten - wenn man will, dass etwas passiert, dann sollte einem das etwas WERT sein.

      Und das sage ich nicht dir, Arne, sondern der versammelten Mannschaft.

      Es ist völlig egal, ob ich mit Arne politisch einer Meinung bin - er hat *alleine* 10 Jahre wertvolle Arbeit durch "Genderama" für die MRM geleistet und sich mit dieser unentgeltlichen Arbeit meinen Respekt (und meine Spende) mehr als verdient.

      Es ist in meinen Augen ein Zeichen mangelnder Wertschätzung, wenn sich gerade einmal ein halbes Dutzend Männer zu einer Spende bereit erklären und mehrere tausend jeden Tag den Service von Arne nutzen.

      Mein Appell für heute ist also ein ganz alter: "Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität!"

      Schönen Gruß, crumar

      Löschen
    16. "Es ist in meinen Augen ein Zeichen mangelnder Wertschätzung, wenn sich gerade einmal ein halbes Dutzend Männer zu einer Spende bereit erklären und mehrere tausend jeden Tag den Service von Arne nutzen."

      ich glaube nicht, dass ein einzelner post ein crowdfunding größeren Ausmaßes auslösen kann. ich lese auch täglich genderama und würde gerne eine "Jahresbeitrag" in der Größe einer Vereinsmitgliedschaft beitragen.
      ich habe den post gerade nochmal gesucht und nicht mehr gefunden,
      wollte das Arne Hoffman auch schon schreiben, finde aber auch keine Emailadresse.
      ich denke ein Spendenbutton auf der Seite oder eine Mitgliedschaft wie bei siencefiles, könnte besser funktionieren.
      vielleicht liest er ja mit

      donreinaldo

      Löschen
    17. Ich bin eher Pragmatiker, lese aber trotzdem die Texte von Schoppe u.a. mit Gewinn. Eine ganz pragmatische Anregung, die auch den Gesichtspunkt "Spaß haben" berücksichtigt: Was spricht gegen ein Treffen aller blogmäßig und sonstwie publizistisch tätigen Personen und vielleicht auch der besonders interessierten Leser und Männerrechtler? Ich glaube, dass die persönliche Begegnung für alle ein Gewinn ist. Auch inhaltlich, aber auch auf Grund des persönlichen Zusammentreffens. Es sollte natürlich auch um inhaltliche Themen gehen, aber auch ums Kennenlernen, vielleicht ums gemeinsame Feiern. Ich glaube, dass so etwas auch "dazu" gehört. Das Gemeinschaftsgefühl und das Zusammengehörigkeitsgefühl würde gestärkt. Ich denke jetzt NICHT an einen großen Kongress mit Öffentlichkeit und Podiumsdiskussionen und und und..., sondern an ein informelles Treffen mit anschließendem Besäufnis, etwas salopp ausgedrückt ;-)Vielleicht bin ich aber auch zu naiv, aber ich könnte mir vorstellen, dass ein derartiges Treffen durchaus neue Kräfte freisetzen könnte (KlausT)

      Löschen
    18. @ emmanzer Noch einmal zum Thema "Spaß haben". Das ist im Rückblick einer der Nachteile von Kucklicks Buch, aber auch meiner Texte darüber. Die Beleg für eine "negative Andrologie" sind so zahlreich und vielfältig, dass darüber der Eindruck entsteht, wir hätten es mit einer überall wirkenden, massiven Feindseligkeit gegen Männer zu tun. Dass Kucklick nebenbei immer mal wieder (so wie ich auch in den Texten) betont, dass die Situation für Männer UND für Frauen ambivalent sei, dass es über beide positive wie abwertende Darstellungen gäbe - das gerät darüber aus dem Blick.

      Es gibt Situation von Männern, die wirklich schrecklich sind und die darüber dann auch noch zum Gegenstand eines selbstgerechten Spottes werden ("male tears" etc.). Das ist aber nicht alles. Mann zu sein hat natürlich auch Vorteile, und beständig bitter zu sein, ist nicht nur wenig gewinnend - es ist auch der Situation nicht angemessen.

