Montag, 8. Juni 2015

Zwischen Allmacht und Ohnmacht - Ein Rückblick auf die letzten Wochen

Die Monatsrückblicke, die ich über ein Jahr lang veröffentlicht hatte, waren für mich immer mit großem Abstand die arbeitsintensivsten Texte – allein schon durch die Sammlung der verwendeten Textstellen und Links. Da ich in den letzten Wochen und Monaten dafür kaum die Zeit hatte, habe ich diese Rückblicke nun einige Male ausgelassen. Nun aber bin ich gerade vor dem Wochenende mit Abiturarbeiten (wiederum an der Schule die arbeitsintensivste Zeit) fertig geworden, und da es in den letzten Wochen vieles gab, das einen zweiten Blick wert ist, habe ich einen Rückblick darüber geschrieben. Er ist nicht so link-intensiv wie die sonstigen Monatsrückblicke, aber immerhin schlägt er einen Bogen von den Performances der Emma Sulkowicz über den Sturm gegen Ronja von Rönne bis hin zum Buch Fettlogik überwinden von Nadja Hermann. Also:

 
„Überlebende können ganz unterschiedlich sein, aber es gibt nur eine einzige Art und Weise, das radikale Misstrauen und den Hass gegenüber einem Opfer von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen auszudrücken, und das ist: indem Du ihm nicht glaubst.“
Soweit Sam Smith von einer studentischen Zeitung der Florida State University. Auch sie weiß natürlich nicht, was eigentlich zwischen Emma Sulkowicz und Paul Nungeßer geschehen ist, über die sie hier schreibt, und wie berechtigt Sulkowiczs Vorwürfe sind, ihr Kommilitone und Freund habe sie vergewaltigt. Auch Smith wird aber vermutlich wissen, dass sie ihre Anzeige gegen Nungeßer zurückgezogen hatte und dass er in einer universitätsinternen Untersuchung von allen Vorwürfen freigesprochen worden war.

Tatsächlich sagt Smith auch gar nichts über die vorgebliche Tat aus, sondern darüber, wie wir – die wir die Beteiligten nicht kennen – Sulkowiczs Vorwürfen zu begegnen haben. Smiths Problem ist nicht, ob die Studentin vergewaltigt wurde, sondern wie eine – warum auch immer – interessierte Öffentlichkeit mit ihren Aussagen umgehen soll.

Natürlich aber ist Smiths Argumentation zirkulär. Sulkowicz müsse geglaubt werden, weil sie ein Vergewaltigungsopfer sei – und dass sie ein Vergewaltigungsopfer ist, stehe fest, weil ihr geglaubt werden müsse. Gravierend ist, dass Smith – und viele, viele andere mit ihr – sich damit von einer wesentlichen Annahme einer demokratischen, offenen Diskussion verabschiedet.

Sie geht nämlich gar nicht mehr davon aus, dass es eine prinzipiell gemeinsame Wirklichkeit gäbe, von der wir zwar jeweils unterschiedlich viel wissen, über die wir uns aber gemeinsam und nach gemeinsamen Regeln verständigen können. Stattdessen etabliert Smith einen radikalen Unterschied zwischen Menschen, die einen privilegierten Zugang zur Wahrheit haben – und anderen Menschen, die ihnen zu glauben hätten.

Schon der Zweifel gilt dann ausdrücklich als Hass.
Emma Sulkowicz (rechts, Mitte) bei ihrer Examensfeier. Bei ihrer Performance Carry That Weight erhält sie Hilfe von einigen Kommilitoninnen. (Foto: Adam Sherman)
Viele und ganz unterschiedliche Diskussionen der letzten Monate wurden von dem offenen Vorwurf begleitet, dass Kritiker und Zweifler nicht eigentlich Kritik und Zweifel, sondern Hass ausdrücken würden. Das setzt auf das erste Problem gleich noch ein zweites drauf: Nicht nur haben dann bestimmte Menschen einen privilegierten Zugang zur Erkenntnis sozialer Wirklichkeit, sie sind damit auch moralisch herausgehoben, und ihre Kritiker erscheinen als moralisch minderwertig.

Ein Schlüsselwort ist vermutlich das der Überlebenden, das in vielen Diskussionen den des Opfers ersetzt hat. Unterschwellig spielt es an auf die Situation, in der es seit dem Zweiten Weltkrieg wesentlich verwendet wurde: Auf die Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Es suggeriert: Ultimative, radikal antihumane Gewalt ist beständig mitten unter uns, wird wieder und wieder unter der trügerischen Oberfläche der zivilen Normalität verübt – und nur das Zeugnis der Überlebenden gibt uns die Gelegenheit, von ihr zu erfahren.

Die Folgen für öffentliche Debatten sind allerdings katastrophal, wenn so Menschen die Möglichkeit eines Zugangs zur Wahrheit prinzipiell zugesprochen oder abgesprochen wird und wenn sie grundsätzlich als Überlebende und Verbrecher klassifiziert werden. Die Geschichte von Paul Nungeßer und Emma Sulkowicz ist nur ein Beispiel dafür.


Wer so behandelt werden darf, der muss ja schuldig sein Sulkowicz ist bekannt geworden, weil sie auf ihrem Universitätsgelände beständig und bis zu ihrem Abschluss ihre Matratze mit sich herumtrug. Ein Kunstprojekt sei dies gewesen, Trage dieses Gewicht (Carry That Weight) – und die Assoziationen mit dem Jesus, der sein Kreuz durch Jerusalem trug, waren wohl durchaus gewollt. Es sei, so Sulkowicz, eben solch eine Matratze gewesen, auf der ihr ehemaliger Freund Paul Nungeßer sie vergewaltigt habe.

Für Sulkowicz drückte diese Aktion aus, wie sie selbst daran zu tragen habe, dass ihr Vergewaltiger noch auf dem selben Campus wie sie lebe. Für Nungeßer hingegen war es eine extreme, radikale Schädigung seines Rufs. Erst spät hat er, deutscher Austauschstudent in den USA, von seiner Sicht auf das Geschehen erzählt. Auch er beschreibt sich als Opfer, als Opfer eine Mobbingkampagne nämlich, die von der Universität – trotz eindeutigen Freispruchs für ihn – nicht nur gebilligt, sondern sogar unterstützt worden sei.

Sulkowicz ihrerseits ist damit zum Star geworden, eine gefeierte Künstlerin mit einer Covergeschichte im New York Magazine.

Nun, nach dem Examen, hat Sulkowicz ein Video veröffentlicht, mit dem sie suggeriert, ihre Vergewaltigung durch Nungeßer nachzubilden. Diese Interpretation ist zumindest kaum zu vermeiden, wird von ihr auch – beispielsweise durch die Datumsangabe August 2012, die auf den Tag der vorgeblichen Tat hinweist – nahegelegt, zugleich aber in einführenden Kommentaren als Produkt der Zuschauer-Fantasie hingestellt.

Ein Mann, dessen Gesicht unkenntlich gemacht ist, und eine junge Frau (wohl Sulkowicz selbst) betreten ein kleines Zimmer, offensichtlich in einem Studentenwohnheim. Sie haben zunächst mit beiderseitigem Einverständnis Sex, dann aber schlägt er sie und erzwingt Analverkehr. Sobald er fertig ist, steht er auf und verlässt – ohne sich noch vorher anzuziehen – das Zimmer, während sie gekrümmt auf der Matratze liegenbleibt, schließlich aufsteht und das Bett macht.

Wer dieses Video schaue, habe dabei nur ihre Zustimmung, wenn er oder sie es in ihrem Sinne anschaue – das stellt Sulkowicz in einer Vorrede klar. Wer es als Pornografie betrachte, oder wer es betrachte mit Zweifeln an ihrer Darstellung, betrachte es „non-consensual“.