      @ Klaus T Dass persönliche Treffen wichtig sind, glaube ich auch. Die Frage berührt aber einen Punkt, der im Hinblick auf ein Engagement außerhalb der Filterbubble wichtig ist - dass der Anonymität.

      Gerade für Trennungsväter z.B. ist die Situation oft so, dass es im Interesse ihrer Kinder UND auch des Kontakts zu ihnen wichtig sein kann, die eigene Geschichte nicht mit identifizierbaren Namen öffentlich zu machen. Ich weiß von einigen, für die die Alternative nicht Online- oder Offline-Engagement ist - sondern Online-Engagement oder gar kein Engagement.

      Löschen
  7. Lieber Lucas,

    schwere Kost. :-) Ich werde mir alle vier Teile zu Kucklicks Werk noch einmal durchlesen, denn ich denke, die Lektüre lohnt sich. Vielen Dank für Deine erläuternde Zusammenfassung. Gruß,

    Nick


    PS:
    Ich bin heute zufällig über den Namen Carole Pateman gestolpert. Diese Dame, eine Feministin, hat 1988 das Werk "The sexual contract" veröffentlicht, das offenbar in feministischen Kreisen deutliche Spuren hinterlassen hat. Das Werk könnte evtl. ein feministisches Gegenstück zu Kucklicks Text sein.


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Nick, danke für den Hinweis! Ich kannte das Buch nicht, es findet sich aber sogar bei Google Books Ich habe nur kurz reingelesen, in das zweite Kapitel "Patriarchal Confusions". Es geht, so mein Eindruck, darum, dass die Annahme falsch sei, patriarchale Strukturen wären durch einen allgemeinen Gesellschaftsvertrag abgelöst worden.

      Tatsächlich habe der Gesellschaftsvertrag selbst Frauen ausgeschlossen, weil es insgesamt ein männlicher Vertrag gewesen sei. Die Vertragstheoretiker hätten zwar, als frei gewordene "Söhne", den väterlichen Herrscher abgesetzt - aber männliche Macht über Frauen sei gleichwohl gewahrt worden.
      Aber das ist, wie gesagt, nur ein erster Eindruck.

      Bei Kucklick ist das Verhältnis ambivalenter. Es gibt keine klare Zuordnung der Herrschaft zu einem Geschlecht, es gibt auf der - abstrakten - Ebene der Gesellschaft nicht einmal mehr die Notwendigkeit, der Kategorie "Geschlecht" allzuviel Bedeutung beizumessen: Die Funktionen, die Menschen erfüllen, sind wichtig, nicht ihre Geschlechtszugehörigkeit. Einfach gesagt: Ein Arbeitgeber bezahlt z.B. nicht das doppelte für dieselbe Arbeit, nur weil sie von einem Mann und nicht von einer Frau erledigt wird.

      Anders, als Pateman das offenbar tut, ordnet Kucklick Männer und Frauen auch nicht den Sphären "Öffentlichkeit" und "Privatheit" zu, obwohl viele seiner Beispiele dazu passen würden. Eher geht es ihm um Kommunikation zwischen Abwesenden (weltweit, in Institutionen, etc.) und der zwischen Anwesenden (nicht nur in der Familie - in gutes Beispiel wäre m.E. auch die zumindest halböffentliche Salonkultur, die ja weitgehend von Frauen getragen wurde). Die radikale Modernisierung betrifft vor allem die erste, abstrakte Sphäre der Gesellschaft - und die wird, wohl aufgrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zumindest im Bürgertum, weitgehend als männliche Sphäre wahrgenommen.

      Die Ähnlichkeit mit Pateman, soweit ich das erkennen kann, ist, dass es auch hier einen stillschweigenden Geschlechtervertrag gibt, der grundsätzlich Männer und Frauen Tätigkeiten in verschiedenen Sphären zuweist - und dass Frauen aus den großen Institutionen, zunächst jedenfalls, am Beginn der Modernisierung, weitgehend ausgeschlossen sind.