Damit stehen dann Menschen, die das Video nicht in der richtigen Geisteshaltung schauen, ausdrücklich als Beteiligte an der Vergewaltigung dar ("objectifying me and participating in my rape"). Wiederholt nehmen Kommentatoren diese Bedingungen von Sulkowicz für die Betrachtung des Films äußerst skrupulös ernst. Das aber ist absurd – und nicht nur deshalb, weil es im Hinblick auf eine offene Diskussion widersprüchlich ist, etwas zu veröffentlichen und zugleich genaue Vorgaben und Bedingungen für seine Interpretation vorzugeben (so Lizzy Crocker im Daily Beast).

Es ist vor allem absurd, weil sich hier ungeheure Skrupel gegenüber der möglichen Verletzung von Sulkowicz mit einer staunenswerten, verrohten Dickfelligkeit gegenüber Nungeßer paaren.

Dass Sulkowicz mit einem Schauspieler agiert, ist offenkundig – die demonstrative filmische Unkenntlichmachung seines Gesichts ist also eigentlich unnötig. Sinn ergibt sie nur als Hinweis, dass hier eine reale Person gemeint sei – nicht der Schauspieler wird also durch die Unkenntlichmachung geschützt, sondern Nungeßer wird bloßgestellt. Zugleich ist dadurch Sulkowicz, die Überlebende, in diesem Film das einzige menschliche Wesen mit einem Gesicht.

Nungeßer wird, als Person und in seiner Sexualität, durch diesen Film mit kaum nachvollziehbarer Bedenkenlosigkeit ausgebeutet, vorgeführt, diffamiert. Das ist nur dann legitimierbar, wenn es als Notwehrakt interpretiert wird.

Das wiederum ist nur dann möglich, wenn Nungeßers Perspektive auf die Situation völlig ausgeblendet wird – so wie im Film eben das Gesicht des Mannes ausgeblendet bleibt. Als könnten wir ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass er sie tatsächlich vergewaltigt hat.

Damit aber ist klar: Als Kunstwerk ist der Film nicht zu halten. Kunst, die einen anderen Menschen in dieser Form angreift, ausbeutet und instrumentalisiert, ist nicht zu rechtfertigen. In dieser Hinsicht wäre der Film, rein als Werk der Kunst betrachtet, einfach ein revenge porn, ein Racheporno.

Gleichwohl wird er als Kunstwerk gefeiert, legitimiert aber wird er moralisierend, nicht ästhetisch. Da nämlich Nungeßer als Täter vorgeführt wird, erscheint es den Anhängern von Sulkowicz und ihren Kunstaktionen gerechtfertigt, dem jungen Mann kurzerhand basale menschliche Rechte abzuerkennen.

Besonders gravierend: Dies tun sie nicht, weil sie etwa wüssten, dass Nungeßer Sulkowicz vergewaltigt hat – sondern weil sie einen Diskurs führen, in dem sie sich Nungeßer als Vergewaltiger zurechtgeschnitzt haben. Sie führen ein Gespräch, das um sich selbst kreist und das sich der Realität außerhalb dieses Gesprächs nicht mehr vergewissern muss, abgeschottet in einer brutalen zirkulären Logik:

Wer schuldig ist, darf so behandelt werden – und wer so behandelt werden darf, der muss ja schuldig sein.


Anschwellender Hetzgesang Um die öffentliche Diskussion auch weiterhin in dieser Form abschotten zu können, ist es wichtig, Vertreter anderer Positionen eben nicht als Gesprächspartner zu akzeptieren. Das gilt für Deutschland nicht weniger als für die USA. Als die Schriftstellerin und Journalistin Ronja von Rönne vor wenigen Wochen für die Welt einen Text schrieb, in dem sie den heutigen Feminismus scharf kritisierte und sogar Ekel vor ihm artikulierte, wurde sie schon damals heftig dafür angegriffen.

Besonders massiv wurden die Angriffe aber erst vor wenigen Tagen, als sie – mit ganz anderen Texten – zum Bachmann-Preis nach Klagenfurt eingeladen wurde. Dass eine scharfe Kritikerin des heutigen Feminismus solche Ehren erhalten, gar satisfaktionsfähig werden könne, war für einige Akteure offenkundig unerträglich.

Die Tagesschau-Redakteurin Anne-Mareike Krause konfrontierte von Rönne auf Twitter beharrlich damit, dass sie für ihren Feminismus-Text auch von Rechtsradikalen Beifall erhalten habe. Statt – wie es etwa Johannes Boie in der Süddeutschen Zeitung tat – gelassen darauf hinzuweisen, dass Beifall von der falschen Seite journalistischer Alltag sei, stieg der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck beflissen und öffentlichkeitswirksam mit denselben Vorwürfen ein.

Von Rönne bedauerte, distanzierte sich – und erhielt schließlich ebenfalls per Twitter eine Morddrohung. Verkappt war diese Drohung als Zitat aus der Französisches Revolution, das die Adligen an die Laterne wünscht – eine Anspielung auf das „von“ der Autorin, das zuvor schon Andreas Kemper in den Mittelpunkt seiner Kritik an ihr gestellt hatte.

Als Reaktion auf die Angriffe schloss von Rönne ihr Blog, und Hannah Pilarzcyk schickte ihr im Spiegel hinterher, sie habe nun eben einfach einmal „in ihrem Erstkontakt mit der Gegenwart" erfahren, wie scharf Frauen im Netz attackiert würden.

Die Hetze gegen eine Frau, die feministische Positionen kritisierte, wurde so von der Spiegel-Akteurin schlankweg als Teil einer angeblich allseits verbreiteten, frauenfeindlichen und antifeminitischen Hetze umgedeutet. Die gestörte Ordnung war damit flugs wieder hergestellt.

Gleich auf mehreren Veranstaltungen konnten sich in den letzten Wochen und Monaten interessierte Akteure in dieser Weise gegenseitig und rituell versichern, dass die Hasserfüllten und die Gewalttäter ganz gewiss immer nur die anderen sind. Bei der Friedrich Ebert Stiftung zum Beispiel, die bei ihrer Veranstaltung zum Hass im Internet, Wessen Internet?, kompetente Fachleute eingeladen hatte: Michael Seemann etwa, der politische Gegner schon mal knackig als menschlichen Abschaum tituliert, und Yasmina Banaszczuk, die versucht hatte, einen Shit Storm gegen einen anderen Blogger zu inszenieren.

Dieselbe Bloggerin schrieb dann auch in einer Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung über Hate Speech. Die Broschüre wurde herausgegeben von Julia Schramm, deren Verulkung der Dresdner Kriegsopfer als „Kartoffelbrei“ unvergessen ist. Auch hier funktioniert die feste Überzeugung, dass die Menschenfeinde immer nur auf der anderen Seite sitzen: Natürlich hetzten auch Rechtsradikale gegen Schramm – und in einer Welt, die sauber in Gut und Böse aufgeteilt ist, sind die Gegner von menschenfeindlichen Rechten selbstverständlich automatisch humane, respektable Zeitgenossen.

Ausgerechnet öffentlich-rechtliche Sender waren besonders beflissen um die Aufrechterhaltung von Feindbildern bemüht. Der SWR stellte „Männerrechtler“ in seiner Sendung Maskulinisten völlig ohne Belege als Frauenschläger und als Unterstützer des Massenmörders Breivik hin. Das Deutschlandradio Kultur präsentierte Väter als Menschen, die ihre Kinder schädigen und quälen und die am Kontakt zu ihnen ohnehin nur interessiert seien, um die Mütter schikanieren zu können.

Dass diese Sendungen von eben den Menschen finanziert werden müssen, gegen die in ihnen gehetzt wird, stellt die Verantwortlichen offenbar vor keine moralischen Probleme. Schließlich werden die, gegen die hier so scharf Stimmung gemacht wird, als moralisch verworfen präsentiert – und da sie moralisch verworfen sind, ist die Stimmungsmache logischerweise jederzeit legitim und muss sich durch unnötige journalistische Skrupel nicht stören lassen.

Fast denselben Titel wie die Veranstaltung der Ebert-Stiftung hatte eine Diskussionsrunde der Antidiskiminierungsbeauftragten des Bundes, Wem gehört das Netz?, die durch eine Lesung Anne Wizoreks eingeleitet wurde. Dass alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion dieselbe Meinung hatten, war wohl kein Versehen – so wurde demonstriert, dass damit eigentlich das gesamte Spektrum möglicher akzeptabler Meinungen schon abgesteckt wäre und abweichende Meinungen zwangsläufig den demokratischen Konsens verlassen würden.

Deutlich wurde durch diese Diskussion eigentlich bloß, wieder einmal, dass der Begriff „Hass“ keine sinnvolle Kategorie in der politischen Debatte ist. Er ist unscharf – er wurde beispielsweise sowohl für Vergewaltigungsdrohungen verwendet (was ja völlig nachvollziehbar ist) als auch für Kritik am wissenschaftlichen Gehalt eines Textes.

Vor allem aber de-zivilisiert dieser Begriff. Da die anderen von Hass getrieben sind, müssen ihre Gründe gar nicht erst gehört werden – und da sie als gewalttätige Menschenfeinde imaginiert werden, haben sie keinen Anspruch auf zivile Fairness oder die Beachtung basaler Rechte.
 

Allmächtig und ohnmächtig zugleich Dass aber die Unterstellung von Hass nicht nur ihrerseits Feindschaft fördert, sondern auch absurde Diskussionen füttern kann, wurde im vergangenen Monat an einem Buch deutlich, das auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Politik zu tun hat: an dem Buch Fettlogik überwinden von Nadja Hermann, im Netz besser als Erzählmirnix bekannt.

Hermann berichtet über den eigenen, massiven Gewichtsverlust von einer potenziell tödlichen Fettleibigkeit hin zu einem Normalgewicht. Sie bietet allerdings keine Wunder-Diät an, sondern setzt sich konsequent mit Mythen auseinander, die um die Themen Übergewicht und Fettleibigkeit gesponnen werden.

Dazu gehört zum Beispiel die Vorstellung, aufgrund eines ungünstigen Stoffwechsels gleichsam zwangsläufig fettleibig werden zu müssen – oder die Rede vom Jojo-Effekt" und der Gedanke, der Körper gerate durch Diäten in einen „Hungermodus“ und würde sich nach dem Ende der Diät mit noch größeren Fettpolstern gegen weitere Hungersnöte absichern.

Der Kern von Hermanns Text, durch eine große Menge an Studien gestützt: Gewichtsabnahme und -zunahme sind schlicht eine Frage der Energiebilanz, des Verhältnisses also zwischen der mit der Nahrung aufgenommenen und der für die Bewegung verwendeten Energie.

Das ist einfach und eigentlich auch allgemein bekannt, gleichwohl ist das Buch ungeheuer interessant zu lesen und offenkundig für viele eine große Hilfe. Robin Urban schreibt in ihrem Blog beispielweise eine ganze Woche lang zu dem Thema und lobt das Buch enthusiastisch.

Andere aber nehmen sowohl Fettlogik überwinden als auch Robin Urbans Lob als Akte der Feindseligkeit wahr. Obwohl beide wiederholt auf den Zusammenhang von Übergewicht und Gesundheitsrisiken hinweisen, wird ihnen vorgeworfen, lediglich fat shaming zu betreiben: Übergewichtige Menschen würden sozialen Schönheitsnormen unterworfen, durch die sie degradiert und beschämt würden.

Tatsächlich sind es natürlich eben diese Vorwürfe selbst, die ganz auf soziale Normen und den Blick der anderen – und eben nicht auf gesundheitliche Risiken – fixiert sind. Ganz gleich, wie intensiv auch immer die Auseinandersetzung mit sozialen Erwartungen geführt wird, wie berechtigt sie auch immer ist – die Frage gesundheitlicher Risiken ist von ihr offensichtlich weitgehend unabhängig.

Sonst könnten wir uns ja auch – um das einmal an einem extremen Beispiel durchzuspielen – vorstellen, dass der Tod eigentlich nur deshalb wirklich schlimm sei, weil die Normkonstruktionen lebender Menschen in unserer vivozentrischen Ordnung tote Menschen nicht mehr als vollwertige Interaktionspartner wahrnehmen könnten. Würden wir uns von dieser sozialen Normierung, diesem death shaming frei machen, würden wir merken, dass der Tod uns eigentlich kaum einschränkt.

Das ist offenkundig Blödsinn – und dass eine Argumentation dieser Art als Blödsinn nicht erkannt wird, liegt auch hier daran, dass sie von den Fat acceptance-Aktivisten in stabile, lang etablierte Freund-Feind-Muster eingebaut wird. Denn tatsächlich kann Hermanns Text nur durch einen Aspekt problematisch werden: Er zelebriert keine Opferposition, sondern weist Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu.

Wer daran interessiert ist, diese Verantwortung auch zu übernehmen, erlebt das als Zugewinn an Handlungsmacht – wer daran interessiert ist, sie von sich zu weisen, fühlt sich bedroht.
 
Eigentlich ist das – im Konkreten, nicht im erhaben Philosophischen – eine Form von Aufklärung, die ja „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ sein soll. Eine solche realitätsbezogene Mündigkeit aber ist eben deshalb sinnvoll, weil wir weder allmächtig noch ohnmächtig sind.

Wären wir nämlich allmächtig, müssten wir uns nicht mit den Bedingungen der Welt auseinandersetzen, sondern könnten unsere Wünsche unmittelbar erfüllen. Wären wir ohnmächtig, hätte die Auseinandersetzung keinen Sinn, weil wir ohnehin nichts tun könnten. Vernünftig agieren können wir, weil wir weder allmächtig noch ohnmächtig sind.

Die Gegner Hermanns hingegen bringen das Kunststück fertig, sich zugleich als allmächtig und als ohnmächtig wahrzunehmen. Wer glaubt, die Änderung der eigenen mentalen Verfassung und die Entwicklung einer richtigen Einstellung zu sozialen Normierungen löse gleichsam automatisiert alle anderen Probleme, drückt einen Allmachtsdünkel aus. Wer glaubt, für die eigene Position keine Verantwortung übernehmen zu können, maßt sich hingegen eine durchaus komfortable Position der Ohnmacht an.

Das lässt sich verallgemeinern. Willkürliche Gesprächsausschlüsse – die Vorstellung, einen einzigartigen und privilegierten Zugang zur Wahrheit zu haben – das Einklagen einer Oberhoheit darüber, wie andere Menschen öffentliche Äußerungen zu interpretieren hätten: Auch darin drückt sich der Anspruch auf Allmacht aus.

Die Sakralisierung der Hilflosigkeit– die Ignoranz gegenüber der eigenen Verantwortung für andere – der Unwille, eigene Positionen zu überprüfen und weiter zu entwickeln: Auch darin drückt sich die Anmaßung der Ohmacht aus.

Wer hingegen vernünftige, aufgeklärte Diskussionen führen möchte, akzeptiert, dass wir weder allmächtig noch ohnmächtig sind – und dass wir zwischen diesen Extremen durchaus eine Menge Positives bewegen können.
 
 
 
Das Eingangszitat von Sam Smith habe ich selbst übersetzt. Hier ist das Original:
 
A survivor comes in many forms, but there’s only one way to express your utter distrust and hatred of victims of rape and sexual assault, and that’s by not believing them.

Kommentare:

  1. Der Hinweis auf das Fettlogig-Buch ist gut und wichtig, denn es zeigt beispielhaft die zunehmende Wissenschaftsferne unserer "aufgeklärten" Gesellschaft und das Versagen der Medien.

    Zunächst einmal ist das Buch einfach guter Wissenschaftsjournalismus. Es faßt aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zusammen und bereitet sie in einer Form, die für ein breites Publikum lesbar ist, auf. Vor allem leistet EMN dabei etwas, was man inzwischen offenbar vergeblich vom etablierten (Wissenschafts-) Journalismus erwartet: die Glaubwürdigkeit der Quellen zu hinterfragen und die Zuverlässigkeit und Relevanz der Ergebnisse zu prüfen und dem Leser zu vermitteln. Es ist symptomatisch, das dies von jemand geleistet wird, der (a) vor allem gute Fachkenntnisse hat und nicht in erster Linie professioneller Schreiber ist und der (b) unbestechlich ist, also keine Interessenkonflikte vorliegen hat, und der den üblichen Shitstorm der PC-Fraktion aushält.