      Der wichtige Unterschied aber ist wohl, wie erwähnt, dass Kucklick ausdrücklich Interpretationen widerspricht, die diese Konstellation als "Männerherrschaft" deuten. Bei ihm ist Herrschaft eigentlich gar nicht mehr personalisiert, sondern verschwindet in weitgehend abstrakten Prozessen, die von Einzelnen immer nur zum Teil nachzuvollziehen sind. Diese Prozesse sind aber weder männlich noch weiblich, und reale Männer und Frauen tragen einfach z.T. unterschiedliche Vor- und Nachteile davon.

      Löschen
  8. "[„Je mehr Frauen in Führungspositionen aufsteigen und gegen alle Widerstände die Spitzenpositionen von Hierarchien besetzen, je mehr sie in das Geschehen auch jener Funktionssysteme inkludiert werden, die ihnen in der Moderne zunächst verschlossen waren, je mehr die Barrieren also endlich wegbrachen, umso deutlicher wird erkennbar, was sich am Gefüge der Moderne verändert: nichts.“ (336)]"

    "Gerade aus diesem Grund wäre eine Frauenquote für Vorstände empfehlenswert. Wenn Aufsichtsräte und Aktionäre ein, zwei Jahrzehnte lang sehen, dass Frauen auch nichts anders machen als Männer, können sie endlich unabhängig vom Geschlecht entscheiden:und eine kalte, rücksichtslose Frau ernennen, wenn sie das Unternehmen umkrempelnwollen; und einen sanften, verbindlichen Mann, wenn es um den Betriebsfrieden geht. Oder
    umgekehrt."
    [Anm.: Zitat aus dem "Zeit"-Essay]

    Tja, ich erinnere mich noch, wie ich Kucklicks Essay in der "Zeit" gelesen habe. Für mich eine Offenbarung. Und schon damals hat mich ein Aspekt seiner Ausführungen ganz immens gestört:

    Die Annahme, die Gesellschaft würde zur Besinnung kommen, wenn nur genügend Frauen in Macht- und Gestaltungspositionen vorgedrungen seien.
    Man muss nur die in den Staaten grassierende sex-crime-panic rund um Hochschul-Vergewaltigungen anschauen. Komplett irrational und durchgedreht. Da werden einfach Zahlen erfunden und dann so lange wiederholt, bis sie irgendwann zur Wahrheit werden. Hat sich das, werden neuen Themen gefunden. Die Brüderle-Dirndl-Hysterie? Nur ein Vorgeschmack dessen, was auf uns zukommt.

    Aber warum auf andere zeigen. Auch hierzulande werden wir Jahr für Jahr Zeuge, wie dieselben bekloppten Zahlen zur "Geschlechter-Lohnungleichheitslücke" (die dazugehörige Studie - eine Farce; die Zahlen, rechnerisch richtig, aber so dünn, dass sich vernünftigerweise nichts daraus folgern lässt) vollkommen unreflektiert und widerspruchslos einmal komplett durch die Medienlandschaft gereicht werden.

    Es ist kein Zufall, dass unter Intellektuellen zunehmend die Fragestellung behandelt wird, welche kollektiven Dynamiken Konformitätszwänge ermöglichen. Konformitätszwänge, die ein ungeheures Eigenleben entwickeln - und ganze Epochen prägen, während sie dem Indivuum ein Abweichen kaum ermöglichen.
    Sind solche Zwänge Sinn-, Einheits- und Identitätsstiftend? Sicher.
    Liegt darin die Antwort, warum sich in menschlichen Zivilisationen schon immer solche Dynamiken entwickelt haben? Sehr sicher, schließlich gibt es eine Art der konkurrenzbetonten Evolution der Gesellschaften. Man muss kein Genie sein um zu begreifen, dass eine Zivilisation, die in der Lage ist, enge, identitätsstiftende, das Individuum einbindende Strukturen zu schaffen, einer konkurrierenden Zivilisation, die dazu nicht oder nicht so gut in der Lage ist - überlegen ist.

    Lässt sich alledem mit Vernunft beikommen? Im Ernst? Vernunft? Haha!