    Das Ausmaß, in dem die etablierten Medien in ihrer Kontrollfunktion versagen, ist vor ein paar Tagen im gleichen Themengebiet durch den "Schokoladenskandal" grell beleuchtet worden. Das Ausmaß dieses Skandals ist mMn durchaus mit der Sokal-Affaire vergleichbar. Eine ausführliche Darstellung steht hier:

    John Bohannon: I Fooled Millions Into Thinking Chocolate Helps Weight Loss. Here's How. http://io9.com/i-fooled-millions-into-thinking-chocolate-helps-weight-1707251800

    Eine Zusammenfassung erschien in vielen Zeitungen, z.B.

    Nicolai Kwasniewski: Ernährungsindustrie: Endlich erwiesen - Schokolade macht gutgläubig, Spiegel, 27.05.2015 http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/diaet-fake-studie-behauptet-schokolade-macht-schlank-a-1035685.html


    Vor ein paar Tagen ist ein weiterer erwähnenswerter Text über den Zustand unserer Medien erschienen (der zufällig unsere schon oft geäußerte Kritik an den Medien bestätigt, daher "hervorragend" ;-) ):

    Thomas Meyer / Marcus Klöckner: "Die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse ist Geschichte" http://www.heise.de/tp/artikel/45/45077/1.html

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    1. Vielen Dank für die Hinweise! Sowohl die verrückten Schokolade-macht-schlank-Meldungen als auch das Interview mit Thomas Meyer sind eigentlich eigene Texte wert, und unbedingt lesenswert.

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    2. Naja, die dazugehörige Doku fand ich ziemlich enttäuschend. Auch wenn viele sicher richtige Punkte angesprochen wurden pflegte man selbst einen ziemlich ausgepägten Trash-Journalismus als es darum ging, den angeblich grassierenden, hochgradig gefährlichen "Diätenwahn" zu diffamieren.

      Zum erbrechen bigott.

      Gruß

      Nick

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  2. @Lucas Teil 1/2

    Wunderschöner Text! :)

    Und JEDER und JEDE sollte dies hier gelesen haben:
    Immanuel Kant, "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?"
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3505/1

    "Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."

    Genial!

    Aber zurück zu deinem Text und der Passage, betreffend des Begriffs "survivor":

    "Es suggeriert: Ultimative, radikal antihumane Gewalt ist beständig mitten unter uns, wird wieder und wieder unter der trügerischen Oberfläche der zivilen Normalität verübt – und nur das Zeugnis der Überlebenden gibt uns die Gelegenheit, von ihr zu erfahren."

    Es suggeriert vor allen Dingen, "holocaust survivor", nämlich Überlebender des HOLOCAUST sei identisch damit, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein.
    Damit wird die Erfahrung einer Vergewaltigung auf der selben Ebene angesiedelt wie der geplante und bürokratisch exekutierte MASSENMORD an Millionen Juden und Jüdinnen.
    Nur so ergibt "Überlebender" des Holocaust aber überhaupt einen Sinn - nämlich der wirklichen, tatsächlichen Ausrottung der europäischen Juden *entkommen* zu sein.
    D.h. überhaupt ÜBERLEBT zu haben grenzte an ein Wunder und ging nicht selten damit einher, der einzige Überlebende einer Familie zu sein.
    Die - im *Gegensatz* zum Überlebenden - alle *ermordet* worden sind.
    Und zwar völlig unabhängig von ihrem Geschlecht - genau das Gegenteil machen Feministinnen.
    Opfer - das ist der Punkt - können nur Frauen sein (und an dieser Stelle frage ich mich, wozu wir überhaupt Nazis brauchen - nehmt Feministinnen, das reduziert die Opferrate zuverlässig um 50%!).

    Damit legt - in *unserer* Realität - aber der Überlebende Zeugnis ab für die, die es NICHT mehr tun können, weil sie kollektiv umgebracht worden sind.
    Die hypnotische Sprachfigur (Danke, MITM!) der feministischen Opferenteignung besteht nicht nur darin, den Holocaust zu verniedlichen - als gäbe es nämlich auch nur einen Plan zur ENDLÖSUNG der Frauenfrage.

    Sondern die Gleichsetzung mit einer imaginierten Bedrohung aller Frauen, sie lebten auch nur annähernd in der Angst, Opfer einer geplanten und exekutierten Massenvernichtung macht den "survivor" zum Sprachrohr eines Kollektivs, das nie existiert hat.
    Es wir aber dadurch behauptet.
    Das Opfer lebe nachfolgend nur *stellvertretend* in einer Angst, die für das Kollektiv *aller Frauen* stehe.
    D.h. das Opfer legt *stellvertretend* Zeugnis ab für ein imaginiertes Kollektiv von Frauen, welches Opfer einer imaginierten Wannsee-Konferenz in imaginierten KZs gewesen sein wird.

    Die Kaperung des Begriffs "survivor" = holocaust survivor durch den Feminismus bedeutet, die *individuelle* Erfahrung einer realen oder eingebildeten Erfahrung der Vergewaltigung auf der gleichen Ebene anzusiedeln, wie der *tatsächlich* staatlich angeordnete und exekutierte *kollektiven* Massenmord.
    Als hätte es jemals - auch nur hypothetisch - eine "Wannsee-Konferenz" aller Männer gegeben, die die Auslöschung und Ausrottung aller Frauen zum Ziel gehabt hätte.

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    1. *Die Kaperung des Begriffs "survivor" = holocaust survivor durch den Feminismus bedeutet, die *individuelle* Erfahrung einer realen oder eingebildeten Erfahrung der Vergewaltigung auf der gleichen Ebene anzusiedeln, wie der *tatsächlich* staatlich angeordnete und exekutierte *kollektiven* Massenmord. *

      Susan Brownmiller hat eben diesen Diskurs _sehr_ tiefgreifend und nachhaltig geprägt. Und sie macht auch keinen Hehl daraus dass sie, neben den Südstaaten-Lynchmobs, den Holocaust als Interpretationsmuster herangezogen hat:

      "Yet the heritage is still with me, and I can argue that my chosen path – to fight against physical harm, specifically the terror of violence against women – had its origins in what I had learned in Hebrew School about the pogroms and the Holocaust. "

      *Als hätte es jemals - auch nur hypothetisch - eine "Wannsee-Konferenz" aller Männer gegeben, die die Auslöschung und Ausrottung aller Frauen zum Ziel gehabt hätte.*

      Man kann eben so sehr schön jedes beliebige, wie auch immer geartete subjektive Angst- Bedrohungs- oder Minderwertigkeitsgefühl von Frauen unter das Brownmillersche Schema "a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear" subsummieren und hat so eine sehr schöne universelle Rechtfertigung für die selbstverschuldete Unmündigkeit.

      Man darf nicht vergessen, dass dieser Feminismus just in dem Moment auftauchte, in dem Frauen ein bisher noch nie dagewesenes (und offenbar stark beängstigendes) Maß an Gleichberechtigung erreicht hatten. In den USA hatte das Equal Rights Amendment, welches _jede_ gesetzliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern unterbunden hätte, 1972 Kongress und Repräsentantenhaus passiert und wartete nur noch auf die Ratifizierung durch die einzelnen Bundesstaaten. Brownmillers "Against our Will" erschien 1975, inmitten der damals sehr heftigen Debatte um die Ratifizierungen und wurde schnell zum Bestseller.

      Brownmiller & Co waren die Phyllis Schaflys der "Progressiven"

      Ich kann es nur noch so sehen: Wenn Feminismus "Männergewalt" oder den männlichen Sexdämon thematisiert, dann hat er regelmäßig eine tiefe angst davor, dass der Zustand der Unmündigkeit ein baldiges Ende haben könnte. Es gibt keine stärkere "Patriarchatsfördende" Trope als der (männliche) "Schutz der hochakut bedrohten Frauen (und Kinder)"

      Grüße

      Nick

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    2. @Nick Teil 1/2

      "Ich kann es nur noch so sehen: Wenn Feminismus "Männergewalt" oder den männlichen Sexdämon thematisiert, dann hat er regelmäßig eine tiefe angst davor, dass der Zustand der Unmündigkeit ein baldiges Ende haben könnte."

      Ich denke, wir alle hier sind wohl inzwischen genau derselben Meinung.
      Das ist fast unheimlich!!! ;)

      Einen unbedingt lesenswerten Artikel von 1991 (!) habe ich im Angebot:

      "Rape in Feminist Eyes" von N. Podhoretz.

      Auszug im Kontext mit Brownmiller:

      "Brownmiller is sometimes seen as one of these, but she is not quite of their company. True, she walks up to the edge in the most famous sentence of her book—

      “[Rape] is nothing more or less than a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear” (the italics are definitely her own).

      But she also denies believing that heterosexual coupling is itself a species of rape. And she even gives her endorsement (albeit, one might say, against her will) to this form of intercourse:

      "Anatomically one might want to improve on the design of nature, but such speculation appears to my mind as unrealistic. The human sex act accomplishes its historic [sic!] purpose of generation of the species and it also affords some intimacy and pleasure. I have no basic quarrel with the procedure."

      The radical feminist critic Andrea Dworkin, on the other hand, does, to put it mildly, have a basic quarrel with the procedure. In her book Intercourse (1987),10 she denounces the “simple-minded prosex chauvinism of Right and Left,” and in effect extends Brownmiller’s definition of rape to the sex act itself:

      "Without being what the society recognizes as rape, [intercourse] is what the society—when pushed to admit it—recognizes as dominance."

      One of Dworkin’s favorite metaphors for sex is “wartime invasion and occupation,” and she describes it as

      "evil up against the skin—at the point of entry, just touching the slit; then it breaks in and at the same time it surrounds everything"

      In this nightmare inversion of D.H. Lawrence, even the element of coercion is irrelevant; the woman’s consent only makes her a “collaborator” with her “rapist”:

      "Physically, the woman in intercourse is a space inhabited, a literal territory occupied literally: occupied even if there has been no resistance, no force; even if the occupied person said yes please, yes hurry, yes more."

      But Dworkin, believe it or not, goes even further:

      ". . . occupied women [are] more base in their collaboration than other collaborators have ever been: experiencing pleasure in their own inferiority, calling intercourse freedom. It is a tragedy beyond the power of language to convey when what has been imposed on women by force becomes a standard of freedom for women: and all the women say it is so."

      Die durchgeknallte Diskussion hat nun also bald 25 Jahre auf dem Buckel.

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    3. @Nick Teil 2/2

      Bizarr ist am Rande, hier wird menschliche Anatomie ad absurdum geführt.

      Sicher dringt ein Mann mit seinem Phallus in die Vagina der Frau ein - aber dann ist der Phallus unsichtbar und verschwunden.
      Stünde der Phallus für männliche Dominanz, dann hat sich das Patriarchat mit dieser Sexualpraxis einen ganz doofen Scherz erlaubt.
      In dem Augenblick, wo man so richtig männlich dominieren will, ist die Dominanz weg.

      Ich formuliere schon mal einen Beschwerdebrief!

      Der Phallus wird zugleich im vollen Umfang von der Vagina der Frau umschlungen - an dieser Stelle also geradezu aggressiv umzingelt von weiblicher Schleimhaut.
      Viele dieser glibbrigen Schleimhäute saugen an dem armen Phallus, bis es zu einem - gegen den Willen des Phallus - erzwungenen Austausch von Körperflüssigkeiten kommt, welcher diesen völlig erschöpft.

      Die damit hernach erzwungene Verwandlung des stolzen männlichen Phallus (Dominanz) in einen schrumpeligen Penis (Unterordnung) kann nur als symbolische Unterwerfung des Phallus durch erzwungene männliche Arbeit und vaginal angeeignetem Mehrwert (Sperma) verstanden werden.

      Es ist also demnach Penis=Proletariat und Vagina=Bourgeoisie, wie ich eindeutig und nebenbei beweisen konnte!

      Ich glaube, ich schreibe demnächst ein Manifest für einen sexnegativen Maskulismus...

      Und das wird so anfangen:

      "Es begab sich zu einer Zeit, das saßen Männer stumpf in einer Höhle (Vagina-Symbol), gekettet an Tisch und Stuhl."

      Die Objektifizierung und Unterdrückung der Männer lässt sich noch immer sprachlich leicht feststellen, wie uns die feministische Sprachforschung insbesondere Prof. Luise Pusch lehrt.

      Die Residuen ihre Objektivfizierung und Fesselung finden sich in den männlichen, respektive weiblichen Artikeln der Objekte: DER Tisch, DER Stuhl, DIE Fessel und DIE Höhle.
      Wobei Tisch und Stuhl bloße Nutzobjekte für weibliche Ärsche und deren Erweiterungen darstellten - der Tisch und der Stuhl lebten in einem Raum, der ihnen noch nicht einmal selbst gehörte (DIE Höhle).

      Nachdem also damit der Beweis der matriarchalen Unterdrückung aller Männer durch alle Frauen hinreichend erbracht worden ist, werde ich mit der geschichtlichen Befreiung der Männer fortfahren, die sich darin zeigt, uns überall Symbole als Andenken dieses prähistorischen Kampfes für ihre Befreiung zu hinterlassen.

      Es handelt sich selbstverständlich um die völlig falsch interpretierten "Phallus-Symbole" - wie z.B. Wolkenkratzer, Bäume, Raketen, Dildos, Weinflaschen und Kugelschreiber (auch hier wird bewusst faslch überliefert: "The Penis mightier than the sword!" heißt es richtigerweise).

      Diese Symbole interpretiere ich daraufhin als Mahnung und Warnung unserer Vorfahren, herauszutreten aus der Höhle (!) der Unterdrückung (!) und Knechtung ins Offene, in die Sonne, ins Weite, zur Freiheit!
      Und zwar für alle Männer, ob Phalli und Penisse! ;)

      Schönen Gruß, crumar

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    4. >herauszutreten aus der Höhle (!) der Unterdrückung (!) und Knechtung ins Offene, in die Sonne,

      Hm, vorsichtig mit solchen Formulierungen. Im Zusammenhang mit
      >Sicher dringt ein Mann mit seinem Phallus in die Vagina der Frau ein - aber dann ist der Phallus unsichtbar und verschwunden.

      könnte jemand eine Klage wegen Aufruf zum Exhibitionismus draus machen - der Paragraf gilt ja nicht umsonst insbesondere für Männer ;-).

      Aber dieser ausbeutungskritische Ansatz
      >Der Phallus wird zugleich im vollen Umfang von der Vagina der Frau umschlungen - an dieser Stelle also geradezu aggressiv umzingelt von weiblicher Schleimhaut.
      Viele dieser glibbrigen Schleimhäute saugen an dem armen Phallus, bis es zu einem - gegen den Willen des Phallus - erzwungenen Austausch von Körperflüssigkeiten kommt, welcher diesen völlig erschöpft.

      bringt doch mal einen neuen Gesichtpunkt in die Debatte. Solltest du ruhig weiterverfolgen.
      Ich warte auf das Manifest ;-).

      Gruß vom Seitenblick

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    5. "Die Residuen ihre Objektivfizierung und Fesselung finden sich in den männlichen, respektive weiblichen Artikeln der Objekte: DER Tisch, DER Stuhl, DIE Fessel und DIE Höhle." Dass sich die Diskriminierung eines ganzen Geschlechts auch in der Sprache, ja bis in die Struktur der Grammatik zeige - das ist ja tatsächlich eine Überzeugung, die zuallererst den unbedingten Willen voraussetzt, sich als Angehörige eines diskriminierten Geschlechts wahrzunehmen. Und, wichtiger noch, zu präsentieren! Diese Willen haben Männer leider noch oft sehr vermissen lassen...