    Diese Annahme Kucklicks, dass die Gesellschaft irgendwann "plötzlich" feststellen wird, dass Frauen ja doch gar nicht die bessern Menschen sind. Und dann eine Kehrtwende macht und natürlich eine ganze Industrie mit all ihren Pöstchen und Pfründen, sprich: den ganzen bis in die tiefsten Eingeweide des Staates institutionalisierten Feminismus, abschafft, 'tschuldigung, diese Annahme ist geradezu mitleiderregend naiv. Und das schreibt ein Bewunderer Kucklicks. Er hat Großartiges in der historischen Deutung geleistet, aber sein Lösungsvorschlag ist erbärmlich.

    Kucklick möchte den kollektiven Wahnsinn unserer Zeit mir Vernunft besiegen. Und das noch nicht einmal mit einer aktiven, aufklärenden, sich einmischenden Vernunft. Sondern mit einer sich zurücklehnenden Vernunft, die darauf wartet, dass sich der Wahnsinn von selbst überführt und sich dann auch noch freiwillig abschafft.

    Nichts davon wird passieren.

    Fatalistische Grüße

    kafü

    AntwortenLöschen
  9. Mit etwas Verspätung möchte ich mich auch dazu äußern, was insbesondere @Arne geschrieben hat. Es gibt in Deutschland wenige Handvoll aktive Männer, die sich vorrangig in Familienrecht, aber auch im Männerrecht engagieren, um bestehende Verhältnisse zu überwinden. Selbst in den Vereinen ist es überall gemessen an den Mitgliederzahlen eine geringe Prozentzahl. Angesichts der Betroffenenzahlen (hunderte vom Vater getrennte Kinder, unzählige Opfer häuslicher Gewalt etc.) ein Dilemma. Wenn man sich allerdings die blühende Bloglandschaft ansieht und die Zeit, die da in Diskussionen gesteckt wird, die kaum jemand wahrnimmt und kaum jemandem helfen, sieht man das Problem: es sind Männer. Das ist mitnichten eine Bewertung, das zeigt das strukturelle, erbliche, veranlagte Problem auf. Männer heben nach wie vor in den wenigsten Fällen ihren Hintern, um eine Depression behandeln zu lassen, einen Check machen zu lassen oder sich gegen Ungerechtigkeiten stark zu machen. Wie in der Kneipe: beim Bier aufregen, am nächsten Tag gehts wie gewohnt weiter. Solange es so läuft, wundert mich nicht: wenn sich ganz bildlich gesprochen die Waagschale nicht in die andere Richtung neigt und unsere Probleme deutlicher wahrgenommen werden. Wer nur verbal ablässt (und nicht selten realisierte Projekte anderer bemäkelt), darf sich nicht darüber aufregen, dass sich kaum etwas ändert. So einfach ist das.

    Tristan Rosenkranz, www.gleichmass-ev.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Tristan:

      Ich kann darauf nicht verallgemeinernd, sondern nur persönlich antworten: auch wenn es bei mir nicht über die Schiene der Väterrechte läuft, weil mir das unter den Umständen meiner eigenen Scheidung glücklicherweise erspart gebleiben ist, habe ich dennoch ein persönliches Verhältnis zum Thema Männerrechte (das ich etwas ausführlicher hier beschrieben habe): was mich an- und umtreibt, ist der erstickende öffentliche Diskurs zum Thema, und die scheinbare Evidenz, die feministische Ideologie im Alltag immer noch so leicht für sich beanspruchen kann.

      Aufgrund meiner (Aus-)Bildungsbiografie, meinen Interessen und meinen Kompetenzen stellt sich das für mich ganz überwiegend als eine Auseinandersetzung mit und durch Texte dar - insbesondere jenem einen längeren, an dem ich mittlerweile seit weit über einem Jahr kontinuierlich arbeite, bei dem ich, auch wenn das Ende noch nicht absehbar ist, zumindest kontinuierliche Fortschritte mache, und für den ich einen großen Teil meiner freien Zeit und auch nicht geringe Summen für Literatur aufwende, die ich in den mir zugänglichen öffentlichen Bibliotheken nicht finde. Aufwände, die ich aus einer rein hedonistischen Perspektive auch locker anderweitig verbraten könnte. Was nicht heißt, dass mir das betreffende Lesen und Schreiben keinen Spaß macht, aber es ist *meine* Form von Engangement, die nicht unerheblich über ein bequemes Driften durch den Alltag hinausgeht.