      Sonst wäre nämlich sonnenklar: Es gibt Begriffe wie Maurer, Straßenkehrer, Bauarbeiter, Arzt, Lehrer, Anstreicher etc., die Allgemeinbegriffe sind und die bestimmte berufliche Funktionen definieren.

      Die weibliche Form nun symbolisiert durch das Suffix -in, dass noch irgendetwas zu der bloßen Funktion hinzukommen muss, damit ein weiblicher Mensch angemessen bezeichnet ist. Bei der männlichen Form hingegen gibt es das nicht.

      Resultat: Während es sprachlich als typisch männlich gekennzeichnet ist, dass ein Mensch ganz in seiner Funktion aufgeht und nicht mehr ist als diese - ist es sprachlich DAS Kennzeichen des Weiblichen, immer noch etwas mehr zu sein als die bloße Funktion (immer mitgedacht: Funktion für andere!)

      Was dieses "mehr" ist, ist nicht klar und offenbar auch gar nicht wichtig - wichtig ist nur, dass es in der STRUKTUR der Sprache als typisch weiblich erscheint, nicht in einer bestimmten Funktion aufzugehen, sondern immer noch etwas anderes als das zu sein.

      Hornscheidt greift also viel zu kurz, wenn sie ein "Profx", "Maurx", "Anstreichx" etc. fordert - damit reduziert sie ALLE auf ihre Funktion. Was wir UNBEDINGT FORDERN müssen, ist die eigene MÄNNLICHE Endung, um die Diskriminierung der Männer durch Reduzierung auf ihre Funktion ein für alle Mal zu beenden!!!

      Wir hätten dann z.B. "Bauarbeiter" als Allgemeinbegriff, "Bauarbeiterin" als weibliche und "Bauarbeiterus" als männliche Form. Vgl. Anstreicher - Ansteicherin - Anstreicherus. Die geschlechtergerechte Anrede wäre dann ganz einfach wieder "Liebe Kollegen" (damit sind dann ALLE angesprochen, auch die, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen), oder, wenn jemand nur die Frauen anspricht, "Liebe Kolleginnen" - wenn jemand nur die Männer anspricht, "Liebe Kollegusse".

      Es ist wohl unmittelbar einleuchtend, dass durch diesen einfachen Vorschlag nicht nur SÄMTLICHE Probleme der wirklich geschlechtergerechten Sprache auf einfache Weise zu beheben sind, sondern dass auch die de-humanisierende sprachliche Reduzierung von Menschen auf ihre bloße Funktion, die sprachlich subtil geradezu als Kennzeichen des Männlichen etabliert ist, ein Ende hat.

      Die allgemeine Einführung dieser simplen Maßnahme ist also UNUMGÄNGLICH. Ich überlege sogar, sie hier im Blog einzuführen und auch für Kommentare verpflichtend zu machen111

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    6. @Lucas

      Dieser Gedanke von dir ist zugleich sonnenklar und revolutionär - die männliche Reduktion auf Funktion entspricht der weiblichen auf das Objekt.
      Funktionalisierung <=> Objektifizierung.
      Die Gesellschaft schuldet uns nun Kompensation und wenigstens einen neuen Fachbereich für maskulistische Sprachforschung bspw. in Berlin.

      Ich will den Ereignissen nicht vorweggreifen, aber dies kommt meinem Ideal von Teilzeitstelle mit vollem Lohnausgleich auf Staatskosten schon sehr nahe. Geständnis: Mein Penisvagina-Neid gegenüber Hornscheidt ist so und nur so zu begründen!

      Auch dein Lösungsvorschlag ist genial und unbedingt massenwirksam!

      Denn

      1. alle Diskussionen über den überholten Lateinunterricht hätten schlagartig ein Ende.

      Sieh selbst:

      Nominativ: Arbeiterus
      Genitiv: Arbeiteri
      Dativ: Arbeitero
      Akkusativ: Arbeiterum
      Ablativ: Arbeitero
      Vokativ: Arbeitere!

      2. Eine neu entstehende maskulistische Sprache BEREICHERT die deutsche Sprache sofort um zwei Fälle und es entstehen so phantastische neue Möglichkeiten für die sprachliche und kulturelle Weiterentwicklung.

      3. Vor allem gibt es wissenschaftliche Konferenzen im Vorfeld in aller Welt, Fortbildungen, Weiterbildungen, Umschulungen - das ist ein völlig neues Geschäftsmodell!
      Denn alles muss NEU - Bücher, Broschüren, Plakate, Schilder usw. usf.!

      Lucas, das ist ein Milliardenmarkt!
      Wir ham ausgesorgt! :)

      Schönen Gruß, crumar

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    7. Hallo crumar,

      wir wählen Dich wegen Steigerung der sprachlichen Vielfalt zum Diversity-Beauftragten! Sowas braucht heutzutage jeder, Du bist die Idealbesetzung für den Job.

      Über den Genitiv müssen wir noch mal reden, ob da nicht auch der Dativ reicht.

      Aber der Vokativ ist ein genialer Einfall. Das kommt doch von vocare, Neudeutsch: aufschreien. Da kann man sich künftig die ganzen lästigen #aufschrei -Hastags sparen. Das wird die Kommunikation über einschlägige Themen enorm vereinfachen und beschleunigen. Der Pulitzer-Preis ist Dir so gut wie sicher ;-)

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    8. Ich schlage Crumar als Minister fürdas neu zu schaffende "Bundesministerium für Familie, Senioren, Männer und Jugend" vor.

      @ Crumar
      War nicht mal die Rede davon, dass Du einen Blog eröffnen würdest? Da Du bekanntlich bekennender Marxist bist, vermute ich, dass die Blogeröffnung Teil deines persönlichen Fünfjahresplans ist, so dass wir Anfang 2020 mit der Eröffnung rechnen dürfen! :)

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    9. Jetzt muss ich doch glatt, da ich doch eigentlich innerlich schon mit dem Zählen der eingenommenen Milliarden beschäftigt war, noch einmal zur profanen Gegenwart zurückkehren.

      Arne Hoffmann zitiert gerade aus einem Leserbrief zum Mainzer Kita-Skandal:

      "Aus sprachlicher Sicht ist sehr interessant, dass bei dieser Berichterstattung nur neutral von Mitarbeitern und Erziehern die Rede ist, wobei es sich vermutlich nur um Frauen gehandelt hat, die hier im großen Stil versagt haben."

      Tatsächlich, der
      Stern schreibt zum Beispiel schon in der Überschrift: "Betreuer sollen monatelang untätig geblieben sein"

      Dann weiter: "Obwohl die Erzieher erste Hinweise schon vor Monaten erhalten hätten, sei nichts nach außen gedrungen - es habe sich um ein geschlossenes System gehandelt. (...) Die Kita im Mainzer Stadtteil Weisenau ist geschlossen, den sieben Mitarbeitern wurde fristlos gekündigt." Hinweise seien zuvor "nur bis zu den Erziehern und der Kita-Leitung vorgedrungen sein - ohne Konsequenzen." Und schließlich: "Das Bistum geht nun vor allem mit den Mitarbeitern der Kita hart ins Gericht."

      Durchgehend die allgemeine Form, die von Vertreterinnen (und Vertretern, siehe z.B. Stefanowitsch) einer sogenannten "geschlechtergerechten Sprache" eindeutig als MÄNNLICHE FORM identifiziert würde. Wer mit dieser Sprache vertraut ist, MUSS davon ausgehen, dass in der Kita nur Männer gearbeitet haben.

      Allerdings; Das entlassene Personal der Kita war, so die
      Allgemeine Zeitung aus der Region, "neben der Leiterin weitere fünf Erzieherinnen und ein Erzieher".

      Sechs Frauen, ein Mann, zudem von einer der Frauen geleitet - normalerweise würde bei einem Bericht wie dem des Stern nun empört darauf hingewiesen, dass hier Frauen wieder einmal unsichtbar gemacht würden.