      Die Frage, ob ich statt dessen auch etwas anderes tun, eine andere Art von Engagement wahrnehmen könnte, stellt sich für mich insofern nicht: es handelt sich weder um Pflichtgefühl noch um zerstreute Langeweile, sondern um jene Art von Obsession, die man nur loswird, indem man ihr nachgibt. Es ist *mein* Zugang zum Thema, und er ist für mich durch keinen anderen Zugang ersetzbar. Um eine Formel des russischen Märchens zu variieren: »Ob er lang schrieb oder kurz, ob er gut schrieb oder schlecht, schließlich gelangte er zum dreimal neunten Kapitel hinter dem dreimal neunten Bücherregal.« Und wenn dann die feministische Baba Jaga ruft: »Pfui! Pfui! Es riecht nach maskulistischem Geist!«, dann weiß ich, dass ich am Ziel bin.

      Was darüber hinaus geht, ist »Vernetzung«. Ich finde, dass die maskulistische Bloggerszene in den letzten Jahren in Bezug auf das saubere Zerlegen von feministischen Lügen und Halbwahrheiten eine enorme Leistung erbracht hat - zweifellos auf den Schultern von Autoren wie Arne -, durch die immer mehr »Aufregen beim Bier« durch qualifiziertes Kommentieren in der Öffentlichkeit abgelöst werden kann. Und ja, da fehlt noch etwas, dass die Argumente so viel Schwung bekommen, um ein verrammeltes Tor damit zu durchbrechen. Insofern würde an crumars Anregung eines gemeinsamen (von mir gelesen als: »zentralen«) Blogs anschließen, den man einer interessierten Öffentlichkeit als *den* männerrechtlichen Anlaufpunkt anbieten kann. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich bei der Frage eines Videoblogs noch beträchtliche Hemmungen habe, mich zu diesem Zeitpunkt zu »outen«.

      Löschen
    2. @Tristan und @djadmoros (in dieser Reihenfolge)

      1. Ich schwanke ebenfalls immer wieder zwischen Enthusiasmus und Anfällen von Ernüchterung - enthusiastisch bin ich, weil m.E. seit 2012 die mediale Stimmung gekippt ist.

      Die immer mehr zunehmende männliche Gegenrede in den Kommentarbereichen von Artikeln, aber auch das Erscheinen von Artikeln wie der von Kucklick und Bönt deutet für mich darauf hin, dass die Plattheit und Einseitigkeit feministischer Theorie und politischer Praxis offenkundig geworden ist.

      Insofern hat sich die Waagschale sehr wohl in unsere Richtung geneigt - erkenntlich daran, dass jüngere Feministinnen ("Tussikratie") zwar nicht ein Jota abrücken von der weiblichen Hegemonie über die Geschlechterinteraktion, aber immerhin (mehr oder weniger) das wiederholen, was Arne und Warren vor 15 respektive 22 Jahren auch schon gesagt haben.

      D.h. immerhin wird zwar dem männlichen *Original* nicht zugestanden, diese Position öffentlichkeitswirksam zu vertreten, aber in weiblichen Worten wiederholt gilt es als "moderne" Position (gender transition movement).
      An diesen Punkten erkennt man m.E., dass wir sehr wohl wahrgenommen werden - ansonsten mache ich mir keinerlei Illusionen darüber Redezeit im TV zu erhalten.
      Und deshalb mein Vorschlag: Dann machen wir eben unser eigenes Fernsehen.
      Es gibt mit "youtube" die Möglichkeit, solche Vblogs einzustellen, Dokumentationen, Talk-Shows zu veranstalten und aufzunehmen, etc. pp.

      Mit Arne Hoffmann, dir und euch, Uhlig, Buchholz, Amendt, Bönt, Kucklick usw. usf. haben wir kompetentes Personal in Mengen.
      Ihr seid alle unter Klarnamen bekannt, warum sollen diese Gesichter nicht präsenter und bekannter werden?

      Auf diese Art und Weise erhöhen wir unsere Reichweite und zeigen, dass es uns gibt. Idealerweise nicht ganz so akademisch verseucht wie jetzt. ;)
      Ausrüstung kann ich organisieren.

      Ernüchterung, insofern die Angriffe z.B. in Sachen Reform des Sexualstrafrechts nicht von schlechten Eltern sind. Eine gute orchestrierte Kampagne...
      Und Widerstand ist flächendeckend nicht in Sicht (außer Thomas Fischer).

      2. Einige von uns werden es vorziehen (müssen) in der Anonymität zu verbleiben. Dazu zähle auch ich.
      Von daher sind VBlogs ebenfalls nicht mein Ding, ich steuere aber gerne bei oder arbeite zu, wenn ich es zeitlich ermöglichen kann.

      "Anregung eines gemeinsamen (von mir gelesen als: »zentralen«) Blogs anschließen, den man einer interessierten Öffentlichkeit als *den* männerrechtlichen Anlaufpunkt anbieten kann."

      Da hast du mich völlig richtig verstanden.

      Wir schauen bei uns in die Runde, wer zur "Erstausstattung" beitragen kann und mag. Alleine mit den Lieblingsartikeln meiner Lieblingsautoren bekommen wir das Ding rappelvoll. ;)

      Organisationen wie Mandat oder Agens oder Gleichmaß können inhaltlich beitragen, sich vorstellen usw.

      Wir müssen uns auf einen Namen einigen, Site bei einem hoster ordern, Rechte klären, E-Mail-Verteiler organisieren und Site programmieren (lassen).
      Ich würde als Basis ein CMS wie Typo3 vorschlagen und dann kann es losgehen.

      Es kann ruhig theorielastiger werden als AVFM, ziviler im Ton wäre schön und hoffentlich bekommen wir das "agree to disagree" in die Praxis umgesetzt. ;)

      Schönen Gruß, crumar

      Löschen
    3. @crumar

      Zu dem Gemeinschaftsblog. Warum nicht den einfachsten Weg gehen und quasi ein Rebloggen aller Beiträge unter einem Dach (eine Website als zentrales Reblog-Medium).

      Das hätte den Vorteil, dass etablierte Blogs bestehen bleiben können und es dennoch eine Gemeinschaftsplattform geben würde.

      Allerdings setzt es den redaktionellen Aufwand voraus, wichtiges von unwichtigem zu trennen, bzw 'redundante' Beiträge auf einen zu reduzieren, sinnvoll zu taggen und/oder zu verschlagworten etc.

      Und es würde die Toleranz aller Blogger erfordern, nicht gleich eine Krise zu bekommen, wenn ein Beitrag mal nicht erscheint bzw. Zensur zu rufen.

      Ist aber nur eine Anregung von mir, denn ansonsten befürchte ich, dass es 'nur' noch ein Blog mehr wäre; völlig wertfrei gemeint.

      Besten Gruß
      emmanzer

      Löschen
    4. @emannzer

      Ich wollte die bereits etablierten Blogs auch definitiv nicht in Frage stellen, ebenso wenig deren weitere Existenz.

      Meine Idee möchte ich gerne an einem Beispiel verdeutlichen.

      Zum Thema (Schlagworte) "feministische Mythen" und "Kritik an feministischer Theorie" gibt es bei manndat, bei man in the middle, auf Geschlechterallerlei und verstreut in den Kommentaren bei AllesEvo bspw. von Leszek (PC-Ideologie) Material in Mengen (und das sind nur spontane Eingebungen).

      Dies wiederum ließe sich auf einer zentralen Site gruppieren.

      Niemand müsste bspw. bei "gender pay gap" das Rad noch einmal neu erfinden, sondern wir könnten uns darauf konzentrieren, z.B. auf drei Ebenen Material zur weiteren Verbreitung anzubieten: lexikalisches Stichwort, politischer Hintergrundartikel, Stellenwert in der theoretischen Auseinandersetzung mit feministischer Ideologie.