      Dass hier die Frauen tatsächlich völlig ausgeblendet werden, bringt der zitierte Genderama-Leserbrief mit dem Kita-Streik in Verbindung, bei dem besonders stark mit dem "Gender Pay Gap" argumentiert worden sei. In diesem Zusammenhang käme der Kita-Skandal, für den offenbar fast nur Frauen verantwortlich sind, zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt.

      Das ist einleuchtend, ich habe aber trotzdem noch eine andere Erklärung. Die Taten, wegen derer hier ermittelt wird (wichtig ist trotz allem der Hinweis auf die Unschuldsvermutung: Es wird ermittelt, es gibt noch lange keine Urteile) - solche Taten werden in den dominanten, klischeehaften Debatten über Geschlechter fast immer Männern zugeschrieben. (wird fortgesetzt)

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    10. (Fortsetzung) Aus dem Stern: Der zuständige Generalvikar redet von "Perversitäten sexueller Gewalt" und fragt, wie "es geschehen kann, dass ein Gesamtgeist einer Einrichtung so umkippt und so im Grunde genommen verroht". Ein Mediziner fragt, "ob Kinder in der Kita bereits Missbrauchserfahrungen gemacht hatten. Oder ob sie Pornofilme sahen."

      Die
      Allgemeine Zeitung schreibt über ein "Schweigekartell", bei dem die Verantwortlichen auch extremes Verhalten von Kindern gegenüber anderen Kindern gedeckt und vertuscht hätten. Kinder "seien gezwungen worden, 'den Po hinzustrecken, damit ihnen Gegenstände in den Anus eingeführt werden - wiederholt und über einen längeren Zeitraum.'

      Die Verrohtheit und Perversität, bei so etwas zuzusehen, es de facto sogar konsequent zu fördern - die wird heute offenbar mit Männern, nicht mit Frauen assoziiert. Selbst wenn klar ist, dass weit überwiegend Frauen verantwortlich sind.

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    11. Aus der Allgemeinen Z:
      "Auf die Frage, ob Überbelastung zu Fehlverhalten des Erziehungspersonals geführt haben könne, sagt Giebelmann, in der Kita habe es "eine ungeheure Mitarbeiter-Fluktuation gegeben, ohne dass wir erfahren haben, warum.""

      Vielleicht wäre es ja für die Vermeidung solcher Zustände positiv, wenn das >Arbeitsrecht< und seine öffentliche Verhandlung auch für die Kirchen und ihre Träger Anwendung fände?!?

      http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht_der_Kirchen

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    12. "Ein Mediziner fragt, "ob Kinder in der Kita bereits Missbrauchserfahrungen gemacht hatten. Oder ob sie Pornofilme sahen." ..."

      Oder ob sie bereits von wem auch immer über alle erdenklichen sexuellen Praktiken aufgeklärt worden sind.

      Stern: "Michael Huss, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Unimedizin Mainz, kennt den Katalog der Vorfälle. Auch er kann das Ausmaß kaum fassen. Das gehe weit über das hinaus, was man unter Doktorspielen kenne."

      Das verstehe ich so, daß die Kinder untereinander sexueller Gewalt ausgeübt haben, nicht die Betreuer an den Kindern. Solange man nichts genaues weiß, kann man nur spekulieren.

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    13. Vielen Dank für den Hinweis! Genauso meinte ich das auch. Ich habe es aber nur in einem Nebensatz dargestellt ("ein "Schweigekartell", bei dem die Verantwortlichen auch extremes Verhalten von Kindern gegenüber anderen Kindern gedeckt und vertuscht hätten."), so dass es insgesamt missverständlich wird.

      Wir können im Moment nur von Vorwürfen und Ermittlungen reden, noch nicht von klaren Ermittlungsergebnissen und schon gar nicht von feststehender Schuld. Mir geht es jetzt auch gar nicht darum, sondern um die mediale Darstellung des Geschehens.

      Hier sind nun einmal Frauen ganz wesentlich die Verantwortlichen (verantwortlich für die Kita - nicht unbedingt für sexuelle Übergriffe von Kindern gegen andere Kinder, die die Erwachsenen hätten unterbinden müssen; das steht bisher erst als Vorwurf im Raum). Diese Verantwortlichkeit wird hier nach den Maßstäben einer "geschlechtergerechten Sprache" kaschiert - obwohl diese Sprache ja sonst von vielen Medien durchaus sorgfältig beachtet wird.

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    14. @all

      Hier aus meinem Handbuch für mediales Schreiben:

      1. Du willst um jeden Preis verschleiern, wer (gender) für ein beliebiges Desaster verantwortlich ist?

      Wähle eine genderneutrale Formulierung!
      Lerne! Zu lügen.



      a. Betroffene sind keine JUNGEN, Betroffene sind "Kinder".

      b. Täterinnen haben kein Geschlecht. TÄTERINNEN könnten (!!! Glaube) auch "Täter" sein.

      zu a. Es ist völlig egal, ob OPFER zu 80% JUNGEN sind.
      Suggeriere doch einfach durch eine geschlechtsneutrale Formulierung dafür, dass alle Leser glauben, es könnte sich um Mädchen handeln.
      Und wenn du clever genug warst, dann drängt sich bei "Opfer" automatisch und zwangsläufig auf, es KANN sich nur um "Mädchen" gehandelt haben.
      Denn: Schwule Päderasten haben als Lieblingsopfer selbstverständlich Mädchen! Wie beknackt dieser Vorwurf ist, ist völlig egal. Wiederhole den Schwachsinn einfach nur oft und lange genug.

      zu b. Verleugne die empirische Realität. Behaupte einfach, wenn 94% aller Erzieher in Wirklichkeit ERZIEHERINNEN sind, sie hätten keinerlei Verantwortung für die Resultate - auf eine magische Art und Weise sind die Resultate einer weiblichen Praxis der Sozialisation IMMER dem Patriarchat anzulasten.

      LERNE: Die Frau an sich ist von der AUFKLÄRUNG bisher verschont geblieben. Sie hinkt uns (Männern) Pi mal Daumen 200 Jahre hinterher.

      DAS ist das SCHWEIGEKARTELL.
      Schatz, du bist VERANTWORTLICH.
      Habe ich das klar genug formuliert?

      Noch klarer: https://www.youtube.com/watch?v=eY7EPE9biO0&list=RDeY7EPE9biO0&index=1

      Und mein Blog - ufff.

      Mir wurde sehr schnell klar, bei meiner Arbeit kann ich den Moderationsaufwand a la Christian gar nicht leisten.
      Meine Arbeitszeiten sind eher exotisch...
      Deshalb habe ich mit Lucas beschlossen, erst einmal seinen eigenen benutzen zu dürfen, um meine Artikel zu publizieren.

      Wenn mir mein "5-Jahres-Plan" dann Zeit lässt, werde ich in einer Frequenz, gemessen in BER veröffentlichen. Gnihihi.

      Das für heute!
      Liebste Grüße, crumar

      https://www.youtube.com/watch?v=QSIW84UM370

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    15. @crumar "Noch klarer:"

      https://www.youtube.com/watch?v=qsbE9O4GqEE

      "Liebste Grüße"

      Freu mich.

      https://www.youtube.com/watch?v=gyq0vKoQlS4

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  3. Allein diese implizite Gleichsetzung sollte verdeutlichen, auf welcher pathologischen, geschichtsfälschenden Grundlage ein solcher Feminismus zwangsläufig existieren muss. Wer wirklich glaubt, eine Vergewaltigung sei identisch mit Mord und subjektiv der Meinung ist, Frau sein bedeute in einem KZ zu leben, dem ist mit Aufklärung nicht beizukommen. Auch nicht mit Bachblüten-Therapie.

    Die von dir gesammelten Beispiele sind m.E. Resultat einer prinzipiellen, weiblich- narzisstischen Störung und der Feminismus ist Sprachrohr, bzw. Ausdruck dieser Störung.

    Ich denke inzwischen, dass "Feminismus" in erster Linie dazu dient - und komme zurück auf Kant - zu *begründen*, warum Frauen weiterhin *unmündig* sein können und müssen.
    Und sie aus diesem Grund scheitern - es gibt nach dem Feminismus keinen Grund, überwiegend CDU zu wählen als Frau.
    REAL tun sie das.
    Frauen wählten die NSDAP zu 50%.
    WO war der VORTEIL für Frauen?

    Und in diesem Sinne sind Frauen zu 50% verantwortlich für die Exisztenz der Resultate der Wannsee-Konferenz.
    Und eine Mitscherlich hat sie aus dieser historischen Verantwortung geschrieben.
    Eine Chance, die sich niemand entgehen lässt.
    "Ich mache ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann."

    Schönen Gruß, crumar

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    1. Die Fantasie, als Frau gleichsam einem Holocaust ausgeliefert zu sein, kommt explizit wiederholt in vielen Texten vor, auch in ganz unterschiedlichen.

      Ingeborg Bachmann hat so z.B. ihre Beziehung zu ihrem Vater (oder zu Max Frisch, das wird in "Malina" im Vagen gehalten) beschrieben - als Gefühl eines Menschen, der vergast wird.

      Die Emma hat die weibliche Magersucht mit den Bildern von ausgemergelten Gefangenen der Konzentrationslager verglichen.

      Es finden sich sicher noch viel mehr Beispiele - ich möchte mich vorerst aber auf den Aufklärungs-Aspekt beschränken. "Es ist so bequem, unmündig zu sein." Das gilt, näher betrachtet, für Frauen UND für Männer - beide bekommen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können, wenn ihnen ihre Bequemlichkeit lieb ist.

      Frauen können unmündig bleiben, weil sie einerseits versichert bekommen, dass alle Unannehmlichkeiten oder auch wirkliche Leiden ihres Lebens nicht von ihnen beeinflussbar sei, sondern Resultat "patriarchaler" oder "heterosexistischer" Machtstrukturen. Außerdem können sie das Gefühl haben (siehe Mitscherlichs Die friedfertige Frau ),ohnehin eigentlich immer schon die besseren, friedlicheren und sozialeren Menschen zu sein - weil sie eben durch die Macht nicht korrumpiert sind.

      Männer hingegen können sich dann ganz der Leitung dieser friedfertigen Frauen hingeben, sie also - mit Kant geredet - zu ihren Vormündern erklären. Die richtigen, feministischen Frauen, wohlgemerkt.

      Das faktische Verbot von kritischen Nachfragen, die Diffamierung abweichender Meinungen, die bodenlose moralische Abwertung eigenständigen Denkens - das bedient ja eben auch Bequemlichkeiten. "Was für mich unbequem wäre, darf ich ohnehin nicht tun - und die, die es trotzdem tun, sind verkommene Gesellen (also Frauenfeinde, misogyn, Reaktionäre, Nazis, Maskus, etc.)."

      Womit dann solche Hetzer wie Michael Seemann, der Feminismuskritiker systematisch als Nazis hinstellt, es tatsächlich schaffen, ausgerechnet den Nationalsozialismus mit eigenständigem und kritischem Denken zu assoziieren.

      Wichtig ist: Der heutige Feminismus bedient Bequemlichkeiten und Freiheitsängste BEIDER Geschlechter - sonst hätte er in meinen Augen auch nie eine Chance gehabt, sich zu etablieren.

      Schönen Gruß zurück!

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    2. >Die Emma hat die weibliche Magersucht mit den Bildern von ausgemergelten Gefangenen der Konzentrationslager verglichen.

      Das ist ein alter Topic: Schwarzer konstruierte in ihrer Frankfurter Börne-Rede 2008 die große Parallele zwischen dem Ergehen der Juden und dem der Frauen - weniger geht ja nicht für so einen Kopf:

      >Mich beschäftigt Börne nicht nur wegen der so evidenten Parallelität zwischen der Judenfrage und der Frauenfrage
      ...
      Sie sehen, das alles hat eine lange Tradition. Das mit den Juden. Und das mit den Frauen. ...

      Hier geht es um Aneignung der ultimativen Opfer-Position, denn nur als ultimatives Opfer ist man jeglicher Kriitk enthoben.

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    3. Diese Börne-Rede ist ein unglaubliches Dokument der selbstgerechten Bigotterie, danke für den Hinweis.

      In ihr schwingt sich Schwarzer sogar über den Namenspatron des Preises auf und stellt ihn, natürlich nicht expressis verbis, als Sexisten hin, den Heine auch noch gleich mit.

      Die faz wunderte sich am 5.5.2008 scheinheilig ".. dass auch die nicht gerade als Vorkämpferin der Frauenbewegung geltende CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach stehend der deutschen Oberemanze Applaus spendete."

      Warum mich das überhaupt gar nicht wundert, überlasse ich jetzt der Virtualität...

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  4. Wenn ein Unglück geschah, zum Beispiel eine Fähre im Meer versank, dann spricht man von den Geretteten als von Überlebenden. Der Begriff ist daher in einer Weise üblich, in anderer Weise aber auch ambig.

    Hinsichtlich der Opfer von sexueller Gewalt etablierte er sich im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch. Er wurde hier vor allem von Helferorganisationen für Frauen verwandt, die in ihrer Kindheit geschändet wurden. Etwa zeitgleich in den siebziger Jahren etablierte sich der Begriff auch für Überlebende der Vernichtungslager.

    Die Verwendung des Begriffes für Opfer sexueller Gewalt war damals wie heute von Feministen eine gewollte Hyperbel. Man fantasierte damals wie heute ja ein gewalttätiges Patriarchat, das einen Gynozid verübe. Insofern spielte man bewusst mit der Assoziation zum Holocaust. Damals bezeichneten sich viele Feministen auch als Hexen, um sich als Opfer qua Weibsein zu stilisieren. (Interessant der Aufsatz H. Stoffels und C. Ernst: „Über die Sehnsucht Traumaopfer zu sein“, www.reinhard-doberenz.de/fileadmin/pdfs/UEber_die_Sehnsucht_Stoffels.pdf)

    Hingegen haben inzwischen viele Opfer erlittener sexueller Gewalt in Kindes- und Jugendjahren die Bezeichnung „Überlebender“ für sich auch deshalb angenommen, weil sie sich eben nicht als Opfer mehr verstehen wollen, sondern eben wie Überlebende eines schrecklichen Unglückes, Wege suchen und finden, um mit ihrer seelischen Traumatisierung zu überleben. Somit holen Sie sich mit der Verneinung fortwährenden Opferseins ihre Selbstbestimmung wieder zurück. Insofern verwenden sie für die erlittene Tat auch häufig den Begriff „Seelenmord“, der ebenso das Ausmaß der Verletzung als auch ihren Überlebenswillen zeigt.

    Letztlich ist jeder, der Opfer einer erlittenen lebensbedrohlichen Gewalttat war, ein Überlebender. Versteht er sich auch so, um sich aus der Opferrolle zu lösen, dann halte ich die Verwendung des Begriffes in dieser Hinsicht für gerechtfertigt. Die Überlebenden des Holocausts verstanden ihn jedenfalls dahingehend in gleicher Weise.

    Infam wird die Verwendung des Begriffes m. E. dann, sobald mit ihm eine Gleichsetzung mit dem Leid der Holocaustüberlebenden konnotiert werden soll. Dass dies von feministischer Seite aus geschieht (siehe Schwarzer), desavouiert sie wie so oft selbst.

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    1. @Matthias
      "Damals bezeichneten sich viele Feministen auch als Hexen, um sich als Opfer qua Weibsein zu stilisieren."

      Da gibt es ein sehr tiefschürfendes Werk zu:
      Rassenmutter und Rebellin: Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung
      von Felix Wiedemann
      https://books.google.de/books?id=WCClZEzq1G8C&pg=PA5&hl=de&source=gbs_selected_pages#v=onepage&q&f=false

      Man kann vieles schon so lesen, aber die 58 Steine haben mich noch abgehalten, sind aber wohl eine gute Investition.

      Eines der Werke, die die wahre Dimension der Holocaust-Relativierung im Feminismus aufzeigen...

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