      Das wäre in der Tat ein "rebloggen" und das Bedarf der Erlaubnis der Verfasser. Der redaktionelle Aufwand zur Verschlagwortung wäre gar nicht einmal so hoch, denn die Verschlagwortung ist ja bereits existent.

      Konfliktpunkte sehe ich ebenfalls darin "'redundante' Beiträge auf einen zu reduzieren" - schön wäre es deshalb, wenn eine Redaktionsmannschaft die Aufgabe übernimmt, zu sieben und zu editieren.
      Und diese kann sich durchaus (politisch) heterogen zusammensetzen.
      Damit keiner im Nachhinein "Zensur!" brüllen kann oder muss. ;)

      Das ist der eine Teil - Sichtung und Sammlung von bereits existierendem Material.

      Wie hoch die Bereitschaft ist, aktuelles Material regelmäßig auf dieser Plattform und nicht oder parallel auf den eigenen Blogs oder bei Geschlechterallerlei oder Cuncti oder wo auch immer zu veröffentlichen wird sich dann zeigen.

      Schönen Gruß, crumar

      Löschen
    5. Wenn es nicht z.T. so rechtslastig wäre, könnte man (auch) "Wikimannia" gut hierzu verwenden. Vielleicht wäre auch ein weiteres Wiki, das aus einer links/links-liberalen Position Stellung bezieht und Infos liefert, denkbar. Die Software ist ja frei verfügbar....

      Löschen
  10. @anonym:

    »Vielleicht wäre auch ein weiteres Wiki, das aus einer links/links-liberalen Position Stellung bezieht und Infos liefert, denkbar.«

    Auf keinen Fall! Mit Ansätzen wie »Noch-ein-Wiki-diesmal-von-links« baut man nicht nur Konkurrenzstrukturen auf, man lädt sie obendrein mit politischen Wertungen auf, die man erstens hinreichend positiv definieren muss und mit denen man zweitens in Abgrenzungsdebatten gerät. Damit ist ein erneutes Versumpfen in politischen Richtungsstreits geradewegs vorprogrammiert. Etwas Schlimmeres können wir uns kaum antun!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Auf keinen Fall! Mit Ansätzen wie »Noch-ein-Wiki-diesmal-von-links« baut man nicht nur Konkurrenzstrukturen auf, man lädt sie obendrein mit politischen Wertungen auf, die man erstens hinreichend positiv definieren muss .."

      DANKE! (Ist kein Schreien, sondern eher ein Jubeln)

      WikiMannia ist genau ein gleiches Projekt wie Wikipedia. Aktuell dominieren maximal 10 Prozent der, dem sich Feminismus (oder anderen Ideologien) zugehörig fühlenden, den ganzen Themebereich. Der Poster, welche nun eine linke *'pedia aufmachen will, der kann dies gerne tun.

      Bewirken wird dies nichts, außer einer weiteren Zerfaserung in Detaill-Fragen. Und es wird helfen, dass Alles munter so weiter geht, wie bisher erlebt.


      Im "WikiMannia" kann jeder mitschreiben, editieren, verbessern oder korrigieren. Ich vermute, die wären sogar dankbar dafür, würde dieses weiter und breiter angenommen.

      Dieses Links-Rechts-Katholik-Heide und was weiß ich noch, hängt mir persönlich so zum Hals raus, dass ich manchmal kurz vor der Kapitulation bin.

      Man kommt sich mittlerweile vor, als sei man ein Quixote ohne Rosinant - und stürmt dennoch gegen die Windmühle an.

      Toll! Und anschließend zeigen wir unseren Frohsinn, wie prima wir doch solchen 'Idioten' au contraire geboten haben. Was für ein Erfolg und welch alberner Balsam für die eigene Seele.

      Graswurzelbewegungen diskutieren halt gerne, wie man das Was Wie erreicht. Sie fragen sich allerdings nie, warum Gräser keinen Stuhlkreis bilden, um herauszufinden, ob es nun nach oben - oder nach unten gehen soll.

      Ich danke dir für deinen Einwurf.

      PS: @crumar: Auf deine Antwort weiter oben schreibe ich dir morgen. Ich denke, dass sich da ein Weg finden lassen wird.

      Und ich meine: einfach machen!

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.